Jahrzehntelang rollten im Center „Süd-Bowling“ unweit der Albrechtstraße die Kugeln über die frisch geölten Bahnen, freuten sich Besucher über den nächsten Strike, ärgerten sich über stehengelassene Pins, unnötige Splits oder die anderen Kunden, wenn mal wieder der eigene Bowlingball aus der Ablage genommen wurde. Die Mehrzweckhalle aus den 70er-Jahren atmete den typischen Duft von Bodenwachs, Schuhspray und sportlichem Ehrgeiz – bis sie in einer verhängnisvollen Feuernacht ausbrannte und ihr langes Nachleben als moderne Ruine begann. Das Bowlingcenter in Steglitz wurde zu einem von Berlins vielen Problemimmobilien, für die es keine Zukunft zu geben schien. Die wichtigsten Infos zu dem Lost Place.
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Das sind die Fakten zur Geister-Bowlingbahn in Steglitz im Überblick:
- Adresse: Selerweg 4-8, 12169 Berlin-Steglitz
- Geschichte: Errichtung der Bowlinghalle Anfang der 1970er-Jahre von der Spandauer Freizeit-Zentrum GmbH; rund 20 Jahre lang als „Süd-Bowling“ betrieben; Anfang der 1990er-Jahre brannte die Halle komplett aus, danach Leerstand der Bowling-Ruine
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Ehemaliger Lost Place. 2016 wurde die Halle abgerissen; bis zum Sommer 2018 entstand ein Neubauprojekt mit 46 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten auf dem Areal der Ex-Bowlingbahn
Wo lag die Geister-Bowlingbahn genau?
Das ehemalige Bowlingcenter „Süd-Bowling“ lag in einem Gebäudekomplex am Selerweg 4–8 im Ortsteil Steglitz des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht man das Grundstück am besten mit den Buslinien 282, 284, 380 und M82 (Haltestelle Neue Filandastraße). Von der Busstation ist es ein etwa dreiminütiger Fußweg entlang der Albrechtstraße bis zu dem Gebäudeensemble. Achtung: Die Bowlingbahn existiert heute nicht mehr. Es handelt sich um Privatgelände. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Infos zur Geschichte der Geister-Bowlingbahn in Steglitz:
Ausgangslage: Das Bowlingcenter entstand auf einer von Berlins Brachen
Lange bevor Spieler das Bowlingcenter in Steglitz auf der Jagd nach dem perfekten Spiel besuchten, befand sich auf dem Fleck an der Kreuzung zwischen Selerweg – vor 1960 hieß sie Humboldtstraße – und Albrechtstraße eine Zeile von Wohnhäusern. In den 1930er-Jahren hatte hier einmal ein Verlag seine Räumlichkeiten. Der Heinecke Verlage von Max Ließegang junior an der Humboldtstraße 4 brachte unter anderem die Fachzeitschriften „Chirurgisch technisches Korrespondenzblatt“ und die „Elektrotechnischen Nachrichten“ heraus.
Die Häuserzeile befand sich zwischen dem Teltowkanal im Süden und den Rauhen Bergen im Nordosten, die in den 1920er-Jahren ganz im Zeichen von Ernst Lubitschs Blockbuster „Das Weib des Pharao“ (1922) gestanden hatten. Die Dreharbeiten hatten Steglitz in eine ägyptische Dünenkulisse verwandelt. Noch früher staunten die Steglitzer als der Luftfahrtpionier Otto Lilienthal (1848–1896) 1892 von den Abbruchkanten der Sandgruben erste Flugversuche unternahm. Vermutlich während der Bombenangriffe auf Berlin im Zweiten Weltkrieg in Mitleidenschaft gezogen, wurden die Wohnbauten an der Humboldtstraße in den 1950er-Jahren abgerissen. In den 1960er-Jahren gab es an der Kreuzung zwischen Selerweg und Albrechtstraße, die damals noch eine Verbindung hatten, eine Tankstelle; sonst waren die Grundstücke bis zum Selerweg 10 unbebaut.
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Geister-Bowlingbahn Steglitz: Errichtung in den 1970er-Jahren

Anfang der 1970er-Jahre wurde das Gelände von der Spandauer Freizeit-Zentrum GmbH erworben. Der Plan: Auf der Freifläche sollte eines der modernsten Bowlingcenter für den Süden Berlins entstehen. Seit den 1950er-Jahren erlebte das Bowling in Westdeutschland und Westberlin flächendeckende Verbreitung und mit der Einführung von automatischen Aufstellmaschinen und den ersten TV-Übertragungen einen regelrechten Boom. Anfang der 1960er-Jahre wurde die ersten Großanlagen installiert. 1970 startete die neu gegründete Bowling-Bundesliga der Männer, drei Jahre später die der Frauen. Der Bedarf war da. Jetzt ging es ans Bauen.
Auf der Freifläche Selerweg 4–8 wurde eine Bowlinghalle mit rund 1250 Quadratmeter Grundfläche errichtet. Im Untergeschoss des funktionalen, blaugelben Flachbaus in Stahlplattenkonstruktion befand sich ein ausgedehntes Parkdeck, von dem aus Besucher über Treppenhäuser in die Sportanlage gelangten. Dort befanden sich hinter der Anmeldung, der Schuhausleihe, dem Verkaufstresen und der Bar das Herzstück der Anlage: 16 Bowlingbahnen samt zugehöriger Spielerfläche mit Bänken, Sitztischen, Ballrückholmaschinen und Ballablage. In der Bowlinghalle gab außerdem Sanitäranlagen, einen Lounge-Bereich und neben dem regulären Spielbetrieb jede Menge Veranstaltungen, Club-Abende, Turniere, professionelle Spiele, besondere Events und Themenabende.
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Geister-Bowlingbahn Steglitz: Lost Place nach Feuer Anfang der 90er-Jahre

Der Werbeslogan der Bowlinganlage „US-Flair und beste amerikanische Steaks“ lockte Besucher an. Mehr als 20 Jahre lang war Süd-Bowling in Steglitz eines der erfolgreichsten Bowlingcenter im geteilten Berlin, bis nach der Wiedervereinigung Anfang der 1990er-Jahre ein Brand das Ende für die traditionsreiche Halle bedeutete. Das Gebäude samt Parkdeck brannten komplett aus und hinterließen eine moderne Ruine mitten in Berlin. Lichterloh hatten die Flammen alle Innenbereiche erfasst. Nachdem das Feuer gelöscht worden war, wurde das ganze Ausmaß der Brandkatastrophe sichtbar.
Die Halle war unbrauchbar geworden, im Parkdeck blieb ein ausgebranntes Autowrack zurück. Ein Betreten der früheren Freizeitanlage bedeutete akute Lebensgefahr: Teile des Daches waren eingestürzt, der Boden in weiten Bereichen durch die Hitzewirkung nicht mehr belastbar, die freigelegten Maschinen und Stahlträger rosteten vor sich hin. Im rußgeschwärzten Innenbereich fanden sich überall angesengte Erinnerungsstücke aus besseren Tagen – doch zu Aufräumarbeiten sollte es nie kommen. Die Brandruine wurde einfach stehengelassen und überdauerte als Lost Place die Jahre.
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Geister-Bowlingbahn Steglitz: Langsamer Verfall der Brandruine im Wohngebiet
Am Ende stand die Geisterbowlingbahn von Steglitz länger als Ruine verloren im Stadtteil herum, als sie überhaupt als Bowlingbahn in Betrieb gewesen war. Niemand schien sich mehr für die einsturzgefährdeten Überreste am Selerweg zu interessieren, außer Menschen, deren Entdeckungslust durch die Löcher am Bauzaun angespornt wurde. Das Ex-Bowlingcenter entwickelte sich über die Jahre zu einem beliebten Ziel für Lost Place-Jäger, die in den Trümmern Ausschau nach Verborgenem hielten („Urban Exploration“) oder das ausgebrannte Freizeitzentrum samt alten Verleihautomaten, einzelnen Pins und zurückgelassenen Bowlingschuhen als morbide Kulisse für Fotoshootings nutzten.
Im Laufe der Jahre mehrten sich die Spuren von Verfall und Vandalismus in den ohnehin stark zerstörten Räumlichkeiten der alten Bowlinghalle: Die von Graffiti überzogenen Wände begannen zu bröckeln, Kabel und Metallstangen hingen von der einsturzgefährdeten Decke, überall wohin man trat, lag aufgeweichter Schutt in dem vom Feuer zum Teil pechschwarz eingerußtem Innenbereich, der mit Asche und Schlacke kontaminiert war. Jahrzehntelang mussten die Anwohner dem endgültigen Verfall der letzten Überreste der ehemaligen Bowlinghalle mitansehen, ohne dass sich auf dem Grundstück etwas tat. Das Grundstück verwilderte; die letzten brauchbaren Metallstücke wurden von Kabeldieben aus den Wänden gerissen.
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Geister-Bowlingbahn Steglitz: Viele Pläne, kein Fortschritt
Mehrmals gab es seit den 1990er-Jahren Versuche, die Problemimmobilie am Selerweg wiederzubeleben: 1998 meldete ein Unternehmer Interesse an, das Grundstück zu entwickeln. Vorwiegend sollten Wohnungen auf dem Areal der Brandruine und angrenzender Flächen entstehen. Doch nachdem ein Vorhaben- und Erschließungsplan vom Bezirk abgesegnet worden war, scheiterten das Vorhaben an der Insolvenz des damaligen Investors. Weiter Jahre dämmerte die Problemhalle mit dem obskuren Charme einer alten Industrie-Ruine vor sich hin. Inzwischen hatten sich junge Bäume den Weg durch den bröckelnden Beton gebrochen und verwuchsen mit der Halle zu einer pittoresken Ruinenlandschaft.
Den nächsten Anlauf gab es 2010. Der alte Erschließungsplan wurde aufgehoben und gleichzeitig ein neuer Bebauungsplan beschlossen mit dem Ziel, die Stadtbrache durch Lückenschließung und Ergänzungsbauten der vorhandenen Bebauung anzupassen. Doch sobald fand sich kein geeigneter Investor für die in Trümmern liegende Brache in Steglitz, die zudem weiterhin in Privathand lag und damit die Eingriffsmöglichkeiten des Bezirks darauf beschränkt waren, die Voraussetzungen für eine schnelle Entwicklung zu ermöglichen.
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Geister-Bowlingbahn Steglitz: Neubauten ersetzen die Halle in den 2010er-Jahren
Weitere Jahre vergingen. 2015 folgte der Bebauungsplanentwurf 6-20, mit welchem Grundstücke und Brachen in der Albrechtstraße und dem Selerweg zur Wohnungsbebauung freigegeben wurden. Jetzt kam Bewegung in die Sache. Die H&R Grundstücksgesellschaft mbH erwarb das Areal mit dem Ziel, ein attraktives Neubauquartier zu errichten. 46 Mietwohnungen mit Grundrissen von zwei bis fünf Zimmern sollten in einer L-förmigen vier- bis sechsgeschossigen Häuserblockzeile an der Albrechtstraße 99 und dem Selerweg 2–8 entstehen. Außerdem sollte der Neubau, der einen großzügig dimensionierten, begrünten Innenhof einschloss, Platz für zwei Gewerbeeinheiten bieten. Die Entwurfspläne für das Bauwerk mit abgerundeten Gebäudeecken, französischen Balkons, Loggien und Dachterrassen sowie filigraner Klinkerverblendung an der Fassade stammten vom Berliner Architekturbüro Stephan Höhne.
2016 begannen die Arbeiten: Der Wildwuchs auf dem Gelände wurde gerodet, die Überreste der alten Bowlinghalle abgerissen und der Baugrund vorbereitet. Bis zum November 2016 war das Bowlingcenter am Selerweg 4 Geschichte und die Rohbauarbeiten für die Wohnhauszeile konnten beginnen. Die Bauarbeiten wurden zügig zu einem Abschluss gebracht; der geplante Fertigstellungstermin im Sommer 2018 wurde eingehalten und die ersten Mieter konnten ihre Wohnungen beziehen. Heute erinnert nichts mehr am Selerweg an das alte Freizeitzentrum, das zwanzig Jahre lang ein beliebter Bowling-Treffpunkt war und die Berliner dann fast 25 Jahre lang als verrottende Brandruine begleitete.
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