Schwerbewaffnete GIs durchkämmen den Südwesten Berlins, US-Panzer nähern sich dem Todesstreifen an der Grenze zur DDR, der Bahndamm wird gesichert, Soldaten besetzen die Hochposten der Kirche und des Rathauses – was wie eine Horrorszene aus der Zeit des Kalten Krieges klingt, als die Spannungen zwischen Ost und West im geteilten Berlin jederzeit hätten eskalieren können, war ein alltägliches Szenario. Seit den 1950er-Jahren bezog die US-Armee ein Gelände in Lichterfelde Süd zwischen der Thermometersiedlung und der Grenze zur DDR. Auf dem Truppenübungsplatz „Parks Range“ trainierte sie mit schwerem Gerät. Es gab sogar eine Häuserkampfanlage, die legendäre Geisterstadt „Doughboy City“. Die wichtigsten Infos zu dem Lost Place.

Das sind die Fakten im Überblick:

  • Adresse: Areal südöstlich des S-Bahnhofs Lichterfelde Süd zwischen den Bahngleisen, dem Japaneck im Süden und der Osdorfer Straße im Osten, 12207 Berlin-Lichterfelde
  • Geschichte: 1953 von der US-Armee beschlagnahmt, um dort einen Truppenübungsplatz für die Berlin Brigade einzurichten; 1975 wurde das Gelände auf rund 70 Hektar Fläche erweitert und die Häuserkampf-Anlage „Doughboy City“ gebaut, inklusive vierstöckigen Häusern, einem Rathaus, einer Kirche und einer Geister-U-Bahnstation mit Gleisen; 1993 wurde der Truppenübungsplatz aufgegeben und 1994 mit dem Abzug der US-Armee die verbliebenen Strukturen abgerissen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Auf dem Areal entsteht das Neubauquartier „Neulichterfelde“

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Wo lag der Truppenübungsplatz Parks Range genau?

Der Truppenübungsplatz „Parks Range“ befand sich im äußersten Süden des Ortsteils Lichterfelde im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Das Areal von Parks Range bildete eine fünfseitige Fläche, deren südlichste Spitze das Dreiländereck zwischen Berlin, Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark war, das heutige Japaneck. Zwei Seiten im Südosten und im Südwesten führten entlang der Stadtgrenze und grenzten unmittelbar an die DDR an. Im Osten wurde der Platz von der Osdorfer Straße begrenzt – bis zu einer Höhe ungefähr auf halber Strecke zwischen DDR-Grenze und dem Lichterfelder Ring – und im Westen von der S-Bahntrasse bis rund 150 Meter südlich der Réamurstraße.

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Der Truppenübungsplatz war in West-Berliner Stadtplänen nicht verzeichnet. Wer sich Details zur Bebauung ansehen möchte, wird aber auf der Internetseite berlin-brigade.com fündig – dort gibt es einen Plan von Parks Range. Die Geisterstadt „Doughboy City“ lag ungefähr mittig auf dem Areal. Die Google-Koordinaten für das Objekt lauten C848+85 Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Areal des ehemaligen Truppenübungsplatzes am besten über die S-Bahnstation Lichterfelde Süd (S25, S26) zu erreichen. Achtung: Es handelt sich um Privatgelände. Das Areal ist umzäunt. Ein Betreten ist nicht erlaubt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der Parks Range in Lichterfelde:

Ausgangslage: Eine Demonstration der Stärke in Lichterfelde Süd

Rücktritt der Regierung, freie Wahlen und Freilassung aller politischen Gefangenen – so lauteten einige der Forderungen, mit denen sich die DDR-Führung des vier Jahre zuvor gegründeten „Arbeiter- und Bauernstaats“ im Sommer 1953 konfrontiert sah. Die Antwort: Sowjetische Panzer. Die Demonstrationen, Proteste und Streiks, die das DDR-Regime seit Tagen alarmierten, wurden am 17. Juni 1953 durch Truppen der Sowjetarmee im Verbund mit DDR-Polizeikräften blutig niedergeschlagen. In der Folge verschärften sich die ohnehin schon angespannten Beziehungen zu den alliierten Partnern: Der Kalte Krieg ging in eine seiner heißeren Phasen.

Planspiele vor den Augen der DDR-Grenzer: Manöver in Parks Range
Planspiele vor den Augen der DDR-Grenzer: Manöver in Parks Range-© picture alliance / dpa | dpa | picture alliance / dpa | dpa

In den USA ging man von einem Trick aus: In der Verlagerung von bewaffneten Verbänden infolge des Aufstandes nach Ostberlin sahen Militärexperten die Vorbereitung zur Einnahme der ganzen Stadt. In der Abschreckungslogik des Ost-West-Konflikts musste ein Signal der Stärke Richtung Osten gesandt werden. Eine der Folgen: Die US-Armee beschlagnahmte ein 72 Hektar großes Areal in Lichterfelde Süd und richtete dort den Truppenübungsplatz „Parks Range“ für die Berlin Brigaden ein. In Sichtweite von DDR-Grenzern sollte die militärische Schlagkraft der in Berlin stationierten Einheiten demonstriert werden.

Parks Range: Die Vorgeschichte des brachliegenden Bahngeländes

Das Bahngelände im äußersten Süden Lichterfeldes hatte bereits zuvor im Schlaglicht der Geschichte gestanden: Noch 1938 – kurz vor Beginn des Zweiten Weltkriegs – hatte die NS-Führung auf dem ländlich geprägten Areal an ihren Plänen für die „Welthauptstadt Germania“ gewerkelt. Für die Nord-Südachse sollte in Lichterfelde Süd ein riesiger Bahnknoten entstehen, samt überdimensionierten Lokomotivwerk, Lok-Versuchsämtern und einer Reichzentralschmiede.

115 Hektar Land kaufte sich die Deutsche Reichsbahn 1938 für das Projekt zusammen. Zeitgleich mit den beginnenden Bauarbeiten für die neuen Bahnanlagen ließ die Reichsbahndirektion ein Barackenlager aus dem Boden stampfen – die Bauaufgabe war enorm und erforderte eine große Zahl an Arbeitern. Am Ende wurde keines der gigantischen Bauvorhaben realisiert, nur einige Fundamente gegossen. Das Barackenlager wurde nach Kriegsbeginn in ein Gefangenenlager umfunktioniert.

Tausende Internierte wurden im „Stalag IIID“ festgehalten und mussten in Arbeitskommandos für Berliner Betriebe Schwerstarbeit leisten. Nach Kriegsende wurden die Baracken zum Teil von Kleinbetrieben weitergenutzt – doch der größte Teil des Areals stand brach, bevor die US-Armee das Quartier 1953 bezog.

Parks Range: So war der Truppenübungsplatz aufgebaut

Die US-Armee nutzte ab 1953 die im Süden an das Gewerbegebiet an der Osdorfer Straße angrenzende etwa 72 Hektar große Fläche als Truppenübungsplatz „Parks Range“. Im nördlichen Teil des nach dem US-General und ersten amerikanischen Stadtkommandanten Floyd Lavinius Parks (1896–1959) benannten Geländes befanden sich eine Hindernisbahn und ein Ausbildungsgelände mit 23 Gebäuden, von denen 18 für das Training des Häuserkampfs genutzt wurden.

In der Geisterstadt „Doughboy City“ (zu Deutsch „Landser-Stadt“) trainierten die US-Soldaten der Berlin Brigaden die Haus-zu-Haus-Kampfkünste, die sie nach Ansicht ihres Planungsstabes bei einer ostdeutschen Invasion in Westberlin benötigen würden. Das Kampftraining in urbaner Umgebung, kurz M.O.U.T. („Military Operations in Urban Terrain“) fand bis in die 1960er-Jahre in zusammengezimmerten, zwei bis dreigeschossigen Hausattrappen in Holzbauweise statt, die kleinere Straßenzüge auf dem Gelände bildeten.

Übungen auch an Feiertagen: Der Lärm des schweren Geräts wurde zum Streitpunkt mit den Anwohnern
Übungen auch an Feiertagen: Der Lärm des schweren Geräts wurde zum Streitpunkt mit den Anwohnern.© picture alliance / dpa | dpa | picture alliance / dpa | dpa

An der Osdorfer Straße befanden sich zwei Haupttore zu dem ringsum eingezäunten und durch Patrouillen und Wachposten abgesicherten Areal: eines für bereifte Fahrzeuge und eines für Kettenfahrzeuge. Der Standort für Panzer außerhalb von Gefechtsübungen befand sich im Norden nahe des S-Bahnhofs Lichterfelde Süd. Die Parks Range war militärische Sperrzone und für Berliner nicht zugänglich. Außer den US-Soldaten und amerikanischen Militärpersonal erhielten Personen nur in Ausnahmefällen Zugang zu dem Truppenübungsplatz. So gab es auch Trainingsprogramme zusammen mit Einheiten der Berliner Polizei, die im Straßenkampf geschult wurden.

Parks Range: Übungen vor den Augen der DDR-Grenzer

Im Süden – in unmittelbarer Nähe zur DDR-Grenze – befand sich zum Teil bewaldetes Gebiet, ebene Flächen und eine mit künstlichen Erhebungen aufgeschüttete Hügellandschaft für die Manöverübungen von Infanterie und Panzern.

Auf DDR-Seite wurden Grenztürme und Spähposten errichtet, um das Treiben der Amerikaner besser verfolgen zu können. Ganz im Sinne der Abschreckung fanden die Übungen der US-Armee teilweise offen vor den Augen der DDR-Grenzer statt, die die Manöver sogar von ihren Wachtürmen aus filmten. Geheimeres Training konnte im Norden der Anlage stattfinden. Dort gab es außerdem eine Indoor-Shooting-Range und Gebäude für die Auswertung und Nachbesprechung von Manövern.

Parks Range: Ausbau der Geisterstadt in den 1970er-Jahren

1975 wurde das Gelände von Parks Range erweitert und die einfachen Holzkonstruktionen der Geisterstadt „Doughboy City“ in der Mitte von Park Range aufgerüstet: Die neuen Häuserattrappen aus Fertigbauteilen, aber auch gemauerte und geziegelte Stadthäuser, die bis zu vier Stockwerke hoch waren, simulierten besser das Berliner Stadtbild.

Um den Häuserkampf möglichst realistisch nachzubilden, baute die US-Berlin-Brigade in der Geisterstadt außer den mehrstöckigen Betonhäusern auch eine Kirche und ein Rathaus nach. Die GIs konnten sich jetzt durch einen nachgebildeten Abschnitt der Berliner Kanalisation kämpfen. Auch ein nachgebauter U-Bahnhof in Form einer Hochbahnstation wurde für die Straßenkampfübungen genutzt. Mit Liebe zum Detail wurde der Bahnhof mit Sitzbänken, Zugabfertigungshäuschen und Treppenaufgängen auf freiem Feld errichtet. Auf einem aufgeschütteten Gleisstück von vielleicht 70 Meter Länge wurde sogar ein ausrangierter U-Bahn-Waggon aufgestellt, der zugleich bei den Operationen als Befehlsstand diente.

Parks Range: Sonntäglicher Kriegslärm verärgerte die Anwohner

Ein ums andere Mal drückten sich während der Manöver Infanteristen an die schützenden Ecken der Betonhäuser, sicherten Kreuzungen und Hauseingänge. Panzer rollten durch die Geisterstadt, immer achtsam die unbewohnten Hausfenster im Blick zu behalten, hinter denen sich Panzerfaust-Schützen verbergen konnten. Im Süden der Geisterstadt schloss sich das hügelige Gefechtsgelände für Kettenfahrzeuge an. Panzer- und Gewehrschüsse hallten über die weiten Flure und Äcker Südlichterfeldes und mischten sich mit der Detonation von Granaten und dem Einschlag von Projektilen – nicht immer zur Freude der Anwohner.

Jahrzehntelang klagten sie über das endlose Kriegsgetöse in der Nachbarschaft. Bis Ende der 1980er-Jahre wurden auf dem US-Gelände Trainingsübungen mit schwerer Munition und Panzern, die über das Land rollten, bei Tag und Nacht durchgeführt. Mitte 1989 machten die Amerikaner endlich Zugeständnisse: In den Nächten zwischen 7 und 22 Uhr wurde eine Ruhezeit vereinbart, die Schießübungen auf Kleinkaliberwaffen mit Blindmunition beschränkt, Hubschrauber-Tiefflüge sollten in dieser Zeit vermieden werden und auch Konvois nicht mehr durch die Nachbarschaft zu dem Trainingsgelände anrollen.

Außerdem stimmten die Amerikaner Ruhezeiten an Sonn- und Feiertagen zu, schlossen eine Sandbahn-Ralleystrecke in Parks Range und verpflichteten sich lautstarke Kampfhandlungen in der Geisterstadt „Doughboy City“ auf das Nötigste zu beschränken. Doch alles hatte seine Grenzen: Auf das alljährliche, dreiwöchige Manöver zur „Prüfung der Einheiten auf Kampfbereitschaft“ – den Nachbarn ein Dorn im Auge –wollten die US-Amerikaner nicht verzichten.

Parks Range: Lost Place und Abriss der Geisterstadt in den 1990er-Jahren

Fast vier Jahrzehnte lang wurden in Lichterfelde Soldaten auf den Spannungs- und Ernstfall im Kalten Krieg vorbereitet. Dann ging auf einmal alles ganz schnell: Der Fall der Berliner Mauer, die Wiedervereinigung und die Auflösung der Sowjetunion 1991 beendete die Blockkonfrontation – „Parks Range“ wurde nicht länger benötigt. Im Dezember 1993 fanden die letzten Übungen auf dem Trainingsgelände statt. Kurz vor dem Abzug der US-Amerikaner aus Berlin 1994 wurden die Gebäude der Geisterstadt „Doughboy City“ bis auf die Grundmauern abgetragen.

Ehemaliger US-Truppenübungsplatz "Parks Range": Die Natur hat das Gelände weitgehend zurückerobert
Ehemaliger US-Truppenübungsplatz „Parks Range“: Die Natur hat das Gelände weitgehend zurückerobert.© picture alliance / Bildagentur-online/Joko | Bildagentur-online/Joko | picture alliance / Bildagentur-online/Joko | Bildagentur-online/Joko

Es verblieb ein freies Feld und einige ober- und unterirdische Relikte aus der Zeit als amerikanisches Trainingsgelände: Aufschüttungen und Wege, der Bahndamm mit den Gleisen, ein Hubschrauberlandeplatz und Reste unterirdischer Anlagen. Betonfundamente und Überreste des Straßensystems sind teils mit Wildwuchs überdeckt, teils ragen sie aus der Naturlandschaft. In der Umzäunung haben sich die zwei verrosteten Hauptzugänge an der Osdorfer Straße erhalten und das Nebentor im Westen des Areals, wo sich noch zwei versprengte Fahnenmäste befinden, die von der Geschichte als US-Truppenübungsplatz zeugen.

Parks Range: Und wie sieht die Zukunft aus?

Nachdem die Amerikaner das Gelände verlassen hatten, wurde es von Bahn-Immobiliengesellschaft Vivico übernommen. Seit 1994 wurde das Areal weitgehend der Natur überlassen und die Tier- und Pflanzenwelt hat sich auf dem Gebiet, das künftig unter Naturschutz gestellt werden soll, prächtig entwickelt. Ein Teil des Areals wird seit den 1990er-Jahren von der Reitergemeinschaft Holderhof genutzt, deren Tiere zur Entwicklung des Geländes als offene Weidenlandschaft beigetragen haben.

2012 wurde das 96 Hektar große Gebiet, das das ehemalige Trainingsgelände der US-Armee umfasste sowie weitere angrenzende Grundstücke, an die Groth Gruppe verkauft, die ein neues Wohnviertel im Berliner Süden entwickelt: In „Neulichterfelde“ sollen rund 2500 Wohnungen mit Raum für rund 6000 Menschen entstehen. Der Plan der Wohnungsgesellschaft sieht eine Bebauung von 39 Hektar am Rand des ehemaligen Truppenübungsplatzes um eine freibleibende Weidefläche als grünes Zentrum des neuen Stadtquartiers vor.