In idyllischer Lage am Rande des Grunewalder Forsts im Südwesten Berlins richteten die Amerikaner in den 1950er-Jahren ein großes Munitionsdepot ein. Rund 30 Schutzbauten und Gebäude wurden auf dem Areal „Dachsberg“ in aller Eile hochgezogen, um große Mengen an Sprengstoffen, Munition, Granaten und Explosivmittel zu bunkern. Die brisanten Kampfmittel – Munition für Gewehre und Panzer sowie die oder andere Flugabwehrrakete – sollten im Krisenfall der Verteidigung Westberlins dienen. Mit dem Abzug der US-Armee in den 1990er-Jahren wurde das Areal aufgegeben. Die wichtigsten Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

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Das sind die Fakten zum US-Munitionsdepot Dachsberg:

  • Adresse: Dachsheide, 14193 Berlin-Dahlem
  • Geschichte: 1951 wurde das 13 Hektar große Areal am Rande des Grunewalder Forstes von der US-Armee beschlagnahmt und mit 30 Bunkern und Gebäuden zum Munitionsdepot „Dachsberg Area Ammunition Depot“ ausgebaut; mit dem Abzug der US-Amerikaner 1994 wurde das Depot aufgegeben
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. 1996 wurde ein Großteil der Infrastruktur gesprengt und das Gebiet seitdem zum Naturschutzgebiet Dachsheide renaturiert

Wo lag das US-Munitionsdepot Dachsberg genau?

Das Gelände des Munitionsdepots lag im östlichen Grunewald zwischen Onkel-Tom-Straße und Hüttenweg im Stadtteil Dahlem des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Das Areal wurde inzwischen als Dachsheide dem Naturschutzgebiet Langes Luch angegliedert und befindet sich westlich der Revierförsterei Dachsberg am Hüttenweg 53.

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal am besten mit der Buslinie 285 (Haltestelle Waldfriedhof Dahlem) zu erreichen. Von der Haltestelle ist es ein etwa fünfzehnminütiger Fußweg entlang des Hüttenwegs und der Wanderwege in der Dachsheide zu dem Standort. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten F754+PQ Berlin. Achtung: Es handelt sich um ein Naturschutzgebiet, das nur von den Wanderwegen aus einsehbar ist. Das Betreten geschützter Bereiche im Schutzgebiet ist nicht erlaubt. Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des US-Munitionsdepots Dachsberg:

Ausgangslage: Stationierung der US-Armee im Südwesten Berlins

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Dahlem als Ortsteil Zehlendorfs zusammen mit den Bezirken Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg und Steglitz Teil des amerikanischen Sektors. Die US-Amerikaner bezogen ihre Quartiere im Südwesten der geteilten Stadt: An der Clayallee in Dahlem – vormals Kronprinzenallee – lag der Sitz des Stadtkommandanten, in Lichterfelde West der US-Militärbahnhof, Militärdepots und Schießplätze wurden errichtet und große Kasernenanlagen für die Soldaten.

Auf einem Freigelände am Hüttenweg begannen die Amerikaner, 1951 Mannschaftsgebäude und Werkstätten für die einzige in Berlin stationierte Panzerkompagnie, die „F40th Armor Regiment“ der Berlin Brigade, zu errichten. Nordwestlich der Turner-Kaserne begannen gleichzeitig die Arbeiten an einem Munitionsdepot, das in Friedenzeiten die nötigen Kampfmittel für die Gefechtsübungen – beispielsweise auf dem großen Truppenübungsplatz in Parks Range – bereitstellen sollte: das „Hüttenweg Ammunition Depot“ (HAD) – später auch „Dachsberg Area Ammunition Depot“ genannt.

US-Munitionsdepot Dachsberg: Förster stellte sich der Armee in den Weg

Das für die Lagerung der Munition auserkorene Gelände befand sich direkt hinter der heutigen Revierförsterei, dem damaligen Forsthaus Dachsberg. Als die US-Armee das Areal für ihre Zwecke in Beschlag nehmen wollte, soll es laut „Berliner Zeitung“ zu einer hitzigen Auseinandersetzung mit dem dort ansässigen Förster gekommen sein. Als der Forstmann die Soldaten in Begleitung von Panzern auf die Forsthütte anrücken sah, nahm er kurzentschlossen seine Waffe zur Hand und stellte sich mit entsicherter Schrotflinte den GIs entgegen, um den Kahlschlag zu verhindern. Es half nichts. Der Förster wurde in Arrest genommen und das Gelände gerodet.

Auf dem Kahlschlag begannen noch 1951 die Arbeiten am Munitionsdepot. Der Aushub für die Bunker und Verwaltungsgebäude wurde zur Aufschüttung von künstlichen Hügeln zwischen den einzelnen Depots genutzt. Die Erdwälle dienten der Sicherheit: Unbeabsichtigte Explosionen sollten so ihre Wirkung nur nach oben entfalten können.

US-Munitionsdepot Dachsberg: So war die Anlage aufgebaut

Auf dem etwa dreizehn Hektar großen Gelände befanden sich rund zwei Dutzend Munitionsbunker in regelmäßigen Abständen zueinander sowie einige Verwaltungsgebäude und Garagen am südöstlichen Zugang zum Munitionsdepot. Die gesamte Anlage war durch zwei Reihen Stacheldrahtzaun und vier Wachtürme an jeder Geländeseite geschützt.

Militärposten der Berlin Brigade sicherten das Gelände, übernahmen die Zugangskontrollen am Fahrzeug- und Fußgängertor und stellten die Beobachtungsposten auf den Türmen. Zugang zu dem Militärgelände hatten in der Regel nur Angehörige der US-Armee. In den Bunkern wurde vornehmlich Munition für die gegenüberliegend stationierte Panzerkompagnie der Turner-Kaserne gelagert: Gewehr- und Panzermunition, aber auch Sprengstoffe, Panzerfäuste und infrarotgelenkte Flugabwehrraketen. Die einzelnen Bunker ähnelten in der Form gekappten Pyramiden.

US-Munitionsdepot Dachsberg: Die US-Armee rollt das Sternenbanner ein

Mehr als vier Jahrzehnte lang lagerte am Dachsberg genug Munition, um halb Berlin in Schutt und Asche zu legen. Aus den Beständen wurden die in der geteilten Stadt stationierten Truppen der Berlin Brigade mit Munition versorgt – für ihre Wach- und Sicherungsaufgaben und für die vielen Manöver im Grunewald und am Truppenübungsplatz Parks Range in Lichterfelde. Auf dem Brachland und der eigens dafür errichteten Geisterstadt „Doughboy City“ übte die US-Armee den Ernstfall: die Verteidigung Westberlins gegen einen sowjetischen Überfall. Panzerschüsse, Kampfhubschrauber und Granaten rissen die Anwohner regelmäßig aus ihrem Schlaf.

Dann kamen die Wiedervereinigung, der Zerfall der Sowjetunion und der Abzug der Alliierten in den 1990er-Jahren. Das riesige Munitionslager wurde mit einem Mal nicht mehr benötigt. Bereits 1992 verließen die letzten US-Soldaten die Turner Barracks. 1994 wurde die Berlin Brigade durch US-Präsident Bill Clinton deaktiviert und die verbliebenen Militärs aus Deutschland abgezogen. Als die Amerikaner ihre Quartiere verließen, wurde auch das Munitionsdepot Dachsberg Area in den 1990er-Jahre aufgegeben.

Die Munitionsbestände wurden aufgelöst und per Lkws abtransportiert, die letzten Wachsoldaten verließen den Standort und übergaben das Gelände an Abrisskommandos. Die Verwaltungsgebäude der Dachsberg Area wurden niedergerissen und planiert und die allermeisten der massiven Bunker der Anlage gesprengt und zugeschüttet. 1996 begann die Renaturierung des Geländes.

US-Munitionsdepot Dachsberg: Der Militärstandort wird zum Naturschutzgebiet

Die jahrzehntelange Nutzung durch das US-Militär hatte die Landschaft geformt: Die künstlich aufgeschütteten Hügel sollten Explosionen einschränken und wurden auch nach dem Abzug der Truppen nicht eingeebnet. Aus Gründen der Sicherheit war das Gelände außerdem möglichst baumfrei gehalten worden. In der Folge entwickelte sich das ehemalige Munitionsdepot Dachsberg Area, nun unter Aufsicht der Berliner Forsten, zur größten innerstädtischen Heidelandschaft – der Dachsheide.

 1996 wurde ein Großteil der Infrastruktur gesprengt und das Gebiet seitdem zum Naturschutzgebiet Dachsheide renaturiert.
1996 wurde ein Großteil der Infrastruktur gesprengt und das Gebiet seitdem zum Naturschutzgebiet Dachsheide renaturiert.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Sie ist Lebensraum für eine Vielzahl seltener und zum Teil vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Um sie zu schützen, blieb etwa die Hälfte der Heidelandschaft umzäunt. Auf den abgesperrten hügeligen Wiesen grasen zur Landschaftspflege Heideschnucken. Die andere Hälfte des ehemaligen Munitionsdepots wurde ursprünglich als Naherholungsgebiet freigegeben. 2017 wurde die Dachsheide in das Naturschutzgebiet Langes Luch integriert.

Die Vergangenheit der Dachsheide als US-Munitionsdepot ist noch allgegenwärtig: Das gesamte Gelände ist von den aufgeschütteten Bunkerhügeln durchzogen. Von den rund 30 Bunkern und Gebäuden blieben zwei unterirdische Schutzräume übrig – als Winterquartier für Fledermäuse. Ein quadratischer Betonzugang von vielleicht zwei Meter Höhe wurde mit Einflugschlitzen versehen, damit die Tiere ihr Quartier erreichen können.