Im Kalten Krieg erlebte der Bunkerbau im geteilten Berlin einen Boom. In Westberlin wurden große Anlagen für den Zivilschutz errichtet – wie der Mehrzweckbunker Kudamm-Karree. Im Ernstfall hätte er knapp 3600 Schutzsuchenden offen gestanden. Auch in Ostberlin ließ die DDR-Führung Zivilschutzanlagen ausbauen. Für besondere Aufgaben allerdings wurden Bunker versteckt: Einer der tief unter der Erde verborgenen Bunker war der Tiefbunker an der Hobrechtsfelder Chaussee in Berlin-Buch. Die wichtigsten Infos zu dem Lost Place.
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Das sind die Fakten zum Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee im Überblick:
- Adresse: Hobrechtsfelder Chaussee 210, 13125 Berlin-Buch
- Geschichte: In den 1960er-Jahren als Bunker für die Ausweichführungsstelle der Kreiseinsatzleitung (KEL) gebaut; nach der Wiedervereinigung im Mai 1997 kurzzeitig als öffentliche Zivilschutzanlage anerkannt, vor 2007 wieder aus der Bindung entlassen; seitdem Leerstand und Verfall
- Bunktertyp: Tiefbunker Typ „LP-09“ (Bautyp A)
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Lost Place
Wo liegt der Tiefbunker genau?
Der Tiefbunker liegt an der Adresse Hobrechtsfelder Chaussee 210 im Ortsteil Buch des Bezirks Pankow. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: MF2P+78P Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grundstück am besten mit der Buslinie 353 (Haltestelle Wiltbergstraße/Hobrechtsfelder Chaussee) zu erreichen. Von der Bushaltestelle ist es ein rund vierminütiger Fußweg bis zu der eingezäunten Anlage. Vom Polnitzweg an der Kreuzung Hobrechtsfelder Chaussee in den Waldweg parallel zur Chaussee in nördlicher Richtung einbiegen. Nach rund 200 Meter liegt das Bunkergelände auf der rechten Seite. Achtung: Der Bunker befindet sich auf einem umzäunten Gelände. Das Betreten ist Unbefugten nicht erlaubt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Tiefbunkers Hobrechtsfelder Chaussee:
Ausgangslage: Bunkerbau im Berlin der 1960er-Jahre

Anfang der 1960er-Jahre ging der Kalte Krieg in eine seiner heißeren Phasen über: Der Mauerbau 1961 und die Kubakrise 1962 sorgten für eine Verschärfung der Blockkonfrontation im geteilten Deutschland. Auch in Berlin erfolgte ein Strategiewechsel. Waren nach dem Zweiten Weltkrieg Bunkeranlagen noch abgerissen worden, wurden jetzt beidseits der Mauer alte Schutzbauten reaktiviert und neue Bunker im sandigen Boden Berlins und Brandenburgs versenkt.

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Die klassischen Luftschutzbunker wurden durch Atomschutzbunker ergänzt, die größeren Druckkräften und der Verseuchung und Verstrahlung von Gebieten standhalten sollten. Neben Zivilschutz- und Militärbunkern diente ein weiterer Typ von Schutzanlagen der Sicherstellung von Nachrichtenwegen und der militärischen Führung und Aufklärung – sogenannte Nachrichtenbunker oder auch Fernmeldebunker. In der Regel an geheimen Standpunkten angelegt, getarnt und je nach Größe und operativer Funktion mit unterschiedlicher Fernmeldetechnik und Schutzräumen ausgestattet. Einer von ihnen: der geheime DDR-Tiefbunker an der Hobrechtsfelder Chaussee in Pankow.
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Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee: Ostberlins Vorbereitungen auf den Atomkrieg

Bereits Anfang der 1950er-Jahre hatte die DDR damit begonnen, für die Ebene der Kreiseinsatzleitungen (KEL) in Kreisstädten, besonderen Ballungsräumen wie Berlin und für ausgesuchte Wirtschaftszonen der Industrie, Kohle und des Bergbaus Schutzräume zu errichten. Die Kreiseinsatzleitungen hatten die Aufgabe, in Katastrophenfällen die Führung des Kreises und die militärische Gebietssicherung weiterzuführen. In den Vorbereitungen ausdrücklich miteinbegriffen: das Horrorszenario eines nuklearen Krieges in Deutschland.
Daneben befand sich weiteres Personal in der Führungsstelle. Im Kriegsfall sollte aus den Bunkern heraus auch die Leitung der Bekämpfung von Feindeinheiten koordiniert werden. Zu den Aufgaben im Verteidigungsfall gehörten der ständige Austausch von Lagemeldungen sowie die Koordinierung von Kampfverbänden zur Vernichtung feindlicher Truppen.
Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee: 1962 war der DDR-Bunker einsatzbereit
Für jeden der mehr als 200 Stadt- und Landkreise der DDR wurde eine eigene Ausweichführungsstelle gebaut. Die Führung sollte aus leicht geschützten, vornehmlich unterirdischen Schutzanlagen erfolgen. Die Bunker sicherten die konspirative Unterbringung des Arbeitsstabes in einem kleineren Schutzbau, von dem aus Operationen geleitet werden sollten. Der seit den 1960er-Jahren in der DDR am häufigsten für diese Aufgabe eingesetzte Bunkertyp war der Tiefbunker „LP-09“.
Um diesen Bautyp handelte es sich auch bei dem Bunker, der 1962 auf einem waldigen Stück Land im Norden Berlins unweit des DDR-Regierungskrankenhauses gebaut wurde. Die Anlage konnte gegen direkte Waffeneinwirkung wenig ausrichten, bot jedoch für eine gewisse Zeit Schutz gegen Kernstrahlung, biologische und chemische Waffen. Die Entwürfe für den Typenbau stammten vom VEB „Industrieprojektierung Erfurt“. Mit der Bauausführung war der VEB „Spezialbau Potsdam“ beauftragt. Ab 1962/1963 war die KEL-Ausweichführungsstelle einsatzbereit.
Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee: So war der KEL-Bunker konzipiert
Oberirdisch war von der Schutzanlage mitten im Wald nicht viel zu sehen. Selbst wenn man sich während eines Waldspaziergangs nahe des eingefriedeten Bereiches an der Hobrechtsfelder Chaussee aufhalten sollte, waren die Aufbauten im Unterholz kaum zu erkennen. Die Bunkeranlage befand sich im Erdboden versenkt unter einem aufgeschütteten, kreisrunden Hügel. Der Bereich war durch Schutzzäune gesichert. Vom einem Waldweg aus führte eine Einfahrt zu dem Objekt.
Unauffällig links neben der Einfahrt war ein betonierter Treibstofftank in den Boden eingelassen. Daneben befand sich der Zugang zu dem Bunker und ein kleinerer Motorradunterstand. Über eine Treppe konnte das Bunkerpersonal die Schleuse des Bunkers erreichen. Von außen waren sonst nur noch die gemauerten Schächte für die Zuluft, die Entlüftungsrohre und der versiegelte hintere Notausstieg sichtbar. Die Maße des Bunkers betrugen ungefähr 15 mal 11 Meter Länge und Breite bei einer Innenfläche von rund 140 Quadratmetern.
Die Außenwände, einige Innenwände sowie die Decke des Bunkers waren monolithisch aus Stahlbeton angefertigt, die übrigen Innenwände gemauert. Die Wandstärke der Außenwände und der Decke betrug etwa 30 Zentimeter. Auf der Bunkerdecke befand sich eine mehr als ein Meter hohe Erdaufschüttung. Der abseits des Bunkers gebaute Treibstofftank für den Dieselmotor und Drehstrom-Generator konnte mehrere Tausend Liter Treibstoff fassen und sicherte im Notfall über eine Rohrleitung den Fortbetrieb im Bunker.
Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee: Dekontamination gegen den nuklearen Fallout

Im Inneren des Bunkers befanden sich hinter schweren Luftschutz-Stahltüren der Schleusenbereich mit Dekontaminationsdusche. Seitlich davon ging ein Raum ab, in dem sich die Netzersatzanlage (NEA) zur Stromversorgung befand sowie die erste von zwei Belüftungsanlagen. Über einen Kriechgang zur Rechten der Schleuse hinter einer Druckluftschutzklappe konnte der Zulauf zum Treibstofftank und die Treibstoffpumpe erreicht werden, mit dem bei Stromausfall die Notstromversorgung über Generatoren ermöglicht wurde. Hinter der Schleuse links – der Zugang zum Bunker war mehrfach geknickt, um den Splitter- und Explosionsschutz vor Druckwellen zu verbessern – lag der eigentliche Schutzbereich des Bunkers.
Ein Mittelgang trennte den Bunker in zwei Bereiche. Auf der linken Seite lag hinter der Schleuse ein Sanitärraum mit Waschbecken, WC und Urinal, dahinter die Wasserversorgung mit drei Wassertanks und einem Boiler. Im hinteren Bereich des Bunkers lagen Arbeits- und Lagerräume und der Nachrichtenraum mit Anschlüssen an das öffentliche Telefonnetz sowie Verbindungen zum geschützten S1-Sondernetz der DDR – im Parteijargon: „Integriertes Stabsnetz der Partei- und Staatsführung der DDR und der bewaffneten Organe“, mit dem abhörsichere Verbindungen zu Dienststellen im zivilen und militärischen Bereich geschaltet werden konnten.
Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee: Schutz und Luftversorgung im Katastrophenfall

Auf der rechten Seite des Mittelgangs befand sich der zentrale Lager- und Aufenthaltsraum des Bunkers mit einer Länge und Breite von rund 7 mal 5 Metern. Dahinter eine Küche mit eigenem Lagerraum, Herd und Ausgabe und ein Ruheraum. Rechts neben der Küche führte ein Gang zur hinteren Druckwellendämpfer-Belüftung, vor der rechts noch ein mit Druckluftschutzklappe geschützter Kriechgang abging, der zu einem Schacht mit Leitersprossen führte. Über diesen konnte der hintere verschweißte Notausstieg des Bunkers erreicht werden. Alle Durchgänge im Bunker waren mit phosphoreszierender Farbe bestrichen, so dass sich die Bunkermannschaft auch noch bei einem Totalausfall der Elektrik orientieren konnte.
Für die Belüftung wurde die Außenluft durch Kies-Druckwellendämpfer angesaugt, der bei einer Explosion die entstehende Druckwelle abdämpft und eine gewisse Vorfilterung gegen grobe Stäube ermöglicht. Anschließend wurde die Luft durch spezielle Filter geleitet, in denen radioaktive Substanzen, Krankheitserreger und Giftstoffe zurückgehalten wurden. Eine zuschaltbare elektrische Heizung konnte den Luftstrom erwärmen und sorgte für die Beheizung des Bunkers. Durch ein Rohrsystem wurde die gefilterte Luft in die Räume des Bunkers geleitet und über Schnellschuss-Klappen über die Schleuse und den Eingang ins Freie geleitet. Im Bunker herrschte konstant ein gewisser Überdruck, um Giftstoffe das Eindringen zu erschweren. Der NEA-Raum hatte für die Verbrennung und Kühlung eine eigene Belüftung mit Druckwellendämpfer. Das Abgas des Motors wurde über ein Abgasrohr ins Freie geleitet.
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Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee: Nachrichtendienstliche Aufgaben in der DDR-Zeit

Während der knapp drei Jahrzehnte, die der Bunker bis zum Ende der DDR versteckt in einem Waldstück in Buch für den Einsatz im Krisenfall bereit stand, kam es glücklicherweise nicht zu einer Eskalation des Kalten Kriegs – der nukleare GAU blieb aus. So wurde der Bunker nie als Ausweichführungsstelle der Bezirksleitung benötigt. In der Friedenszeit bis 1990 wurde er stattdessen als Nachrichtenbunker mit „besonderen Aufgaben“ genutzt. Sprich: in dem Bunker leisteten Nachrichtenoffiziere in abhörgeschützten Kabinen Dienst. Sie belauschten Telefongespräche, protokollierten, leiten Informationen weiter und richteten geschützte Verbindungen für DDR-Kader ein.
Für diese Funktionen wurde die Küche des Bunkers wohl zum Dispatcherraum umfunktioniert, von der aus die eingebunkerten Fernmeldespezialisten ihre Aufgaben zugewiesen bekamen. In den 1980er-Jahren erhielt der in die Jahre gekommene Bunker noch einmal eine Runderneuerung: frische Farbe, teilweise neue Technik und eine Sanierung der Innenräume. Doch lange sollte die konspirative Tätigkeit im Untergrund des nördlichen Pankows nicht mehr währen. Mit der Wiedervereinigung Anfang der 1990er-Jahre gingen in dem Tiefbunker die Lichter aus – die Phosphorfarbe an den Bunkerwänden dämmerte noch eine Zeitlang nach.
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Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee: Lost Place nach der Wiedervereinigung
Nach der Wende fiel der Pankower Bunker in einen dauerhaften Dornröschenschlaf. Mit der Wiedervereinigung war er in Landesbesitz übergegangen – doch eine neue Aufgabe konnte für das DDR-Relikt dauerhaft nicht gefunden werden. Die Technik im Bunker wurde entfernt, die Leitungen gekappt. Immerhin: Im Mai 1997 wurde der Nachrichtenbunker vom Bundesministerium des Inneren in das Zivilschutzprogramm der Bundesrepublik Deutschland aufgenommen.
Nominell hätten in dem unterirdischen Räumen am Rande Berlins 250 Menschen im Krisenfall Unterschlupf finden können. Zusammen mit den in den 1970er-Jahren gebauten großen Mehrzweckanlagen, beispielsweise am Kudamm-Karree in Charlottenburg und am U-Bahnhof Pankstraße in Wedding, und einigen modernisierten Weltkriegsbunkern wie etwa dem Hochbunker an der Eiswaldstraße in Steglitz standen in Berlin in den 1990er-Jahren 23 Anlagen mit einer Schutzkapazität für etwa 27.000 Menschen bereit – damals rund ein Prozent der Bevölkerung.
Ob der Papiertiger im Ernstfall überhaupt eine Menschenseele hätten retten können, ist fraglich; entsprechende Einbauten und Schutzausrüstung fehlten. Noch bevor Bund und Länder 2007 das Bunker-Zivilschutzprogramm auf Eis legten, war die Anlage an der Hobrechtsfelder Chaussee aus der Bindung entlassen worden und fristete seitdem buchstäblich ein Schattendasein.
Tiefbunker Hobrechtsfelder Chaussee: Wie ist die Situation heute?
Jahrzehntelang moderte der alte DDR-Bunker als Nachwende-Lost-Place in Buch vor sich hin. Die Eingänge wurden versiegelt, dass Gelände abgezäunt und durch Sicherheitsdienste und die Forstverwaltung kontrolliert. Dennoch gelang es Lost-Places-Jägern und entdeckungsfreudigen Jugendlichen immer wieder, sich Zutritt zu verschaffen. Die Wände im Bunker wurden mit Graffiti überzogen. Zurückgelassene Bierflaschen und Müll zeugen von eigenhändiger Nachnutzung des stillgelegten Bunkers als eine Adresse für exklusive Partys mit morbiden Charme.
Alle paar Jahre wird die ehemalige DDR-Ausweichführungsstelle aufgebrochen. Zuletzt wurde sogar die Stahltür des Bunkers mit einem Auto seitlich weggerissen – und immer wieder wird der Zugang erneut verschlossen. Abseits der Spuren von Vandalismus ist der stillgelegte Bunker gut erhalten. Nässe ist bislang nicht in größerem Ausmaß in das Gemäuer eingedrungen. Rohre und Stahltüren sind kaum verrostet. Auch die Bunkertechnik, zum Teil aus den 1960er-Jahren der DDR, weist einen beinahe musealen Erhaltungszustand auf. Was mit dem gut erhaltenen Zeugnis aus der Hochphase des Kalten Krieges geschehen soll, liegt dagegen vollkommen im Dunkeln.





