Sommer 1948: Die erste große Konfrontation im Kalten Krieg wird zur Machtprobe um Berlin. Sowjetische Truppen blockieren die Zufahrtswege nach Westberlin. Der Plan: Ohne Lebensmittel und andere Versorgungsmittel müssen die Westalliierten die Stadt aufgeben. In Dahlem wird fieberhaft an einer Lösung der Berlin Blockade gearbeitet. Seit 1947 residierte General Lucius D. Clay als Oberkommandierender der U.S.-Streitkräfte in Europa im ehemaligen Luftgaukommando III – einem Prunkbau von Görings Reichsluftfahrtministerium aus den 1930er-Jahren – an der Kronprinzenallee. Von hier aus organisierte Clay die Berliner Luftbrücke, die Versorgung der Stadt durch Flugzeuge, mit der Westberlin gehalten werden konnte. Das Anwesen in Dahlem blieb bis zum Abzug der amerikanischen Streitkräfte 1994 das Hauptquartier der US-Armee in Berlin – danach standen die meisten der Gebäude auf dem Gelände leer. Die wichtigsten Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

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Das sind die Fakten zum US-Hauptquartier Clayallee:

  • Adresse: Clayallee 170/172, Ecke Saargemünder Straße, 14195 Berlin-Dahlem
  • Geschichte: Zwischen 1936 und 1938 nach Plänen des Architekten Fritz Fuß (1889–1945) als Luftgaukommando III für die Luftwaffe erbaut; zwischen 1945 und 1994 Hauptquartier der US-Streitkräfte in Berlin; nach dem Abzug der Amerikaner 1994 wurde ein abgetrennter Bereich als Konsularabteilung der US-Botschaft weitergenutzt, der übrige Gebäudekomplex stand leer
  • Führungen: Keine
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Seit 2011 wurde ein Großteil der leerstehenden Gebäude von einer Immobiliengesellschaft erworben und bis 2016 als Eigentumswohnungen unter dem Namen „The Metropolitan Gardens“ saniert und umgebaut

Wo lag das US-Hauptquartier Clayallee genau?

Das US-Hauptquartier lag an der Clayallee 170/172 an der Ecke zur Saargemünder Straße im Ortsteil Dahlem des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal am besten mit den Buslinien 115 und N10 (Haltestelle Hüttenweg) zu erreichen. Alternativ kann der U-Bahnhof Oskar-Helene-Heim (U3) zur Anfahrt genutzt werden, von dem aus man etwa fünf Minuten zu Fuß bis zum ehemaligen Haupthaus benötigt.

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des US-Hauptquartiers Clayallee:

Ausgangslage: Stationierung der US-Armee im Südwesten Berlins

General Lucius D. Clay (Bildmitte) 1949 in Berlin-Dahlem
General Lucius D. Clay (Bildmitte) 1949 in Berlin-Dahlem.© picture-alliance / akg-images | akg-images | picture-alliance / akg-images | akg-images

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Dahlem als Ortsteil Zehlendorfs zusammen mit den Bezirken Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg und Steglitz Teil des amerikanischen Sektors. Die US-Amerikaner bezogen ihre Quartiere im Südwesten der geteilten Stadt: An der Kronprinzenallee in Dahlem – der späteren Clayallee – lag der Sitz des Stadtkommandanten, in Lichterfelde West der US-Militärbahnhof, Militärdepots und Schießplätze wurden errichtet, abgeschottete Wohnsiedlungen entstanden für das Personal und die Familien und große Kasernenanlagen für die Soldaten.

Ihr Hauptquartier bezogen die Amerikaner an der Clayallee 170/172 im Baukomplex des ehemaligen Luftgaukommandos III. Das für die Luftwaffe in den 1930er-Jahren gebaute Bauensemble war mit geringfügigen Kriegsschäden nahezu intakt in die Hände der Alliierten gefallen und bot sich mit seiner weitläufigen Bebauung mit Verwaltungs- und Kasernenanlagen und der günstigen Lage für die im Südwesten operierenden Amerikaner als Hauptquartier an. Aus den Marmorsälen an der Clayallee wurde fast 50 Jahre lang das Schicksal Berlins maßgeblich mitbestimmt.

US-Hauptquartier Clayallee: Monumentalbau aus der NS-Zeit

Bauarbeiten am Haupthaus des Luftgaukommandos III. Fotografie um 1937
Bauarbeiten am Haupthaus des Luftgaukommandos III. Fotografie um 1937.© picture alliance / akg-images | akg-images | picture alliance / akg-images | akg-images

Obgleich es dem Deutsche Reich nach dem Ersten Weltkrieg verboten war, eine Luftstreitmacht zu unterhalten, gab es in der Weimarer Republik der 1920er-Jahre und 1930er-Jahre verdeckte Pläne für den Wiederaufbau. Geheime Fliegereinheiten tarnten sich als zivile Luftsportschulen und dienten als Ausbildungsstätten für Militärpiloten. Mit der Machtübergabe an die Nationalsozialisten gewann die Aufrüstung am Himmel an Tempo.

Das Reich wurde in Luftflotten und Luftgaukommandos geteilt, die die Planung und die operativen Bereiche der Aufrüstung, des späteren Luftkriegs und der Luftabwehr koordinierten. 1936 wurden die ersten sechs von insgesamt fünfzehn geplanten Luftgaukommandos gegründet. Das an Fläche größte war das Luftgaukommando III in Berlin, für das Hermann Görings Reichsluftfahrtministerium einen besonders repräsentativen Dienstsitz in Auftrag gab.

Luftgaukommando III Berlin: So war die Anlage aufgebaut

Nach Plänen des Architekten Fritz Fuß (1889–1945) entstanden zwischen 1936 und 1938 auf dem Baugelände an der Kronprinzenallee – einem bis dahin unbebauten Teil am Rande des Grunewalder Forstes in Dahlem – die Monumentalbauten für das dritte Gaukommando Berlin. Der Militärkomplex bestand aus insgesamt acht zumeist dreigeschossigen Verwaltungs- und Kasernengebäuden, die weit auseinandergezogen auf dem parkartigen Areal gruppiert lagen. Offene Laubengänge verbanden die einzelne Gebäude.

Die strenge Symmetrie des Bauensembles sowie die Auswahl von qualitativ hochwertigen Baumaterialien – die Luftwaffe ließ Muschelkalk, Marmor und vergoldetes Schmiedeeisen verbauen – sollte den Repräsentationsanspruch des Monumentalbaus unterstreichen. Der Weg auf dem vom Kiefern bewachsenen Grundstück führte von einem von Wachhäusern flankierten Eingangsportal an der Kronprinzenallee entlang von jeweils rechts und links liegenden Portalgebäuden zu einem zentralen Kommandogebäude.

Luftgaukommando III Berlin: Prunkvoller Dienstsitz der Luftwaffe

Luftgaukommando Berlin-Dahlem, Blick auf das Gelände während der Bauarbeiten Mitte der 1930er-Jahre
Luftgaukommando Berlin-Dahlem, Blick auf das Gelände während der Bauarbeiten Mitte der 1930er-Jahre.© picture alliance / akg-images | akg-images | picture alliance / akg-images | akg-images

Besucher blickten vom Eingangsportal aus auf die mit Muschelkalk verkleidete imposante Portalfront des Hauptgebäudes – einstmals bekrönt von einem mächtigen Reichsadler in Bronze. Die Bauplastiken, wie beispielsweise die Steinadler, die auf den Gesimsen der Portalbauten thronten, schuf der Bildhauer Willy Meller (1887–1974). Die mehrgeschossigen Fenster der Treppenhäuser wurden von dem Grafiker Alfred Mahlau (1894–1967) mit Glasmalereien verziert.

Das zentrale Dienstgebäude bestand aus einem vierflügeligen Block, der einen großen Innenhof einschloss. Im Inneren befand sich ein repräsentatives Marmorfoyer mit zweiflügeliger Treppe, von der aus die imposanten Säle der Luftwaffen-Kommandostelle erreicht werden konnten. Nördlich dieser Anlage befanden sich die Gebäude des Kasinos und der Funkstation. Östlich des Hauptgebäudes schlossen sich drei Gebäude an, die die Truppenunterkünfte beherbergten und einen offenen Ehrenhof zur Bitscher Straße hin bildeten.

Der 16 Meter hohe Uhrturm des westlichen Gruppengebäudes markierte die Mittelachse des Exerzierplatzes. Im Norden der Wohn- und Verwaltungsgebäude lagen freistehend das ehemalige Kasino und ein Funkgebäude. Im nördlichen Portalgebäude an der heutigen Clayallee war das ehemalige Luftkriegsgericht untergebracht. 1936 konnte der Luftwaffenstützpunkt in Dahlem bezogen werden. Der Befehlsbereich umfasste die Reichshauptstadt Berlin, die Provinz Brandenburg sowie die Provinz Sachsen – später kamen noch Teile von Mecklenburg, Pommern und Thüringen hinzu. Ab 1938 leiteten kommandierende Generäle die Luftgaukommandos und damit die Luftwaffe, die Flakabwehr und den Luftschutz in ihrem Bereich.

Luftgaukommando III Berlin: Geringe Kriegsschäden an den Gebäuden

Das Gebäudeensemble des Luftgaukommandos III wurde 1937 durch den Architekten Ernst Sagebiel (1892–1970) um eine Gruppe von fünf Wohngebäuden südlich der Saargemünder Straße ergänzt, die für Bedienstete der Luftwaffe bestimmt waren. Nachdem sich die Luftangriffe auf die Reichshauptstadt ausweiteten, wurde der Stab des Luftgaukommandos 1943 in den Hochbunker Heckeshorn der damaligen Reichsluftschutzschule auf der Wannsee-Insel verlegt.

Die Gebäude des Luftgaukommandos erhielten in den letzten Kriegsjahren nur geringfügige Schäden – mit Ausnahme des Kasinos auf dem nördlichen Geländefeld, das durch Bombentreffer bis auf die Grundmauern vernichtet wurde. Am 24. April 1945 überquerten Einheiten der Roten Armee den Teltowkanal mit Kähnen und Schlauchbooten. Einen Tag später waren die sowjetischen Soldaten bis zum Mexikoplatz, nach Zehlendorf-Mitte und Düppel vorgedrungen.

Nach kurzer Besetzung durch die Truppen der Roten Armee wurde das 85.000 Quadratmeter große Areal des ehemaligen Luftgaukommandos III im Juli 1945 durch die US-Armee besetzt, die den Dienstsitz fortan als Hauptquartier (HQ) und Sitz des amerikanischen Militärgouverneurs nutzten.

US-Hauptquartier Clayallee: Die Amerikaner beziehen das Quartier

Als erster US-amerikanischer Militärgouverneur richtete sich der Divisionskommandant der „2nd Armored Division“ Floyd L. Parks 1945 in den luxuriösen Räumlichkeiten ein, in denen für kurze Zeit noch die Symbole des NS-Staates allgegenwärtig waren. Bis zum Oktober 1945 übernahm die „Army Engineer Division“ die Instandsetzung der Gebäude – und entfernten dabei auch allen Bauschmuck, der als belastet wahrgenommen werden konnte: darunter die Bronzefigur des Reichsadlers über dem Hauptgebäude.

Bereits im Juli 1945 traf hoher Besuch im Hauptquartier ein: Für US-Präsidenten Harry S. Truman, der anlässlich der Potsdamer Konferenz angereist war, wurde im HQ an der Kronprinzenallee eine Party geschmissen, bei der nachträglich die Kapitulation Deutschlands gefeiert wurde. Im Komplex befanden sich seit 1947 die Büros des amerikanischen Militärgouverneurs, General Lucius Clay, der den Wiederaufbau der Stadt unterstützte und während der sowjetischen Blockade Berlins 1948/49 durch die Organisation der Berliner Luftbrücke eine zentrale Rolle spielte. Ihm zu Ehren wurde 1949 die Kronprinzenallee in Clayallee umbenannt. 1979 erhielt das US-Hauptquartier die offizielle Bezeichnung Lucius D. Clay Headquarters.

US-Hauptquartier Clayallee: So nutzte die US-Behörden das Areal

Während das äußere Erscheinungsbild der ehemaligen Militäranlage kaum angetastet wurde, nahmen die Amerikaner im Laufe der fast 50-jährigen Nutzung der Anlage als US-Hauptquartier in den Innenräumen immer wieder größere Umbauten vor. Einige der Einbauten durch die amerikanischen Streitkräfte haben sich bis heute erhalten: Beispielsweise ein hölzerner Gerichtssaal mit Balustraden für die Angeklagten, schalldichte Verhörzellen, Tresorräume im Keller sowie eine der größten Telefonabhörzentralen Westberlins.

Nach dem Ende der Militärregierung 1949 hatten verschiedene Dienststellen ihren Sitz auf dem knapp acht Hektar großen Gelände eingerichtet – allen voran das Büro des US-Stadtkommandanten, der Stab der Berlin Brigade, wie die Bezeichnung der US-Armee Berlin ab 1961 lautete, die US-Mission, die als diplomatische Vertretung der USA in Westberlin fungierte und der ein Konsulat angeschlossen war sowie mehrere Kleindienststellen und Fernmeldeeinrichtungen.

Im Hauptgebäude lagen die Büros des Generalstabs, in den beiden Portalbauten deren angeschlossene Büros. In den drei hinter dem Hauptgebäude liegenden Gebäuden waren die Zivilangehörigen der Militärregierung (OMGUS) und die Wache untergebracht. Im wiederhergestellten Kasino fand die Finanzabteilung und in der ehemaligen Funkstation die Gerichtsbarkeit ihren Platz. Das ehemalige Luftgerichtsgebäude wurde in das Generalkonsulat der USA umgewandelt. In den Gruppengebäuden an der Saargemünder Straße wurden Einheiten des US-Marine-Corps stationiert.

Im Foyer und dem sogenannten Kennedysaal des Hauptgebäudes fanden häufig Empfänge in Anwesenheit von US-Präsidenten statt. Unter anderem besuchte John F. Kennedy nach seiner Rede vor dem Schöneberger Rathaus 1963 das US-Hauptquartier – auch Richard Nixon (1969), Jimmy Carter (1978) und Ronald Reagan (1987) waren bei ihren Berlin-Besuchen 1969, 1978 und 1987 zu Gast im Hauptquartier an der Clayallee.

US-Hauptquartier Clayallee: Sternenbanner in den 1990er-Jahren eingerollt

Nach der Wiedervereinigung wurde das Kasernengelände von den US-amerikanischen Streitkräften geräumt – das Sternenbanner wurde ein letztes Mal eingeholt und das Hauptquartier im Juli 1994 von Präsident Clinton offiziell außer Dienst gestellt. Damit endete an der Clayallee eine Ära, in welcher der Sitz des US-Militärgouverneurs in Dahlem immer wieder im Rampenlicht der Geschichte stand – nicht zuletzt in den heißeren Phasen des Kalten Krieges.

Die Liegenschaft in der Clayallee ging nach dem Abzug der Amerikaner in Bundesbesitz über. Wie für so viele der ehemaligen US-Stützpunkte im Südwesten Berlins musste ein neues Nutzungskonzept für das seit 1995 unter Denkmalschutz stehende Bauensemble gefunden werden, sollte es nicht als verfallener Lost Place in Dahlem enden. Die meisten der luxuriös ausgebauten, aber in die Jahre gekommenen Gebäude an der Clayallee standen zunächst leer – mit Ausnahme des Gebäudes des ehemaligen Luftkriegsgerichts in der Clayallee 170, das bis heute von der Konsularabteilung der Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin genutzt wird.

US-Hauptquartier Clayallee: Der Lost Place wird zur Filmkulisse

Mit dem Leerstand wurden die geschichtsträchtigen Bauten an der Clayallee zu einem beliebten Drehort und dienten in verschiedenen Hollywood-Blockbuster als Filmkulisse: Quentin Tarantino drehte in den verlassenen Gebäuden Szenen für seinen Film „Inglourious Basterds“ (2009) und Regisseur Bryan Singer nutzte die Location für seinen Film „Operation Walküre“ (2008) mit Tom Cruise.

Unterdessen wurden neue Nutzungskonzepte für das Areal gesucht: Die Freie Universität Berlin und der BND zeigten Interesse an der Nachnutzung des ehemaligen US-Hauptquartiers, doch am Ende ging die von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIma) betreute Liegenschaft in Privathand. 2011 erwarb eine Immobiliengesellschaft ein Großteil der leerstehenden Gebäude, um sie als exklusive Maisonette- und Apartmentwohnungen zu vermarkten.

US-Hauptquartier Clayallee: Luxus-Appartements und Videokunst ab den 2010er-Jahren

Bei der Sanierung ab 2012 wurden die Fassaden und Treppenhäuser der Gebäude instandgesetzt, die Gebäudefronten und Dächer teilweise mit Balkonanlagen und Dachterrassen versehen. Die Innenhöfe des ehemaligen US-Hauptquartiers wurden in Gartenanlagen für die künftigen Bewohner umgewandelt. Bis 2016 entstanden auf dem Areal – das jetzt den Namen „The Metropolitan Gardens“ trug – rund 290 Eigentumswohnungen.

Auf dem bislang unbebauten Areal an der Bitscher Straße wurde ein Neubau mit fünf Eigentumswohnungen errichtet. 2021 starteten Bauarbeiten am Standort des US-Funkmastes im nordöstlichen Teil des Grundstücks. Hier wurden sechs neue Stadthäuser mit insgesamt 55 Wohnungen errichtet. Auch das repräsentative Haupthaus des ehemaligen US-Hauptquartiers hat inzwischen eine neue Aufgabe. 2016 hatte ein Berliner Software-Unternehmer das Gebäude erworben, ließ es bis 2019 sanieren und eröffnete dort 2019 das Privatmuseum für zeitgenössische Videokunst „Fluentum“.