Wo heute Hotelgäste und Berliner stilvoll ihre Bahnen ziehen, suchten vor über 120 Jahren Anwohner im Prenzlauer Berg nach Hygiene und Erfrischung: Das Stadtbad Oderberger zählt zu den bekanntesten Badeanstalten Berlins – und hat eine eindrucksvolle Geschichte hinter sich.

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Jahrzehntelang war das Bad ein zentraler Ort des öffentlichen Lebens, bevor es Ende der 1980er stillgelegt wurde. Danach verfiel das denkmalgeschützte Gebäude – und wurde zum Lost Place mit besonderer Aura. Heute erstrahlt das Stadtbad Oderberger in neuem Glanz. Wie es zu dieser Wandlung kam, welche Geschichte hinter dem Bauwerk steckt und warum seine Sanierung ein architektonisches Meisterstück ist – das erfahren Sie hier.
Die wichtigsten Fakten zum Stadtbad Oderberger im Überblick:
- Adresse: Oderberger Straße 57, 10435 Berlin-Prenzlauer Berg
- Geschichte: 1902 als Stadtbad eröffnet, 1986 aus Sicherheitsgründen geschlossen, 2016 nach Sanierung wiedereröffnet
- Führungen: Jeden ersten Dienstag im Monat um 17 Uhr findet eine kostenlose Führung durch das Stadtbad statt (außer an Feiertagen). Treffpunkt ist die Rezeption des Hotel Oderberger. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich
- Status: Ehemaliger Lost Place. Seit 2016 saniert und wiedereröffnet
Anfahrt: Wo liegt das Stadtbad Oderberger genau?
Das Bad liegt im Hotel Oderberger an der Oderberger Straße 57 in Berlin-Prenzlauer Berg. Vom U-Bahnhof Eberswalder (U2) ist das Bad fußläufig zu erreichen. Außerdem halten die Tramlinien 12, M1 und M10 in der Nähe (Haltestelle U Eberswalder Straße) und der Bus N2 (Haltestelle Sredzkistraße).
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Stadtbads Oderberger:
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Ausgangslage: Bedarf eines Bades in Prenzlauer Berg
„Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad“, forderte der Berliner Arzt Oskar Lassar in den 1870er-Jahren. Das war aber gar nicht so einfach, wenn die enge Mietwohnung kein fließendes Wasser hatte. Nachdem der Stadtteil Prenzlauer Berg zu Beginn der Gründerzeit rasant gewachsen war, begann die Stadt Ende der 1870er-Jahre mit dem Bau öffentlicher Einrichtungen im Kiez.
Ende der 1890er-Jahre kamen aus hygienischen Gründen Volksbadeanstalten hinzu. Das Stadtbad Oderberger wurde 1898 vom Architekten und Berliner Stadtbaurat Ludwig Hoffmann (1852–1932) entworfen, um den Bezirk Prenzlauer Berg mit einem Volksbad zu versorgen.
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Stadtbad Oderberger: Planung und Eröffnung in der Kaiserzeit
1899 begannen die Bauarbeiten an der Oderberger Straße. Das Neorenaissance-Bad wurde 1902 eröffnet und ein großer Erfolg im Arbeiterkiez. Das Stadtbad bot nicht nur die Möglichkeiten zum Schwimmen, sondern vor allem zum Baden und Brausen und steigerte damit die hygienischen Verhältnisse enorm. Die reichen Verzierungen und Skulpturen im Bad waren nach Vorlagen des Bildhauers Otto Lessing geschaffen worden.
Im Inneren fanden Badegäste alles vor, was den Erfordernissen der Zeit entsprach: Das große zentrale Schwimmbassin war gesäumt von den getrennten Brausebädern für Männer und Frauen. Bademeister wachten über die Sicherheit und im hinteren Teil fanden sich Seifräume und das große Kesselhaus des Bades. Vier innere Höfe versorgten die Gebäudeteile mit natürlichem Licht.
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Stadtbad Oderberger: Beliebtes Volksbad auch in der DDR-Zeit

1936 erfolgten einige bauliche Veränderungen: Die von Ludwig Hoffmann konzipierten Lichthöfe wurden nun aus Platzmangel überbaut. Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude ohne große Schäden und wurde auch in der Nachkriegszeit und der DDR eifrig als Stadtbad genutzt. Bis in die 1980er-Jahre erfreute es sich großer Beliebtheit. 1977 erfolgte der jüngste Umbau – das Stadtbad erhielt eine Sauna, die seitdem das zentrale Schwimmbecken und die Kabinen fürs Wannenbad ergänzte.
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Stadtbad Oderberger: Umbau-Fehlplanung führt zur Schließung
Um die Heizanlage aus der Kaiserzeit zu verbessern, erhielt der Komplex in der DDR-Zeit auch einen Schornstein-Anbau aus Beton. Das aber hatte fatale Folgen: Die Statik des Gebäudes litt unter dem Anbau so sehr, dass Risse im Beckenboden und in den Deckengewölben auftraten. Aus Sicherheitsgründen musste das Bad im Dezember 1986 geschlossen werden. Sanierungskonzepte konnten bis zur Wende nicht mehr umgesetzt werden und nachdem bis 1997 auch die Wannen- und Duschbäder und die Sauna des Gebäudes geschlossen werden mussten, versank das Stadtbad Oderberger in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf.
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Stadtbad Oderberger: Das Bad wird nach der Wende zum Lost Place
Ab 1994 dient das leere Schwimmbecken als Eventlocation und sporadischer Veranstaltungsort für Partys, Fotosessions und Kunstausstellungen. Für den Erhalt setzte sich eine 1989 gegründete Bürgerinitiative ein, die die Sanierung und die erneute Nutzung als Badeanstalt forderte. Aus ihr ging im Jahr 2000 die „Genossenschaft Stadtbad Oderberger Straße“ hervor, die die Immobilie 2002 erwarb.
Mehrfach scheiterten Instandsetzungspläne und der Zahn der Zeit begann an dem historischen Gebäude seine Spuren zu hinterlassen, bis 2012 endlich die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes beginnen konnte. Als neuer Eigentümer ließ die GLS Sprachenschule die Schwimmhalle sanieren und die übrigen Gebäudeteile zum Hotel Oderberger ausbauen.
Stadtbad Oderberger: Seit 2016 herrscht hier wieder Schwimmbetrieb
Nach 30 Jahren, in denen das Schwimmbecken auf dem trockenen lag, wurde es 2016 erstmals wieder für den Publikumsbesuch befüllt. Spuren der ursprünglichen Badeanstalt sind überall zu finden – antike Fliesen, eloxierte Metalltüren, Fenster und Mobiliar wurden soweit möglich wiederverwendet. Die Schwimmhalle kann außerdem – nach wie vor – für Veranstaltungen genutzt werden. Dafür wurde das Becken mit einem höhenverstellbaren Boden versehen, der bei Bedarf bis auf Beckenrandhöhe nach oben gefahren werden kann.
Stadtbad Oderberger: Wer kann im Stadtbad baden gehen?
Neben den Hotelgästen des Hotel Oderberger können auch alle anderen die einstige Volksbadeanstalt besuchen. Vor einem Besuch sollten allerdings die aktuellen Öffnungszeiten geprüft werden, das Bad wird auch für Events genutzt und dafür kurzfristig immer wieder trockengelegt.
Stadtbad Oderberger: Gibt es Führungen im historischen Stadtbad?
Jeden ersten Dienstag im Monat um 17 Uhr findet eine kostenlose Führung durch das Stadtbad statt (außer an Feiertagen). Treffpunkt ist die Rezeption des Hotel Oderberger. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.




