Zwischen dem moosbewachsenen Unterholz eines Seegrundstücks auf Schwanenwerder klaffen unvermittelt Betonreste auf. Sie gehören zu den aus dem Boden ragenden Trümmern eines Bunkers, der den Inselbewohnern einst Schutz vor alliierten Fliegerangriffen bieten sollte – gebaut Anfang der 1940er-Jahre mit dem Auftrag, die Sicherheit der Familie Goebbels und einer Handvoll weiterer NS-Bonzen zu gewährleisten, die sich Bootshäuser und Landsitze auf der Insel leisteten. Nach Kriegsende verfiel der Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder zu einer modernen Ruine; kaum zugänglich, vergessen und verlassen. Alle Infos zu dem Lost Place.

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Das sind die Fakten zum Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder:

  • Adresse: Inselstraße 7, 14129 Berlin-Nikolassee
  • Geschichte: 1940/1941 als Luftschutzbunker vorrangig für die Sicherheit des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels und seiner Familie errichtet; in den letzten Kriegsmonaten Zivilschutzbunker für die Inselbewohner; nach dem Zweiten Weltkrieg Leerstand
  • Bunkertyp: Sonderbau
  • Führungen: Nein
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09060109
  • Status: Lost Place

Wo liegt der Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder genau?

Der Bunker liegt auf einem Seegrundstück an der Adresse Inselstraße 7 auf Schwanenwerder im Ortsteil Nikolassee des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: C5WC+8CQ Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Anwesen am besten mit der Buslinie 218 zu erreichen (Haltestelle Großes Fenster). Von der Haltestelle ist es ein etwa 30-minütiger Fußweg entlang dem Wannseebadweg am Ufer der Havel und der Inselstraße bis zu dem Grundstück. Alternativ kann der S-Bahnhof Nikolassee (S1, S7) genutzt werden. Achtung: Es handelt sich um Privatgelände. Es ist nicht erlaubt, das Grundstück zu betreten. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Goebbels-Bunkers auf Schwanenwerder:

Ausgangslage: Luftschutz-Sofortprogramm für Berlin im Zweiten Weltkrieg

Unterricht mit Volksgasmaske 1939 - Lesson with gasmasks / 1939 -
Der Bunkerbau war nicht die einzige Maßnahme, die getroffen wurde: Unterricht im Selbstschutz mit der Volksgasmaske „VM 37" in einer Luftschutzschule in Berlin: Mädchen des BDM beim Unterricht im September 1939.© picture-alliance / akg-images | akg-images

Als 1940 Luftangriffe der Alliierten erstmals die Reichshauptstadt trafen, reagierte die NS-Führung hektisch mit einem Bunkerbau-Sofortprogramm: Betonbauten schossen in Berlin aus dem Boden. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer geleiteten Behörde – entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten.

Für die NS-Elite wurde eigene Sonderbauten in der Nähe ihrer Wohnstätten, Arbeitsplätze und Sommerresidenzen errichtet, die die Parteioberen, Nazi-Funktionäre und ihre Familienangehörigen schützen sollten. Einer dieser Spezialbauten: der Bunker für den Propagandaminister und seine Familie auf Schwanenwerder.

Schwanenwerder: Inselresidenzen mit Blick auf die Pfaueninsel

Schwanenwerder war eines der exklusivsten Immobilien-Spekulationsprojekte der Gründerzeit: Der Fabrikant Friedrich Wilhelm Wessel hatte 1882 das von der Havel umgebene Eiland vom Rittergutsbesitzer Hugo von Platen erworben. Es sollte eine Insel der Reichen und Einflussreichen werden mit mondänen Seegrundstücken, die weit genug weg von Berlin waren, um sich unter sich zu fühlen, aber nah genug, um die Vorteile der Großstadt genießen zu können.

Der Plan ging auf: Bis zur Mitte der 1930er-Jahre bevölkerte sich die Insel mit Industriellen und Bankiers. Die Käufer der bis zu 30.000 Quadratmeter großen Parzellen konnten es sich leisten, namhafte Architekten und Landschaftsgestalter zu beauftragen. Es entstanden große Herrenhäuser mit weitläufigen Gartenanlagen. Schwanenwerder wurde zum Mythos: eine Nobeladresse ohne Namen an den Klingelschildern.

Schwanenwerder: Zwangsverkäufe an die neuen NS-Machthaber nach 1933

In der Zeit des Nationalsozialismus kam es zu zahlreichen verfolgungsbedingten Verkäufen von Grundstücken jüdischer Eigentümer, die häufig weit unter Wert und unter erheblichen Zwangsmaßnahmen ihre Immobilien an die neuen Machthaber abgeben mussten. Nutznießer war die NS-Elite, die bis 1939 ein Drittel der Grundstücke auf der Insel besaß.

Der bekannteste Inselbewohner jener Zeit war Propagandaminister Joseph Goebbels (1897-1945) mit seiner Familie auf einem Grundstück an der Inselstraße 8-10, das heute parzelliert ist. Zu seinen Nachbarn zählten unter anderem der Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer (1905-1981) auf der gegenüberliegenden Straßenseite Inselstraße 7 sowie Hitlers Leibarzt Theodor Morell (1886-1948), dessen Villa an der Adresse Inselstraße 24-26 stand. Das von der Reichskanzlei erworbene Grundstück Inselstraße 20-22 war für Adolf Hitler reserviert, wurde von diesem aber nicht genutzt.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: Luxus-Grundstücke für den Minister

Germany Goebbels' Grounds
Teeempfang auf Schwanenwerder zu Ehren von Prinz Paul von Jugoslawien und Prinzessin Olga anlässlich ihres offiziellen Besuchs in Berlin 1939. Von links nach rechts: Magda Goebbels im Gespräch mit Prinz Paul, Albert Speer, Prinzessin Olga im Gespräch mit Joseph Goebbels. Im Vordergrund, mit dem Rücken zur Kamera, Goebbels‘ Töchter Helga und Hilde, und links, stehend, sein Sohn Helmut.© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Str

Als Minister hatte sich Goebbels 1936 ein Seegrundstück auf der Insel gesichert – mit den Erlösen, die der parteieigene Eher-Verlag ihm als Vorschuss auf seine Tagebücher zahlte. 1938 erweiterte er das Grundstück, indem er seinen Nachbarn, einen jüdischen Bankier, zum Verkauf zwang. Die Adresse auf Schwanenwerder war nur eine der teuren Residenzen, die sich der Propagandaminister Ende der 1930er-Jahre leistete, bevor er angesichts der auf Berlin vorrückenden Roten Armee in den Führerbunker flüchtete, Hitlers Trauzeuge wurde und – wie zuvor in einer Rundfunkansprache angekündigt – mitsamt Frau Selbstmord beging, nachdem er seine sechs Kinder hat vergiften lassen.

Um die Sicherheit des Ministers und seiner Familie zu gewährleisten, waren wenige Jahre zuvor noch drastische Schritte ergriffen worden. Zu wichtig war das Leben des Chefdemagogen des „Dritten Reichs“, der seit den Anfangstagen der nationalsozialistischen Bewegung zur engsten Clique um Hitler zählte und dessen Weg an die Macht mitbegleitet und geebnet hatte.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: Baubeginn Anfang der 1940er-Jahre

Schwanenwerder Lost Place Landeseigene Grundstücke
Eine Infotafel auf Schwanenwerder zeigt ein Foto des wenig einladenden Hinweisschilds an der Inselzufahrt 1940.© Katrin Lange | Katrin Lange

Nach den ab Herbst 1940 einsetzenden alliierten Luftangriffen auf Berlin regelte ein „Führer-Sofortprogramm“ den beschleunigten Ausbau von Luftschutzräumen. Für die Ausführung war der „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ Albert Speer verantwortlich. Hitlers Stararchitekt hatte sich 1938 das noch unbebaute Grundstück der Baronin Marie-Anne von Goldschmidt-Rothschild an der Adresse Inselstraße 7 gesichert und auf dem Areal ein Bootshaus errichten lassen. Zuvor hatte sich hier der in den 1920er-Jahren aufgegebene Park von Schwanenwerder befunden. Jetzt gab Speer, der selbst einige Jahre in der Villa Sobernheim an der Adresse Inselstraße 18 lebte, das Grundstück für den Bau eines Luftschutzbunkers frei.

Über die Inselbrücke, die Schwanenwerder mit dem Festland verband, rollte 1940 schweres Gerät. Vorbei an den Tuilerien-Säulen und einem Schild mit dem Hinweis: „Privatbesitz. Befahren der Straße verboten!“ kämpften sich die Bautrupps auf das Grundstück am Südufer Schwanenwerders vor und gruben sich in den sandigen Boden des Speer-Anwesens. Der Auftrag: eine bombensichere Zuflucht für Goebbels und Co. zu errichten.

Auch wenn im Rahmen des reichsweiten Bunker-Sofortprogramms Personen zu schützen waren, die „für die Staatsführung unersetzlich“ waren, blieben die Mittel für den Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder begrenzt. In seiner Größe und Ausstattung war das Bauwerk auf das unbedingt notwendige Maß zu beschränken. Die Sparmaßnahmen gingen so weit, dass die Konzeption des Bunker-Sonderbaus ältere Mauern miteinbezog. Sie waren Teil eines Kellergeschosses für einen von der Baronin von Goldschmidt-Rothschild Anfang der 1930er-Jahr in Auftrag gegebenen Neubau, der nie realisiert wurde.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: So war die Anlage aufgebaut

Bei dem Luftschutzbunker handelte es sich um einen Tiefbunker, der eine Grundfläche von rund 80 Quadratmeter einnahm und über zwei ebenerdig liegende Treppenzugänge im Süden und Westen zugänglich war. Die unterirdischen Schutzräume wurden von einer meterdicken Stahlbetonplatte und einer Schicht Erde abgedeckt, die die Explosionswirkung bei einem Einschlag vermindern sollte. Über die beiden Betontreppenschächte hinter den überdeckten Eingängen gelangte man durch die abgewinkelten Gasschleusen, deren Außenwände aus massiven Beton bestanden, zu den stählernen Bunkertüren, deren schwere Verriegelungsmechanismen sich bis heute erhalten haben.

Hinter den Gasschleusen erreichte man das wiederum, aus Gründen der Deckung und des Splitterschutzes, abgewinkelte Bunkerinnere. Von einem schmalen Mittelgang zweigten jeweils vier unterschiedlich große Schutzzellen ab – das eigentliche Herzstück des Bunkers. Die mit einfachen Betten ausgestatteten Kammern garantierten Schutzsuchende bei Fliegeralarm und Bombenangriffen für einige Stunden eine sichere Zuflucht. Der Bunker war mit einem Be- und Entlüftungssystem ausgestattet, der die Zellen mit gefilterter Luft versorgte – zur Not per Kurbelbetrieb. An einigen Stellen waren in den Stahlbetonwänden des Bunkers die älteren, gemauerten Kellerwände des Vorgängerbaus zu erkennen. Ab 1941 war der Schutzbau schlüsselfertig einsatzbereit.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: Schutz vor Fliegerangriffen in der Schlacht um Berlin

Goebbels selbst, seine Kinder und seine Ehefrau haben den kleinen Bunker wohl nie betreten – zumindest nicht während eines Fliegeralarms – und vermutlich auch nicht vertraut. Sie verließen 1943 wegen der zunehmenden alliierten Luftangriffe Berlin und zogen sich auf ihren Landsitz am Bogensee zurück, wo sie sich im Sommer 1944 für die Familie, die Angestellten und Wachmannschaften einen luxuriösen Privatbunker einrichten ließen.

Der Bunker auf Schwanenwerder diente in den letzten Kriegsmonaten dem Schutz der Inselbewohner. Bei Tieffliegerangriffen und russischem Artilleriebeschuss vom Ufer Richtung Flughafen Gatow suchten die auf der Insel Ausharrenden Schutz in dem Beton-Bauwerk, das schräg gegenüber Goebbels verwaistem Anwesen lag, bis die Geschütze plötzlich verstummten. Ende April 1945 überquerten eine Handvoll Rotarmisten die Inselbrücke. Für Schwanenwerders Bewohner war der Weltkrieg damit zu Ende – wenige Tage später kapitulierte die Wehrmacht. In Europa schwiegen die Waffen.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: Treuhandverwaltung nach dem Krieg

Im Juli 1945 übernahm die amerikanische Besatzungsmacht die Verwaltung von Schwanenwerder. Die von den Nazis vereinnahmten Grundstücke wurden unter Treuhandverwaltung gestellt. Sie blieben überwiegend ungenutzt: Die Gärten verwilderten, die Häuser verfielen. Eine Ausnahme war die unzerstörte Villa der Sobernheims an der Inselstraße 15–18. Dort bereiteten US-Militärs – unter ihnen General Eisenhower – die Potsdamer Konferenz vor. Später bezog General Lucius D. Clay, Organisator der Berliner Luftbrücke, die Räumlichkeiten.

Die Villa von Goebbels wurde in der Nachkriegszeit geplündert und später abgerissen. In den 1950er-Jahren erfolgte eine Teilung des Grundstücks: Auf dem östlichen Areal an der Nr. 8 entstand eine Dienststelle der Wasserschutzpolizei; an der Nr. 10 wurde auf den Fundamenten der Goebbels-Villa der erste Sitz des Aspen-Instituts Deutschland errichtet. Viele der ehemaligen jüdischen Eigentümer erhielten in den 1950er-Jahren aufgrund eines Antrags auf Rückübertragung ihre Grundstücke zurück. Sie verkauften die Immobilien zumeist an das Land Berlin, das im Rahmen des Programms „Kinder in Luft und Sonne“ bezirkliche Kinder- und Jugenderholungsstätten einrichtete. Eine solche Erholungsstätte wurde auch auf dem ehemaligen Speer-Grundstück an der Inselstraße 7 eingerichtet. Seit 1962 wurden Sommer-Jugendfreizeitlager auf dem bewaldeten Areal durchgeführt.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: Spuren von Verfall und Vandalismus

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Der von wildwuchernden Pflanzen und Büschen überdeckte Insel-Bunker auf dem bewaldeten Gelände wurde zu einem Kuriosum. Halbvergessen lag er Jahrzehnte lang hinter einem eingefallenen Holzhaus auf dem Ferienlager-Grundstück. In der Nachkriegszeit war er zwar durch die Alliierten weitgehend von seiner Innenausstattung befreit, aber nicht – wie viele andere der Berliner Weltkriegsbunker – gesprengt worden. Generationen von Jugendlichen hatten einen Steinwurf entfernt ihre Zelte aufgeschlagen und sich in Ferienlagern erholt. Die Versuchung die dunklen Gänge des unheimlichen Bauwerks zu betreten, konnten sicher nicht alle widerstehen.

Mit der Zeit mehrten sich die Spuren des Verfalls. Teile der Bausubstanz wurden marode. Am Boden sammelte sich Schutt, Dreck und Brackwasser; durch die verbliebenen Metallteile fraß sich der Rost und hölzerne Einbauten begannen zu vermodern. An den bröckelnden Wänden des ehemaligen Schutzbunkers verewigten sich Graffiti-Künstler. Der Bunker verfiel zu einer modernen Ruine, stand aber Jahrzehnte nach Kriegsende noch einmal im Mittelpunkt des Geschehens, als er für Dutzende Jugendliche auf der Insel zum rettenden Unterschlupf wurde.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: Jahrhundertsturm raste auf die Insel zu

Kaum jemand ahnte in Berlin, welche Urgewalten sich an jenem 10. Juli 2002 auf das Stadtgebiet zubewegten. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 153 Stundenkilometern raste das Sturmtief Anita über den Wannsee – und traf auf eine unvorbereitete Metropole. Allein in Berlin entwurzelte der Jahrhundertsturm innerhalb einer Stunde Tausende Bäume und hinterließ eine Schneise der Verwüstung: 80 Menschen wurden teils schwer verletzt; acht Menschen ließen in Berlin und Brandenburg ihr Leben – darunter zwei Jugendliche auf Schwanenwerder.

Auf dem Grundstück Inselstraße 7 campierten zu dieser Zeit Mitglieder der Jugendfeuerwehr, der THW-Jugend und des Jugend-Rotkreuzes, insgesamt etwa 150 Teilnehmer, die sich für ein einwöchiges Zeltlager auf der Insel eingefunden hatten. Die Stimmung war gut – noch deutete nichts auf das Chaos hin, dass das Zeltlager am Abend erfassen sollte, als die Gewitterzellen gegen 20 Uhr den Himmel verdunkelten, die Sturmfront der Stärke 14 auf den Südzipfel Schwanenwerders traf und schwere Fallböen Bäume aus den Boden rissen.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: Ferienlager wurde zur tödlichen Falle

Unwetter: Zwei Jugendliche starben auf Wannsee-Insel
Eine Gruppe Jugendlicher tröstet sich am 11. Juli 2002 auf dem Jugendzeltplatz auf der Berliner Wannsee-Insel Schwanenwerder. Bei einem schweren Unwetter am Abend des 10. Juli starben auf dem Campingplatz zwei Jugendliche. Zwölf weitere Jungen und Mädchen und zwei Betreuer wurden verletzt.© picture-alliance / dpa/dpaweb | Marcel Mettelsiefen

An diesem Tag hatte eine Begegnung stattgefunden. 17 junge Amerikaner hatten das Camp besucht, die Kinder von Rettungskräften, die bei den Anschlägen in New York einige Monate zuvor ums Leben gekommen waren. Zur Zeltlagerbegegnung kam auch der damalige Innenminster Otto Schily (SPD). Die Jugendlichen verstanden sich, wollten sich nicht trennen – doch die Amerikaner waren nicht angemeldet. Sie durften nicht bleiben.

Die Betreuer des Camps wurden vom Ausmaß des Sturms überrascht. Als die ersten Windstöße die Insel am Abend erreichten, brüllten sie gegen die tosenden Böen an. Die auf dem bewaldeten Ferienlager-Grundstück verteilten Jugendlichen sollten vom Wasser wegkommen und sich am Bunker auf dem Hügel und den Badehäusern sammeln. Die Camp-Besucher mussten dort lange ausharren, bis sich endlich Rettungskräfte nähern konnten. Die Inselbrücke – der einzige Landweg – war durch Baumschlag versperrt. Feuerwehrleute kletterten über den Stamm, andere Rettungskräfte erreichten über den Seeweg das Grundstück. Für zwei Camp-Teilnehmer, 14 und 15 Jahre alt, kam jede Hilfe zu spät. Die beiden Jungen hatten sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen können. Sie wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. Zwölf weitere Jugendliche und zwei Betreuer wurden verletzt.

Goebbels-Bunker auf Schwanenwerder: Grundstück gehört den Forsten

Unwetter: Zwei Jugendliche starben auf Wannsee-Insel
Ein völlig zerstörtes Rettungsfahrzeug der Feuerwehr liegt am 11. Juli 2002 auf dem Jugendzeltplatz auf der Berliner Wannsee-Insel Schwanenwerder unter einem umgefallenen Baum begraben.© picture-alliance / dpa/dpaweb | Marcel Mettelsiefen

Es war das letzte Ferienlager-Camp, das auf der Insel stattfand. Seit 2002 wurden die landeseigenen Grundstücke größtenteils sich selbst überlassen und verwilderten. Am Zugang zum Bunker-Grundstück Nr. 7 wurde eine schwere Kette mit Vorhängeschloss angebracht, die inzwischen selbst Rost angesetzt hat.

2007 gab es noch einmal einen Anlauf, das Grundstück einer neuen Bestimmung zuzuführen. Doch der geplante Verkauf des „exklusiven Wassergrundstücks“, das dem Land eine Millionensumme hätte einbringen sollen – der Bezirk Steglitz-Zehlendorf hatte schon die Zweckbestimmung als Kinder- und Jugenderholungsfläche in Bauland geändert – scheiterte an naturschutzrechtlichen Belangen.

2022 wurde das Grundstück in das Fachvermögen der Berliner Forsten übertragen. Seitdem hat die Landesforstverwaltung Berlins einige Verkehrssicherungsmaßnahmen durchgeführt. Die Zukunft des denkmalgeschützten Goebbels-Bunkers auf der Fläche? Unklar. Zurzeit zieht er vor allem Fans des Urban Exploring an, die sich dem Erkunden verlassener und verborgener Orte verschrieben haben.