In Berlin gibt es eine Vielzahl von Schrottimmobilien. Eines der Geisterhäuser ist das seit vielen Jahren leerstehende Wohnhaus am Malchower Weg in Lichtenberg, das direkt an die katholische Heilig-Kreuz-Kirche Hohenschönhausen grenzt.
Das Haus gehörte einst zu einem traditionsreichen Gehöft, einem der ersten Ansiedlungen in der Straße. Bis zur Wiedervereinigung wurde es als Wohnhaus genutzt. Nach der Wende verließen die letzten Bewohner Hals über Kopf die Immobilie. Mit den Jahren verwilderte das Grundstück und die Bausubstanz litt. Im Inneren der Hausruine: ein großer Fundus an zurückgelassenen Alltagsgegenständen aus den letzten Tagen der DDR. Alle Infos zu dem Lost Place.
Auch interessant
Das sind die Fakten zum Geisterhaus Malchower Weg im Überblick:
- Adresse: Malchower Weg 26, 13503 Berlin-Alt-Hohenschönhausen
- Geschichte: Das Wohnhaus wurde als Teil eines Mühlenhofes im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts errichtet; ein Teil der Bebauung mitsamt der Mühle wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört; in der DDR-Zeit wurde es als Wohnhaus mit Gewerbehof unter anderem für Lebensmittelhandel und eine Brennholzschneiderei genutzt; nach der Wiedervereinigung in den 1990er-Jahren Standort eines Pkw-Exporthandels, dann Leerstand und Verfall
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Lost Place
Wo liegt das Geisterhaus Malchower Weg genau?
Das Geisterhaus Malchower Weg liegt an der Adresse Malchower Weg 26 im Ortsteil Alt-Hohenschönhausen des Bezirks Lichtenberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: HG24+V46 Berlin. Das Grundstück kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten mit den Buslinien 256 und N56 (Haltestelle Gehrenseestraße) erreicht werden. Von der Bushaltestation benötigt man rund vier Minuten zu Fuß entlang des Malchower Wegs bis zu dem Lost Place-Grundstück. Achtung: Es handelt sich um Privatbesitz. Unbefugten ist das Betreten nicht erlaubt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Geisterhauses Malchower Weg:
Ausgangslage: Errichtung des Bauernhof-Ensembles in der Kaiserzeit
Die Wurzeln des Geisterhauses Malchower Weg reichen weit in die Geschichte zurück: bis zu den Anfängen der Kaiserzeit in den 1870er-Jahren, als Hohenschönhausen noch ein Dorf vor den Toren Berlins war – geprägt von Bauerngehöfen, Ackerflächen, Streuobstwiesen, einigen Mühlen und Landhäusern. In dieser Zeit wurde am Malchower Weg – er war einst der Verbindungsweg zwischen Hohenschönhausen und Malchow und wurde auf Malchower Gebiet als Hohenschönhauser Weg weitergeführt – ein Bauernhof mit Ställen, Scheunen und Wohnhaus angesiedelt. Das herausstechendste Merkmal des Hofs allerdings war die Mühle, deren große Flügel sich majestätisch über die Ebene spannten und zur Attraktion für die Kinder der Umgebung wurde.
Bei der Mühle handelte es sich um eine sogenannte „Erdholländer“ – eine Holländerwindmühle, deren Bautyp sich seit dem 16. Jahrhundert von den Niederlanden aus über Europa verbreitet hatte, mit Flügeln, die am tiefsten Punkt fast den Boden erreichten: gut für die Wartung, schlecht für unachtsam Beistehende. Immer wieder sorgte die Mühlenart im Laufe der Geschichte für schwere Verletzungen und Todesfälle. Am Malchower Weg sorgte die Mühle aber in erster Linie für frisch gemahlenes Mehl. Von den 1880er-Jahren bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde sie vom Hohenschönhausener Müllermeister Heinrich Maihofer betrieben, der mit seiner Familie den Mühlenbetrieb am Malchower Weg führte und im Landhaus des Hofs lebte.
- Kaiserlicher Monumentalbau verkommt zu gefährlicher Ruine
- Mit diesem Berliner Beton-Giganten kann niemand etwas anfangen
- Geheimnisvolle Villa mit DDR-Schätzen steht seit Jahrzehnten leer
- Nazi-Bunker erhielt nach dem Krieg eine abenteuerliche Funktion
- DDR-Prestigebau endete in Trümmern – Senat sah keine Verwendung
- Räuber plünderten Geisterfriedhof in Lichtenberg
Geisterhaus Malchower Weg: Backwaren für das wachsende Hohenschönhausen
Seit dem 19. Jahrhundert mahlte die Mühle nicht nur Korn zu frischem Schrot und Mehl für die Bäckereien der Nachbarschaft, in denen es zu Brot und anderen Backwaren weiterverarbeitet wurde. Das Bauwerk wurde auch zu einem Wahrzeichen Hohenschönhausens. Der Name des Lichtenberger Wohnviertels „Am Mühlengrund“ ging auf ebenjene alte Mühle zurück, nachdem sich zuerst umliegende Kleingartenvereine diesen Namen gegeben hatten und er später für die Neubausiedlung in Lichtenberg gewählt wurde, als die Mühle längst nicht mehr existierte.
Der Hof des alten Bauernhofs am Malchower Weg wurde seit Inbetriebnahme der Maihofer’schen Mühle im 19. Jahrhundert stetig ausgebaut. Um die Jahrhundertwende waren um den Landsitz der Müllereifamilie und ihrer Mühle zahlreiche Wirtschaftsgebäude entstanden: Scheunen für Gerätschaften und Fuhrwerke, Silos und Ställe. Der Hof der Familie Maihofer war zu einem bedeutenden lokalen Wirtschaftsstandort geworden. In der Windmühle und dem Getreide- und Mehlgroßgeschäft seines Vaters lernte der Familienspross Paul Maihofer das Müller-Handwerk. Die Familie betrieb die Mühle auch weiter, als in den 1910er-Jahren das alte Europa in den Grabenkämpfen des Ersten Weltkriegs unterging und als nach der Kapitulation in Deutschland die Zeit der Weimarer Republik begann.
- Wie ein Wahrzeichen Hohenschönhausens fast zur Ruine verfiel
- Hubertusbad: Ein seltener Blick in Berlins verlassene Bade-Kathedrale
- Das traurige Schicksal des Sporthotels Hohenschönhausen
- Verlassene Schrottimmobilie bot einen überraschenden Fund
- Berliner Kult-Bad verrottete zu hässlichem Lost Place
- Der geheimnisvolle Wasserturm am Blockdammweg
Geisterhaus Malchower Weg: Erdholländer-Mühle endete im Feuersturm
1920 wurde Hohenschönhausen mit dem Groß-Berlin-Gesetz als Ortsteil von Weißensee in das Stadtgebiet Berlins eingemeindet. Auch der Maihofer‘sche Hof am Malchower Weg erlebte Veränderungen: Neben den Wirtschaftsgebäuden eröffnete eine Bäckerei auf dem Hofsgelände, die zuerst von Bäckermeister Stanislaus Stroinski geführt wurde und seit Ende der 1930er-Jahre vom Hohenschönhausener Brotbäcker und Bäckermeister Johann Kulecki. Eigentümer des Mühlenhofs blieb bis in die Kriegsjahre der 1940er-Jahre Heinrich Maihofer – dann endete die Geschichte der Mühle als Familienbetrieb in einem Feuersturm.
Während der seit 1943 verstärkten Bombenangriffe auf die Reichshauptstadt wurde die Mühle am Malchower Weg vollständig zerstört. Ihr Standort hatte sich hinter dem heutigen Grundstück befunden. Dort, wo heute ein Tannenbaum im Zentrum des Wendekreises einer kleinen Reihenhaussiedlung steht (Google-Koordinaten: HG34+45F Berlin). Die übrigen Gebäude des Hofs, mitsamt dem Landhaus am Malchower Weg gingen weitgehend unbeschadet aus den Kriegsjahren hervor.
Im Frühjahr 1945 erreichten Verbände der Roten Armee Berlin und lieferten sich ein Wettrennen um die Eroberung der Stadt. Vom Norden rückte Marschall Georgi Schukow (1896–1974) mit Verbänden der 1. Weißrussischen Front von Marzahn aus in Richtung Innenstadt vor. Hohenschönhausen wurde in den Abendstunden des 21. April 1945 erreicht und war am Folgetag vollständig eingenommen. Anfang Mai 1945 endete die Schlacht um Berlin – und am 8. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa.
- Berliner Kult-Bad verrottete zu hässlichem Lost Place
- Stolzes „Bäckerhaus“ steht leer: Wann ziehen hier endlich wieder Mieter ein?
- Das traurige Ende einer DDR-Ruine an der Gotlindestraße
- Hier zeigte sich die ganze Trostlosigkeit der Berliner Nachwende-Jahre
- Architektonisches Juwel versorgte Berlins „Strippenexpress“
- Das „Kalinka“ war ein Fossil aus den letzten Tagen der DDR
Geisterhaus Malchower Weg: Wechselnde Mieter in der DDR-Zeit
Hohenschönhausen gehörte nach 1945 zur sowjetischen Besatzungszone des geteilten Berlin und nach der Gründung der DDR 1949 zur ostdeutschen Hauptstadt. Das Hofensemble am Malchower Weg wurde als Wohngebäude mit angeschlossenen Kleinbetrieben weitergeführt. Ende der 1940er-Jahre ist eine von Karl Wurll geführte Sämerei an der Adresse verzeichnet. Zu der Saatguthandlung gesellte sich 1949 ein Lebensmittelgeschäft, das bis Anfang der 1960er-Jahre mehrfach den Inhaber wechselt. Mitte der 1950er-Jahre firmiert auch die Brennholzschneiderei Georg Hartmann am Malchower Weg 26. Zuletzt war kurz vor der Wende noch eine Ost-West-Handelsgesellschaft und Hochbau GmbH an der Adresse gemeldet.
Die Betriebe waren in den früheren Wirtschaftsgebäuden des Hofs im hinteren Bereich des Grundstücks angesiedelt. Unterdessen wurde das Landhaus zur Straße Malchower Weg jahrzehntelang als Mehrfamilienwohnhaus genutzt, mit wechselnden Bewohnern. In der DDR-Zeit gaben sich die Mieter die Klinke in die Hand. An der Bausubstanz wurden wenig erneuert. Außer Renovierungen im Inneren blieben Sanierungen weitgehend aus.
Geisterhaus Malchower Weg: Lost Place seit den 1990er-Jahren
In der Nachwendezeit war das ehemalige Bauerngehöft noch eine Zeitlang als Firmensitz eines auf den Export nach Osteuropa spezialisierten Gebrauchtwagenhändlers eingetragen. Dann endete auch dieses Kapitel. In den 1990er-Jahren hatten – aus unerfindlichen Gründen in aller Eile – die letzten Mieter das Landhaus verlassen, das in der Folge zu einem der vielen verlassenen Immobilien der Nachwendezeit in Berlin wurde. Über Nacht fiel das alte Bauernhaus in einen bis heute nicht enden wollenden Dornröschenschlaf und verfiel mit den Jahren des Leerstands zu einer einsturzgefährdeten Ruine.
Im Inneren haben die letzten Mietparteien noch viele Alltagsgegenstände zurückgelassen – manche aus DDR-Zeiten; unter anderem ein Bild des Staatsratsvorsitzenden Erich Honeckers, über das sich mit den Jahren Lagen von Staub und Dreck legten. Eine zerfetzte DDR-Zeitungseite am Boden vermeldet die „Erfolge des Sports auf dem Fundament des Sozialismus“. In der Toilette hängen noch Plakate, an den Fenstern teilweise Rüschengardinen. Doch das seit Ewigkeiten verlassene Objekt macht insgesamt einen mehr als baufälligen Eindruck: in den Räumen lösen sich die letzten Tapeten in großen Streifen von den bröckelnden Wänden, von den Holztüren platzt der Lack und große Risse ziehen sich durch das Mauerwerk und schlimmer noch durch die Zwischendecke, die einen instabilen Eindruck macht.
Geisterhaus Malchower Weg: Betreten der Hausruine birgt Lebensgefahr
Teile des Dachs und der Außenmauer an der östlichen Gebäudeseite sind inzwischen eingestürzt und geben den Weg für Frost und Nässe frei, in die noch übrigen Gebäudestrukturen einzudringen und weiteren Schaden anzurichten. Auch eine Scheune und mehrere eingeschossige Nutzbauten stehen inmitten des Wohnviertels am Malchower Weg leer und verfallen. In der Garage finden sich Stapel von zurückgelassenen Einrichtungsgegenständen, die sich ehemals im Landhaus befanden.
Auf dem verwilderten Grundstück ranken wildwuchernde Pflanzen an den Gebäuden des einstigen Mühlenhofs empor. Trotz des desolaten Zustands des Gebäudeensembles dringen immer wieder Lost-Place-Fans in die verfallenen Hofgebäude ein, wovon allein schon wegen der akuten Einsturzgefahr dringend abzuraten ist. Immer wieder kam es in den letzten Jahren im Zusammenhang mit dem Erkunden verlassener Gebäude zu schweren Unfällen, in besonders tragischen Fällen auch mit Todesfolgen.



