Die „Field Station Berlin“ auf dem Teufelsberg wurde seit Anfang der 1960er-Jahre errichtet. Lange Zeit war sie ein blinder Fleck auf den Stadtkarten (West-)Berlins. Aus gutem Grund: Die Radaranlage diente jahrzehntelang als Abhörstation, mit der die US-Geheimdienste minutiös verfolgten, was hinter dem Eisernen Vorhang geschah. Ein steingewordener Lauschangriff auf die Operationen und militärischen Aktivitäten im Ostblock. Nach der Wiedervereinigung und dem Abzug der US-Armee 1994 verfielen die Gebäude der Radarstation Teufelsberg zu einer modernen Ruinenlandschaft. Die wichtigsten Infos zu einem von Berlins berühmtesten Lost Places.

Das sind die Fakten zur Abhörstation Teufelsberg:

  • Adresse: Teufelsseechaussee 10, 14193 Berlin-Grunewald
  • Geschichte: Anfang der 1960er-Jahre installierte die US-Armee die erste mobile Abhörstation auf dem Teufelsberg, nachdem die Briten bereits seit Anfang der 1950er-Jahre den Ort zur militärischen Überwachung des Flugverkehrs genutzt hatten; ab 1963 Bau und Betrieb der Abhörstation in mehreren Bauabschnitten; bis zur Wiedervereinigung Überwachung des Funk-, Richtfunk- und Fernmeldeverkehrs der DDR; nach 1992 Leerstand
  • Führungen: Die ehemalige Abhörstation kann individuell oder per Tour erkundet werden. Hier finden Sie mehr Infos zu den aktuellen Öffnungszeiten und Besuchshinweise sowie zu den angebotenen Führungen auf dem Teufelsberg Berlin
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09097869
  • Status: Lost Place. 1996 wurde das Gelände an einen privaten Investor verkauft. Bebauungspläne scheiterten, heute wird das Areal mitsamt der erhaltenen Ruinenlandschaft der Ex-Abhörstation als Graffiti-Galerie, Lost-Place-Besucherattraktion und Eventfläche vermarktet

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Wo liegt die Abhörstation Teufelsberg genau?

Das Areal der Abhörstation liegt im Grunewald an der Teufelsseechaussee 10 im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Die Google-Koordinaten für das Objekt lauten: F6WQ+VV Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Gelände am besten vom S-Bahnhof Heerstraße (S3, S9) zu erreichen. Von der S-Bahnstation ist es ein rund 30-minütiger Fußweg entlang der Teufelsseechaussee bis zu der Abhörstation auf dem Teufelsberg. Mit dem Auto kann man bis zur Auffahrt des Berges fahren. Gleich nachdem man rechts die Teufelsseechaussee bergauf abgebogen ist, befindet sich ein kostenloser Schotterparkplatz. Von dort sind es noch rund zehn Minuten zu Fuß bis zum Eingang des Geländes. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der US-Abhörstation Teufelsberg:

Ausgangslage: Stationierung der US-Armee im Südwesten Berlins

Manöver der US-Armee im Berliner Grunewald
Stationierung der US-Armee: Ein Patton Panzer der US-Armee steht am Wegesrand gegenüber eines Maschinengewehrschützen in Bereitstellung während einer Feldübung am 1962 im Grunewald in Berlin.© picture alliance / dpa | dpa

Die Präsenz der US-amerikanischen Besatzungsmacht in Berlin von 1945 bis zum Abzug der Streitkräfte 1994 hat das Stadtbild und das Leben der Bevölkerung geprägt. Insbesondere im Südwesten der Stadt, im Herzen des ehemaligen amerikanischen Sektors, haben Zehntausende Amerikaner über fünf Jahrzehnte ihre Spuren hinterlassen. Einer der geheimsten und geheimnisumwittertsten Standorte: die US-Abhörstation Grunewald auf dem Teufelsberg – ein Spionagezentrum, das hoch oben auf den aufgeschichteten Trümmern der Stadt entstand, um die Aktivitäten der Sowjets im Ostblock belauschen zu können.

In den 1940er-Jahren hatten die Nazis genau diesen Ort als Bauplatz für die Wehrtechnische Fakultät (WTF) der Technischen Hochschule auserkoren. Einer der kolossalen Bauten des NS-Regimes für die Reichshauptstadt „Germania“. Begonnen, aber nie fertiggestellt und zu massiv, um nach dem Krieg ganz beseitigt zu werden. Die Reste der Neubauruine wurden zugeschüttet. Darüber ließen die Alliierten die Trümmer des zerbombten Berlins Schicht für Schicht zum 120 Meter hohen Teufelsberg aufschichten: ein Berliner Ski- und Rodelparadies, bis die Geheimdienste den Ort für sich beanspruchten.

Hoch oben auf der Spitze des Teufelsbergs bauten die Amerikaner in den 1960er-Jahren eine riesige Anlage, die die älteren Spionagebauten der Briten ergänzte. Verborgen vor neugierigen Blicken – Deutsche hatten nur in den seltensten Fällen Zutritt – wurde die US-Anlage zu einem weißen Fleck auf den Stadtkarten Berlins – ein geheimnisvolles Spionagezentrum über den Baumkronen der geteilten Stadt. Rings um die futuristisch anmutenden Gebäude, die auf der künstlichen Erhebung thronten, herrschte militärische Sperrzone.

US-Abhörstation Teufelsberg: Geheimdienst-Horchposten in Berlin

Berlin, Deutschland, Abhoerstation der US-Armee, ein Wandspruch
„Lead, follow or get the hell out of the way“ steht als Leitspruch an der Wand eines Büros der US-Abhörstation Teufelsberg© picture alliance / Caro | Muhs

Nirgendwo anders hatten sich die verfeindeten Supermächte USA und Sowjetunion so nah gegenübergestanden wie im geteilten Berlin. Jahrzehntelang stand die Abhörstation auf dem Teufelsberg an vorderster Front des Ost-West-Konflikts. Die „Field Station Berlin“, von den Alliierten „The Hill“ genannt, erlaubte durch ihre Position auf der höchsten Erhebung Westberlins einen ungehinderten Empfang von Telefon-, Funk- und Faxsignalen. Die Russen horchten vom Brocken nach Westen, die Amerikaner vom Teufelsberg nach Osten. Scherzhaft hieß es, man könne hier auch noch die elektrische Zahnbürste Breschnews hören.

Die Anlage auf dem Teufelsberg war Teil des weltweiten Spionagenetzes Echelon und eine der wichtigsten der westalliierten Abhörstationen im Kalten Krieg. Mit der UKUSA-Vereinbarung 1946 hatten sich die USA und Großbritannien auf enge geheimdienstliche Kooperation verständigt. Später kamen noch Australien, Neuseeland und Kanada hinzu; die „Five Eyes“ waren aus der Taufe gehoben. Das Abkommen bildete die Grundlage für die US-Operationen auf dem Teufelsberg, der zum britischen Sektor der geteilten Stadt gehörte.

US-Abhörstation Teufelsberg: Schlichte Anfänge mit Transportern und Holzhütten

Die verwinkelte Struktur der einstigen Spionagehochburg war durch mehrere größere Bauphasen geprägt. Bereits seit den 1950er-Jahren hatten die Briten das Gelände zur Luftraumüberwachung genutzt. Seit 1951 arbeitete eine kleine Gruppe von Übersetzern der zur Royal Air Force (RAF) gehörenden Signals Unit (Signaleinheit) an der Überwachung von Flugbewegung und dem Abfangen von Nachrichtenverkehr. Ein Horchposten auf dem Flugplatz Gatow, der den verschlüsselten Sprechfunk und Fernschreibverkehr abfangen und entschlüsseln sollte, wurde in den 1960er-Jahren auf den Teufelsberg verlegt.

Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 war die Möglichkeiten mit Agenten am Boden in Ostberlin, der DDR und Ostblockländern operieren zu können, quasi über Nacht erheblich erschwert worden und die elektronische Fernüberwachung gewann an Bedeutung. Briten und Amerikaner einigten sich auf eine gemeinsame Nutzung des Areals am Teufelsberg. Die Architektur war noch durch mobile Anlagen und temporäre Bauten bestimmt. 1961 errichteten die Briten zwei große Antennen und stationierten eine Einheit britischer Übersetzer in provisorisch zusammengezimmerten Holzhütten. Die Amerikaner verlegten erste eigene mobile Einheiten auf den Trümmerberg, deren gekoppelte Lastwagen, Container, Baracken und Antennen eine u-förmige Aufstellung bildeten.

US-Abhörstation Teufelsberg: Ab 1963 nahm die Field Station Gestalt an

Berlin, Deutschland, Abhoerstation der US-Armee, Innenansicht
Die Kantine der Field Station war eines der wenigen Gebäude mit Fensterfront© picture alliance / Caro | Muhs

Die ersten dauerhaften Einrichtungen entstanden ab 1963: Das Provisorium mobiler Einheiten wurde an der Südseite mit Baracken erweitert und ein erster Betonturm mit aufblasbarer Kuppel (Radom) für eine rotierende Radaranlage ergänzte nun die Silhouette des Teufelsbergs. Daneben ließ die US-Armee einen viergeschossigen Backsteinbau, das „Comm Center“, an der Westseite sowie den freistehenden Radomturm „Arctiv Tower“ errichten. Die beiden Gebäude sind die ältesten bis heute vorhandenen Strukturen der Abhörstation.

1969 verzeichneten die Aufklärungseinheiten im Ostblock Bewegung auf dem Teufelsberg, als Kolonnen von Baufahrzeugen die nächste Bauphase einleiteten. Das Bauprogramm „Project Filman“ hatte begonnen. Viele der Gebäude entstanden, die bis heute die markante Form der Field Station bilden: das zweigeschossige britische Betriebsgebäude, das weit sichtbare dreigeschossige US-Hauptgebäude mit Turm und drei Radarkuppeln, die Verbrennungsanlage für Akten, ein Heizkraftwerk, die Transformatorenstation mit Notstromaggregaten, eine neue Messe mit Einkaufsladen und Warenhaus.

US-Abhörstation Teufelsberg: Festungsanlage im Kalten Krieg der Daten

Berlin, Deutschland, Abhoerstation der US-Armee, im Spiegel ein Gang mit Tueren
Verwinkelte Gänge, fensterlose Gebäude und Top-Secret-Sicherheitsmaßnahmen gehörten zum Arbeitsumfeld der INSCOM-Mitarbeiter in der US-Abhörstation der US-Armee auf dem Teufelsberg in Berlin-Grunewald.© picture alliance / Caro | Muhs

Prägendes Element des Agentenbaus: die fensterlose Architektur und überdeckte oder unterirdische Verbindungstunnel. Alle Aktivitäten waren ins unsichtbare Innere der Station verlegt worden und unterstanden strengster Geheimhaltung. Die Abhörstation auf dem Teufelsberg war zu einer modernen Burg ausgebaut worden, doch noch hatte sie ihre endgültige Struktur nicht erreicht. Anfang der 1970er-Jahre entstand im Eingangsbereich ein neues Wachgebäude und gedeckte Verbindungsgänge zwischen den Hauptbetriebsgebäuden und dem Radarturm.

Anstelle des alten Messegebäudes wurde das experimentelle Abhörgerät „Jambalaya“ installiert und die Briten ließen einen 120 Meter hohen rotweißen Antennenmast aufstellen. Bis 1978 wurden die letzten mobilen Einheiten demontiert. Für den Bau des neuen, bis 1983 fertiggestellten Betriebsgebäudes Teufelsberg II musste die Verbrennungsanlage für Dokumente versetzt werden. Das Messegebäude wurde als gestaffeltes Gebäudes samt großzügiger Glasfassade – eine Ausnahme auf dem Gelände – realisiert.

Außerdem entstanden eine zweite Transformatorenstation sowie zwei weitere Elektrozentralen. Das Wachlokal wurde um Schlaf- und Lagerräume erweitert und erhielt eine Telefon- und Brandmeldezentrale. Als eine der letzten Baumaßnahmen wurden die Hauptgebäude gedämmt, der Jambalaya-Turm 1987 abgerissen und auf den Fundamenten ein neuer Turm errichtet. Von außen war die Station durch zwei 1,20 Meter auseinanderstehenden Zäune mit Kontakt-Sensoren abgeschirmt, durch die ein Postenweg für Patrouillen verlief. Sobald ein Zaun berührt wurde, waren Einheiten der auf dem Teufelsberg stationieren Sonderabteilung US-Militärpolizei (USAMPC) zu Stelle.

US-Abhörstation Teufelsberg: Das waren die Aufgaben der Spionage-Hochburg

Mit der Anlage auf dem Teufelsberg betrieb die US-Army Security Agency (ASA), eine Unterabteilung der NSA, eine der effektivsten Abhörstationen Richtung Osten. 1977 ging diese in das „Intelligence and Security Command“ (INSCOM) über, das von nun an die Verantwortung der Abhörstation auf dem Teufelsberg übernahm. Auf Seiten der Amerikaner war die NSA für die elektronische Aufklärung zuständig, auf der Seite der Briten, der SIS (Secret Intelligence Service). Darüber hinaus besaßen auch die Marine und die Luft- und Landstreitkräfte eigene geheimdienstliche Einheiten, die von der Field Station aus operierten.

Winter in Berlin
Prägt die Silhouette des Teufelsbergs seit Jahrzehnten: Die einst streng geheime britische und US-amerikanische Abhör- und Radaranlage „Field Station Berlin“. Alle Infos© DPA Images | Christoph Soeder

Die Aufgabe der stationierten Geheimdienste war die elektronische Aufklärung, die Überwachung des Funkverkehrs und die Dechiffrierung und Lageanalyse. Von der Anlage auf dem Teufelsberg und vernetzter weitere Geheimdienststandorte in Berlin wurde der Funkverkehr des „Warschauer Pakts“ einschließlich der DDR-Behörden überwacht, abgehört, protokolliert und bei Bedarf gestört. Hinter den vier großen, mit textilem Gewebe bespannten Radomen verbargen sich für diese Aufgabe Parabolantennen unterschiedlicher Größe sowie Breitbandantennen. Die gesammelten Daten wurden per Satellitenverbindung an das NSA-Hauptquartier im US-amerikanischen Fort Meade weitergeleitet.

Die Field Station war auf ihrem Höhepunkt in der Lage in einem Umkreis von 250 Kilometern aktive Funkmessanlagen zu erfassen und deren Radaraussendungen auszuwerten. Zusammen mit anderen Objekten entstand mit ihr ein bis 500 Kilometer tiefes Frühwarnsystem der stationierten Streitmächte. Die rund 800 INSCOM-Spezialisten, die im Schichtbetrieb rund um die Uhr in der Abhörstation arbeiteten, wurden drei Mal täglich mit Bussen auf den „Hill“ gefahren und nach Dienstende wieder abgeholt. Insgesamt waren bis zu 1500 Armeeangehörige und Mitarbeiter in der Field Station eingesetzt. Vier Mal wurde Berlins Spionagehochburg bis Anfang der 1990er-Jahre mit der „Travis Trophy“ als wichtigste US-Abhörstation zur strategischen Aufklärung ausgezeichnet.

US-Abhörstation Teufelsberg: Infiltrationsversuche durch den KGB

Berlin - Reste der US-Abhörstation auf dem Teufelsberg
Blick vom Funkturm auf die verfallenden Anlagen der US-Abhörstation auf dem Teufelsberg im Berliner Grunewald 2008.© picture-alliance/ ZB | Karlheinz Schindler

In der jahrzehntelangen Geschichte der Abhörstation gab es diverse Infiltrationsversuche durch die Geheimdienste des Ostblocks. Einer der spektakulärsten: der Fall Hüseyin Yildirim Ende der 1970er-Jahre. Der türkischstämmige Gastarbeiter hatte in Süddeutschland bei Mercedes Benz als Kfz-Meister gearbeitet, bevor er 1972 nach Westberlin ging. Diamantenhandel, Versicherung, Anlageberater – Yildirim hatte viel versucht, bevor er 1979 auf der Suche nach einer Finanzspritze kurzerhand nach Ostberlin fuhr und beim Auslandsnachrichtendienst der DDR vorsprach.

Die Hauptverwaltung Aufklärung (HVA) des MfS und ihr großer Bruder – die Sowjetdienste – interessierten sich vor allem für das Geschehen auf dem Teufelsberg, und heuerten Yildirim als Agent an, Deckname „Blitz“. Schnell fand der geschickte Kfz-Meister, der von den GIs „The Meister“ genannt wurde, eine Anstellung mit Kontaktaussichten. Beim „Auto Craft Shop“, einer Werkstatt für US-Soldaten in den Lichterfelder Andrews Barracks, freundete er sich mit Angehörigen der INSCOM-Einheit an, die auf dem Teufelsberg im Schichtdienst den Feind abhörten und privilegierten Zugang zu Geheimdienstdokumenten hatten.

US-Abhörstation Teufelsberg: Der „Meister“ und sein Gehilfe führten die NSA vor

Berlin, Deutschland, Wappen der US-Militaerpolizei an den Ruinen der Abhoerstation der US-Armee auf dem Teufelsberg
„Assist, Protect, Defend“ – Wappen der US-Militärpolizei „United States Army Military Police Corps“ (USAMPC) in den Ruinen der Abhörstation der US-Armee auf dem Teufelsberg.© picture alliance / Caro | Muhs

Die wichtigste Quelle: Der notorisch in finanziellen Schwierigkeiten steckende US-Unteroffizier James H. Hall – Deckname Paul. Hall arbeitete auf dem Teufelsberg in der fernmeldeelektronischen Aufklärung und genoss die höchste Zugangsberechtigung zu Geheimdienstinformationen. Bis Mitte der 1980er-Jahre verkauft das Agentenduo Hall-Yildirim Tausende klassifizierte Informationen, streng geheime Dokumente und brisante Unterlagen an die Geheimdienste der DDR und UdSSR. Darunter die National SIGINT Requirements List, eine 4000 Seiten lange Liste der Spionageziele der USA, sowie die brisante Nato-Strategie-Studie „Canopy Wing“, die die Möglichkeiten auslotete, einen Atomkrieg durch Störung des Funkverkehrs des Gegners zu gewinnen.

Hall schmuggelte die brisanten Dokumente in einer doppelbödigen Sporttasche aus der Abhörstation. Yildirim kopierte die Unterlagen und versteckte sie an unterschiedlichen Stellen in Berlin, in einem Keller in der Rankestraße 32 und auf einem Friedhof am Innsbrucker Platz, bis die Übergabe an die Kontaktpersonen in der DDR glückte. Erst 1988 wurde Yildirim, der sich aus dem Agentenbusiness zurückgezogen hatte und in den USA lebte, enttarnt, als James Halls Geheimnisverrat aufflog. Nach dreizehnjähriger Haftzeit im Hochsicherheitsgefängnis Pollock in Louisiana wurde Yildirim 2003 an die Türkei überstellt und dort aus der Haft entlassen.

US-Abhörstation Teufelsberg: Die US-Armee zog vom Teufelsberg ab

Berlin, Deutschland, Ruinen der Abhoerstation der US-Armee auf dem Teufelsberg
Ruinen der Abhörstation der Britischen Armee und US-Armee auf dem Teufelsberg in Berlin-Grunewald© picture alliance / Caro | Muhs

Trotz der geglückten Infiltrationsoperation war die Abhörstation auf dem Teufelsberg während ihres Bestehens überaus erfolgreich. Ende der 1980er-Jahre gab es noch Ausbaupläne, die bis 1995 erfolgen sollten und mit einem jährlichen Budget von 30 bis 60 Millionen Euro veranschlagt wurden – doch der Fall der Berliner Mauer, die Wiedervereinigung und der Zerfall der Sowjetunion Anfang der 1990er-Jahre durchkreuzten die Erweiterungspläne. Unter den neuen weltpolitischen Verhältnissen war die Echolon-Station im Grunewald nicht mehr vonnöten.

Auf dem Teufelsberg wurden die Signaltürme und Rechnerzentren ausgeschaltet und die Schlapphüte, Übersetzer, Technikexperten und Soldaten verließen ihre Posten. Im Jahr 1992 wurde der größte Teil der bis dahin streng geheimen technischen Anlagen demontiert, auf Lkw verladen und ausgeflogen. Im Oktober 1992 schloss die US-Armee die Tore der verwaisten Anlage zu. Ein Jahr später wurde die Berlin Brigade durch US-Präsident Bill Clinton deaktiviert und die verbliebenen Militärs aus Deutschland abgezogen.

US-Abhörstation Teufelsberg: Lost Place seit den 1990er-Jahre

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Auf dem Teufelsberg zurück blieben die ausgeweideten Gebäuderümpfe der einstigen Überwachungsstation – als steinern-stählerne Zeugen des Kalten Kriegs und der Teilung Deutschlands. Spionageaktivitäten sind auf dem Teufelsberg seitdem Geschichte. Doch mit ihrem Ende begann eine ganz andere Schlacht um die Ex-Abhörstation. Investoren und die Stadt Berlin suchten nach Ideen und Konzepten für das weltweit bekannte Symbol.

Ein kleiner Teil des Areals, das 1992 vom Bund an das Land Berlin worden war, wurde seit 1995 von der deutschen Flugaufsicht genutzt, die neue Radaranlagen installieren ließ, doch es fehlte an einem tragbaren Nachnutzungskonzept für die Gesamtanlage, deren hoher Sanierungsbedarf unübersehbar war: So zeigten sich beispielsweise Risse im Sockel des 120 Meter hohen Rhode & Schwarz-Funkmastes, der wegen Einsturzgefahr 1996 demontiert werden musste.

US-Abhörstation Teufelsberg: Anlage verfiel unter den Augen der Investoren

Graffiti auf der ehemaligen US-amerikanischen Abhöranlage auf dem Teufelsberg im Grunewald, Berlin, Deutschland, Europa
Was tun mit einer ungenutzten Abhöranlage? Eine Frage, die sich das Land Berlin und Investoren seit dem Abzug der Alliierten in den 1990er-Jahren stellten.© picture alliance / travelstock44 | Jürgen Held

Im selben Jahr verkaufte der Berliner Senat das 48.000 Quadratmeter große Areal an die Kölner Investorengemeinschaft Teufelsberg KG (IGTB), die durch das Architektenbüro Gruhl & Partner Planungsarbeiten erstellen ließ. Aus dieser Zeit kann bis heute das mittlerweile vollkommen überwucherte Muster eines luxuriösen Lofts auf dem Teufelsberg bewundert werden. Doch alle hochfliegenden Investitionsträume rund um das verlassene Militärgelände scheiterten: Pläne für exklusiven Wohnungsbau und Hotelnutzung mit Tagungszentrum ebenso wie der durch US-Regisseur David Lynch angestoßene Bau einer „Friedensuniversität“ und Guru-Hochburg sowie die von US-Veteranen vorgeschlagene Realisierung eines Denkmals des Kalten Kriegs.

Die langen Verhandlungen führten dazu, dass Teile der Anlage über längere Zeit unbeaufsichtigt waren und massiver Vandalismus die bauliche Substanz der verwaisten Ex-Abhörstation stark in Mitleidenschaft zog. Der Auszug der Deutschen Flugsicherung in den 2000er-Jahren verschärfte das Problem von Zerstörung und Materialdiebstahl noch. Die Field Station entwickelte sich zu einem von Berlins bekanntesten Lost Places, deren verwüstete Anlagen an postapokalyptische Szenarien erinnerten. Die perfekte Kulisse für Freunde des Urban Exploring, des Auskundschaftens verborgener und verlassener Stadtarchitektur.

US-Abhörstation Teufelsberg: Bebauung der Ex-Spionagestation scheiterte

Streetart und Graffiti auf dem Teufelsberg

Kunst am Teufelsberg: Drei Frösche auf einem roten Rohr.
Kunst am Teufelsberg: Drei Frösche auf einem roten Rohr. © Maurizio Gambarini/FUNKE Foto Services | Unbekannt
Blonde Frau aus drei verschiedenen Perspektiven ist als Kunstwerk am Teufelsberg zu sehen.
Blonde Frau aus drei verschiedenen Perspektiven ist als Kunstwerk am Teufelsberg zu sehen.© Maurizio Gambarini/FUNKE Foto Services | Unbekannt
Kunst am Teufelsberg: Eine Frau steckt sich den Mittelfinger demonstrativ in den Mund.
Kunst am Teufelsberg: Eine Frau steckt sich den Mittelfinger demonstrativ in den Mund.© Maurizio Gambarini/FUNKE Foto Services | Unbekannt
Kunstperformance und Streetart am Teufelsberg.
Kunst mitten an der ehemaligen Abhörstation am Teufelsberg im Grunewald.© Maurizio Gambarini/FUNKE Foto Services | Unbekannt
Kunstperformance und Streetart am Teufelsberg.
Kunstperformance und Streetart am Teufelsberg.© Maurizio Gambarini/FUNKE Foto Services | Unbekannt
Auf dem Gelände der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg findet man viel Streetart und Graffiti
Auf dem Gelände der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg findet man viel Streetart und Graffiti© dpa - picture alliance | Unbekannt
Die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg ist eine Ruine. Den einen nervt es, der andere findet es toll
Graffiti: Den einen nervt es, der andere findet es toll© AP | Markus Schreiber
Hobbyfotografen und Lieber von Straßenkunst kommen gerne her. Bis zu 199 Personen dürfen die Faszination gleichzeitig genießen
Hobbyfotografen und Lieber von Straßenkunst kommen gerne her. Bis zu 199 Personen dürfen die Faszination gleichzeitig genießen© dpa - picture alliance | Unbekannt
Mit mindestens 300 Streetart- und Graffitibildern handelt es sich um die größte Galerie dieser Art
Mit mindestens 300 Streetart- und Graffitibildern handelt es sich um die größte Galerie dieser Art© dpa - picture alliance | Unbekannt
Als "natürlicher Kulturstandort" soll das Areal seine Anziehungskraft entfalten, so der neue Pächter
Als "natürlicher Kulturstandort" soll das Areal seine Anziehungskraft entfalten, so der neue Pächter© Unbekannt | Unbekannt
Sieben Euro zahlen Besucher für den Eintritt
Sieben Euro zahlen Besucher für den Eintritt© dpa - picture alliance | Unbekannt
Lange Zeit war nicht klar, was mit dem Teufelsberg geschehen soll
Lange Zeit war nicht klar, was mit dem Teufelsberg geschehen soll © dpa - picture alliance | Unbekannt
Die zahlreichen Graffiti sind ein gerne gewähltes Fotomotiv
Die zahlreichen Graffiti sind ein gerne gewähltes Fotomotiv© dpa - picture alliance | Unbekannt

2004 erlosch die Baugenehmigung. Weitere Umbaumaßnahmen sind ausgeschlossen, seit das Gelände 2006 im Berliner Bebauungsplan als „Waldfläche“ deklariert wurde und der Teufelsberg für die meisten Investoren unattraktiv wurde. Dennoch pilgern mittlerweile Tausende Besucher jährlich zu Berlins bekanntester Abhörruine.

Seit 2010 war die Anlage wieder durch eine Sicherheitsfirma bewacht worden und dem damaligen Pächter gelang es eine neue Struktur aufzubauen, die es ermöglichten, die Abhörstation wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Seit 2011 bot die Arbeitsgemeinschaft „Berlin Sight Out“ Führungen über das Gelände und ins Innere des Radarturms an. 2013 gründete sich der Verein Berliner Teufelsberg e. V. mit dem Ziel, die Abhörstation zu einem Austauschort für Kultur, Kunst und Geschichte auszubauen.

US-Abhörstation Teufelsberg: Lost-Place-Attraktion zieht Tausende Besucher an

Heute befindet sich auf den Flächen des seit 2018 unter Denkmalschutz stehenden Komplexes die größte Street-Art-Gallery Europas. In der höchsten Kuppel der drei Radome finden Konzerte, Präsentationen und Filmvorführungen statt. Das Areal ist im Sommer Veranstaltungsort für Sport- und Fitnessevents – und nicht zuletzt Touristen fühlen sich von dem gespenstischen Charme der exklusiven Berliner Ruinen und ihrer Geschichte angezogen.

Regelmäßig werden Führungen zur Historie des Ortes, der Arbeit in der Abhörstation und zu anderen Themen wie Kunst und Botanik angeboten. Das Areal ist im Sommerhalbjahr täglich zugänglich. Weitere Informationen rund um den Besuch der ehemaligen Abhörstation und zur aktuellen „Declassified“-Ausstellung gibt es auf der Internetseite der Veranstalter: teufelsberg-berlin.de.