- Bunkeranlagen und Schutzräume gewinnen aktuell immer mehr an Bedeutung
- Was war das Schicksal der deutschen Bunker nach der Wiedervereinigung?
- Zivilschutzbunker in Berlin-Lichtenberg: Die wichtigsten Fakten im Überblick
Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind Bunker wieder zum Thema geworden. In Deutschland stehen aktuell keine öffentlichen Schutzräume mehr zur Verfügung. Deren funktionale Erhaltung wurde nach Ende des Kalten Krieges eingestellt.
Heute faszinieren die Bunker vor allem durch ihren morbiden Charme: Sie gehören zu den Lost Places, vergessene Orte mit einer ganz besonderen Anziehungskraft für Abenteuerlustige und Geschichtsinteressierte. Hier erfahren Sie alle Infos zu den ehemaligen Zivilschutzbunkern in Lichtenberg:
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Wie entstanden die ersten Bunker für den Zivilschutz?
Die ersten Schutzbauwerke wurden in Deutschland in den 1930er-Jahren als Luftschutzanlagen in Form von Hoch- und Tiefbunkern errichtet, um die Bevölkerung vor Kriegseinwirkungen zu schützen. Einige Bunker wurden im Nationalsozialismus als Zwangsarbeiterbaracken für die Kriegs- und Munitionsherstellung missbraucht wie beispielsweise der bekannte „Luna-Bunker“ auf dem Gelände des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers „Lunapark“ in Niederschönhausen. Nach dem Krieg wurden viele Bunkeranlagen gesprengt oder geschleift, andere dienten jahrelang noch als Wohnraum oder wurden für andere Funktionen genutzt.
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Wie war die Situation in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg?
Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sich in Berlin noch rund 360 Bunker, die als Schutzräume vor Bombenangriffen für Hunderttausende ausgelegt waren. Die Alliierten befahlen in der Regel die Sprengung, was aber nicht bei allen gelang. In den 1960er-Jahren erfolgte angesichts der Spannungen im Kalten Krieg ein Strategiewechsel: Jetzt wurde in West wie Ost die Instandsetzung der Bunker angeordnet und weitere Bunker als Mehrzweckanlagen errichtet. Die klassischen Luftschutzbunker wurden durch Atomschutzbunker ergänzt, die größeren Druckkräften und der Verseuchung und Verstrahlung von Gebieten standhalten sollten.

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Was passierte mit den Bunkern nach der Wiedervereinigung?
Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts 1989 schien das Szenario eines konventionellen Krieges mit großflächigen Bombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen nicht mehr aktuell. Die zuletzt 23 Bunker, die nach der Wiedervereinigung in Berlin dem Zivilschutz dienten, sind seit 2007 offiziell keine „Zivilschutzanlagen“ mehr. Einige davon befinden sich nicht einmal mehr in bezirklicher, sondern privater Hand. Der Grund war ein Beschluss von 2007, wonach Bunkeranlagen in Deutschland nicht weiter erhalten oder konkreter: nicht weiter finanziert wurden. Ein Großteil von ihnen ist seitdem bereits zu Ruinen verkommen.

Welche Arten von Bunkern gab es in Lichtenberg?
In Lichtenberg wurden eine Reihe von Bunkern für unterschiedliche Zwecke errichtet. Einige boten nur Platz für einen bestimmten Personenkreis und dienten militärischen Zwecken oder nachrichtendienstlichen Aufgaben wie der Bunkerkomplex unter dem ehemaligen Ministerium der Staatsicherheit (MfS) an der Normannenstraße hinter einer roten Kellertür und mehreren mit Panzertüren verriegelten Gasschleusen im Haus 9. Andere waren auf Privatbesitz errichtet, waren Weltkriegsbunker die von der sowjetischen Militäradministration als Depot nachgenutzt wurden wie der Hochbunker an der Zwieseler Straße oder dienten als versteckte Munitionslager wie der Waffenbunker an der Ruschestraße. Diese Bunker hatten gemein, dass sie weder in der DDR-Zeit noch nach der Wende in den öffentlichen Zivilschutz eingebunden waren.
Das sind die ehemaligen Zivilschutzbunker im Bezirk Lichtenberg

Im Ostteil Berlins hätten 2.500 Menschen in Bunkern und Schutzanlagen Zuflucht finden sollen. Das sind die beiden Zivilschutzanlagen, die die DDR in Lichtenberg errichten ließ und die nach der Wiedervereinigung zwischenzeitlich in das Zivilschutzprogramm der Bundesrepublik Deutschland übernommen wurden:
Zivilschutzbunker in Lichtenberg: Verstärkter Schutzraumkomplex in Fennpfuhl
Schutzräume für die Zivilbevölkerung als Innenschutzraum wie der, den die DDR-Führung in einem abgeschotteten Raumkomplex im Erdgeschoss der Poliklinik „Friedrich Wolf“ in Fennpfuhl in der Franz-Jacob-Straße 10 errichten ließ, wurden nach dem Zweitem Weltkrieg in Berlin ausschließlich im Ostteil der Stadt gebaut. Seit den 1960er-Jahren wurden in Ostberlin Wohnhochhäuser – allen voran der Plattenbautyp der Wohnbauserie WBS 70 – sowie Sozialbauten, Schulen, Kitas und Polikliniken mit trümmer- und strahlungssicheren Schutzräumen versehen. Die meist im Kellergeschoss durch einen Verbund von isolierten Räumen hinter Gasschleusen und mit Kiesdruckwellendämpfern ausgestatteten Schutzräume boten nominell Schutz vor Druckwellen, Splittern, radioaktiver Strahlung und anderen Gefahren, die für die Bevölkerung bei bewaffneten Konflikten erwartet wurden.
Der Schutzraum in der Franz-Jacob-Straße, das sogenannte „Objekt 17“ befand sich in einer 1977 eröffneten Poliklinik vom Typ „Berlin“. Der Schutzbereich bestand aus einem Raumverbund im Innenkern des Untergeschosses. Neben Schutzraumzellen war er mit Sanitäranlagen, einer Küche und Ruheräumen, Wassertanks, Heizungsräumen, einer Netzersatzanlage für eine unabhängige Energieversorgung und Lüftungsfilteranlagen ausgestattet. Nach der Wiedervereinigung wurde der Schutzraum in Fennpfuhl 1997 als Schutzraum mit einer Kapazität für 200 Schutzsuchende in das Zivilschutzprogramm der Bundesrepublik Deutschland übernommen. Trotz des damit einhergehenden Veränderungsverbots wurde er bereits vor der Entlassung aus der Bindung 2007 zurückgebaut.
- Bunkertyp: Schutzraumkomplex (ca. 200 Schutzplätze)
- Errichtung: 1970er-Jahre
- Ausstattung: Schleusen, Wassertank, Boiler, Sanitäranlagen, Lagerraum, Netzersatzanlage (NEA), Lüftungsanlage, Schutzräume, Notausstieg
- Adresse: Franz-Jacob-Straße 10, 10369 Berlin-Fennpfuhl
Zivilschutzbunker in Lichtenberg: Bunkergeschoss in Alt-Hohenschönhausen
In der Große-Leege-Straße 103 in Alt-Hohenschönhausen finden Besucher in einem neungeschossigen Verwaltungsbau aus DDR-Zeiten Räumlichkeiten des Bezirksamtes und des Jugendamtes Lichtenberg. Kaum ein Besucher dürfte ahnen, das sich in einem Flachbau hinter dem Bezirksamt eine Schutzanlage befindet, mit der sich Ostberlin auf das Horrorszenario eines Krieges vorbereitete. Der Schutzraumkomplex befindet sich im Erdgeschoss des flachen Sozialbaus hinter dem Rathaus.
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Die Anlage wurde in den 1970er-Jahren etwas versteckt in einem Mehrzweckgebäude direkt unterhalb eines Speiseraumes einer Kantine gebaut. Hinter dem monolithischen Sockel des Gebäudes fanden sich mit Schleusen gesicherte Schutzräume, die im Ernstfall mehreren Hundert Personen Schutz geboten hätten. Zu- und Abluftschlitze befanden sich an der linken Stirnseite des Gebäudes, die über Filteranlagen die Schutzräume mit Frischluft versorgen konnten. Mit Drucktüren und Druckklappen wurden der Innenbereich gegen Druckwellen von Explosionen geschützt und konnte – hinter dem Schleusenbereich – zeitweilig hermetisch abgeriegelt werden.
Im Hauptgang befanden sich große Wassertanks, daneben Notstromaggregate für die autonome Versorgung mit Elektrizität und die Lüftungszentrale, aus der die Frischluftversorgung gesteuert werden konnte. Eine derartige Anlage ist zumindest in Berlin einmalig – möglicherweise existieren noch baugleiche Formen in anderen Städten auf ehemaligem DDR-Gebiet. Nach der Wiedervereinigung wurden in der Bunkeranlage Akten des Bezirksamtes gelagert. Die Anlage wurde im März 1997 vom Bundesministerium des Inneren (BMI) als öffentlicher Schutzraum mit einer Kapazität für rund 250 Personen anerkannt, aber bereits vor 2007 wieder aus der Zivilschutzbindung entlassen.
- Bunkertyp: Schutzraumkomplex (ca. 250 Schutzplätze)
- Errichtung: 1970er-Jahre
- Ausstattung: Belüftungsanlage mit Kiesdruckwellendämpfer, Wassertanks, Sanitäranlagen, Netzersatzanlage (NEA), Lüftungsanlage, Schutzräume, Notausstieg (Aktenlager in Friedenszeiten)
- Adresse: Große-Leege-Straße 103, 13055 Berlin-Alt-Hohenschönhausen
Zivilschutzbunker in Lichtenberg: Weiterer DDR-Bunker nach der Wende aufgenommen
Nach der Wende wurde noch eine weiterer getarnter Bunker in Lichtenberg in das Zivilschutzprogramm des Bundes aufgenommen, der zuvor als militärisch genutztes Schutzbauwerk gedient hatte: der Tiefbunker in Alt-Friedrichsfelde 60 mit einer Schutzplatzkapazität für 1000 Personen. Der unterirdische Bunker war unter strenger Geheimhaltung unter einer Fahrzeughalle errichtet worden und war einst Objekt der Staatssicherheit.
Zu dem Schutzbauwerk gehören Unterkunftsräume, ein Schießstand sowie ein strahlengeschützter Tiefbrunnen, der die Notwasserversorgung sicherstellen sollte. Der Zugang erfolgte konspirativ über die Fahrzeughallen gegenüber dem Haus 1. Nach der Wende wurde er von Mitarbeitern des Bundesamtes für die Unterlagen der Staatssicherheit genutzt, die in den Bunkerräumen Aktenschnipsel zusammensetzten. Der Bunker wurde im Oktober 1997 als öffentliche Zivilschutzanlage anerkannt, aber noch vor 2007 wieder aus der Bindung entlassen. Nominell wurde der Bunker im Zivilschutzprogramm nach der Wiedervereinigung mit einer Kapazität für 1000 Personen angegeben. Er war ursprünglich aber nur für maximal 300 Personen ausgelegt.
- Bunkertyp: Tiefbunker (ca. 1000 Schutzplätze)
- Errichtung: 1970er/1980er-Jahre
- Ausstattung: Belüftungsanlage mit Kiesdruckwellendämpfer und ABC-Filtern, Tiefenbrunnen, Trinkwasser-Aufbereitungsanlage, Schmutzwasserhebeanlage, Netzersatzanlage (NEA), E-Verteilung, Küche, Vorrats- und Lagerräume, Schutzräume, Sanitärräume, Notausstieg auf dem Exerzierplatz (heutiger Parkplatz), 25-Meter-Pistolenschießstand, Be- und Entlüftungsanlagen, Fernmeldetechnik (Telefon- und Funkeinrichtung)
- Adresse: Alt-Friedrichsfelde 60, 10315 Berlin-Friedrichsfelde
Öffentliche Schutzbunker: Wie ist die Situation heute?

Im Kontext des Krieges in der Ukraine hat sich der Bund dafür entschieden, die aktuelle Bedrohungslage neu zu bewerten und das Rückabwicklungskonzept für öffentliche Schutzräume zu überprüfen. Aktuell wird eine Bestandsaufnahme der noch vorhandenen Bunker und Schutzkeller vorgenommen.
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Weitere Informationen bietet der Internetauftritt des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Seit 2020 liegt die Zuständigkeit für Bewirtschaftung und Abwicklung der öffentlichen Schutzräume bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit Sitz in Bielefeld.
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Öffentliche Schutzbunker: Welche Schutzräume gibt es noch in Berlin?

Im Mai 2025 ließ sich die Abgeordnete Gollaleh Ahmadi (Grüne) mit einer schriftlichen Anfrage über die Anzahl und den Zustand der derzeit im Land Berlin befindlichen ehemaligen Schutzanlagen informieren. Die Senatskanzlei antwortete, dass sich 23 ehemalige Zivilschutzanlagen, davon 19 formal entwidmet und aus der Zivilschutzbindung entlassen in Berlin befänden. Für vier Anlagen bestehe die Zivilschutzbindung – rein formal – noch fort. Sie seien aber nicht betriebsbereit.
Da die funktionale Erhaltung der Schutzräume nach der zwischen Bund und Ländern einvernehmlich getroffenen Entscheidung im Jahr 2007 eingestellt sei, lägen dem Senat keine Informationen zu den derzeitigen Eigentümern vor. Die vier Anlagen, für die formal eine Zivilschutzbindung besteht, stehen an der Laubacher Straße, am Eiderstedter Weg, am Blochplatz und in der Stresemannstraße. Das ist die tabellarische Übersicht der Zivilschutzanlagen, die der Senat aufgestellt hat:
| Lage | Bezirk | Eigentümer |
|---|---|---|
| Laubacher Straße | Tempelhof-Schöneberg | Privater Eigentümer |
| Eiderstedter Weg (Heckeshorn) | Steglitz-Zehlendorf | Land Berlin (Bez. S.-Z.) |
| Blochplatz | Mitte | Land Berlin |
| Stresemannstraße | Friedrichshain-Kreuzberg | Bund (BImA) |
| Massiner Weg | Neukölln | Nicht bekannt |
| Nicolaistraße | Steglitz-Zehlendorf | Nicht bekannt |
| Bosestraße | Tempelhof-Schöneberg | Nicht bekannt |
| Eiswaldstraße | Steglitz-Zehlendorf | Nicht bekannt |
| Pallasstraße | Tempelhof-Schöneberg | Nicht bekannt |
| Bornsdorfer Straße | Neukölln | Nicht bekannt |
| Kudamm-Karree | Charlottenburg-Wilmersdorf | Nicht bekannt |
| Exelsiorgebäude | Friedrichshain-Kreuzberg | Nicht bekannt |
| Eiderstedter Weg | Steglitz-Zehlendorf | Nicht bekannt |
| Pankstraße | Mitte | Nicht bekannt |
| Siemensdamm | Spandau | Nicht bekannt |
| Zeiler Weg | Pankow | Nicht bekannt |
| Hobrechtsfelder Chaussee | Pankow | Nicht bekannt |
| Große-Leege-Straße | Lichtenberg | Nicht bekannt |
| Franz-Jacob-Straße | Lichtenberg | Nicht bekannt |
| Alfred-Kowalke-Straße | Lichtenberg | Nicht bekannt |
| Virchowstraße | Friedrichshain | Nicht bekannt |
| Walchenseestraße | Köpenick | Nicht bekannt |
| Otto-Wels-Ring | Neukölln | Nicht bekannt |
Hier finden Sie mehr Informationen zu einzelnen der aufgelisteten Schutzanlagen :



