Das Hubertusbad wurde als eines der letzten Berliner Stadtbäder errichtet und war bei seiner Eröffnung in den 1920er-Jahren eines der modernsten Europas. Die einstige Pracht schimmert noch durch die zerbrochenen Fenster und verlassenen Hallen. In der Weimarer Republik diente es Lichtenbergs Arbeitern als Ort der Hygiene und Entspannung; in der DDR-Zeit erlernten hier Generationen von Ost-Berlinern das Schwimmen. Dann kam nach der Wende das Aus für den in die Jahre gekommenen Badetempel. Die Eingänge zugemauert dämmerte das trockengelegte Schwimmbad in einem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf vor sich hin. Immer wieder gab es Versuche, das marode Stadtbad zu reaktivieren – doch erst 2018 begann der Bezirk Teile der Anlage zu sanieren. Zwischen Vergessenem und Verlassenem hat sich an dem Ort viel von der Badekultur früherer Zeiten bewahrt. Die wichtigsten Infos zu einem der spannendsten Lost Places Berlins.
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Das sind die Fakten zum Stadtbad Lichtenberg im Überblick:
- Adresse: Hubertusstraße 47, 10365 Berlin-Lichtenberg
- Geschichte: 1928 wurde das Stadtbad Lichtenberg, im Volksmund Hubertusbad genannt, als städtisches Volksbad eröffnet; das im Zweiten Weltkrieg durch eine Sprengbombe beschädigte Bad konnte nach Sanierungen 1948 seinen Betrieb wiederaufnehmen; 1991 wurde das Bad stillgelegt; seitdem Leerstand und Verfall
- Führungen: Seit Oktober 2025 gibt es wieder die Möglichkeit geben, das Stadtbad im Rahmen der Ausstellung „Stadtbad Reloaded“ zu erleben. Daneben bieten auch kommerzielle Anbieter wie go2know Fototouren im Stadtbad Lichtenberg an
- Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09040003
- Status: Lost Place. 2018 bis 2022 wurden einzelne Bereiche im Bad teilsaniert. Die kleine Schwimmhalle kann für Tagungen, Hochzeiten oder andere Veranstaltungen gemietet werden. Im Februar 2024 wurden Teile der Anlage als Ausstellungsräume der Öffentlichkeit zugänglich gemacht
Wo liegt das Stadtbad Lichtenberg genau?

Das Stadtbad Lichtenberg liegt an der Adresse Hubertusstraße 47 im Ortsteil Lichtenberg des gleichnamigen Bezirks. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: GF7V+7G Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort am besten vom S- und U-Bahnhof Lichtenberg (S5, S7, S75, U5) zu erreichen. Vom Bahnhof benötigt man zu Fuß rund sechs Minuten entlang der Frankfurter Allee und der Hubertusstraße bis zum Stadtbad Lichtenberg. Alternativ können auch die Buslinien 240, N56 und N94 (Haltestelle U Magdalenenstraße/Buchberger Straße) genutzt werden. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Stadtbades Lichtenberg:
Ausgangslage: Ein Stadtbad für jeden Berliner Bezirk
„Jedem Deutschen wöchentlich ein Bad“, lautete das Credo und Lebensziel des Berliner Arztes Oskar Lassar (1849-1907). Auf der Berliner Hygieneausstellung am Lehrter Bahnhof hatte er dem staunenden Publikum sein Volksbrausebad vorgestellt: zehn Duschen für Frauen und Männer in einem bescheidenen Wellblechgebäude. Vom Ziel des erschwinglichen, wöchentlichen Bads für jedermann waren die meisten deutschen Großstädte zur Jahrhundertwende noch weit entfernt.
Doch die Forderungen des Mediziners verhallten nicht ungehört: In den Jahren um 1900 setzte in Berlin ein regelrechter Bauboom für Duschbäder ein und ein öffentliches Bad nach dem anderen entstand: die Volksbadeanstalt Moabit, die Stadtbäder Charlottenburg und Oderberger Straße, die 1908 eröffneten Stadtbäder Wedding und Steglitz und zahlreiche weitere Badehallen. Im damals noch vor den Toren der Stadt gelegenen Lichtenberg begannen die Planungen für ein eigenes Stadtbad 1907 – doch es sollten noch viele Jahre vergehen, bevor hier der erste Badegast ins kalte Nass eintauchen konnte.
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Stadtbad Lichtenberg: Planungen seit der Kaiserzeit
Über Jahrhunderte war Lichtenberg eine ländliche Siedlung am Rande Berlins – geprägt von Landwirtschaft und beschaulichem Dorfleben. Erst mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert begann ein tiefgreifender Wandel: Fabriken und Arbeiterwohnquartiere entstanden, die Bevölkerungszahlen stiegen rapide und auch für gutbetuchte Zuzügler aus Berlin – Industrielle, Beamte und Banker, die sich in neugebauten Landhäusern dem Trubel der Hauptstadt entziehen wollten – wurde die grüne Oase im Osten Berlins interessant.
1908 hatte die rasch wachsende Ortschaft das Stadtrecht erhalten – damit einher gingen Privilegien wie der Zugang zum Preußischen Städtetag und damit auch an den Versammlungen des Deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege, aber auch Verpflichtungen. Städtische Einrichtungen mussten gebaut werden, ein Amtsgericht, ein Krankenhaus, Volksschulen und – so die Auflagen – auch ein Volksbad, um die gesetzlichen Regelungen zur Hebung der Hygiene, Gesundheit und des Badewesens umzusetzen.
Stadtbad Lichtenberg: Badeanstalt soll die Hygienestandards heben

Für die Mehrzahl der Lichtenberger Bevölkerung, die sich keine eigenen Waschräume, geschweige denn ein Badezimmer leisten konnten, gab es zuvor nur wenige Möglichkeiten zur Reinigung. Zwar existierten einige Fluss- und Freibadeanstalten, in den Wintermonaten beschränkte sich der Zugang aber auf vereinzelte, kleine Warmbadeanstalten, deren Eintritt kostspielig war. Das reichte nicht aus, um in den Arbeiterquartieren ausreichende Hygienestandards zu ermöglichen.
Im Februar 1909 plante die Stadt erstmals eine höhere Summe ihres Budgets für die Errichtung einer Badeanstalt ein. Doch das Projekt wurde zurückgestellt – andere Bauten standen höher auf dem Wunschzettel der jungen Stadt: Noch immer fehlte es an einem Krankenhaus, und auch der Ausbau des Abwassersystems konnte nicht aufgeschoben werden. Vorerst mussten sich die Einwohner mit alimentierten Gemeinde-Badekarten zufriedengeben, in denen es in einigen Einrichtungen zum Vorzugspreis von 30 Pfennig ein Wannenbad, samt Seife und Handtuchnutzung gab.
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Stadtbad Lichtenberg: Erster Weltkrieg verzögert den Baubeginn
In den 1910er-Jahren schritten die Planungen voran: Die Kommune erwarb ein rund 4000 Quadratmeter großes Grundstück an der Frankfurter Allee. Architekten lieferten erste Baupläne für die Volksbadeanstalt – doch erneut war dem Projekt kein Glück beschieden. Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 waren keine Mittel mehr für eine öffentliche Badeeinrichtung vorhanden. Der erste Spatenstich für die Fundamente des Hubertusbades wurden nach Ende des Krieges 1919 gelegt. Doch ein Jahr später ruhten die Arbeiten bereits wieder.
Lichtenberg war mit dem Groß-Berlin-Gesetz in das Stadtgebiet von Berlin eingemeindet worden und der Berliner Magistrat trat auf die Bremse – alles zu teuer. Für das Volksbad Lichtenberg wurde ein Baustopp verhängt. Kein Einzelfall: Zwischen 1918 und 1925 wurde im gesamten Deutschen Reich kein neues Hallenbad eröffnet. Es war eine Zeit wirtschaftlicher Krisen und politischer Unruhen. In den knappen Kassen der Kommunen fehlte das Geld für öffentliche Neubauten – und die Menschen hatten andere Sorgen: Hunger, Armut und Inflation.
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Stadtbad Lichtenberg: Feierliche Eröffnung Ende der 20er-Jahre

Aufgegeben wurde das Stadtbad aber nicht. Der Architekt Otto Weis (1880–1943) und der Bauingenieur Rudolf Gleye (1880–1926) überarbeiteten die Pläne. 1925 – die Weimarer Republik ging in eine Phase relativer Stabilität – konnten die Arbeiten wiederaufgenommen werden und nach drei Jahren Bauzeit war es soweit: Am 2. Februar 1928 betraten die ersten Badegäste die imposante Badehalle. „Berlins modernstes Bad in Lichtenberg nach neunjähriger Bauzeit fertig“, schrieb die Berliner Morgenpost am 1. Februar 1928.
Lichtenberg hatte das Stadtbad, das es sich seit Anfang des Jahrhunderts erträumt hatte – und das lange Warten hatte sich gelohnt. Die Einrichtung war eine der modernsten ihrer Zeit: voller Finessen und liebevoller Details bot der expressionistische Bau seinen Gästen verschieden hochmoderne Bereiche – und war dennoch erschwinglich für die Arbeiter und Arbeiterinnen der umliegenden Industrieviertel Lichtenbergs.
Stadtbad Lichtenberg: So war das Badehaus aufgebaut

Bei seiner Eröffnung 1928 war das Bad seiner Zeit voraus und so modern ausgestattet, dass es wenige Jahre später schon Gäste aus England, Dänemark, Schweden, Spanien, Ägypten und Japan besichtigten. Von außen sah man dem kubistischen Baukörper im Stil des Expressionismus seine luxuriöse Innenausstattung nicht unbedingt an. Das Bauwerk, das sich in Ost-West-Ausrichtung zwischen der Atzpodien- und der Hubertusstraße erstreckte, wies auf einer Grundfläche von 2.200 Quadratmetern eine dreigliedrige Struktur auf: ein Mitteltrakt, den drei Lichthöfe flankierten, und zwei Gebäudeflügel, die die Schwimmhallen beherbergten.
Im westlichen Flügel lag die große Halle mit einem 25-Meter-Schwimmbecken für Herren. Der östliche Flügel war den Damen vorbehalten, die ein 20-Meter-Becken vorfanden. Noch herrschte strikte Geschlechtertrennung. An den östlichen Gebäudeflügel schloss sich ein Beamtenwohnhaus an, das dem Badepersonal vorbehalten war. Auf dem rückwärtigen Teil des Grundstücks, in Richtung Frankfurter Allee, lag der Wirtschaftshof des Stadtbades und einige später errichtete Wohnhäuser. Die Fassaden der Lichthöfe waren mit ockerfarbenen Klinkern verkleidet; die Gebäudeflügel mit Walmdächern abgeschlossen.
Stadtbad Lichtenberg: Luxus und moderne Ausstattung im Inneren

Gäste betraten das Stadtbad durch den dreitürigen Haupteingang in der Hubertusstraße, drei gläserne Türen in goldenem Rahmen über denen in frakturähnlichem Stil der Schriftzug „Stadtbad Lichtenberg“ zu lesen war und die von vier Springerfiguren des Bildhauers Ludwig Isenbeck (1882–1958) bekrönt wurde. Das Foyer war mit einem Kassenbereich, bodentiefen Fenstern und geschwungenen Treppen einladend gestaltet. Von hier aus erreichte man über einen gekachelten Vorraum, in welchem die Straßenbekleidung abgelegt werden musste, das Herzstück der Anlage, die großen Schwimmhallen zu beiden Seiten.
Die Schwimmhallen waren mit türkisfarbenen und in verschiedenen Brauntönen gehaltenen Fliesen gegliedert und geschmückt. Der Boden der Wasserbecken war geneigt und reichte von etwa 50 Zentimeter bis zu rund 3,50 Meter Wassertiefe. Beiderseits an den Schmalseiten, an denen sich auch die Duschräume befanden, führten Treppen in den Flachbereich. Bei einer Länge von fünf Metern trennte eine lederummantelte Kette den Nichtschwimmer- vom Schwimmerbereich. Für die Schwimmer gab es im Tiefwasserbereich seitwärts Ausstiegsleitern, von denen auch die Sprungelemente erreicht werden konnten.
Stadtbad Lichtenberg: Das waren die Highlights der Anlage

Mit gusseisernen Geländern geschmückten Treppen verbanden alle Etagen des Hauses. Für alte und kranke Besucher stand auch ein Aufzug bereit. Die Ausstattung des Stadtbades war beeindruckend. Neben den Schwimmbecken für Männer und Frauen gab es Bereiche für Wannenbäder und Duschen, einen Gymnastiksaal, medizinische Badeeinrichtungen sowie einen russisch-römischen Saunabereich mit verschiedenen Wellnesseinrichtungen. In separaten Bädern mit medizinischen Zusätzen konnten die Badegäste ihrem Körper Gutes tun. Im Kaltwasserbecken, in Saunen und Dampfbädern ihr Immunsystem stärken, im Gymnastiksaal ihre Fitness trainieren und sich in den Massagekabinen verwöhnen lassen.
In der ersten Etage des mittleren Baukörpers befanden sich die „Wannenbäder“, kleine Räume mit je einer Emaillebadewanne darin. Insgesamt 68 Badekabinen standen den Gästen zur Verfügung, die mit der Eintrittskarte Seifenstücke für die Körperreinigung erwarben. Im gleichen Geschoss erreichte man die Galerie mit Zuschauertribünen über den Schwimmbecken. Im zweiten Obergeschoss befand sich der Saunabereich mit verschiedenen Saunen, Tauch- und Kaltwasserbecken, einem Gymnastiksaal sowie Massagekabinen.
Daneben, im vorderen Gebäuderiegel, lag eine Abteilung für medizinische Wasseranwendungen – ausgestattet mit Gerätschaften und Badeanlagen für Hydrotherapien auf dem aktuellen Stand der Forschung. Im mittleren Bereich des Dachgeschosses fanden die Gäste ein weiteres Highlight vor: die große Sonnenterrasse, auf der sich die Gäste nach dem Saunagang entspannen konnten. Das Sonnendeck war gesäumt von hölzernen Umkleidekabinen und es gab Ausleihmöglichkeiten für Liegestühle.
Im Bild-Archiv des Fördervereins Stadtbad Lichtenberg gibt es Vorher-Nachher-Bilder, die den Zustand des Bades in früheren und modernen Zeiten gegenüberstellen
Stadtbad Lichtenberg: Fliegerangriff beendete den Badebetrieb

Auch die Gebäudetechnik des Lichtenberger Badepalasts konnte überzeugen: Das gesamte Bauwerk war durchzogen von Lüftungsschächten, die ein angenehmes Raumklima schufen. Im Kellergeschoss waren die Installationen für den Wasserdurchfluss und die Reinigungsanlage untergebracht. Unterhalb der Schwimmhallen lagen Zisternen, die den gesamten Wasservorrat der Becken aufnehmen konnten. So war es bei Bedarf möglich, das komplette Wasser innerhalb kurzer Zeit umzuwälzen. Im Untergeschoss des Mitteltrakts befand sich ein Servicetrakt, in denen das Wäschelager und Flickstuben untergebracht waren und ab 1931 auch ein Friseur.
Nach der Eröffnung der Badeeinrichtung im Jahr 1928 unter der Parole „Volksgesundheit und Ertüchtigung“ nutzten Lichtenberger Familien und auch erste Schwimmsportvereine die beiden Schwimmhallen. Die züchtige Geschlechtertrennung wurde alsbald aufgehoben, so dass Besucher die freie Hallenwahl hatten. Doch der Badespaß währte nicht lang: während des Zweiten Weltkriegs traf eine Sprengbombe den nordwestlichen Teil des Gebäudes. Die Explosionswirkung erschütterte die gesamte Gebäudestruktur. Die meisten Scheiben des Bades gingen durch die Druckwelle zu Bruch. Nach Kriegsende wurde das Gebäude notdürftig instand gesetzt. Doch der Bäderbetrieb blieb vorerst eingeschränkt.
Stadtbad Lichtenberg: Angestellte verhinderten Rote-Armee-Kartoffellager
Nach Kriegsende war Lichtenberg Teil der sowjetischen Besatzungszone geworden und gehörte später, nach der Gründung der DDR, zur ostdeutschen Hauptstadt. Die Schwimmhallen in Lichtenberg lagen brach, da die Alliierten als Reaktion auf die NS-nahen Sportverbände jede Form organisierten Volkssports verboten hatten. Ein regulärer Schwimmbetrieb war auch deswegen nicht möglich, weil die Versorgung mit Warmwasser nicht ausreichend gesichert war. Ein Lichtblick: Noch 1945 ließ die sowjetische Militäradministration eine notdürftige Nutzung der Wannen- und Brauseabteilung im Stadtbad Lichtenberg zu.
Zwischenzeitlich sollte gar die kleine Halle als Kartoffellager für die Rote Armee dienen. Ein Vorhaben, das nur durch den persönlichen Einsatz des damaligen Badepersonals verhindert werden konnte. Ab 1948 öffneten sich die Tore des Stadtbades wieder für die Öffentlichkeit und die Sowjets ließen die Gründung von Betriebssportgemeinschaften (BSG) zu. Die BSG „Medizin Lichtenberg“ gründete sich, deren Schwimmsektion das Stadtbad Lichtenberg als Trainings- und Wettkampfstätte nutzte.
Stadtbad Lichtenberg: Nutzung des Volksbads in der DDR-Zeit
In der DDR erlernten Tausende Schülerinnen und Schüler aus Lichtenberg, Friedrichshain und Köpenick in den beiden Hallen des Stadtbades das Schwimmen. Weitere Vereine wie der Sportclub Dynamo trainierten hier, Rettungsschwimmer wurden ausgebildet, auch Wettkämpfe fanden regelmäßig in den Hallen statt. In den 1950er-Jahren gab es in den Ostberliner Stadtbezirken nur wenige weitere nutzbare Schwimmhallen: in Prenzlauer Berg das Stadtbad Oderberger Straße, das in den 1990er-Jahren abgerissene Friesenstadion in Friedrichshain und das Stadtbad Mitte in der Gartenstraße.
Um das ehemalige Herrenbecken in Lichtenberg wettkampftauglich zu machen, wurden die Zugangstreppen in das Bassin abgedeckt, die Trennkette zwischen Nichtschwimmer- und Schwimmerbereich ausgehakt und der Wasserstand erhöht. Athleten aus den Schwimmdisziplinen, dem Turmspringer und Wasserballer nutzten das Bad als Trainingsstätte. Außerdem wurden die Becken ausgiebig für die schulische Schwimmausbildung in Anspruch genommen. Aus dieser Zeit dürfte der expressionistische Bau, seine Wasserbecken und Sprungtürme, vielen Berlinern noch lebhaft in Erinnerung geblieben sein, die in den notorisch schlecht beheizten Hallen erlernten, sich über Wasser zu halten, zusammen mit anderen die Sprungtürme erklommen und das Bergen unter Wasser trainierten.
Stadtbad Lichtenberg: Sanierungsstau und erste Schließungen in den 80ern
Seit den 1970er-Jahren erhielt das liebevoll auch „Hupe“ genannte Stadtbad Konkurrenz. Als mit dem Wohnungsbauprogramm der DDR ganze Plattenbausiedlungen in den östlichen Stadtbezirken aus dem Boden schossen und in diesem Zuge auch neue lichtdurchflutete Schwimmhallen entstanden, verlor das Hubertusbad seine Bedeutung. Dringend gebotene Instandsetzungsarbeiten wurden nicht mehr ausgeführt – ein Umstand, der gleichzeitig dazu führte, dass bis heute viel der originalen Bausubstanz, der Ausstattung und Atmosphäre früherer Tage im Inneren erhalten blieb.
An dem Bauwerk zeigten sich unterdessen nun Baumängel, die seit der Entstehungszeit vorhanden waren und sich mit ausbleibenden Reparaturen immer gravierender bemerkbar machten. 1988 musste wegen auftretender Probleme an der Lüftung die große Halle dauerhaft geschlossen werden. Die Ursache: Ein Defekt an der Wasseraufbereitungs- und Heizungsanlage, der sich nicht mehr mit Ausbesserungsarbeiten beheben ließ. Als nach der Wiedervereinigung 1991 auch noch eine Havarie in der Hauptwasserzuführung auftrat, musste auch die kleine Halle und alle weiteren Badeeinrichtungen schließen.
Stadtbad Lichtenberg: Nach der Wende wurde das Bad zum Lost Place

Seitdem teilt das Schwimmbad das Schicksal zahlloser Nachwende-Lost-Places in Berlin. Mangels überzeugender Nutzungskonzepte, fehlendem Geld und Interesse seitens Investoren fiel das expressionistische Lichtenberger Schmuckstück in einen jahrzehntelangen Dornröschenschlaf. Die Eingänge wurden zugemauert, die Fenster verbarrikadiert und das Gelände mit einem Bauzaun abgesperrt. Nur die kleine Halle wurde noch eine Zeitlang als Stauraum zweckentfremdet
Seither stand das Gebäude, das wie kaum ein anderes Altberliner Badekultur repräsentierte, leer. Sanierungsstau, Vandalismus und eine unsichere Nutzungsperspektive prägten das Bild. Nachdem die letzten Gäste in den 90er-Jahren den einstigen Badetempel verlassen hatten, herrschte mit einem Mal geisterhafte Stille an einem Ort, der mehr als sechzig Jahre lang die Berliner als Stadtbad begleitet hatte und in dessen Hallen sich seit Ende der 20er-Jahre das Stimmgewirr der Gäste mit der Geräuschkulisse des Badetriebs gemischt hatte. Im Inneren begann das Bad mit der Zeit deutliche Spuren des Verfalls und der Vernachlässigung zu zeigen. Von den Wänden blätterte der Putz, Rost fraß sich durch die Gebäudetechnik und Schichten von Staub und Dreck überdeckte die Bodenflächen und sammelten sich in den leerstehenden Wasserbassins.
In den Lichthöfen rankten wildwuchernde Pflanzen die Mauern des Stadtbades empor und verwandelten die einstigen Liegewiesen in ein dichtbewuchertes Paradies für Bienen und Insekten. Über die vielen Schilder im Inneren, die vergebens einer ausbleibenden Besucherschaft den Weg wiesen und dem entvölkerten Stadtbad eine gespenstische Kulisse verliehen, legte sich eine Schicht Patina. Fliesen und Fensterscheiben wurden teilweise zerschlagen, doch vom gröbsten Vandalismus blieb das wie eine Krypta versiegelte Hallenbad verschont. Stattdessen zeugten noch Jahre nach der Stilllegung zurückgebliebene Badeutensilien von der einstigen Nutzung und glanzvolleren Zeiten in Lichtenbergs fast vergessenem Badetempel. Im Spannungsfeld zwischen einstiger Pracht und heutigem Verfall wurde das stillgelegte Stadtbad zu einem Eldorado für Jäger verlorener Orte in Berlin, die der morbide Charme moderner Stadtruinen zu Entdeckungslust antreibt.
Stadtbad Lichtenberg: Verlassen und verfallen, aber nicht vergessen
Seit der Stilllegung des Gebäudes in den 1990er-Jahren gab es immer wieder Versuche, neue Nutzungskonzepte für das verlassene Hubertusbad zu finden. Verschiedene Initiativen und auch der zeitweilig gebildete Förderverein „Hupe e. V.“ kämpften erfolglos für die Sanierung. Das kommunale Stadtbad im Besitz der Stadt Berlin wurde seit 2001 vom Liegenschaftsfond und seit 2016 von der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) verwaltet.
2006 wurden Konzepte erarbeitet, das Hubertusbad für sechs Millionen Euro zum Gesundheitszentrum umzubauen: Arztpraxen, Sporttherapieeinrichtungen und alternative Therapiestätten waren im Gespräch. Auch die Nutzung als türkisches Bad wurde diskutiert. Doch die Pläne scheiterten ebenso wie alle späteren Versuche, langfristig Investoren für die sanierungsbedürftige und unter Denkmalschutz stehende Immobilie zu finden. Gelegentlich wurde der Lost Place als Drehort für Filmaufnahmen genutzt – so diente das Bad als Kulisse für einen Untergrundclub in Dennis Gansels Vampirfilm „Wir sind die Nacht“ mit Nina Hoss und Karoline Herfurth aus dem Jahr 2010 (Zeitstempel: 00:15:00 bis 00:19:40 und 00:23:30 bis 00:25:21).
Stadtbad Lichtenberg: Erste Sanierungsarbeiten Ende der 2010er-Jahre

2016 ließ der Senat nach Bürgerprotesten eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben, um die Möglichkeiten der Nachnutzung des Stadtbades zu prüfen, das zu diesem Zeitpunkt ein Vierteljahrhundert lang auf dem Trockenen lag. Eine Wiederaufnahme des Badebetriebes wurde wegen der hohen Investitionskosten und der Unwirtschaftlichkeit des laufenden Betriebes ausgeschlossen. Stattdessen plant die BIM das Stadtbad Lichtenberg zum Veranstaltungsort und Begegnungszentrum im Kiez auszubauen.
Nachdem es Jahrzehnte lang leer stand, wurde das Stadtbad zwischen 2018 und 2021 von Schadstoffen befreit und in Teilen saniert, um es wieder der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Mehrere Tonnen Bauschutt wurden entfernt sowie Elektroanschlüsse und Sanitäranlagen im östlichen Gebäudeteil erneuert. Die ehemalige Frauenschwimmhalle, über deren Becken ein Holzboden gezogen wurde, kann für Tagungen, Hochzeiten oder andere Veranstaltungen gemietet werden.
Stadtbad Lichtenberg: Neustart verzögert sich durch Berlins Haushaltslage

Seit 2024 wurden die renovierten Teile des Stadtbades auch als Ausstellungsräume genutzt: „Stadtbad RELOADED“ heißt die Ausstellung, bei der die Video-Animationen überall im Bad an den Wänden hängen. Im verwinkelten Gelände lassen sich ungewöhnliche Räume – alte Duschen, Einzelumkleiden oder Schwimmbecken – entdecken. Noch immer befinden sich große Teile der Anlage in einem seit Jahrzehnten unberührten Zustand.
Die Planungen für den zweiten Bauabschnitt, bei dem unter anderem die Gebäudehülle denkmalgerecht saniert und das ehemalige Herrenschwimmbad hergerichtet werden soll, wurden zuletzt verschoben. Eine vollständige Renovierung des Bades kostet laut jüngster Schätzungen der BIM (Stand: 2024) rund 36,5 Millionen Euro. Eine Finanzierung ist aufgrund der aktuellen Haushaltslage nicht in Sicht. Ein Zustand, der sich wie ein roter Faden durch die Historie des bedeutenden Baudenkmals der Weimarer Republik zieht.
Im April 2024 hat die BIM im Auftrag des Berliner Senats ein Bieterverfahren zur Vergabe eines 60-jährigen Erbbaurechts für das ehemalige Stadtbad gestartet. Ziel ist es, die Sanierung des Gebäudes im Sinne des Denkmalschutzes fortzuführen und zugleich eine Nutzung zu etablieren, die kulturelle, soziale und medizinisch-therapeutische Aspekte vereint. Interessenten finden auf der BIM-Internetseite weitere Informationen, ein Exposé und eine 360°-Tour zum Hubertusbad.



