Der Olympiapark Berlin gehört mit dem Olympiastadion, dem Sommerbad, der Waldbühne und dem Maifeld zu den bedeutendsten Sportanlagen Europas. Jahrzehntelang diente ein Teil des denkmalgeschützten Ensembles den britischen Streitkräften als Hauptquartier in Berlin. Deutsche hatten nur begrenzt Zutritt. Heute ist der Olympiapark wieder ein lebendiger Teil der Hauptstadt und zieht zu Großveranstaltungen wie der Fußball-Europameisterschaft 2024 Besuchermassen an.

Der ganze Olympiapark? Nein. Ein unbeugsamer Fleck des Geländes am Gutsmuthsweg sperrt sich bislang – ganz in der Tradition gallischer Dörfer – gegen jede Erneuerung. Das Familienbad, in dem sich zur Zeit des Kalten Krieges Militärs und ihre Angehörigen vergnügten, steht seit dem Abzug der Alliierten 1994 leer und verfällt. Inzwischen hat sich die kleine Badeanlage in einen verwunschenen Ort verwandelt, der als Ruinenkulisse die Aufmerksamkeit abenteuerlustiger „Urban Explorer“ auf sich zieht. Die wichtigsten Infos zu dem Lost Place.

Das sind die Fakten zum Familienbad im Olympiapark im Überblick:

  • Adresse: Olympiapark Berlin, Gutsmuthsweg, 14053 Berlin-Westend
  • Geschichte: 1934 bis 1936 als Teil des Reichssportfeldes in unmittelbarer Nähe des Olympiabeckens erbaut; Freibad für Angehörige der britischen Streitkräfte in der Nachkriegszeit; mit Abzug der Alliierten 1994 stillgelegt
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Die Gesamtanlage des Olympiaparks ist geschützt: Objekt-Nr. 09040530
  • Status: Lost Place

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Wo liegt das Familienbad im Olympiapark genau?

Das Familienbad liegt auf dem Olympiagelände nordöstlich des Olympiastadions und des Sommerbades Olympiastadion am Gutsmuthsweg. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bietet sich die Anfahrt über den S-Bahnhof Olympiastadion (S3, S9, Bus 218, M49, X34) an. Entlang der Trakehner Allee und des Gutsmuthswegs benötigt man zu Fuß ungefähr 11 Minuten bis zu der Anlage. Alternativ kann auch der U-Bahnhof Olympia-Stadion (U2) genutzt werden, von dem man über die Rominter Allee und den Olympischen Platz ebenfalls etwa 11 Minuten benötigt. Achtung: Das Gelände des Familienbades ist nicht für den Publikumsverkehr geöffnet. Vom Gutsmuthsweg und der Hanns-Braun-Straße ist das Areal einsehbar.

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Wann ist der Olympiapark geöffnet?

Der Olympiapark ist täglich zwischen 7 und 22 Uhr geöffnet. Der Einlass am Gutsmuthsweg schließt allerdings bereits um 18 Uhr und an Tagen, an denen Hertha BSC spielt, zwei Stunden vor Spielbeginn. Zu Sportgroßveranstaltungen kann es zu Einschränkungen kommen. Hier finden Sie weitere Informationen zu den Öffnungszeiten und einen aktuellen Veranstaltungskalender.

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Familienbades im Olympiapark:

Ausgangslage: Die Welt zu Gast bei Feinden

Ein Propagandafest: Joseph Goebbels (l.) und Adolf Hitler (M.) 1936 im Olympiastadion auf der Ehrentribüne.
Ein Propagandafest: Joseph Goebbels (l.) und Adolf Hitler (M.) 1936 im Olympiastadion auf der Ehrentribüne.© picture alliance/KEYSTONE | STF

Sommer 1936 – das hakenkreuzfahnengeschmückte Berlin erreichen sportliche Delegationen aus der ganzen Welt. Der NS-Staat will sich im Glanz der Olympischen Spiele international als modern und zukunftsweisend präsentieren. Für die Inszenierung seines faschistischen Sommermärchens war dem Regime jedes Mittel recht. Minutiös waren die Sommerspiele unter der Leitung von Propagandaminister Joseph Goebbels, dem Sportfunktionär Carl Diem und Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten vorbereitet worden: Insgesamt drei Millionen Besucher vor Ort reagierten begeistert, ebenso die große Mehrzahl der internationalen Pressevertreter. Ein voller Erfolg für die Deutschen, die die Welt drei Jahre später mit Krieg überziehen sollten.

In Vorbereitung des sportlichen Großereignisses von 1936 hatte der für die Gesamtleitung der Bauten verantwortliche Charlottenburger Architekt Werner March (1894–1976) auf dem Gelände der alten Rennbahn Grunewald das Ensemble des Reichssportfeldes entworfen; mitsamt dem Olympiastadion, dem Maifeld, dem Glockenturm und der Langemarckhalle. Die moderne Sportstätte war die erste städtebauliche Großanlage, die der NS-Staat realisierte – auch wenn die Pläne für die Sportstätte weit in die Zeit der Weimarer Republik zurückreichten.

Familienbad im Olympiapark: So war das Bad gestaltet

Blick auf das Olympiagelände Ende der 1930er-Jahren. Das Familienbad ist in der Bildmitte rechts zu sehen.
Blick auf das Olympiagelände Ende der 1930er-Jahre. Das Familienbad ist in der Bildmitte rechts zu sehen.© picture alliance / arkivi | - | picture alliance / arkivi | -

Etwas abseits der Publikumsmagnete im Schatten des eindrucksvollen Olympiastadions befand sich zwischen dem Olympia-Schwimmstadion im Westen und dem Hockeyplatz im Osten der sogenannte Anger. Eine zum Verweilen einladende Sportfläche mit Liegewiese, einer Laufbahn und kleineren Sportanlagen sowie einem Freibad mit ovalem Bassin, das in der Besatzungszeit unter dem Namen Familienbad bekannt wurde. Der Anger samt Bad wurde wie das gesamte Reichssportfeld in den 1930er-Jahren konzipiert und zwischen 1934 und 1936 – gerade rechtzeitig vor der Eröffnung der XI. Olympischen Sommerspiele Anfang August – fertiggestellt. Auf historischen Karten aus der Zeit nach den Spielen ist der südliche Platz am Anger als Männerluftbad ausgewiesen.

Bei dem Familienbad handelt es sich um ein unbedachtes Freibad. Das ovale Bassin weist eine Größe von knapp 60 Metern Länge und eine maximale Breite von 30 Metern auf. Das Becken erreicht nur rund einen Meter Tiefe – ideal für Familien. Die Längsachse des Beckens ist parallel zum Hockeyplatz und den angrenzenden Straßen in nordwestlicher Richtung orientiert. Das Becken ist durch zwei flache, geziegelte Stege dreigeteilt: Am nördlichen Flachbecken befanden sich Brausen zum Abduschen und ein zweistufiger Einstieg. Die nördliche Apsis des Beckens war durch einen quer verlaufenden Steg vom übrigen Bad abgetrennt. Im südlichen Becken befand sich ein parallel dazu, aber nur bis zur Beckenmitte verlaufender Mauersteg. In späterer Zeit wurde Aufsichtshäuschen am östlichen Beckenrand und eine gegenüberliegende Metallrutsche ergänzt.

Familienbad im Olympiapark: Hitlerjungen als Bollwerk gegen die Rote Armee

Neun Jahre nach den Spielen hatte sich das Reichssportfeld dramatisch gewandelt: Statt einem sportlichen Festgelände war auch die Sportanlage nun zu einer Festung in der Schlacht um Berlin geworden. In Teilen der Stadionkatakomben wurde an Zündern für die letzten Granaten gebaut, andere Bereiche dienten dem Schutz vor alliierten Bombenangriffen. Die heranrückende Rote Armee näherte sich dem Gelände.

Noch Ende April erteilte Hitler persönlich den Befehl, dass HJ-Verbände den Havelübergang und das Olympiastadion unter allen Umständen verteidigen sollten – ein Himmelfahrtskommando. Nach Kriegsende war das Gelände rings um das Olympiastadion von Leichen und Bombenkratern übersät; der Glockenturm westlich des Maifeldes durch Brandeinwirkung zerstört – aber das Familienbad am Anger blieb nutzbar.

Familienbad im Olympiapark: Die Briten beziehen das Quartier

Nach dem Krieg wehte der Union Jack auf dem Gelände des ehemaligen Reichssportfeld. Im Bild: Britische Soldaten bei der jährlichen Geburtstagsparade für die britische Königin am Olympiastadion 1974
Nach dem Krieg wehte der Union Jack auf dem Gelände des ehemaligen Reichssportfeldes. Im Bild: Britische Soldaten bei der jährlichen Geburtstagsparade für die britische Königin am Olympiastadion 1974.© picture-alliance / Chris Hoffmann | Chris Hoffmann | picture-alliance / Chris Hoffmann | Chris Hoffmann

In der Nachkriegszeit wurde Westend als Ortsteil Charlottenburgs zusammen mit den Bezirken Spandau, Tiergarten und Wilmersdorf Teil des britischen Sektors. In dem bis dahin von der Roten Armee besetzten Olympiagelände quartierten sich nach deren Ankunft in der Stadt im Juli 1945 britische Streitkräfte ein. Vier Jahre nach Kriegsende gaben die Briten Teile des Geländes für die Öffentlichkeit wieder frei: darunter das Olympiastadion, die Waldbühne und das Reitergelände samt Hockeyplatz.

Militärische Sperrzone blieb aber der Bereich im Norden rund um das „Deutsche Sportforum“ sowie der Anger, der an das Gebäudeensemble angrenzte. 1952 verlegte die britische Militärregierung ihr Hauptquartier in das Areal des Sportforums. Für ihre Bedürfnisse hatten sie die stark zerstörten Häuser sanieren und ihren Bedürfnissen anpassen lassen. Im „London Block“, vormals „Haus des Deutschen Sports“ wurden 180 Räume für Bürozwecke hergerichtet. Das hinter der Turnhalle des Friesenhauses gelegene Ärztehaus diente als Kasino; die „Villa des Reichssportführers“ als Dienstvilla des britischen Stadtkommandanten.

Familienbad im Olympiapark: Tees und Soirées am Planschbecken

Mehr als vier Jahrzehnte lang verblieben die britischen Streitkräfte auf dem Gelände, das weitläufig von Stacheldrahtzaun abgesperrt, immer mehr zu einem blinden Fleck auf der Karte der ehemaligen Hauptstadt wurde. Deutsche hatten in der Regel keinen Zutritt zu dem Hauptquartier. In den 1950er-Jahren gab es noch einmal einen Vorstoß, die Alliierten dazu zu bewegen, Teile des von den Briten okkupierten Geländes freizubekommen. Auf Beschluss des Bundestages von 1957 wurde mit dem britischen Stadtkommandanten über die Freigabe des Schwimmhauses, der Osttribüne des Schwimmstadions und des „Anger mit Planschbecken“ verhandelt.

Der Plan: Auf dem Anger sollte ein öffentlicher Freibadebetrieb mit Liege- und Spielwiesen für Westberlin entstehen. Doch Stadtkommandant Generalmajor Francis D. Rome (1905–1985) blieb hart. Zwar ließ er die Osttribüne des Schwimmstadions und den Reiterplatz freigeben, doch auf den Anger samt Planschbecken für seine Truppen konnte er – mit Verweis auf Eigenbedarf – nicht verzichten. In den folgenden Jahrzehnten stand das Familienbad den Offizieren und Soldaten der britischen Streitkräfte, ihren Frauen und Kindern, zur Verfügung.

Familienbad im Olympiapark: Lost Place seit 1994

Im Zuge der Nutzung des Olympiaparks durch die Briten wurde das Familienbad erweitert und jahrzehntelang als Freibad betrieben. Die Fläche des Angers und seiner Umgebung diente allerdings nicht nur als Liegewiese, sondern wurde auch militärisch genutzt. Die Briten errichteten Baracken und Depots für die Lagerung von Treibstoff und Munition. Südwestlich des Wasserbassins stand 50 Meter entfernt vom Beckenrand eine militärische Funk- und Sendeanlage und Garagen für Militärfahrzeuge. Anfang der 1990er-Jahre endete für die britischen Streitkräfte der Badebetrieb auf dem Gelände des Olympiaparks.

Mit dem Abzug der Alliierten 1994 wurde das Areal samt Familienbad besenrein an den Bund übergeben, der es wiederum dem Land Berlin zur Nutzung überließ; Baracken und militärische Anbauten waren zuvor größtenteils abgerissen und entfernt worden. Doch jahrzehntelang blieb das Gelände umzäunt und ungenutzt – ein öffentlicher Freibadbetrieb, so wie es den Stadtplanern in den 1950er-Jahren vorschwebte, wurde an dem Standort nie realisiert.

Familienbad im Olympiapark: Verfall und Versäumnis seit 30 Jahren

In den 30 Jahren des Leerstandes erlebten die Fans von Hertha BSC in Steinwurfweite des Bades sechs Auf- und Abstiege und – ältere Fans werden sich erinnern – auch Champions-League-Spiele. Das Familienbad lag derweil auf dem Trockenen. Trotz unzähliger Anstöße, der Erarbeitung von Leitkonzepten für den Olympiapark, der Modernisierung vieler Sportstätten auf dem Gelände, blieb der kleinen Badeanlage jeder Fortschritt versagt.

Um die Jahrtausendwende begann der Senat private Investoren zu suchen, um den Anger als Teil des Olympiabades neues Leben einzuhauchen. 2011 erschien eine Studie „Zukunft Olympiapark“ in der das Familienbad als „Element mit Entwicklungspotential“ angepriesen wurde. Im Raum stand der Umbau zu einem Spaßbad, auch eine Wellness-Oase schien möglich. Doch getan hat sich nichts. Mit den Jahren verfiel die von den Briten noch gut gepflegte Anlage zu einer Ruine. Sträucher und Pflanzen durchbrachen die Steinplatten der Wege am Bad, wilde Brombeersträucher und Birken wuchsen am moosbedeckten Beckenrand und im Brack- und Regenwasser, das sich im Bassin sammelte, fanden sich alsbald Seerosen und Schilfkolben.

Das von den Briten genutzte Bademeisterhäuschen verfiel und wurde zu einem Brutplatz für Vögel; die Duschstangen und die Wasserrutsche sind von Rost überzogen und auf den Liegewiesen des Angers türmen sich neben den Mauerresten ehemaliger Schuppen und Hallen – der sogenannten Panzergaragen – Laub, Kies und Sand: Eine fast idyllische Lost Place-Szenerie zwischen den belebten Sportplätzen im Olympiapark.

Familienbad im Olympiapark: Und wie sieht die Zukunft aus?

Die Lage des Familienbades mit der Nummer 14 auf der Karte. Geplant ist, das Gelände für zwei Kunststoffspielfelder und ein Sportfunktionsgebäude zu nutzen.
Die Lage des Familienbades mit der Nummer 14 auf der Karte. Geplant ist, das Gelände für zwei Kunststoffspielfelder und ein Sportfunktionsgebäude zu nutzen.© BM Infografik (+freie Mitarbeit) | HS Aßmann

Für eine Rettung der Badestätte ist es zu spät. Das Oval des Familienbades – so die Antwort des Berliner Senats auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Andreas Statzkowki (CDU) von 2018 – sei zwar grundsätzlich erhalten, aber „durch jahrzehntelange Nichtnutzung und Vernachlässigung in einem ruinösen Zustand, der bei einer Wiederinbetriebnahme als Badebecken einen Neubau erfordern würde.“

Vor diesem Hintergrund entschied man sich in Berlin für einen Neuanfang. Bereits seit 2017 plant die Senatssportverwaltung einen Abriss des Familienbades. Auf der freiwerden Fläche sollen zwei Kunststoffspielfelder sowie ein Sportfunktionsgebäude entstehen. Die Mittel für das Projekt stammen aus dem Budget des „Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds“ (Siwana). Kostenpunkt: rund 9 Millionen Euro. Vorarbeiten auf dem Gelände haben begonnen. Es dürfte also nur noch eine Frage der Zeit sein, wie lange das 30 Jahre lang vernachlässigte Familienbad aus den 30er-Jahren als Lost Place noch existiert. Wer einen letzten Blick erhaschen möchte, sollte sich beeilen.