Dauerstreit

Was auf dem Teufelsberg eigentlich los ist

Anwohner fordern den Abriss der Abhörstation, der Bezirk ist für Denkmalschutz - und der Eigentümer legt einen neuen Bauantrag vor.

Inmitten des Landschaftsschutzgebiets verfällt die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg zusehends

Inmitten des Landschaftsschutzgebiets verfällt die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg zusehends

Foto: picture alliance / Hans Joachim/dpa

Grunewald. Ikonisch ist sie ohne Frage. Hübsch wohl eher nicht. 1992 gab der US-amerikanische Geheimdienst NSA die Abhörstation auf dem Teufelsberg auf. Seitdem setzt ihr der Verfall zu. Geht es nach dem Aktionsbündnis Teufelsberg, einem Zusammenschluss mehrerer Umweltverbände und Anwohner, soll sie in weiten Teilen verschwinden. Das 4,7 Hektar große Areal soll renaturiert und der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. "Der Teufelsberg harrt seit Jahren seiner Vollendung", sagte Eckart Kuntzsch vom Aktionsbündnis, als er die Pläne am Mittwochabend im Stadtentwicklungsausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Charlottenburg-Wilmersdorf vorstellte.

Kuntzsch bezieht sich dabei auf einen Beschluss der Berliner Stadtverordnetenversammlung von 1950. Bis 1972 wollte man die Kriegstrümmer West-Berlins im Grunewald abladen. Anschließend sollte der neu entstandene Berg als "landschaftlicher Höhepunkt der Grunewald-Havellandschaft" bewaldet werden. Öffentliche Erholungs- und Sportflächen waren auf der Bergspitze geplant. Aber bereits 1962 stoppten die US-amerikanischen Besatzer die Pläne, beschlagnahmten das bis dahin entstandene Plateau und errichteten die sogenannte Field Station Berlin.

Geht es nach dem Aktionsbündnis, soll einzig der Hauptturm stehen bleiben, der heute auf einem zwölf Meter hohen Sockelbau thront. Bis zu dieser Höhe soll das Plateau aufgeschüttet werden, so dass eine Bergspitze entsteht. Im Turm selbst soll es Ausstellungsräume geben, die sich der Geschichte des Ortes widmen. Der Klangraum in der Kuppel soll erhalten bleiben und mit einem Café ergänzt werden. Die Kosten für die Aufschüttung schätzt Kuntzsch auf eine halbe Million Euro. Abriss und Umbau würden kaum mehr als fünf Millionen Euro kosten. Hinzu kämen die Kosten für den Rückkauf, der nach Ansicht des Bündnisses unbedingt notwendig ist.

Bezirk spricht sich für Denkmalschutz aus

„Wir sind der Ansicht, dass man nicht ignorieren kann, was dort in der Zwischenzeit passiert ist“, hielt Richard Rabensaat von der Initiative Kulturdenkmal Berliner Teufelsberg dagegen. Die Field Station müsse wegen ihrer historischen und weltpolitischen Bedeutung unbedingt in Gänze erhalten bleiben. Sie sei Knotenpunkt für Abhöraktivitäten in Deutschland gewesen, so Rabensaat, der selbst dort oben Führungen veranstaltet. Auf dem Teufelsberg sei wesentlich dazu beigetragen worden, den Kalten Krieg in der Balance zu halten. Dieser Einschätzung folgten auch die Ausschussmitglieder und nahmen einen entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion an. Demnach soll sich das Bezirksamt gegenüber dem Landesdenkmalamt für den Denkmalschutz einsetzen.

Anders als das Aktionsbündnis hält Rabensaat den Rückerwerb des privaten Areals durch die öffentliche Hand nicht für zwingend nötig. 1996 kaufte die Investorengemeinschaft Teufelsberg (IGTB) das Grundstück für umgerechnet 2,6 Millionen Euro. Bis 2001 sollten Gastronomie, Luxuswohnungen, ein Hotel mit Tagungszentrum und ein Museum gebaut werden. Die Investoren scheiterten. Nach einmaliger Verlängerung wurde die Baugenehmigung 2004 entzogen. Im Folgejahr wurde das Plateau als Waldgebiet ausgewiesen. Laut Vertrag hatte das Land Berlin damals die Möglichkeit, das Areal für 80 Prozent des Kaufpreises (2,1 Millionen Euro) wieder zu übernehmen. Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) lehnte aber ab. Denn hinzu wäre eine Grundschuld gekommen, die damals auf 35 Millionen Euro beziffert wurde. Nach jüngsten Informationen soll die Hypothek allerdings nur 22 Millionen Euro betragen.

Was passiert da oben eigentlich?

Laut Charlottenburg-Wilmersdorfs Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) hat die IGTB nun einen neuen Bauantrag eingereicht, "der versucht, den Zustand dort zu legalisieren". Das Umweltamt prüfe derzeit die Vereinbarkeit mit der Landschaftsschutzsverordnung. Allerdings sei es von außen schwer zu durchschauen, was dort oben eigentlich passiert, so der Stadtrat weiter. Es gebe Kunstaktionen und Führungen, aber auch Filmdreharbeiten und große kommerzielle Veranstaltungen. „Es ist sehr schwer zu sagen, was davon eigentlich geländekompatibel ist, was nicht und wie man es in den Griff kriegt“, so Schruoffeneger. In Senat und Bezirk wolle man nun stärker auf die Differenzierung achten. Verträgliche, ehrenamtliche und nichtkommerzielle Nutzung wolle man dabei nicht behindern.