In idyllischer Lage am Rande des Grunewalder Forsts im Südwesten Berlins lagen die Turner Barracks. Die US-Kaserne zwischen der Krummen Lanke und dem Grunewaldsee südöstlich der Dachsheide war Standort der US-Panzerkompagnie „F40th Armor Regiment“. Berliner hatten keinen Zugang – und den meisten dürfte die US-Kaserne in Dahlem auch kaum etwas gesagt haben. Das änderte sich Mitte der 1970er-Jahre, als der Panzerstandort mit einem Schlag über Nacht weltbekannt geworden. Die wichtigsten Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

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Das sind die Fakten im Überblick:

  • Adresse: Am Petersberg, Ecke Hüttenweg, 14195 Berlin-Dahlem
  • Geschichte: 1951 wurde die US-Kaserne am Rande der Wohnsiedlung am Hüttenweg errichtet; mit dem Abzug der US-Amerikaner 1994 aufgegeben
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. 1998 wurden die Kasernengebäude abgerissen; ab 1999 entstand die Neubauwohnsiedlung „Am Petersberg“ mit 105 Wohnungen auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne

Wo lagen die Turner Barracks genau?

Das Gelände der US-Kaserne lag am Hüttenweg an der Ecke Am Petersberg im Stadtteil Dahlem des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal am besten mit der Buslinie 285 (Haltestelle Waldfriedhof Dahlem) zu erreichen. Von der Haltestelle ist es ein etwa siebenminütiger Fußweg entlang des Hüttenwegs zu dem Standort. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der Turner Barracks:

Ausgangslage: Stationierung der US-Armee im Südwesten Berlins

US-Militärbahnhof: M60-Panzer und 10.5cm-Haubitzen auf Selbstfahrlafetten der US-Armee erreichen am 22.08.1963 nach einer Fahrt durch die Sowjetzone den Bahnhof in Berlin-Lichterfelde
US-Militärbahnhof: M60-Panzer und 10.5cm-Haubitzen auf Selbstfahrlafetten der US-Armee erreichen am 22. August 1963 nach einer Fahrt durch die Sowjetzone den Bahnhof in Berlin-Lichterfelde.© Unbekannt | picture-alliance / dpa

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Dahlem als Ortsteil Zehlendorfs zusammen mit den Bezirken Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg und Steglitz Teil des amerikanischen Sektors. Die US-Amerikaner bezogen ihre Quartiere im Südwesten der geteilten Stadt: An der Clayallee in Dahlem – vormals Kronprinzenallee – lag der Sitz des Stadtkommandanten, in Lichterfelde West der US-Militärbahnhof, Militärdepots und Schießplätze wurden errichtet, abgeschottete Wohnsiedlungen entstanden für das Personal und die Familien und große Kasernenanlagen für die Soldaten.

Für die Unterbringung ihrer Soldaten griffen die US-Streitkräfte auf bereits bestehende Strukturen zurück. Die drei größten US-Kasernen standen allesamt in Lichterfelde: Die Andrews Barracks an der Finckensteinallee lag am Standort der ehemaligen Preußischen Hauptkadettenanstalt, für die McNair Barracks an der Goerzallee machten sich die Amerikaner den weiträumigen Gebäudekomplex der Telefunken-Werke zunutze und die Roosevelt Barracks waren in Bauten des preußischen Garde-Schützen-Bataillons untergebracht. Eine vierte Kaserne wurde von den Amerikanern dagegen auf freiem Feld errichtet: die Turner Barracks.

Turner Barracks in Dahlem: So war die Anlage aufgebaut

Auf einem Freigelände am Grunewald wurden 1951 Mannschaftsgebäude und Werkstätten für eine Panzereinheit errichtet: Die Turner-Kaserne war der Standort der US-Panzerkompagnie „F40th Armor Regiment“ der Berlin Brigade. Die Kompagnie war die größte ihrer Art in der US-Armee und die einzige in Berlin, bis zum Abzug der amerikanischen Soldaten 1994. Die Gebäude der Kaserne wurden im September 1951 fertiggestellt und nach dem US-amerikanischen Feldwebel Charles W. Turner (1921–1950) benannt, dem posthum die Medal of Honor – die höchste militärische Auszeichnung der USA – verliehen worden war, nachdem er 1950 im Koreakrieg gefallen war.

Die militärische Aufgabe des Standorts bestand in der Bereitstellung von Unterkünften, Verpflegung und Übungsräumen für die „F40th Armor Regiment“, die Pflege und Lagerung der Panzer in Garagen und Stellplätzen, die Bereitstellung von Lagerraum für Munition und Sprengstoffe sowie die Wartung und Instandsetzung der Panzer. Neben Fuhrpark und Hof, den Mannschaftsräumen und den Wartungseinrichtungen verfügte das Gelände über eine Kantine. Hinter der Kaserne am Dachsberg befand sich ein Munitionsdepot.

Turner Barracks in Dahlem: Santa-Claus-Panzer in der Weihnachtszeit

Das gesamte Kasernengelände war mit Doppelzäunen, Stahlträgern und Stacheldraht gesichert. Ein Posten übernahm die Zugangskontrollen am Haupttor. In der Kaserne gab es einen gesondert geschützten inneren Sicherheitsbereich. Hier gab es weitere Zugangskontrollen, und ein Posten überwachte den Schutzbereich in der Nacht von einem Wachturm aus. Gegenüber der Kaserne gab es am Hüttenweg eine Reparaturwerkstatt und eine Tankstelle für die amerikanischen Streitkräfte. Die Soldaten konnten sich hier außerdem in einem AAFES-Shop – kurz für Army & Air Force Exchange Service – mit heimischen Produkten eindecken.

Mit den Jahren der Stationierung wurde die US-Kaserne zu einem festen Bestandteil im Kiez, und es bürgerten sich ganz eigene Rituale ein. So verwandelte sich etwa jedes Jahr zu Weihnachten unter den staunenden Augen der Nachbarschaftskinder ein altersschwacher Panzer vor dem Kasernengelände – ein respekteinflößender Koreakriegs-Veteran – in einen Santa-Claus-Schlitten. Ihm vorgespannt wurde eine Rentier-Attrappe und obenauf hielt ein überlebensgroßer Santa die Zügel in der Hand.

Turner Barracks in Dahlem: Wie stoppt man einen Panzer auf der Avus?

Eine Geschichte anderer Art, die den Verlauf des Kalten Krieges hätten ändern können, ereignete sich in der Kaserne Mitte der 1970er-Jahre: Sergeant Katz, Quartiermeister in Dahlem, hatte seine Kontrollgänge im Sanitärbereich der Turner Barracks beendet, als ihn ein Anruf aus seiner Routine riss. Der Posten am Hüttenweg erklärte ihm, dass ein Panzer gerade das Haupttor der US-Kaserne durchbrochen habe. Ein Blick aus dem Fenster bestätigte es: Von der Schranke war nur verbogenes Metall übriggeblieben. Einer der in Dahlem stationierten US-Panzer rollte durch die Berliner Nacht in Richtung innerdeutscher Grenze. Wie sollte man das tonnenschwere Gefährt mit geladenem Bordgeschütz stoppen?

Der 22-jährige US-Soldat William A. Thompson Jr. hatte am 2. März 1974 gegen 2 Uhr morgens einen der in Dahlem stationierten 50 Tonnen schweren M60A1-Kampfpanzer der US-Armee samt 64 Hauptgeschützpatronen an Bord geklaut und fuhr ihn alleine von der Turner Barracks in Richtung Checkpoint Charlie. Der später von Militärjeeps, Polizeiautos und Journalisten verfolgte Panzer war vom Kasernengelände aus rechts in den Hüttenweg eingebogen und von dort aus in die Clayallee.

Die Turner Barracks verwandelten sich augenblicklich in ein Lagezentrum, in welchem die Telefone nicht mehr stillstanden: Polizeieinheiten, Militärpolizisten, Berliner Abgeordnete und die amerikanischen Streitkräfte versuchten der Lage Herr zu werden, bevor der Panzer auf Abwegen die Sektorengrenze erreichen würde. Ein zweiter Panzer unter dem Kommando von Sergeant Katz und seiner Panzerbesatzung wurde losgeschickt, mit dem Ziel Thompson einzuholen und im Notfall gewaltsam zu stoppen.

Turner Barracks in Dahlem: Panzer-Irrfahrt endete in der DDR

Mit Sorge beobachteten die Verfolger, dass sich der Panzerturm des M60 vermeintlich bewegte, als sich das Gefährt seinen Weg durch mehrere Berliner Bezirke bahnte. Am Checkpoint Charlie verwüstete Thompson die Grenzsperren, fuhr anschließend zum Checkpoint Bravo in Dreilinden, erreichte den DDR-Grenzübergang Drewitz und stoppte seinen Panzer auf DDR-Gebiet.

Die Panzerbesatzung von Sergeant Katz hatte sich schon zuvor ihrem Ziel angenähert, visierte erst den Motorblock und dann den Gefechtsturm des irrlaufenden Panzers an, zögerte aber den eigenen Panzer zu beschießen. Auf DDR-Territorium war das Gefährt von Menschen und Fahrzeugen umringt. Wenige Augenblicke später öffnete Thompson die Panzerluke und ließ sich ohne Widerstand von US-Militärpersonal in Arrest nehmen. Die DDR-Grenzer hatten zuvor nach Rücksprache mit sowjetischen Stellen erlaubt, dass sich ein US-Jeep dem Panzer auf DDR-Gebiet nähert.

Nach kurzen Verhandlungen wurde auch der US-Kampfpanzer zurückgegeben. Die Motive für Thompsons Irrfahrt blieben im Dunkeln. Wenig hatte gefehlt, um entweder ein Panzergefecht in Dahlem oder eine Ost-West-Konfrontation an der Sektorengrenze auszulösen.

Turner Barracks in Dahlem: Lost Place in den 1990er-Jahren

Vier Jahrzehnte lang diente die Kaserne in Dahlem als Standort für das „F40th Armor Regiment“ – ab 1990 nach einer Umstrukturierung 6. Bataillon des 40. Panzerregiments – dann kam die Wiedervereinigung und der Abzug der Alliierten in den 1990er-Jahren. 1992 verließen die letzten US-Soldaten die Turner Barracks. Die Berlin Brigade wurde 1994 durch US-Präsident Bill Clinton deaktiviert und die US-Soldaten aus Deutschland abgezogen.

Die Panzerkaserne in Dahlem stand leer, bevor die Gebäude, Garagen und Werkstätten 1998 im Zuge einer geplanten Neubebauung abgerissen wurden. Auf dem Gelände der früheren Turner-Kaserne entstand seit 1999 das Neubauquartier „Am Petersberg“, das vor allem für deutsche Bundesbedienstete gedacht war: Eine geschützte Wohnanlage mit 15 viergeschossigen Stadtvillen, insgesamt 105 Wohneinheiten und eine Tiefgarage. Auf dem ehemaligen Gelände der amerikanischen Tankstelle befindet sich heute ein Supermarkt, und das Gebiet rund um das Ex-Munitionsdepot Dachsberg wurde renaturiert und als Schutzgebiet mit Hundeauslaufgebiet ausgewiesen.