Moosbewachsen und verlassen stand ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg für viele Jahre an der Lankwitzer Malteserstraße leer. 1943 hastig errichtet auf den rauchenden Trümmern der „Offiziers-Speise-Anstalt“ der alten Kraftfahrer-Kaserne „Emmichblock“ diente die Betonfestung in den letzten Kriegsjahren als Verbindungsbunker zum Gefechtsstand des „Flakkommandos Süd“.

Nach dem Krieg wurde das Areal der früheren Kaserne zum Hochschulstandort: Erst zog die Pädagogische Hochschule Berlin auf dem Campus ein und dann in den 1980er-Jahren die Freie Universität Berlin. Für den verfallenen Bunker interessierte sich so recht niemand, bis er in den 1990er-Jahren eine neue Verwendung fand. Die wichtigsten Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

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Das sind die Fakten im Überblick:

  • Adresse: Malteserstraße 84, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: 1943 als Hochbunker über dem Kellerbereich der zerstörten Offiziers-Speise-Anstalt der Kraftfahrer-Kaserne „Emmichblock“ an der Marienfelder Straße (heutige Malteserstraße) errichtet; bis zum Ende des Krieges Sitz des Stabs des Luftverteidigungskommandos Berlin 1 und Verbindungsbunker zu den Batteriebefehlsständen „Flakkommando Süd“; nach Kriegsende wurde das Areal der alten Kaserne zwischen 1948 und 1980 von der Pädagogischen Hochschule Lankwitz genutzt und seit 1980 von der Freien Universität Berlin; der Bunker hatte zuletzt keine Verwendung auf dem Campus
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Der Bunker wurde Ende der 1990er-Jahre zum Jugendtreff „JugendKulturBunker“ in der Malteserstraße umgebaut

Wo liegt der Bunker genau?

Der Bunker liegt auf dem Universitätscampus der Freien Universität Berlin (GeoCampus) in der Malteserstraße 84 im Ortsteil Lankwitz des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Gebäude am besten mit der Buslinie X83 (Haltestelle Emmichstraße) zu erreichen. Von der Haltestelle ist es ein etwa zweiminütiger Fußweg bis zu dem Bunker. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Flakbunkers Malteserstraße:

Ausgangslage: Die Kraftfahrer-Kaserne an der Lankwitzer Malteserstraße

Die Geschichte des Hochbunkers an der Malteserstraße begann knapp 30 Jahre vor dem ersten Spatenstich mit einem Beschluss der Gemeindeverwaltung von Lankwitz: Die Villen- und Wohnhaussiedlung im Süden Berlins – damals noch vor den Toren der Stadt – hatte 1912 entschieden, Militärstandort werden zu wollen und der Armee zwei Grundstücke zur Verfügung gestellt.

Die königlich-preußische Armee ließ sich nicht lange bitten: 1913 begannen die Bauarbeiten der beiden Kasernenblöcke an der heutigen Eiswaldtstraße (späterer „Hindenburgblock“) für das frisch ausgehoben 2. Garde-Train-Bataillon und an der Malteserstraße (späterer „Emmichblock“) für die Kraftfahrtruppen. Eine feierliche Einweihung gab es nicht. Seit 1914 herrschte Krieg in Europa. Die Soldaten wurden ins Feld geschickt. Nach Kriegsende blieben die Lankwitzer Kasernen in der Zeit der Weimarer Republik erhalten und wurde von der Reichswehr als Ausbildungsstätte weitergeführt.

Kraftfahrer-Kaserne an der Malteserstraße: Aufrüstung in der Zwischenkriegszeit

Unter dem Kommandeur Heinz Guderian wurde die Motorisierung der Reichswehr teils offen, teils heimlich vorangetrieben. Verbandsübungen fanden in Lankwitz auf umgebauten Hanomag- und Opel-PKW statt, die als Panzer-Attrappen dienten. Im Zuge der Kriegsvorbereitungen wurden die in Lankwitz stationierten Truppen 1935 in Flakregiment 12 umbenannt.

Die Soldaten erhielten Luftwaffenuniformen und dienten als Luftabwehrtruppen. Lankwitz wurde zudem Standort des Flakscheinwerfer-Regiments 128, das 1936 den Lichtdom zu den Olympischen Spielen gestaltete. Die Luftabwehrtruppen waren später beteiligt am Angriffskrieg gegen Polen und am Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion.

Bereits seit 1940 gab es Luftangriffe auf Berlin, auf die die NS-Führung hektisch mit einem Bunkerbau-Sofortprogramm reagierte. Betonbauten schossen in der Reichshauptstadt aus dem Boden. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer geleiteten Behörde – entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten: Militär-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.

Kraftfahrer-Kaserne an der Malteserstraße: Massive Bombenschäden im August 1943

Der Flak-Bunker in der Malteserstraße wurde erst 1943 nach einem schweren Bombenangriff errichtet. Die Nacht vom 23. auf den 24. August 1943 legte den Südwesten Berlins in Schutt und Asche und bedeutete das Ende des bis dahin bekannten Lankwitz: Aus 727 Flugzeugen fielen die Bomben, der Ortsteil wurde zu 85 Prozent zerstört.

Getroffen wurde auch die die Kraftfahrer-Kaserne. Zahlreiche Gebäude am Exerzierplatz hatten Bombenschäden davongetragen. Die ehemalige „Offizier-Speise-Anstalt“ an der Malteserstraße im westlichen Bereich der Kaserne lag – wie andere Bauten auf dem Gelände auch – in Trümmern. Doch der Standort hatte eine wichtige Funktion: Bereits 1938 war in einem der Gebäude am Südrand der Kaserne ein Gefechtsstand mit Fernsprechverbindungen zu den Batteriebefehlsstellen im Bereich des „Flakkommandos Süd“ eingerichtet worden. Um die Luftverteidigung von hier aus weiter zu koordinieren, begannen kurz nach der Bombardierung der Kaserne die Arbeiten an einem Flak-Bunker auf den Gebäuderesten der Offiziersmesse.

Flak-Bunker Malteserstraße: So war der Schutzbau aufgebaut

Nachdem die Trümmer der zerstörten Offizier-Speise-Anstalt für den Baugrund beseitigt worden waren, begannen noch Ende 1943 die Arbeiten an dem Bunker. Der massive Stahlbetonbau wurde über noch verbliebenen Gebäuderesten errichtet, was die von anderen Bunkerbauten abweichende Bauform erklärt.

Die Fassaden des Bungalowbaus verjüngten sich bis zur Höhe der Dachspitze auf einer Höhe von 4,50 Metern über dem Erdboden, so dass sie dem Gesamtbau einen pyramidenähnlichen Anstrich verliehen. Der Bunker hatte zwei Etagen: Der untere Kellerbereich, mit einer lichten Höhe von 2,48 Metern diente der Aufnahme von Gebäudetechnik, Lüftungsanlagen und Fernsprecheinrichtungen. Darüber befand sich das Erdgeschoss für den Stab der 1. Flakdivision – bis 1941 Luftverteidigungskommando 1.

Damit war der Flakleitstand „Süd“ wiederhergestellt, der zusammen mit seinem Pendant im Norden, dem Leitstand „Nord“ in Heiligensee an der Ruppiner Chaussee und dem bis 1941 errichteten kleinen Zoobunker, die Flugabwehr im Großraum Berlin koordinierte. Die Gesamtfläche des Bunkers auf seinen zwei Etagen betrug rund 720 Quadratmeter. Die Baukosten beliefen sich am Ende auf 245.000 Reichsmark.

Flak-Bunker Malteserstraße: Die Rote Armee erobert Lankwitz

In den letzten Kriegsjahren verloren die Flugabwehrverbände Berlins an Feuerkraft, viele Verbände wurden an die Front verlegt und die 1. Flak-Division Mitte April 1945 dem Generalkommando II. Flak-Korps unterstellt. Der Gefechtsstand des Führungsstabes befand sich bis Kriegsende im Flak-Bunker am Berliner Zoo.

Der Kommandobunker in der Malteserstraße verlor seine Funktion: Am 24. April 1945 überquerten Einheiten der Roten Armee den Teltowkanal mit Kähnen und Schlauchbooten. Einen Tag später waren die sowjetischen Soldaten bis zum Mexikoplatz, nach Zehlendorf-Mitte und Düppel vorgedrungen. Das Kasernengelände in Lankwitz wurde von sowjetischen Truppen besetzt.

In den Garagen wurden Ställe eingerichtet: Rinder, Schafe und Ziegen auf dem Gelände der ehemaligen Kraftfahrer-Kaserne dienten der Versorgung der Truppen. Im Juli 1945 trat der Viermächte-Status in Kraft und Lankwitz fiel zusammen mit den Kasernen in den Kontrollbereich der US-Amerikaner. In den ersten Nachkriegsjahren wurden Kinder aus der Nachbarschaft in der Ex-Kaserne unterrichtet.

Flak-Bunker Malteserstraße: Studieren statt Exerzieren in der Nachkriegszeit

Ende 1948 siedelte ein Teil der drei Jahre zuvor gegründeten Pädagogischen Hochschule aus dem Ostteil der Stadt auf das Gelände in Lankwitz um. Anfang 1949 konnten die ersten wiederhergestellten Häuser bezogen werden und im Sommersemester 1949 der Hochschulbetrieb und die Lehrerausbildung aufgenommen werden. Statt Soldaten bevölkerten nun Professoren, Dozenten und Studenten das ehemalige Kasernengelände.

Mehr als drei Jahrzehnte war der Campus an der Malteserstraße Sitz der Pädagogischen Hochschule. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Erscheinungsbild: In den 1960er-Jahren entstanden eine Reihe von Neubauten auf dem Areal nach Plänen von Bruno Grimmek (1902–1969), einem der renommiertesten Nachkriegsarchitekten Westberlins.

Flak-Bunker Malteserstraße: Keine Nachnutzungskonzepte für den Militärbau

Der Bunker blieb – mehr oder minder in all den Jahren – ein Fremdkörper auf dem Hochschulgelände. Seines Innenlebens beraubt wurde ein Teil des Obergeschosses zuletzt als Lagerraum genutzt. Das Untergeschoss war gesperrt. Das Gebäude hatte keine funktionierende Heizung, keine Toiletten, die Fassade war in einem beklagenswerten Zustand.

Das änderte sich auch nicht, als die Pädagogische Hochschule Berlin 1980 aufgelöst wurde und Institute der Freien Universität Berlin in den nachfolgenden Jahren auf dem Gelände einzogen: Erst der Fachbereich Kommunikationswissenschaften und ab 1992 die Geowissenschaften, deren „GeoCampus“ sich bis heute an der Malteserstraße 74–100 befindet. Für den alten Bunker musste eine neue Nutzung gefunden werden, sollte er nicht als Lost Place vollkommen verfallen. Die rettende Idee kam Ende der 1990er-Jahre.

Flak-Bunker Malteserstraße: Bombenstimmung hinter meterdickem Beton

Der ehemalige Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg in der Malteserstraße wurde zum Treffpunkt für Jugendliche umgerüstet. Die Initiatoren mussten schnell handeln, denn von drei Jugendklubs in Lankwitz waren damals zwei wegen Bauarbeiten nicht nutzbar – und die dritte stand kurz vor dem Abriss. Die Freie Universität Berlin stellte als Eigentümerin des Geländes das Bauwerk für das Projekt zur Verfügung, doch fehlte es zuerst an Kapital um die nötigen Renovierungs- und Instandsetzungsarbeiten durchführen zu können. Mit Spenden- und Stiftungsgeldern konnte der Umbau zum Jugendzentrum schließlich realisiert werden.

1999 unterschrieb das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. den Nutzungsvertrag für den Stahlbetonbunker, der seither in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendhilfeprojekt „Outreach – Mobile Jugendarbeit Berlin“ als Jugendzentrum genutzt wird. Aus dem ehemaligen Flak-Bunker an der Malteserstraße wurde der „JugendKulturBunker“ – samt einem freundlich mit Graffiti verzierten Anstrich.

Das Angebot im Bunker richtet sich seither an Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren und junge Erwachsene bis 25 Jahre. Es finden regelmäßig Veranstaltungen statt sowie soziale Jugendarbeit, Einzelfallbegleitung und Beratung. Doch rund um den JugendKulturBunker wird noch mehr geboten – durch die Jugendlichen selbst organisierte Projekte: Offenes Kochen, Bunkerkonzertpartys, Musik- und Videoproduktion, Graffiti mit dem Modellprojekt „Legale Graffitiwand SZ“ und vieles andere mehr.

Aktuelle Informationen zum Angebot finden Sie unter den Internetseiten outreach.berlin.