Kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs wurde in Lankwitz auf dem Areal zwischen Eiswaldtstraße und Gallwitzallee eine riesige Kaserne errichtet, in die die neuausgehobenen Truppen des 2. Garde-Train-Bataillons der preußischen Armee einzogen. Für die 1943 durch Bombenangriffe stark beschädigte Kaserne mussten in der Nachkriegszeit neue Nutzungskonzepte gefunden werden – die Polizei zog ein, katholische Ordensschwestern und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks, doch eine Teilfläche der kaiserzeitlichen Kaserne wartete bis in die 2010er-Jahre auf eine sinnvolle Neunutzung. Die wichtigsten Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

Das sind die Fakten im Überblick:

  • Adresse: Lerbacher Weg 59, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: Zwischen 1913 und 1915 als Garde-Train-Kaserne an der heutigen Eiswaldtstraße errichtet; Ausbildungskaserne für die 3. preußische Fahrabteilung nach 1918; 1935 erfolgte die Umbenennung der Truppen in Flakregiment 12 und die Erweiterung der Kasernenbebauung im Süden bis zur Kolonie Königsgraben; das Nordgelände der kriegsbeschädigten Kaserne wurde in der Nachkriegszeit durch die Polizei genutzt; im Süden Nachnutzung durch das St. Marien-Krankenhaus und das THW Steglitz-Zehlendorf
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Zwischen 2017 und 2019 entstand auf dem ehemaligen Kasernengelände am Lerbacher Weg 59 das Neubauquartier „Ankergold“

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Wo liegt die ehemalige Kaserne genau?

Das Areal der alten Garde-Train-Kaserne Lankwitz erstreckte sich von der Eiswaldtstraße im Norden, der Malteserstraße im Osten und der Gallwitzallee im Westen bis zur KGA Königsgraben im Süden. Die zuletzt leerstehenden Kasernengebäude befanden sich am Lerbacher Weg 59 im Ortsteil Lankwitz des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Gelände am besten mit der Buslinie M82 (Haltestelle St. Marien-Krankenhaus) zu erreichen. Von der Haltestelle ist es ein etwa dreiminütiger Fußweg bis zu dem Areal.

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der ehemaligen Garde-Train-Kaserne

Ausgangslage: Soldaten, Geld und Offiziere für Lankwitz

Die Geschichte der Garde-Train-Kaserne an der Eiswaldtstraße begann mit einer leeren Gemeindekasse. Das ländliche Lankwitz im Südwesten Berlins – damals noch vor den Toren der Stadt gelegen – war in der Gründerzeit eine beliebten Villen- und Wohnsiedlung geworden. Auf Großgewerbe und Industrie verzichtete die idyllisch-grüne „Gartenstadt“. Damit gingen aber auch wichtige Einnahmen verloren und die Gemeindevertreter mussten kreativ werden. Die rettende Idee: Das Dorf sollte Garnisonsstadt werden.

1912 beschloss die Lankwitzer Gemeindeversammlung, zur Steigerung der Einkünfte dem Militär die Grundstücke für zwei Kasernenneubauten zur Verfügung zu stellen. Die königlich-preußische Armee ließ sich nicht lange bitten: 1913 bewilligte der Deutsche Reichstag die Mittel für den Bau der Kasernenblöcke an der Emmich- und Eiswaldtstraße – die damals noch Hindenburgstraße hieß.

Kaserne an der Eiswaldtstraße: So war die Kaserne aufgebaut

Nach Plänen des Regierungsbaumeisters Hans Duerdoth begannen noch 1913 die Bauarbeiten für die beiden Kasernenblöcke an der Eiswaldtstraße für das frisch ausgehoben 2. Garde-Train-Bataillon und an der Malteserstraße für die Kraftfahrtruppen. Für beide Kasernengelände entwarf Duerdoth moderne Bauten, die sich entlang der Straßen um zentral gelegene Exerzierplätze gruppierten, mit ansprechenden Fassaden und hellen Räumen inmitten der Wiesen und Felder von Lankwitz. Die meisten der Kasernengebäude waren drei bis viergeschossige Nutzbauten, die nach dem Zeitgeschmack mit einem Walmdach versehen waren.

1915 waren die Bauarbeiten abgeschlossen und das 2. Garde-Train-Bataillon bezog die Barracken der Kaserne an der Eiswaldtstraße. Eine feierliche Einweihung gab es nicht. Seit 1914 herrschte Krieg in Europa. Die Soldaten wurden ins Feld geschickt. Die Train- und die Kraftfahrtruppen in Lankwitz hatten keinen offensiven Kampfcharakter. Beide Truppengattungen dienten der Versorgung der kämpfenden Einheiten mit Munition, Lebensmitteln, Geräten und Sanitätsdiensten.

Kaserne an der Eiswaldtstraße: Truppenübungen und Ausbildung nach dem Krieg

Die bisher übliche Versorgung des kaiserlichen Heeres mithilfe von Pferdewagen wurde nun durch die Kraftfahrtruppen übernommen. Zu den Truppen des Trains gehörten auch Sanitätskompanien, Feldlazarette, die Feldbäckereien und der „Ballontrain“, der das Material und das Gas für die Luftschiffe transportierte. Auf einer Feldpostkarte schrieb in jenen Tagen ein Soldat in Lankwitz: „Wir haben es gut hier.“

Nach Kriegsende blieben die Lankwitzer Kasernen in der Zeit der Weimarer Republik erhalten und wurde von der Reichswehr als Ausbildungsstätte weitergeführt. Die siegreichen Alliierten erlaubten dem Deutschen Reich ungewöhnlich starke Logistiktruppen zu unterhalten – moderne Waffen wie Panzer und Flakartillerie waren dagegen verboten. In Lankwitz fanden Umstrukturierungen statt. Aus der Garde-Train-Kaserne wurde die neue „Fahrabteilung 3“ – ein bespanntes Versorgungsbataillon. In der benachbarten Kaserne an der Emmichstraße trainierte die „Kraftfahrabteilung 3“ – ein motorisiertes Transportbataillon.

Kaserne an der Eiswaldtstraße: Geheime Aufrüstung seit Mitte der 1920er-Jahre

Mitte der 1920er-Jahre begannen in Lankwitz verdeckte Vorbereitungen mit dem Ziel, die Fahrabteilung an der Eiswaldtstraße in die Artillerie zu überführen und aus der Kraftfahrabteilung einen Kader für die spätere Panzertruppe zu formen. Die Fahrabteilung wurde motorisiert; es fanden Einweisungen an Kanonen und Scheinwerfern statt sowie geheime Übungsmanöver in der Sowjetunion. 1930 übernahm Heinz Guderian das Kommando der 3. Preußischen Kraftfahr-Abteilung.

Auf Hanomag- und Opel-Pkws wurden Panzerattrappen aufgebaut und Verbandsübungen durchgeführt. Der Fahrabteilung im Hindenburgblock wurde Anfang der 1930er-Jahre eine getarnte Flakbatterie unterstellt. Die Truppen wurden mit Flugabwehrkanonen verschiedenen Kalibers und 150 Zentimeter Flakscheinwerfern ausgestattet. 1935 erfolgte die Umbenennung der Truppen in Flakregiment 12. Die Soldaten erhielten Luftwaffenuniformen und dienten als Luftabwehrtruppen. Lankwitz wurde auch Standort des Flakscheinwerfer-Regiments 128, das 1936 den Lichtdom zu den Olympischen Spielen gestaltete. Seit Mitte der 1930er-Jahre wurde die Kaserne Hindenburgblock erweitert. Die Fläche im Süden bis zur Kolonie Königsgraben wurde bebaut. Es entstanden neue Gebäude, Garagen und Barracken.

Lichtdom zu den Olympischen Spielen 1936
Lichtdom zu den Olympischen Spielen 1936 gestaltet von den in Lankwitz stationierten Soldaten des Flakscheinwerfer-Regiments 128.© picture-alliance / | - | picture-alliance / | -

Kaserne an der Eiswaldtstraße: Wiederaufbau in der Nachkriegszeit

Die Luftabwehrtruppen aus Lankwitz wurden während des Angriffskriegs gegen Polen mobilisiert und nahmen am Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion teil. Im Frühjahr 1943 beteiligte sich das Flakregiment 12 an den Kämpfen bei Stalingrad und wurde dort mit der 14. Panzer-Division der Wehrmacht, die sie begleitete, fast vollständig vernichtet. In der Reichshauptstadt wurde unterdessen Lankwitz in Schutt und Asche gelegt. In der Nacht vom 23. auf den 24. August 1943 griffen 727 Flugzeuge den Südwesten Berlins an. Der Ortsteil wurde zu 85 Prozent zerstört. Auch die Kasernen Emmichblock und Hindenburgblock erhielten schwere Treffer.

Mit Kriegsende wurde Lankwitz als Ortsteil von Steglitz zusammen mit den Bezirken Tempelhof, Zehlendorf, Schöneberg, Neukölln und Kreuzberg Teil des US-amerikanischen Sektors der geteilten Stadt. An der ehemaligen Flakkaserne an der Gallwitzallee begann die Beseitigung der Kriegsschäden. Anfang der 1950er-Jahren wurde der nördliche Teil des Areals durch motorisierte Einheiten der neugegründeten Westberliner Bereitschaftspolizei bezogen.

Kaserne an der Eiswaldtstraße: Krankenhaus und THW auf dem Südgelände

Im südliche Teil des Kasernengeländes quartierte sich zwischenzeitlich in einem der Gebäude am Lerbacher Weg das Postamt 4 (Süd) ein. Das Areal der leerstehenden Hindenburgkaserne nördlich der Kolonie Königsgraben wurde 1948 von den Marienschwestern – einer katholischen Ordensgemeinschaft – gepachtet, die dort das Krankenhaus Maria Trost einrichteten.

1966 wurde die gut 5,5 Hektar große Teilfläche der bundeseigenen Liegenschaft der ehemaligen Flakkaserne in der Gallwitzallee 115 für knapp viereinhalb Millionen D-Mark an die Stiftung „Maria Immaculata“ und ihre Ordensschwestern verkauft, die die darauf befindlichen stark beschädigten Kasernengebäude bis 1956 instandgesetzt und als Siechen- und Krankenhaus hergerichtet hatten.

Auf der benachbarten Teilfläche an der Gallwitzallee 123 kam in den 1960er-Jahren das Technische Hilfswerk Steglitz-Zehlendorf unter. Die Garagengebäude der Ex-Flakkaserne dienten jetzt der Unterbringung der THW-Einsatzfahrzeuge. Später wurde noch ein Garagentrakt vom Maria Trost-Krankenhaus übernommen, das nach dem Krieg als Gärtnerlager und Schweinestall für die Ordensklinik genutzt worden war.

Kaserne an der Eiswaldtstraße: Umbauten in den 1980er-Jahren

Ende der 1980er-Jahre erfolgten noch einmal größere Umbauten auf dem südlichen Teil des ehemaligen Kasernengeländes. Für das Krankenhaus Maria Trost – seit 1990 Sankt-Marien-Krankenhaus – entstanden eine Reihe von Neubauten inklusive der zentralen Notaufnahme und der Radiologie. Südlich davon wurde auf dem Gelände das Kloster Sankt Augustinus bis 1996 fertiggestellt und nördlich – zwischen Krankenhausgelände und den von der Polizei genutzten Kasernengebäuden – eine Wohnhaussiedlung am Lerbacher Weg.

Das nördliche Kasernengelände an der Eiswaldtstraße wurde nach den 1960er-Jahren zum Sitz der Polizeidirektion 4 (Süd) mitsamt des Polizeiabschnitts 46 sowie des Bürgeramtes Lankwitz in der Gallwitzallee 87. Damit war bis auf eine Teilfläche am Rande der Wohnsiedlung am Lerbacher Weg die Gebäude des ehemaligen Kasernengeländes wieder neuen Funktionen zugeführt.

Kaserne an der Eiswaldtstraße: Auf der letzten Brachfläche entstand ein Neubauprojekt

Das 4500 Quadratmeter große Grundstück am Lerbacher Weg 59 auf dem Areal der früheren Flakkaserne wurde von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) an einen Unternehmer aus Süddeutschland veräußert, von dem es dann die Glockenweiß GmbH erwarb. Auf der Grundstücksfläche befand sich ein Heizhaus außer Betrieb, das zuletzt teils leer stand, teils als Atelier von einer Künstlerin genutzt wurde.

Anfang der 2010er-Jahre wurde das alte Gebäude abgerissen, um Platz zu machen für ein neues Wohnquartier. Auf dem Bauland entstand zwischen 2017 und 2019 das Neubauprojekt „Ankergold“ mit 26 Eigentumswohnungen verschiedener Größen mit einer Gesamtfläche von rund 2150 Quadratmetern, einer Tiefgarage und einem zentralen Gemeinschaftsplatz.