Meterdicke Stahlbetonwände, gefilterte Luft und kein Tageslicht: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind sie wieder zum Thema geworden: Zivilschutzbauten, Schutzräume oder einfach Bunker genannt. In Deutschland stehen aktuell keine öffentlichen Schutzräume mehr zur Verfügung. Deren funktionale Erhaltung wurde nach Ende des Kalten Krieges eingestellt. Hier erfahren Sie alle Infos zu den ehemaligen Bunkern im Bezirk Steglitz-Zehlendorf:

Wie entstanden die ersten Zivilschutz- und Militärbunker in Berlin?

Die ersten Schutzbauwerke wurden in Deutschland in Vorbereitung auf den Zweiten Weltkrieg als Hoch- und Tiefbunker seit den 1930er-Jahren errichtet. Als im Krieg die ersten Luftangriffe der Alliierten 1940 die Reichshauptstadt Berlin trafen, reagierte die nervös gewordene NS-Führung mit einer massiven Ausweitung der Bautätigkeit und einem Bunkerbau-Sofortprogramm. Unter Federführung der "Baugruppe Langer" des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer geleiteten Behörde – entstanden Normbunker-Entwurfsskizzen für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten: Militär-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.

Auch interessant

Welche Formen von Bunkern gab es?

Grundlegend unterscheiden sich Bunker danach, ob ihre Schutzräume unterirdisch liegen (Tiefbunker) oder ob sie über der Erde errichtet werden (Hochbunker). Ein eingeschossiger Bunker, der auch zum Teil im Erdreich versenkt sein kann, wird Flachbunker genannt. Nach ihrer Funktion unterscheiden sich Zivilschutzbunker, die Schutzräume für die Bevölkerung bieten, gegenüber Militär- und Nachrichtenbunker, die strategische Militärpositionen, Kommunikationswege oder Produktionsmittel schützen.

Deutsche Zivilschutzbunker waren im Zweiten Weltkrieg mit der fluoreszierenden Aufschrift LSR für Luftschutzraum gekennzeichnet; in der Zeit des Kalten Krieges mit dem Zivilschutzzeichen – ein gleichseitiges blaues Dreieck auf orangenem Grund. An Häusern mit Luftschutzräumen findet sich aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges manchmal noch ein Hinweis „H“ für hinten beziehungsweise „V“ für vorne angebracht. Das kennzeichnete die Lage der Luftschutzräume unterhalb des Hauses, damit Rettungskräfte Verschüttete schneller bergen konnten.

In Berlin gab es sie nicht: Ein Spitzbunker im Wohngebiet Wünsdorf-Waldstad
In Berlin gab es sie nicht: ein Spitzbunker im Wohngebiet Wünsdorf-Waldstad.© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene | picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Jens Kalaene

In ihrer konkreten Bauform waren Schutzbunker sehr variantenreich, so entstanden seit den 1930er-Jahren in Deutschland Winkel-Hochbunker mit spitzem Dach – im Volksmund auch Betonzigarre oder Zuckerhut genannt – Rundbunker vom Typ Zombeck, Operationsbunker, Kirchenbunker und Luftschutzstollen bis hin zu sogenannten Einmannbunkern, die einer bis zwei Personen Splitterschutz bieten sollten. Mit dem Bunkerbau-Sofortprogramm standarisierten sich die Bautypen: In Berlin überwogen für den Luftschutz Tief- und Hochbunker in rechteckiger Bauweise – eingeschossige Flachbunker (Typ 2D) und Hochbunker mit Schutzkapazitäten für bis zu 500 Personen (Typ M 500).

Auch interessant: In Berlin gibt es keine funktionsfähigen Schutzräume

Wie war die Situation in Berlin nach dem Krieg?

Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sich in Berlin noch rund 360 Bunker, die als Schutzräume vor Bombenangriffen für Hunderttausende ausgelegt waren. Die Alliierten befahlen in der Regel die Sprengung, was aber nicht bei allen gelang. In den 1960er-Jahren erfolgte angesichts der Spannungen im Kalten Krieg ein Strategiewechsel: Jetzt wurde in West wie Ost die Instandsetzung der Bunker angeordnet und weitere Bunker als Mehrzweckanlagen errichtet. Die klassischen Luftschutzbunker wurden durch Atomschutzbunker ergänzt, die größeren Druckkräften und der Verseuchung und Verstrahlung von Gebieten standhalten sollten.

Was passierte mit den Bunkern nach der Wiedervereinigung?

Mit der Beendigung des Ost-West-Konflikts 1989 schien das Szenario eines konventionellen Krieges mit großflächigen Bombardierungen und dem Einsatz chemischer und nuklearer Waffen nicht mehr zeitgemäß. Die zuletzt 23 Bunker, die nach der Wiedervereinigung in Berlin dem Zivilschutz dienten, sind seit 2007 offiziell keine "Zivilschutzanlagen" mehr. Einige davon befinden sich nicht einmal mehr in bezirklicher, sondern privater Hand. Der Grund war ein Beschluss von 2007, wonach Bunkeranlagen in Deutschland nicht weiter erhalten oder konkreter: nicht weiter finanziert wurden. Ein Großteil von ihnen ist seitdem bereits zu Ruinen verkommen.

Das sind die ehemaligen Militär- und Zivilschutzbunker im Bezirk Steglitz-Zehlendorf:

Bunker in Steglitz-Zehlendorf: Der alte Nazi-Hochbunker Heckeshorn

Mitten auf der idyllischen Wannsee-Insel ließen die Nationalsozialisten einen gigantischen Betonkoloss errichten. Er diente dem Stab der Luftflotte Mitte – ab 1944 "Luftflotte Reich" – als Befehlsstand. Von hier aus wurde die gesamte Luftverteidigung rund um die Hauptstadt in einem Umkreis von 200 Kilometern geleitet. Nach Kriegsende wurde in dem Hochbunker zeitweise eine Pathologie unterhalten und später ein komplett ausgerüstetes, nie benutztes Bunker-Notfallkrankenhaus – samt Notstromaggregaten, einer großen Schutzluftanlage, Brunnenwasserversorgung, Aufzug und einer Großküche. Genutzt wurde das Krankenhaus nie.

  • Adresse: Rund 50 Meter südlich der ehemaligen Hauptzufahrt der Lungenklinik Am Großen Wannsee 72, 14109 Berlin-Wannsee
  • Geschichte: Zwischen 1941 und 1943 nach Plänen des Architekten Eduard Jobst Siedler (1880 –1949) errichtet; Koordination der Luftverteidigung Berlins bis 1945; zum Ende des Krieges kurzzeitig Standort der Wehrmachtsführung (OKW/OKH); nach Kriegsende amerikanische Sendestation (DIAS) und ab 1948 Funksendestelle der Telefonverbindung nach Westdeutschland; ab 1967 Pathologie der Lungenklinik Heckeshorn; ab 1985 Umbau zum Hilfskrankenhaus und OP-Bunker; seit 1999 Zivilschutzanlage; Rückbau der Krankenhauseinrichtung 2001
  • Bunkertyp: Hochbunker; militärischer Fernmeldebunker
  • Führungen: Tour H des Vereins Berliner Unterwelten – wird allerdings derzeit nicht angeboten.
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09075480
  • Status: Lost Place. Der Bunker ist aktuell als nicht einsatzbereiter öffentlicher Schutzraum ausgewiesen

Auch interessant

Bunker in Steglitz-Zehlendorf: Hochbunker in der Eiswaldtstraße

Mit der ersten Welle des Bunkerbau-Sofortprogramms wurden in Berlin verschiedene Typen von Normbunkern errichtet. Einer von ihnen: Der Hochbunker Typ „M 500“, der in der Eiswaldtstraße in Lankwitz steht. Der Betonkoloss sollte in erster Linie die Soldaten der gegenüberliegenden Train-Garde-Kaserne schützen. Nach Kriegsende gab es verschiedene Nutzungskonzepte: Unter anderem wurde ein Mitropa-Hotel in dem Bunker eröffnet. Zuletzt war das Bauwerk als Zivilschutzraum deklariert, bevor es nach Jahren des Leerstandes an einen privaten Investor verkauft wurde. Seitdem wartet das in die Jahre gekommene Bauwerk auf eine neue Verwendung.

  • Adresse: Eiswaldtstraße 17, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: 1941 durch die „Baugruppe Langer“ als Hochbunker „Typ M500“ errichtet; nach dem Krieg zwischen 1945 und 1949 als „Mitropa-Bunker Hotel“ geführt; danach amerikanisches Kasino und ab 1955 Filmlager; 1989 wurde der Bunker zur Zivilschutzanlage umgebaut und als solcher bis 2009 vorgehalten; danach Leerstand
  • Bunkertyp: Zivilschutzbunker; Normbunker vom Typ „M 500“, ausgelegt für 500 Personen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09065398
  • Status: Lost Place. Der Bunker wurde in den 2010er-Jahren an einen privaten Investor verkauft

Auch interessant

Bunker in Steglitz-Zehlendorf: Flak-Bunker in der Malteserstraße

Moosbewachsen und verlassen stand ein Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg für viele Jahre an der Lankwitzer Malteserstraße leer. Der Flakbunker war 1943 auf den rauchenden Trümmern der Offiziersmesse einer alten Kraftfahrer-Kaserne errichtet worden und hatte eine wichtige Funktion. Im Keller des Bunkers gab es Fernsprechverbindungen zu den Batteriebefehlsstellen des „Flakkommandos Süd“, mit denen die Luftverteidigung im Südwesten Berlins koordiniert wurden.

Nach Kriegsende wurde die alte Kaserne zum Hochschulstandort: Erst zog die Pädagogische Hochschule Berlin, und dann die FU Berlin auf dem Campus ein. Statt exerzierenden Soldaten eilten nun Professoren und Studenten an dem Flakbunker vorbei, der sich so recht nie in den Hochschulstandort einfügen wollte. Ende der 1990er-Jahre überließ die FU Berlin den Bunker einem Jugendprojekt: Aus dem leerstehenden Flakbunker wurde der „JugendKulturBunker“.

  • Adresse: Malteserstraße 84, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: 1943 als Hochbunker über dem Kellerbereich einer zerstörten Offiziers-Speise-Anstalt auf dem Gelände einer Kaserne errichtet; bis zum Ende des Krieges Sitz des Stabs des Luftverteidigungskommandos Berlin 1 und Verbindungsbunker zu den Batteriebefehlsständen „Flakkommando Süd“; nach Kriegsende teils als Lagerraum genutzt, zuletzt hatte das Bauwerk auf dem „GeoCampus“ der FU Berlin keine Verwendung
  • Bunkertyp: Hochbunker; militärischer Kommandobunker
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Der Bunker wurde Ende der 1990er-Jahre zum Jugendtreff „JugendKulturBunker“ in der Malteserstraße umgebaut

Auch interessant

Bunker in Steglitz-Zehlendorf: Flachbunker Nicolaistraße 69

Bei dem Anfang der 1940er-Jahre errichteten Bunker in der Nicolaistraße handelte es sich um einen kleineren Flachbunker (Typ 2D), der in der „ersten Welle“ des Bunkerbau-Sofortprogramm errichtet wurde. Bei dem eingeschossigen Bunkertyp handelte es sich um eine vergleichsweise kleine Luftschutzanlage, die auch „Mutter-Kind-Bunker“ oder „Dornröschenbunker“ genannt wurden, da sie ursprünglich kinderreichen Familien vorbehalten waren. Der Flachbunker in der Nicolaistraße blieb bis zum Kriegsende weitgehend unbeschädigt. In den 1960er-Jahren wurde er als Zivilschutzbunker reaktiviert. Nominell bot der Schutzbau für den Katastrophenfall Platz für insgesamt 202 Personen, die sich für einen kurzen Zeitraum in den Betonbau in Lankwitz hätten retten können. Nach der Wiedervereinigung wurde der Schutzbau 2010 entwidmet und sollte verkauft werden.

  • Adresse: Nicolaistraße 69, 12247 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: In den 1940er-Jahren als Luftschutzbunker errichtet; nach dem Zweiten Weltkrieg als Schutzbauwerk in den Zivilschutz übernommen; 2007 beschloss der Bund die öffentlichen Schutzanlagen abzuwickeln; 2010 wurde der Bunker entwidmet und für einen Verkauf vorbereitet
  • Bunkertyp: Zivilschutzbunker; sanierter Flachbunker vom Typ 2D mit 18 Kammern; Schutzkapazität für 202 Personen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place

Bunker in Steglitz-Zehlendorf: Der Hochbunker am Eiderstedter Weg 34

Bei dem Bauwerk am Eiderstedter Weg 34 handelt es sich um einen der ungewöhnlichsten Berliner Bunker, der während des Zweiten Weltkriegs errichtet wurde. Mitten im Wohngebiet des heutigen Ortsteils Schlachtensee hatte die NS-Führung einen Hochbunker bauen lassen, der direkt an ein Wohnhaus angrenzte. Dieselbe Dachform, ähnliche Fassade: Die Tarnung war perfekt. Vielleicht auch deshalb wurde der Bunker in der Nachkriegszeit für den Zivilschutz saniert und im Kalten Krieg bereitgehalten, um der Westberliner Bevölkerung im Falle einer sowjetischen Aggression Sicherheit zu bieten. Mit der Wende entfiel die akute Bedrohungslage und der Bunker wurde in den 2000er-Jahren entwidmet. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) bereitete in den 2010er-Jahren den Verkauf der Anlage vor.

  • Adresse: Eiderstedter Weg 34, 14129 Berlin-Schlachtensee
  • Geschichte: Anfang der 1940er-Jahren als Luftschutzbunker errichtet; nach dem Zweiten Weltkrieg als Zivilschutzbunker reaktiviert; nach 2007 aus der Zivilschutzbindung entlassen; danach Leerstand
  • Bunkertyp: Zivilschutzbunker; Hochbunker mit Schutzkapazität für knapp 300 Personen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place

Auch interessant

Bunker in Steglitz-Zehlendorf: Hinterhofbunker an der Kurfürstenstraße

Auf einem Berliner Wohngrundstück in Lankwitz halb vergraben im Erdreich des Hinterhofes dämmerte Jahrzehntelang ein Weltkriegsbunker vor sich hin. Der Bau ragte etwa zwei Meter aus dem Boden heraus und war an seinen zwei erhöhten Ein- und Ausgängen und an den aus den Boden ragenden Lüftungsschächten zu erkennen. Durch den Eingang ging es eine steile Treppe hinab in den Bunker. „Ruhe bewahren, Nicht drängen“ stand in fluoreszierenden Buchstaben an der Wand.

In der Nachkriegszeit wurde der Flachbunker als Lagerraum für die Senatsreserve genutzt: Große Mengen unbelichtetes Filmmaterial, Milchpulver und getrocknete Aprikosen lagerten hier, bis die Vorräte nach der Wende, dem Ende des Kalten Krieges und dem Zerfall der Sowjetunion nicht mehr benötigt wurden. Nach Jahren des Leerstandes stand der Betonbau schließlich dem Neubauprojekt „Kurfürsteneck“ im Weg und wurde 2016 abgerissen.

  • Adresse: Kurfürstenstraße 29a, 12249 Berlin-Lankwitz
  • Geschichte: Anfang der 1940er-Jahren als Luftschutzbunker errichtet; nach dem Zweiten Weltkrieg zwischenzeitlich als Depot für Filmrollen genutzt; später Lagerstätte für Lebensmittel der Senatsreserve; nach 1989 Leerstand
  • Bunkertyp: Zivilschutzbunker; Flachbunker vom Typ 2D mit 18 Kammern; Schutzkapazität für rund 300 Personen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Der Bunker wurde 2016 abgerissen

Auch interessant

Öffentliche Schutzbunker: Wie ist die Situation heute?

Im Kontext des Krieges in der Ukraine hat sich der Bund dafür entschieden, die aktuelle Bedrohungslage neu zu bewerten und das Rückabwicklungskonzept für öffentliche Schutzräume zu überprüfen. Aktuell wird eine Bestandsaufnahme der noch vorhandenen Bunker und Schutzkeller vorgenommen.

Fragen zu öffentlichen Schutzräumen in Deutschland beantwortet eine Bürger-Hotline unter der Telefonnummer: +49 228-37787-400 (Montag bis Freitag von 8 bis 16 Uhr).

Auch interessant: Faeser setzt nicht auf Bunker – Warninfrastruktur wichtiger

Weitere Informationen bietet der Internetauftritt des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Seit 2020 liegt die Zuständigkeit für Bewirtschaftung und Abwicklung der öffentlichen Schutzräume bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) mit Sitz in Bielefeld.