Meterdicke Betonwände, gefilterte Luft und kein Tageslicht: An der Zwieseler Straße verrottet ein stummes Zeugnis des Krieges zu einer bizarren Ruine. Errichtet im Zweiten Weltkrieg sollte der Hochbunker Karlshorst Soldaten und Zivilisten Schutz vor alliierten Bomberangriffen bieten.
Nach dem Krieg lag das betonschwere Erbe der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in der sowjetischen Sperrzone „Karlowka“, in der Russland die zweitgrößte KGB-Zentrale nach Moskau errichten ließ. Der Bunker war bereits zu DDR-Zeiten kaum mehr als ein Kuriosum, nach der Wiedervereinigung wurde auch die zwischenzeitliche Verwendung als Lagerraum aufgegeben. Alle Infos zu dem Lost Place.
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Das sind die Fakten zum Hochbunker Karlshorst im Überblick:
- Adresse: Zwieseler Straße 80, 10318 Berlin-Karlshorst
- Geschichte: Anfang der 1940er-Jahren als Zivilschutzbunker nahe der Festungspionierschule der Wehrmacht für den Schutz von Wehrmachtsangehörigen und der umliegenden Zivilbevölkerung vor Bombenangriffen errichtet; nach Kriegsende von der sowjetischen Militäradministration und später der DDR-Regierung als Lager- und Kühlhaus genutzt; seit 1994 Leerstand und Verfall
- Bunkertyp: Hochbunker Typ M500 mit einer Kapazität für 500 Schutzsuchende
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09040111
- Status: Lost Place
Wo liegt der Hochbunker Karlshorst genau?
Der Hochbunker Berlin-Karlshorst liegt an der Adresse Zwieseler Straße 80 im Ortsteil Karlshorst des Bezirks Lichtenberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: FGRR+H2Q Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Bunker am besten mit der Buslinien 296 (Haltestelle Rheinpfalzallee) zu erreichen. Von der Busstation benötigt man rund 3 Minuten zu Fuß entlang der Zwieseler Straße bis zu dem Baudenkmal. Achtung: Die Zugänge zum Bunker sind versiegelt und das Betreten nicht erlaubt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Hochbunkers Karlshorst:
Ausgangslage: Luftschutz-Sofortprogramm für Berlin im Zweiten Weltkrieg

Als 1940 Luftangriffe der Alliierten erstmals die Reichshauptstadt trafen, reagierte die NS-Führung nervös. Hektisch wurde ein Bunkerbau-Sofortprogramm aufgelegt. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer geleiteten Behörde – entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten: Militär-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.
Berlin wurde mit einem Netz von Schutzbauten überzogen – in der Innenstadt, aber auch in den grünen Außenbezirken. Im Südwesten entstand der Bunker Heckeshorn auf der Wannsee-Insel, Hochbunker wie an der Eiswaldstraße und Sonderanfertigungen wie der als Wohnhaus getarnte Bunker Eiderstedter Weg. Im Südosten war einer der größten Anlagen der Hochbunker Karlshorst, ein für bis zu 500 Schutzsuchende konzipierter Betongigant, der Anfang der 1940er-Jahre nahe der militärischen Pionierschule I an der Zwieseler Straße errichtet wurde.
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Hochbunker Berlin-Karlshorst: Schutz für Militärschüler und Zivilisten

Im Zuge der unverhohlenen und nach 1933 in die Tat umgesetzten Aufrüstungspläne der Nationalsozialisten, die den kommenden Angriffskrieg vorbereiteten, entstand in Karlshorst ab 1936 die „Pionierlehranstalt für Offiziere der Wehrmacht“ – auch „Pionierschule I“ und ab 1942 „Festungspionierschule“ genannt. Die Festungspioniere waren zuvor in Bayern angesiedelt, zogen aber auf Wunsch der NS-Regierung mit ihren Familien in die Reichshauptstadt, wo sie das für sie errichtete Kasernen-Hochschul-Areal an der Zwieseler Straße bezogen – samt Sportplatz, Schwimmhalle, Reithalle, Reitbahn und Kraftfahrzeughallen, dazu Kasernen für Schüler und Lehrer
In der Umgebung entstanden zeitgleich Wohnsiedlungen mit Einfamilienhäuser für die Angehörigen der Wehrmachtseinheiten. Die neu gezogenen Straßen in diesem Baugebiet erhielten Namen aus der Heimat der bayerischen Offiziere. Zwiesel, Arber und Bodenmais – alles Topographie und Ortschaften im Bayerischen Wald. Anfang der 1940er-Jahre wurde das Areal der Pionierschule um einen nahegelegenen Bunker ergänzt. Er sollte als Zivilschutzbunker dem Schutz der Angehörigen der stationierten Militärs und der anwohnenden Zivilbevölkerung dienen.
Hochbunker Berlin-Karlshorst: Vier Zwillingsbauten stehen noch in Berlin
Der im Auftrag des Deutschen Reichs gebaute Bunker gehörte zur „zweiten Welle“ der während des Bunker-Sofortprogramms ab 1940/1941 in Berlin errichteten Schutzbauten. Anfang April 1941 hatten die NS-Planer entschieden, aus Gründen der Effizienz weniger Tiefbunker und eingeschossige Flachbunker zu erbauen und stattdessen bevorzugt dreigeschossige Hochbunker zu errichten, bei denen man ein besseres Verhältnis von Nutzfläche zu benötigter Bunkertechnik erzielte und Material für die Ummantelung sparte.
Die offizielle Bezeichnung „Bunker Typ M500“ stand für „Schutzbau für 500 Personen“. Neben dem Bunker in Karlshorst sind in Berlin vier baugleiche Betonkolosse dieses Typs erhalten geblieben: in Lankwitz, Tempelhof und zwei in Reinickendorf. Während des Zweiten Weltkriegs waren insgesamt 24 Hochbunkeranlagen des Typs M500 in Berlin realisiert worden. Zu ihrer Errichtung wurden Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene eingesetzt. Die meisten dieser Militärbauten wurden nach Kriegsende gesprengt, abgetragen oder verschüttet.
Hochbunker Berlin-Karlshorst: So war der Bunker aufgebaut

Der massive dreigeschossige Stahlbetonbau wurde auf einem gut 2500 Quadratmeter großen Grundstück an der Zwieseler Straße 80 errichtet. Der Grundriss des Bunkers wies eine Grundfläche von knapp 750 Quadratmetern auf. An der 19,30 Meter langen Front und an der Rückseite befanden sich ebenerdig Bunkerzugänge mit überkragenden Rundbögen. Die Querseite des Gebäudes wies eine Länge von 37 Metern auf. Die Nutzfläche von 1468 Quadratmetern verteilte sich auf drei Ebenen. Das Dachgeschoss war nicht ausgebaut und das Gebäude nicht unterkellert.
Der Bunker war als sogenannter Schlafbunker konzipiert. Im Inneren befanden sich auf jeder Etage 32 Kabinen, die von vier bis acht Personen belegt werden konnten. Die Kammern hatten unterschiedliche Größen: Sie waren 2,50 Meter tief bei einer Breite zwischen 1,50 und 3 Metern und Familien mit Berechtigungsschein vorbehalten, der von NS-Vertrauensleuten ausgegeben wurde. Die Kabinen waren jeweils mit zwei dreistöckigen Betten ausgestattet. Durch einen Vorraum, der als Gasschleuse diente, erreichte man hinter den Eingängen je ein Treppenhaus und zwei lange Korridore.
Hochbunker Berlin-Karlshorst: Geziegeltes Beton-Walmdach als Tarnung
Der Bunker war gas- und bombensicher gebaut. Im Erdgeschoss befanden sich Räume für den Bunkerwart und das Luftschutzpersonal, Räume für die Technik, eine Küche, eine Filterventilationsanlage, Heizungsanlagen, Waschräume und Toiletten, zwei Hallen mit Sitzplätzen sowie – wie auf allen anderen Ebenen auch – die Kabinen für die Schutzsuchenden. Die Fassaden waren umlaufend verputzt und wiesen schlitzförmige Belüftungen auf. Ihre Wandstärke betrug zwischen 1,10 Meter im zweiten Obergeschoss und 1,60 Meter am Sockel des Gebäudes.
Zur Tarnung wurde der Bunker mit einem Walmdach versehen. Die aus einer dünnen Stahlbetondecke gefertigte Dachkonstruktion war zudem mit Ziegeln eingedeckt, um feindlichen Flugzeugen ein gewöhnliches Wohnhaus vorzutäuschen. Außerdem sollte sich der Schutzbau mit dem Aufgreifen klassischer Architekturmotive wie einem unterhalb der Traufkante verlaufenden Konsolenfries besser in die Bebauung der Nachbarschaft einfügen.
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Hochbunker Berlin-Karlshorst: Bombennächte unter schützendem Stahlbeton

Bei Luftalarm liefen Mütter mit ihren Kindern und Kinderwagen zu dem Bunker, in dessen schützenden Wänden ihnen – sofern sie einen Berechtigungsschein hatten und sie den Bunker rechtzeitig erreichten – reservierte Schlafräume zur Verfügung standen. Der Einlass wurde durch Luftschutzpersonal geregelt. Für die älteren Anwohner oder auch zufällig Schutz suchenden Passanten gab es größere Räume mit Holzbänken.
Die damals junge Gerda Janisch erinnerte sich Jahre später daran, dass wer nach Alarm nicht rechtzeitig die zumeist überfüllte Bunkeranlage an der Zwieseler Straße erreichte, vor verschlossenen Türen stand: „Oft kam es vor, daß bereits auf dem Weg die ersten Aufklärer am Himmel auftauchten und die ersten ‚Christbäume‘ abgeworfen wurden.“ Dabei handelte es sich um Leuchtbomben an Fallschirmen, die von den alliierten Bomberverbänden abgeworfen das Gefechtsumfeld taghell beleuchteten und ein Indiz für den baldigen Bombensturm waren.
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Hochbunker Berlin-Karlshorst: Im Frühjahr 1945 begann die Schlacht um Berlin

„Wir beeilten uns auch deshalb, weil die Bunkertür unwiderruflich geschlossen wurde, wenn alle Plätze besetzt waren“, erinnerte sich Gerda Janisch weiter: „Im Unterschied zu vielen anderen, die plötzlich vor verschlossener Tür standen, konnten wir immer unsere Kabine parterre im Seiteneingang belegen.“* Der Hochbunker in Karlshorst erhielt im Zweiten Weltkrieg keinen direkten Treffer – rettete aber mutmaßlich unzähligen Anwohnern das Leben, die sich während der ab 1943 verstärkten Angriffe aus der Luft in den stahlbetonbewehrten Schutzbau flüchten konnten.
Die Berliner hatten bald ihre eigenen Namen für die zerstörten Bezirke: Lichterfelde wurde im Volksmund zu „Trichterfelde“, Steglitz zu „Stehtnix“ und Charlottenburg zu „Klamottenburg“. Das Wettrennen Beton gegen Bomben war nicht zu gewinnen. Allein in Karlshorst wurden in den Kriegsjahren fast eintausend Wohngebäude durch Bombeneinschläge entweder zerstört oder schwer beschädigt. Am 21. April 1945 stellten die Briten und Amerikaner ihre Luftangriffe auf Berlin ein, um die Bodenoffensive der Roten Armee zu ermöglichen, der eigene Bombardements aus der Luft und Artillerieschläge vorausgingen.
Hochbunker Berlin-Karlshorst: Die Rote Armee umschloss die Reichshauptstadt
Im April 1945 näherten sich in der Schlacht um Berlin sowjetische Verbände der Stadtmitte. Vom Norden drang Marschall Georgi Schukow (1896–1974) mit den Verbänden der 1. Weißrussischen Front von Marzahn aus in Richtung Innenstadt vor. Am 23. April 1945 wurde die Pionierschule in Karlshorst von einem vorstoßenden sowjetischen Bataillon besetzt. In dem weitgehend unversehrten Militärkomplex errichtete die Rote Armee unter Generaloberst Nikolai Bersarin (1904–1945) – dem ersten Stadtkommandanten Berlins – ihr Hauptquartier.
Von hier aus wurde die Befreiung des noch bis Anfang Mai 1945 von Einheiten der Wehrmacht, des Volkssturms und der Hitlerjugend besetzten Stadtzentrums koordiniert. Kaum 600 Meter vom Hochbunker entfernt, im ehemaligen Offizierskasino der Pionierschule, unterschrieben in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die letzten Befehlshaber der Wehrmacht Keitel & Co. die bedingungslose Kapitulation, womit der Zweite Weltkrieg in Europa endete.
Die im Zweiten Weltkrieg kaum beschädigte Pionierschule wurde nach Kriegsende nicht nur als Dienstsitz des sowjetischen Stadtkommandanten ausgewählt, sondern war auch neben dem Ex-Reichsluftfahrtministerium in der Wilhelmstraße Standort der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Rund um die Pionierschule entstand das riesige Sperrgebiet „Karlowka“ – oder auch „Klein-Moskau“ wie die Berliner es nannten. Der Hochbunker in der Zwieseler Straße wurde im Gegensatz zu den meisten Bunkern in der ehemaligen Reichshauptstadt nicht gesprengt, stattdessen nutzten die Sowjets den Bau als überdimensionierte Vorratskammer.
Hochbunker Berlin-Karlshorst: Sowjets nutzen den Bunker-Riesen als Depot
Der graue Beton-Koloss wurde seit 1945 als Lager- und Kühlhaus der Roten Armee genutzt. In seinem Inneren zeugen heute noch eine Vielzahl an Zeichen, Graffiti und Schilder in kyrillischer Schrift, die in den labyrinthischen Gängen die Beschriftungen des Bunkers aus der Nazizeit ergänzten, an die Nutzungsphase durch Soldaten des sowjetischen Wachbataillons. „Nicht drängen“ im Treppenhaus und „Ruhe bewahren“ stand jetzt neben den Aufschriften „мастерская“ (Werkstatt) und „Нет Курит“ (Rauchen verboten).
In dem Bunker wurden Ausrüstungsgegenstände, Bekleidung und Lebensmittel gelagert. Eine Verwendung als Munitionslager, wie bisweilen vermutet, ist für den Bunker nicht nachgewiesen. Die ehemalige Festungspionierschule wurde von 1945 bis Anfang der 1990er-Jahre als Militärobjekt 9 von den sowjetischen Streitkräften in Deutschland genutzt. Auf dem Gelände befanden sich eine Kommandantur, ein Hörsaalgebäude – hier wurde die größte KGB-Zentrale außerhalb von Russland eingerichtet – ein Unteroffizierskasino, eine Sport- und Schwimmhalle sowie diverse Unterkunfts- und Kasernengebäude.
Hochbunker Berlin-Karlshorst: Wachablösungen im nahegelegenen Militärobjekt 9

Auf dem Areal der ehemaligen Pionierschule in Karlshorst war von 1945 bis 1963 das 133. Wachbataillon der SMAD stationiert. Die Soldaten bewachten die Gebäude des Zentralen Apparates der SMAD in Karlshorst und in Köpenick-Wendenschloß und ab 1947 im Wechsel mit anderen alliierten Verbänden auch das Kriegsverbrechergefängnis in Spandau.
Nachdem aus dem Wachbataillon in den 1960er-Jahren ein motorisiertes Schützenbataillon geworden war und dieses 1967 in einen Kasernenkomplex an der Treskowallee verlegt wurde, zog das „10. selbst. Panzerbataillon“ – eine Einheit mit fünf Panzerkompagnien á zehn Panzern des Typs T54 – in die freigewordene Anlage in Karlshorst. Im April 1985 wurde es als 3. Panzerbataillon in das 215. Garde-Panzerregiment übernommen, welches im Mai 1989 aus Deutschland abgezogen wurden. Nach der Wiedervereinigung wurde das Militärobjekt 9 samt Hochbunker am 30. April 1992 übergeben. Die letzten russischen Soldaten wurden 1994 aus Deutschland verabschiedet.
Hochbunker Berlin-Karlshorst: Nach der Wende wurde der Bunker zum Lost Place
Während der jahrzehntelangen Nutzung nach dem Krieg durch die Rote Armee erfuhr der Hochbunker an der Zwieseler Straße kleinere bauliche Veränderungen: der Raumschnitt wurde verändert, neue Wände eingezogen, ein Treppenhaus zugemauert. Die Umbaumaßnahmen im Inneren hielten sich aber in Grenzen, noch immer sind die meisten der Luftschutzkammern mehr oder minder im Originalzustand erhalten.
Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen erfuhr der Bunker keine Verwendung mehr und fiel in einen Jahrzehnte lang andauernden Dornröschenschlaf, der bis heute anhält. Im dunklen Inneren fraß sich allmählich der Rost durch alte Bunkertechnik, von den Wänden bröckelte der Putz und am Boden sammelten sich immer neue Lagen von Staub und Dreck.
Der stillgelegte Bunker fristete ein Schattendasein. Immerhin: die Außenwände fanden noch Beachtung – wenn auch meist nur als willkommene innerstädtische Fläche für Graffiti-Künstler, die sich hier verewigten. Dass auch das Innere noch betreten wurde, bezeugten gesprühte Schriftzüge jüngeren Datums vom Erdgeschoss bis zur kaum begehbaren Dachkammer. Entdecker konnten in dem Hochbunker noch zurückgelassene Überbleibsel aus der Zeit der sowjetischen Nutzung finden: Wandplakate, Flugblätter, Regale und Wandkonsolen und Stapel von Uniformen und Bekleidungsstücke, die im Bunker langsam zu einer amorphen Masse vermoderten.
Hochbunker Berlin-Karlshorst: Das sind die Pläne für den Betonkoloss

Der Hochbunker war 2006 das letzte Mal bei einer Begehung der Öffentlichkeit zugänglich. Danach wurden alle größeren Öffnungen zugemauert und die Zugangstüren an beiden Bunkerfronten verschweißt. Der Zivilschutzbunker, dessen verfallene Fassaden wie ein Anachronismus inmitten eines beschaulichen Neubauquartiers zwischen Parzellen von Stadtvillen, Ein- und Mehrfamilienhäusern in Karlshorst aufragt, steht unter Denkmalschutz – samt den erhaltenen Schutzkammern im Inneren.
Ideen für eine Nutzung des Betonkolosses gibt es seit seiner endgültigen Stilllegung in den 1990er-Jahren viele: So war der Bunker unter anderem als Ausstellungsraum für Kunst im Gespräch und auch ein Umbau zu einer Jugendeinrichtung mit Diskothek. Es gab sogar Pläne, ihn für die Zucht von Champignons, als zusätzlicher Kellerraum für die Häuser der umliegenden Gartenstadt, als Erweiterung des Museums Karlshorst oder als Kletteranlage umzufunktionieren. Für ein Event wurden die Außenfassaden mit Boulder-Elementen bestückt und zu einer Freizeitattraktion für Kletterer – doch eine längerfristige Nachnutzung steht für das Objekt aus.
Der Bunker wurde von der Stadt Berlin an einen privaten Investor verkauft. Seit 2014 befand er sich im Eigentum der AEdicula Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH, ab 2017 war er im Besitz der WPK Grundstücksentwicklungsgesellschaft mbH. Aus dem Bezirksamt Lichtenberg hieß es 2017, dass der Grundstückseigentümer die Absicht habe, „eine mit der Wohnnutzung vereinbare, denkmalgerechte und wirtschaftlich darstellbare Nutzung zu finden.“ Eilig war das offenbar nicht – bis heute steht der Hochbunker an der Zwieseler Straße leer. Statt Baugerüsten oder Kletterern sehen Passanten wildwuchernde Pflanzen seine Fassaden emporranken.
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*Janisch, Gerda: Auf dem Dach des Bunkers wehte die Hakenkreuzfahne (Zeitzeugenbericht), in: Wie Silberfische flimmerten Bomber am Himmel – Erinnerungen an das Inferno des Krieges in Berlin-Lichtenberg, hrsg. vom Heimatmuseum Lichtenberg (Edition Berliner Unterwelten 1), Berlin 2003, S. 43–45.



