Für die Berliner Elektrizitätswirtschaft hat Rummelsburg noch immer eine herausragende Bedeutung, neue Investitionen sind geplant. Während sich der nördliche Teil bereits zu einer attraktiven Wohnlage am Wasser gemausert hat, liegen andere Gebäude und Grundstücke zum Teil seit Jahrzehnten in einem tiefen Dornröschenschlaf und warten auf ihre Revitalisierung.

Am Blockdammweg ragt ein schlanker, rätselhafter Turm dutzende Meter hoch in den Berliner Himmel. Es ist eines der letzten architektonischen Relikte auf dem Gelände des ehemaligen Lichtenberger Gaswerks, das fast 80 Jahre lang half, die Versorgung Berlins aufrechtzuerhalten. Einhundert Jahre nach seiner Erbauung versorgt sein Reservoir zwar nicht mehr das Gaswerk Lichtenberg mit Kühlwasser, dafür prägt seine charakteristische Silhouette weit sichtbar das Areal am Spreeufer südlich des Bahnhofs Lichtenberg. Alle Infos zu dem Lost Place.

Das sind die Fakten zum Wasserturm am Blockdammweg im Überblick:

  • Adresse: Blockdammweg 3/27, 10318 Berlin-Rummelsburg
  • Geschichte: Zwischen 1928 und 1929 nach Entwürfen des Architekten Bruno Schneidereit im Auftrag der Berliner Städtischen Gaswerke auf dem Betriebsgelände des 1913/1914 in Betrieb genommenen Gaswerks Lichtenberg II errichtet; am 30. September 1985 wurde das Gaswerk stillgelegt, die meisten Betriebsgebäude abgerissen; seitdem Leerstand und Verfall
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09095341
  • Status: Lost Place

Wo liegt der Wasserturm Blockdammweg genau?

Der Wasserturm Blockdammweg liegt an der Adresse Blockdammweg 3/27 im Ortsteil Rummelsburg des Bezirks Lichtenberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: FGM3+G2 Berlin. Das Grundstück kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten mit der Tramlinie 21 (Haltestelle Köpenicker Chaussee/Blockdammweg) erreicht werden. Von der Tramstation aus ist das Gebäude am Blockdammweg bereits zu sehen. Achtung: Es handelt sich um Privatbesitz. Unbefugten ist das Betreten nicht erlaubt. Auch interessant: „Lost Places“: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Wasserturms Blockdammweg:

Ausgangslage: Briten lassen Berlin erstrahlen – mit veredeltem Gas und Koks

Gas-Erleuchtungsanstalt in Berlin, 1832
Die 1825 von den Briten in Berlin erbaute Gas-Erleuchtungs-Anstalt zwischen Gitschiner Straße und Landwehrkanal (Kreuzberg). Stahlstich nach einer Zeichnung von Hintze 1832.© picture alliance / SZ Photo | Scherl

Die Geschichte des Wasserturms am Blockdammweg begann gut 100 Jahre vor seiner Erbauung, als in Berlin Unter den Linden die ersten Gaslaternen zu leuchten begannen, und das Dämmerlicht der Öllampen, mit denen die Spreemetropole zuvor beleuchtet wurde, verdrängten. 1825 hatten britische Experten der „Imperial Continental Gas Association“ den Auftrag erhalten, in ausgewählten Straßenzügen Berlins ein Gasrohnetz aufzubauen. Ein Jahr später nahm an der Gitschiner Straße in Kreuzberg das erste Stadtgaswerk der Stadt seinen Betrieb auf – eine Erfolgsgeschichte.

Das Verfahren, Leuchtgas durch Entgasung von Steinkohle unter Luftabschluss in ursprünglich von außen mit Kohle oder Koks beheizten eisernen Gefäßen, so genannten Retorten, zu gewinnen, war in England im 18. Jahrhunderts entwickelt worden – mit weitreichenden Konsequenzen: im Schein der gasbetriebenen Fabriklampen wurden bald auch in Berlin die Hochöfen der industriellen Revolution befeuert, Nachtschichten eingeführt, und mit dem gesteigerten Bedarf neue Gaswerke gebaut, die eine Schicht von Ruß und Staub über die Stadt legten. Im Jahr 1842 beschloss der Magistrat von Berlin aus Kostengründen und weil man sich mit den Briten überworfen hatte, den Aufbau eigener Gaserzeugerstätten, die fünf Jahre später, mit der Gründung des Gasag-Vorgängerunternehmens, ihren Betrieb aufnahmen.

Wasserturm Blockdammweg: Gaswerk Lichtenberg vor Erstem Weltkrieg eröffnet

Strassenlaterne in Berlin / Foto um 1990 - Street lamp in Berlin / Photo c.1990 - Reverbere a Berlin / Photo vers 1990
Ein Stück immer noch lebendiger Geschichte: Berlins Gaslaternen, die seit dem 19. Jahrhundert die Öllampen in der Stadt ersetzten © picture-alliance / akg-images / L. M. Peter | / L. M. Peter

Brenngas wurde unverzichtbar: nicht nur um die trübselige öffentliche Beleuchtung der Straßen zu verbessern. Neben der industriellen Bedeutung verbesserten die Veredlungsprodukte Gas und Koks den Lebensstandard der Berliner Bevölkerung erheblich, mit Gasheizungen – nachdem 1857 der Berliner Ingenieur und Fabrikant Richard Wilhelm Elsner im alten Berliner Dom den ersten abzugslosen Gasofen Berlins entflammt hatte – und mit Gasherden, mit denen ab Ende des 19. Jahrhunderts in ersten Berliner Privathaushalten gekocht wurde. Der Bedarf an Stadtgas wuchs rasant; und mit ihm die Zahl an Gaswerken in Berlin und seiner Umgebung.

Zu einem der wichtigsten für die Stadt entwickelte sich das 1913 bis 1914 am Blockdammweg erbaute Gaswerk, nachdem Lichtenberg mit dem Groß-Berlin-Gesetz 1920 eingemeindet und das Werk von der Gasag übernommen worden war. Das Areal rund um die Rummelsburger Bucht hatte sich seit der Errichtung des Bahnhofs Stralau–Rummelsburg, dem späteren Bahnhof Ostkreuz, zu einer wichtigen Industrie- und Energielandschaft an der Spree entwickelt. Mitte der 1920er-Jahre galt die aus Berlin kommende Hauptstraße als Berlins „Straße der Arbeit“, in der morgens und abends Kolonnen von Arbeiterinnen und Arbeitern zwischen dem Bahnhof und den Fabriken pendelten, die sich rund um das Energiezentrum, das Gaswerk und das 1925 erbaute Kraftwerk Klingenberg angesiedelt hatten.

Wasserturm Blockdammweg: Nach 1920 übernahm die Gasag die Anlage

Berlin, Deutschland, Wohnanlage am ehemaligen Gaswerk in der Koepenicker Chaussee
Ansicht der Gaswerksiedlung am ehemaligen Gaswerk in der Köpenicker Chaussee in Berlin-Rummelsburg, Foto 2014.© picture alliance / Caro | Muhs

Das von der Gemeinde Friedrichsfelde errichtete Gaswerk am Blockdammweg nahm 1914 den Betrieb auf – zuvor hatte sich auf dem Areal die Kleemann‘sche Eiswerk befunden – und wurde nach der Übernahme durch die Gasag stark erweitert. Auf dem Areal am Blockdammweg 3–27 südlich des Stichkanals entstanden Anlagen, die in den 1930er-Jahren zur Gaskokerei Rummelsburg ausgebaut wurden, dem Gaswerk Lichterfelde II, in der aus der angelieferten Kohle Stadtgas und der poröse Brennstoff Koks hergestellt wurde. Mehrere Hundert Tonnen Steinkohle wanderten täglich in die Ofenkammern, in denen Temperaturen von mehr als 1200 Grad herrschten. Fast einen Tag dauerte der komplizierte chemische Umwandlungsprozess.

Die Dimensionen der Anlage waren gigantisch; fast 140.000 Quadratmeter Betriebsfläche. Von ihren einstigen Ausmaßen gibt heute noch die Gaswerksiedlung eine Vorstellung, die sich 250 Meter lang an der Köpenicker Chaussee erstreckt – ein Bauensemble von dreigeschossigen Backsteinbauten, die die Gasag im hanseatischen Baustil als sozialen Wohnraum für Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Gaswerks Lichtenberg ab 1925 errichten ließ. Die Gefahren bei der täglichen Arbeit in dem Werk waren für heutige Verhältnisse kaum vorstellbar; nicht nur bei Havarien – so donnerte beispielsweise am 30. Dezember 1925 ein lauter Knall über das Werksgelände. Bei Montierungsarbeiten war ein Kessel explodiert, wie die „Handels- und Wirtschaftszeitung“ in ihrer Sonntagsausgabe berichtete: drei Arbeiter erlitten teils schwere Verletzungen.

Wasserturm Blockdammweg: Neubau für die autonome Wasserversorgung  

Nicht zuletzt für die Unfall- und Brandverhütung war eine von den Stadtwerken autonome Wasserversorgung unumgänglich. Auf dem alten Betriebsgelände des Gaswerks befand sich ein Apparatehaus mit Wasserturm, doch für die Versorgung der Gaskokerei am Blockdammweg waren die Tanks des Wasserreservoirs im alten Turm nicht mehr ausreichend. Im Auftrag der Berliner Städtischen Gaswerke entwickelte 1928 der Architekt Bruno Schneidereit (1880–1938) die Entwürfe für einen neuen Wasserturm auf dem Gelände am Blockdammweg 3–27. Schneidereit war enger Weggefährte von Bruno und Max Taut und Vertreter des Neuen Bauens in Berlin.

Der Turm wurde bis 1929 unter Aufsicht der Bauunternehmung des Berliner Maurermeisters Gottlieb Tesch – einer der größten Baufirmen damaliger Zeit, die unter anderem auch den Bau des Amtsgericht Mitte und der Lutherbrücke am Schloß Bellevue geleitet hatte – fertiggestellt. Seitdem prägt die markante Silhouette des Turms das Firmengelände am Blockdammweg und die Skyline von Rummelsburg, während seine Wassertanks mit der Inbetriebnahme 1929 den Bedarf des angrenzenden Gaswerks an Brauch- und Nutzwasser deckte.

Wasserturm Blockdammweg: So war der Turm aufgebaut

Der filigran wirkende, 44,5 Meter hohe Turm zeichnet sich durch eine klar gegliederte Klinkerfassade aus, die Merkmale des Backsteinexpressionismus – einer für Industriebauten Berlins der 1920er-Jahre charakteristischen Bauform – aufgreift. Von seinen zwei Sockelgeschossen bis zur Turmspitze verjüngt sich der Stahlbeton-Skelettturm leicht, behält aber seine durchgängige achteckige Grundform bei.

Die Außenwände sind mit roten Klinkern verblendet und über dem Sockelgeschoss zwischen Eckpfeilern leicht zurückgesetzt. Die Fassadenseiten werden durch kleine rechteckige Fenster durchbrochen, die über dem Sockel eine rautenförmige Anordnung bilden und im obersten Geschoss als Fensterbänder angelegt sind.

Wasserturm Blockdammweg: Das waren die Aufgaben des Wasserreservoirs

Mit seiner Fertigstellung war der Turm das höchste Gebäude der Anlage. In seinem Inneren befanden sich unter der Turmkrone aufgehängte Hochbehälter als Wasserreservoir, die mit Pumpen aufgefüllt werden konnten. Die möglichst hoch installierten Wassertanks sicherten den benötigten Wasserdruck in den angeschlossenen Rohrsystemen.

Wie bei anderen Gaswerken sicherte der Turm die autarke Wasserversorgung für die Kühlung der Öfen und das Ablöschen des glühenden Kokses – ein Prozess, der die charakteristischen weißen Wasserdampfwolken („Löschfahnen“) über dem Werk erzeugte, um Kühlwasser für die Gasproduktion bereitzustellen und den Wasserdruck für technische Prozesse konstant zu halten. Neben anderen Betriebsprozessen wurde auch Brauchwasser benötigt, um das in Retortenöfen erzeugte Leuchtgas abzukühlen und zu reinigen, bevor es in die Gasometer (Gasspeicher) weitgeleitet werden konnte.

Wasserturm Blockdammweg: Keine Schäden am Bauwerk im Zweiten Weltkrieg

Das Gaswerk Lichtenberg galt bis zum Zweiten Weltkrieg als eines der modernsten Berlins. Seit Mitte der 1930er-Jahre ließ die Stadt die Gaswerke auf modernen Kokereibetrieb umstellen. Als erste Maßnahme wurde das Gaswerk Lichtenberg 1935/1936 umgerüstet. In Vorbereitung des Krieges erließen die Nationalsozialisten eine Direktive zur stärkeren Nutzung heimischer Rohstoffe, woraufhin Anlagen zur Benzolherstellung in den Werken Lichtenberg, Neukölln und Charlottenburg entstanden und eine Gastankstelle für Busse des Berliner Nahverkehrs in Betrieb genommen wurde.

1937 erfolgte die Umwandlung der Städtischen Gaswerke AG in einen Eigenbetrieb der Stadt unter der Bezeichnung Berliner Städtische Gaswerke (Gasag). In den folgenden Jahren wurde das Gasnetz Berlins um fast ein Drittel auf knapp 7000 Kilometer verlängert, wovon die Rüstungsindustrie profitierte, die den Gasbedarf der Stadt nach Kriegsbeginn auf ein Rekordniveau ansteigen ließ. Am Blockdammweg 62–68 wurde ein Kriegsgefangenenlager gebaut. Die dort internierten Franzosen und Polen mussten für die Gasag im Gaswerk Lichtenberg Zwangsarbeit leisten.

In der Stadt blieb trotz der verstärkten alliierten Luftangriffe ab 1943 die städtische Gasversorgung weitgehend intakt. Erst mit der Schlacht um Berlin wurde das Versorgungsnetz ab April 1945 zerstört: weniger als ein Prozent des Rohrnetzes waren nach Kriegsende betriebsfähig, die Gaswerke und Gasspeicher der Stadt lagen beschädigt oder zerstört da. Der Wasserturm am Blockdammweg überstand die Bombenangriffe und Kampfhandlungen unbeschadet.

Wasserturm Blockdammweg: Erster funktionstüchtiger Gasversorger nach Kriegsende

DDR - Arbeiter im Gaswerk Prenzlauer Berg
Arbeiter im Gaswerk im Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg, aufgenommen 1980. Nach der Teilung Berlins 1949 waren die IV. Städtische Gasanstalt und das Gaswerk Lichtenberg die einzigen Versorger im Ostteil der Stadt.© picture-alliance/ dpa | Reinhard Kaufhold

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Rummelsburg als Ortsteil von Lichtenberg zur sowjetischen Besatzungszone des geteilten Berlins und später, nach der Gründung der DDR, zur ostdeutschen Hauptstadt. Die russische Militäradministration räumte der Gasversorgung der in Trümmer liegenden Ex-Reichshauptstadt höchste Priorität ein. Noch bevor mit der Unterschrift Keitels & Co. der Zweite Weltkrieg in Europa ein Ende fand, hatten Ingenieurtrupps mit der notdürftigen Instandsetzung des Gaswerk Lichtenberg begonnen. Am 7. Mai 1945 nahm es als erstes der Berliner Gaswerke nach dem Krieg seinen Betrieb wieder auf. Bis zum Oktober 1945 war das Gasleitungsnetz Berlins zu rund 80 Prozent wiederhergestellt.

Nach der Berlin-Blockade 1948/1949 und der Teilung der Stadt – auch das Gasnetz wurde getrennt – blieben über Jahrzehnte das Gaswerk Lichtenberg und die IV. Städtische Gasanstalt in Prenzlauer Berg die einzigen Versorger im Ostteil Berlins. In den fünfziger Jahren investierte die DDR in die Modernisierung der Gasanlagen – dennoch waren die dichten Wolken von Staub und Ruß, die über die Werke zogen, ein Erkennungsmerkmal. Wer in der Nähe wohnte, musste beim Lüften auf die Windrichtung achten. Die Arbeiter des Werks wurden gesundheitlich durch Feinstaub und diverse Giftstoffe geschädigt. Auch der Boden und das Grundwasser wurde kontaminiert. Bei der Gas- und Koksherstellung lagerten sich unter anderem Teer, Benzol, Ammoniak, Cyanide und Schwefelverbindungen sowie polycyclischen aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ab.

Wasserturm Blockdammweg: Hochaufragende Industriedenkmal der alten Gaskokerei

Gaskokerei (Archivfoto und Text 1992)
Die Anlagen der Gaskokereien sorgten für eine hohe Schadstoffbelastung in der Umgebung. In den 1980er-Jahren wurden sie in Ostberlin stillgelegt. In Magdeburg war eine Anlage noch Anfang der 1990er-Jahre der größte Luftverschmutzer der Region. Ansicht der Steinkohlenkokerei in Magdeburg, Foto 1992© picture-alliance/ ZB | Karlheinz Schindler

Betreiber der Anlagen war zuletzt von 1979 bis 1985 der VEB Energiekombinat Berlin. Die Umstellung Ostberlins auf Erdgasversorgung 1979 durch Importe aus Russland machte die mehrfach geplante Stilllegung der veralteten Werke möglich. Das Gaswerk Lichtenberg samt der Gaskokerei Rummelsburg am Blockdammweg wurde am 30. September 1985 als letztes Gaswerk in Berlin/Ost stillgelegt. Spätestens jetzt war der Wasserturm funktionslos geworden und fiel wie die übrigen Industrieanlagen des Gaswerks in einen jahrelangen Dornröschenschlaf. Doch während hinter ihm immer mehr der Industriebauten bis zur Wendezeit einen Rückbau erfuhren, blieb das hochaufragende Wahrzeichen des Gaswerks einsam stehen.

Der verwaiste Wasserturm auf dem Trockenen wurde zu einem Lost Place Berlins – einem steingewordenen Denkmal, das an die mehr als siebzigjährige herausragende Bedeutung des Standortes für die Berliner Energieversorgung erinnert. Neben einigen denkmalgeschützten und heute verfallenen Gebäuden des Gaswerks Lichtenberg am Blockdammweg 29 blieben von der Gaskokerei des Gaswerks Lichtenberg II nur der Wasserturm und das benachbarte Verwaltungsgebäude übrig. An der Köpenicker Chaussee ist außerdem die Gaswerkssiedlung erhalten, die nach Jahren des Leerstands 2018 zu einem Kulturstandort mit Ateliers, Musikstätten und Werkstätten entwickelt wurde.

Wasserturm Blockdammweg: Ohne Funktion seit den 1980er-Jahren

Heizkraftwerk Klingenberg
Heutiger Eigentümer der Brache am Blockdammweg ist die Vattenfall Europe Wärme AG. Seit den 2000er-Jahren wurden Pläne angekündigt, auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerks ein erdgasbefeuertes Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk zur Erzeugung von Elektrizität und Fernwärme zu errichten, dass das Braunkohle betriebene Heizkraftwerk Klingenberg ersetzen soll. © picture alliance / dpa | Schuh, Florian

Zumindest vor den schlimmsten Folgen von Verfall, Vermüllung und Vandalismus, wie sie andere Lost Places Berlins heimsuchen, sind die beiden denkmalgeschützten Gebäude am Blockdammweg geschützt. Nach der Wiedervereinigung Berlins übernahm die Bewag als eine Rechtsnachfolgerin des VEB Energiekombinat das Grundstück. Der heutige Eigentümer ist die Vattenfall Europe Wärme AG, die seit Mitte der 2000er-Jahre immer wieder Planungsabsichten äußerte, auf dem Areal ein neues Heizkraftwerk errichten zu wollen. Zuletzt ist es um die Neubaupläne etwas ruhiger geworden.

Seit Ende der 2000er-Jahren wurden umfassende Bodensanierungen auf dem Grundstück rund um den Wasserturm durchgeführt. Bereits Anfang der 1990er-Jahre waren Abwehrbrunnen und später eine Abwehrgalerie im Bereich des Blockdammwegs errichtet worden, um den Abstrom belasteten Wassers zum benachbarten Wasserwerk Wuhlheide zu verhindern. Seit den 2000er-Jahren wurden Flächensanierungen durchgeführt, Sicherung und Dekontamination des ehemaligen Kohlenlagerplatzes sowie der Bereiche Generatorengasanlage, Benzolanlage, der Ammoniakwassergruben und des ehemaligen Teersees auf dem Grundstück.

Wasserturm Blockdammweg: Wahrzeichen bekommt Konkurrenz an Rummelsburger Skyline

Das Areal der ehemaligen Gaskokerei Rummelsburg ist eingezäunt und geschützt. So blieb auch der denkmalgeschützte Wasserturm des alten Werks vor Graffiti-Sprayern an den Mauern und ungebetenen Besuchern im Inneren sowie vor Vandalismus und Vermüllung am Bauwerk verschont. Im Inneren des Turms befinden sich heute keine gefüllten Wassertanks mehr, dafür wurde in dem gut 44 Meter hohen Bauwerk eine Richtfunkstation installiert, mit der die Telefonica O2 GmbH eine Richtfunkstrecke unterhält, die in Nordwest-Südost-Ausrichtung sendet.

Der markante Ziegelturm am Blockdammweg, der wegen seiner städtebaulichen Bedeutung und architektonischer Qualität unter Denkmalschutz gestellt wurde, ist derzeit noch das höchste Gebäude am Blockdammweg – doch schon bald könnte das alte Wahrzeichen des Ex-Gaswerks und des Kiezes im Schatten eines anderen Bauwerks stehen.

Auf dem Gelände der jüngst abgerissenen Total-Tankstelle gegenüber dem Gaswerksgelände an der Ecke Rummelsburger Landstraße zum Blockdammweg plant die Herecon Gruppe einen massiven Büroneubau zu realisieren. Das Hochhaus „Blockbuster“ soll 50 Meter in den Himmel wachsen – ursprünglich wollte der Projektentwickler einen noch viel höheren Neubau durchsetzen. Doch das Baukollegium lehnte ab. Auch so wird der geplante Sechsgeschosser den Wasserturm um einige Meter überragen und künftig die Skyline rund um den alten Industriestandort mitprägen.