Meterdicke Stahlbetonwände, gefilterte Luft und kein Tageslicht: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind sie wieder zum Thema geworden; Zivilschutzbauten, Schutzräume oder einfach Bunker genannt. In Berlin gab es nach dem Zweiten Weltkrieg noch rund 360 Schutzbauten, die errichtet worden sind, um die Bevölkerung vor Luftangriffen zu schützen.

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Die Alliierten befahlen in der Regel die Sprengung, was aber nicht bei allen gelang. Zwei der verfallenen Betonkolosse, die in Ostberlin Jahrzehnte lang vor sich hin rotteten und an die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft erinnerten, waren die Seite an Seite gebauten Weltkriegsbunker an der Hauptstraße in Arkenberge. Alle Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

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Das sind die Fakten zu den Weltkriegsbunkern Arkenberge im Überblick:

  • Adresse: Hauptstraße, Ecke Breiter Weg, 13159 Berlin-Blankenfelde
  • Geschichte: Anfang der 1940er-Jahren als Luftschutzbunker errichtet; in der DDR-Zeit zum Teil als improvisierte Nachrichtenbunker genutzt; anschließend Leerstand
  • Bunkertyp: Flachbunker vom Typ 2D mit jeweils 18 Kammern und Schutzkapazität für rund 200 Personen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place

Wo lagen die Weltkriegsbunker Arkenberge genau?

Die Weltkriegsbunker Arkenberge lagen auf einer Grünfläche an der Hauptstraße, auf der Höhe des Breiten Weges im Ortsteil Blankenfelde des Bezirks Pankow. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für die Objekte lauten: J9RX+5Q3 Berlin (Bunker Süd) und J9RX+6PQ Berlin (Bunker Nord). Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal am besten mit der Buslinie 107 (Haltestelle Arkenberge) zu erreichen. Die Busstation grenzt unmittelbar an die Fläche an, auf der die Bunker verborgen liegen. Achtung: Von den beiden Bunkern kann man oberirdisch nichts mehr sehen. Die Bunkerüberreste sind im Boden verschüttet und nicht zugänglich. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der Weltkriegsbunker Arkenberge:

Ausgangslage: Luftschutz-Sofortprogramm für Berlin im Zweiten Weltkrieg

Unterricht mit Volksgasmaske 1939 - Lesson with gasmasks / 1939 -
Unterricht im Selbstschutz mit der Volksgasmaske ‚VM 37‘ in einer Luftschutzschule in Berlin: Mädchen des BDM beim Unterricht im September 1939© picture-alliance / akg-images | akg-images

Als 1940 Luftangriffe der Alliierten erstmals die Reichshauptstadt trafen, reagierte die NS-Führung hektisch mit einem Bunkerbau-Sofortprogramm: Betonbauten schossen in Berlin aus dem Boden. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer geleiteten Behörde – entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten: Militär-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.

Berlin wurde mit einem Netz von Schutzbauten überzogen – in der Innenstadt, aber auch in den grünen Außenbezirken. Im Südwesten Berlins, im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf, wurden Kolosse errichtet wie der Bunker Heckeshorn auf der Wannsee-Insel, Hochbunker wie an der Eiswaldstraße und Sonderanfertigungen wie der als Wohnhaus getarnte Bunker Eiderstedter Weg. Auch im Norden Berlins entstanden Anfang der 1940er-Jahre Schutzbauwerke für die Bevölkerung. Anders als bei Hochbunkern lagen die Schutzräume von Flachbunkern unter der Erde. Zwei dieser Bunkeranlagen wurden nebeneinander am Rand der Kleingartensiedlung Arkenberge errichtet.

Weltkriegsbunker Arkenberge: Schutzbauten der „ersten Welle“

Die beiden Bunker gehörten zur „ersten Welle“ der während des Bunker-Sofortprogramms von 1940/1941 in Berlin errichteten Schutzbauten. Insgesamt waren es an die 1000 Anlagen, die gebaut wurden, wovon etwa 500 Flachbunker für einhundert bis dreihundert Personen in dicht besiedelten Wohngebieten entstanden. Die Schlüssel für eine Kammer mit jeweils zwei 3-Stockbetten wurden bevorzugt an kinderreiche Familien aus der Umgebung vergeben. Zusätzlich gab es zumeist Aufenthalts- und Sanitärräume sowie Schleusen, Räume für die Bunkertechnik und für das Luftschutzpersonal beziehungsweise den Bunkerwart.

Auf dem Baugrund westlich der Hauptstraße an der Einbiegung zum Breiten Weg gegenüber der Kleingartenanlage Arkenberge hatten sich zuvor landwirtschaftlich genutzte Ackerflächen befunden. Die Umgebung war idyllisch, ländlich geprägt mit ausgedehnte Ackerflächen um den Arkenberger Baggersee und einzelnen Höfen. Erst 1932 war die Kleingartensiedlung mit 72 Parzellen entlang der Hauptstraße gegründet worden.

Seitdem hatten sich einige Hundert Bewohner mit Wohnlauben und Schrebergärten in dem nordöstlichen Zipfel am Rande Berlins niedergelassen. Anfang der 1940er-Jahre versammelten sich die Kinder der Nachbarschaft und beobachten staunend die Aktivitäten, als schweres Gerät an den Schrebergärten vorbeifuhr, Arbeiter den Ackerboden aufrissen und der Bau der beiden Betonriesen an der Hauptstraße begann.

Weltkriegsbunker Arkenberge: So waren die Bunker aufgebaut

Alter Luftschutzbunker in Frankfurt
Das Innere der Bunker bot Schutz und neben Kammern, die mit Hochbetten ausgestattet waren, unter anderem Sanitäts- und Sanitärräume, allerlei Technik, Gasschleusen, größere Aufenthaltsräume und Räumlichkeiten für das Luftschutzpersonal und den Bunkerwart.© picture alliance/dpa | Boris Roessler

Bei den Anfang der 1940er-Jahre errichteten Bunkern an der Hauptstraße handelte es sich um zwei parallel nebeneinander gebauten Flachbunker vom Typ 2D mit jeweils 18 Schutzkammern. Die Bunker waren mit ihren Stirnseiten an der Straßenflucht der Hauptstraße ausgerichtet und für die Bewohner der östlich angrenzenden Kleingartenanlage bei Fliegeralarm fußläufig zu erreichen.

Je zwei seitliche Zugänge führten über Treppen in das unter dem Straßenniveau liegende Bunkerinnere. Dort riegelten dicke Eisentüren mit Sichtlöchern die dahinterliegenden Schutzräume hermetisch ab. Vorbei an Sanitärräumen und der Bunkeraufsicht führten zwei parallele Gänge mit je sechs Kammern sowie einer Kammerzeile in der Mitte zum hinteren Ausgang. Dort gab es einen größeren Aufenthaltsraum, einen Sanitärraum, einen Heizungsraum, Sandfilter, Lüftungsgeräte und Schutztüren, die die zweite Schleuse des hinteren Notausgangs sicherten. Es gab für Männer und Frauen getrennte Sanitärbereiche, einen Wasserzulauf und einen Generator für Elektrizität.

Weltkriegsbunker Arkenberge: Schutz unter meterdickem Stahlbeton

Im Sanitärbereich befanden sich Toiletten- und Waschräume. Die Schutzzellen der Bunker waren als Schlafkammern mit einer Grundfläche von etwa sechs Quadratmetern ausgelegt, in denen jeweils zwei dreistöckige Betten standen. Die Bauwerke wurden durch Luftschutzsymbole als Zufluchtsstätte gekennzeichnet. Die Rettungswege im Inneren – und Hinweise wie „Nicht rauchen“ und „Ruhe bewahren“ – waren mit fluoreszierender Farbe auf den Bunkerwänden angebracht. So konnte Fluchtwege auch bei einem Totalausfall der Bunkertechnik noch genutzt werden.

Bei Luftalarm liefen Familien mit ihren Kindern zu dem Bunker in der Hauptstraße, in dessen schützenden Wänden ihnen – sofern sie einen Berechtigungsschein hatten und sie den Bunker rechtzeitig erreichten – reservierte Schlafräume zur Verfügung standen. Für die älteren Anwohner oder auch zufällig Schutz suchenden Passanten gab es größere Räume mit Holzbänken. Der Einlass wurde durch Luftschutzpersonal geregelt. Wer nach Fliegeralarm die zumeist überfüllten Bunker nicht rechtzeitig erreichte, stand vor verschlossenen Türen. Doch auch im Inneren herrschte häufig beklemmende Todesangst.

Weltkriegsbunker Arkenberge: Tödliche Gefahr durch Luftarmut und Panik

Gedenkveranstaltung des Vereins Berliner Unterwelten
Die Zellen der Schutzbunker waren mit dreistöckigen Betten ausgestattet: Die Aufnahme entstand am 3. Februar 2025 bei der Gedenkveranstaltung des Vereins Berliner Unterwelten zum Auftakt des Gedenkjahres „80 Jahre Kriegsende“ in der Bunker- und Tunnelanlage unter der Dresdener Straße zwischen Berlin-Mitte und Kreuzberg. © picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Als sich in den letzten Kriegsjahren die Bombenangriffe auf Berlin verstärkten, wurden bomben-, trümmer- und splittersichere Luftschutzbauten als Zuflucht für die Bevölkerung immer wichtiger. Sirenen, gepackte Koffer und Nächte in dichtgedrängten Schutzbunkern gehörten zum Alltag in der Reichshauptstadt. Doch nicht nur durch Bombentreffer und Verschüttung konnten die unterirdischen Betonkolosse zur Todesfalle werden.

Wenn die elektrische Belüftung ausfiel, konnten die Bunker noch manuell durch Handkurbeln mit Strom und Luft versorgt werden. Doch die Anstrengungen waren enorm, um die verbrauchte Luft im Bunker auszutauschen und einen ausreichenden Sauerstoffgehalt aufrechtzuerhalten. Oft war die Luft so dünn und die Situation so beengend, dass Menschen in Panik gerieten.

Bei nahen Bombeneinschlägen bebten die Bunkerwände, von den Decken rieselte Staub, der durch die engen Gänge waberte und die Elektrik und das Licht fielen für Sekunden aus. Vereinzelt kam es in den Berliner Bunkern auch durch bloße Überfüllung, Gedränge und tumultartigen Ausnahmezuständen zu Todesfällen, ohne dass ein Bombentreffer oder das Kriegsgeschehen außerhalb der Bunkerwände eine unmittelbare Rolle spielten.

Weltkriegsbunker Arkenberge: Anlage rettete Anwohner vor Bombensturm

Schlacht um Berlin/sowjet.Kampfflugzeuge
Schlacht um Berlin: Sowjetische Kampfflugzeuge überfliegen Berlin im Frühjahr 1945.© picture-alliance / akg-images | akg-images

Die beiden Bunker an der Kleingartenanlage Arkenberge erhielten im Zweiten Weltkrieg keinen direkten Treffer – und retteten vermutlich etlichen Anwohnern das Leben, die sich während der ab 1943 verstärkten Angriffe in die Flachbunker retten konnten. Trotz des Versuchs von versprengten Wehrmachtssoldaten und NS-Funktionären – im Volksmund wegen ihrer goldbraunen Uniform „Goldfasane“ genannt – Zivilbunker in den letzten Kriegstagen in das Kampfgeschehen miteinzubeziehen und Waffen an die Bunkerinsassen zu verteilen, verlief die Übergabe der Berliner Schutzbunker in der Regel friedlich und ohne Widerstand.

Im Frühjahr 1945 erreichten Verbände der Roten Armee Berlin und lieferten sich ein Wettrennen um die Einnahme der Stadt. Vom Norden rückte Marschall Georgi Schukow (1896–1974) mit Verbänden der 1. Weißrussischen Front von Marzahn aus in Richtung Innenstadt vor. Die nördliche Umfassung Berlins ermöglichte mehrere Angriffskeile. Eine von diesen – gebildet vom 12. Gardekorps – rückte im Nordosten über Lübars, Rosenthal und Blankenfelde nach Reinickendorf vor. Am 23. April 1945 war der teils erbitterte Widerstand in den nördlichen Vororten Berlins gebrochen und der Krieg im Gebiet rund um die Kleingartenanlage Arkenberge beendet – wenige Tage später, in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945, endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa.

Weltkriegsbunker Arkenberge: Sprengung von Berlins Bunkern nach dem Krieg

Berlin, Mauerstraße / Bunkersprengung 1947
Die Alliierten befahlen die Sprengung der Berliner Bunker, was nicht bei allen gelang Sprengung des Bunkers der Gauleitung der NSDAP in der Mauerstraße (Berlin-Mitte) 1947© picture alliance / akg-images | akg-images

Nach Kriegsende wurden bis 1948 mehr als die Hälfte der Bunker und Luftschutzstollen Berlins im Rahmen der Entmilitarisierung durch die Alliierten abgebaut oder gesprengt. Die Zivilbevölkerung reagierte mit Unverständnis: Schließlich gehörten die Bunker in manchen Stadtteilen zu den wenigen noch intakten kommunalen Bauwerken. In den ersten Nachkriegsmonaten fanden in ihnen ausgebombte Familien, Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und Kälteopfer einen Unterschlupf. Für die Beseitigung der Stahlbetongiganten waren Tonnen an Sprengstoff nötig.

Überall in der Stadt detonierten Sprengladungen – doch viele der Betonkolosse hielten den Abrissmaßnahmen stand; manche wurden kurzerhand zugeschüttet oder erhielten eine zivile Funktion als Notunterkunft oder als Lager für Lebensmitteln, Hausrat oder von Mitteln des täglichen Bedarfs. Die gleichbleibenden Temperaturen unter Erde und der Schutz vor Witterung hinter meterdickem Beton bot sich für diese Zwecke an. Einige der Zivilschutzbunker im Westteil der Stadt wurden auch für die Lagerung der Senatsreserve herangezogen. Die beiden nördlichsten Schutzbunker Berlins in Arkenberge, die nach der Teilung Berlins zum sowjetisch kontrollierten Sektor gehörten, sollten eine andere Aufgabe erhalten.

Weltkriegsbunker Arkenberge: Stasi-Aktivitäten im Kleingartenverein

Luftschutzbunker
Sowjetische Fernmeldetechnik im ehemaligen Fernmeldebunker „Zeppelin“ in Zossen-Wünsdorf.© picture alliance / akg-images / Sammlung Foedrowitz | akg-images / Sammlung Foedrowitz

Die beiden Weltkriegsbunker in Arkenberge wurden nach dem Krieg nicht entmilitarisiert, sondern erhielten kurzzeitig eine andere Aufgabe. Nördlich von ihnen wurden Anfang der 1950er-Jahre Fernmeldemasten installiert. Die beiden Bunker wurden eine Zeitlang als improvisierte Nachrichtenbunker für die Abteilung N (Nachrichten) des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) genutzt. In den Bunkerräumen wurden Schalt- und Relaisstationen eingebaut. Die Anlage diente der Weiterleitung von als geheim eingestuften Nachrichten und wurde vermutlich durch als Kleingärtner getarnte Stasi-Mitarbeiter geschützt.

Ende der 1960er- und Anfang der 1970er-Jahre wurden von der Stasi wenige Hundert Meter weiter südlich am Kiessee Arkenberge neue geheime Fernmeldebunker am Rande der südlichen KGA Arkenberge gebaut – wie der getarnte Fernmeldebunker vom Typ SH-1 an der Straße nach Arkenberge 54. Die improvisierte Sendeanlage in den Weltkriegsbunkern wurde durch die neuen, kleineren Meldebunker, die von ein bis zwei Personen bedient werden konnten, überflüssig. In den 1960er-Jahren näherte sich erneut schweres Gerät den Kriegsrelikten an der Hauptstraße. Der oberirdische Teil der Anlage mitsamt den Lüftungsschächten und Eingängen der beiden Bunker wurde zertrümmert, die übrigen Bunkerteile mit Kompost und Erde verschüttet.

Weltkriegsbunker Arkenberge: Unzugänglicher Lost Place im Boden

Fast sechs Jahrzehnte lang liegen die Überreste der Bunkerruinen mittlerweile im Boden der üppig mit Bäumen bewachsenen Fläche am Rande der Kleingartenanlage Arkenberge begraben. Zwischen einem Schlammbecken und der 1987 gepflasterten Bushaltestation dämmern die Relikte aus Kriegstagen unzugänglich im Erdreich. Die Anlage an der Hauptstraße existiert heute noch. Sie ist aber mit Mutterboden überdeckt und nicht zugänglich.

Was genau bei der Zertrümmerung in den 1960er-Jahren an Bunkertechnik und ehemaliger Ausstattung in den beiden Bunkern verblieb, bevor die Zugänge verschüttet wurden, ist unbekannt – nicht ausgeschlossen, dass man bei künftigen Bauarbeiten oder Verlegungen von Versorgungsleitungen an der Kleingartenanlage Arkenberge auf interessante Funde stößt.