Meterdicke Stahlbetonwände, gefilterte Luft und kein Tageslicht: Seit Beginn des Krieges in der Ukraine sind Bunker wieder zum Thema geworden. In Berlin gab es nach dem Zweiten Weltkrieg noch rund 360 Schutzbauten, die errichtet worden sind, um die Bevölkerung vor Luftangriffen zu schützen. Einer der verfallenen Betonkolosse, der in Ostberlin vor sich hin rottet und an die Schrecken von Krieg und Gewaltherrschaft erinnert, ist der Doppel-Flachbunker am Hegemeisterweg in der Waldsiedlung Lichtenberg.

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Das sind die Fakten zum Weltkriegsbunker Hegemeisterweg im Überblick:

  • Adresse: Hegemeisterweg 69, 10318 Berlin-Karlshorst
  • Geschichte: Anfang der 1940er-Jahren als Luftschutzbunker errichtet; in der Nachkriegszeit erst als Kartoffellager und ab den 1950er-Jahren behelfsweise als Film- und Tonarchiv genutzt; seit Anfang der 1990er-Jahre Leerstand
  • Bunkertyp: Flachbunker vom Typ 2x2D mit 36 Kammern; Schutzkapazität für 379 Personen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place

Wo liegt das Weltkriegsbunker Hegemeisterweg genau?

Der Weltkriegsbunker liegt an der Adresse Hegemeisterweg 69 im Ortsteil Karlshorst des Bezirks Lichtenberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: FGH4+JR Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grundstück am besten mit der Straßenbahnlinie 21 (Haltestelle Köpenicker Chaussee/Blockdammweg) zu erreichen. Von der Tramstation benötigt man zu Fuß rund neun Minuten entlang der Rummelsburger Landstraße und des Hegemeisterwegs bis zu dem Grundstück. Achtung: Es handelt sich nicht um öffentliches Gelände. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Weltkriegsbunkers Hegemeisterweg:

Ausgangslage: Luftschutz-Sofortprogramm für Berlin im Zweiten Weltkrieg

Unterricht mit Volksgasmaske 1939 - Lesson with gasmasks / 1939 -
Unterricht im Selbstschutz mit der Volksgasmaske „VM 37“ in einer Luftschutzschule in Berlin: Mädchen des BDM beim Unterricht im September 1939.© picture-alliance / akg-images | akg-images

Als 1940 Luftangriffe der Alliierten erstmals die Reichshauptstadt trafen, reagierte die NS-Führung hektisch mit einem Bunkerbau-Sofortprogramm: Betonbauten schossen in Berlin aus dem Boden. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer geleiteten Behörde – entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten: Militär-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.

Berlin wurde mit einem Netz von Schutzbauten überzogen – in der Innenstadt, aber auch in den grünen Außenbezirken. Im Südwesten Berlins, im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf, wurden Kolosse errichtet wie der Bunker Heckeshorn auf der Wannsee-Insel, Hochbunker wie an der Eiswaldstraße und Sonderanfertigungen wie der als Wohnhaus getarnte Bunker Eiderstedter Weg. Auch im Norden Berlins entstanden Anfang der 1940er-Jahre Schutzbauwerke für die Bevölkerung. Einer von ihnen: der Schutzbunker am Hegemeisterweg in der Gartenstadt Lichtenberg.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Schutzbau der „ersten Welle“

Alter Luftschutzbunker in Frankfurt
Das Innere der Bunker bot Schutz und neben Kammern, die mit Hochbetten ausgestattet waren, unter anderem Sanitäts- und Sanitärräume, allerlei Technik, Gasschleusen, größere Aufenthaltsräume und Räumlichkeiten für das Luftschutzpersonal und den Bunkerwart.© picture alliance/dpa | Boris Roessler

Der Baugrund am Hegemeisterweg befand sich in der Waldsiedlung Lichtenberg, die nach Beschluss des Magistrats der damaligen Stadt Lichtenberg 1915 durch den bekannten Berliner Architekten Peter Behrens (1868–1940) in der Tradition der Formensprache der Gartenstadtbewegung als bezahlbarer Wohnraum für die „siegreichen Kriegsheimkehrer“ und ihre Familien entworfen wurde. Die Bauausführung lag in den Händen des Lichtenberger Stadtbaumeisters Rudolf Gleye (1880–1926). Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg wurde bis 1920 nur ein Teil der Waldsiedlung Wuhlheide vollendet und erst ab 1937 mit eingeschossigen Doppelhäusern ergänzt.

Für den Bunkerbau wurde ein zuvor unbebautes Gelände nahe den Gleisen der Industriebahn Oberschöneweide, im Volksmund „Bullenbahn“ genannt, auf der nördlichen Seite des Hegemeisterwegs ausgewählt – an der Grenze zwischen Kleingartenanlagen im Westen und den Häusern der Gartenstadt im Osten. Anfang der 1940er-Jahre versammelten sich die Kinder der Nachbarschaft und beobachten staunend die Aktivitäten, als schweres Gerät am Hegemeisterweg vorfuhr, Arbeiter den Boden aufrissen und der Bau des Betonriesen begann.

Der Bunker gehörte zur „ersten Welle“ der während des Bunker-Sofortprogramms von 1940/1941 in Berlin errichteten Schutzbauten. Insgesamt waren es an die 1000 Anlagen, die gebaut wurden, wovon etwa 500 Flachbunker für einhundert bis dreihundert Personen in dicht besiedelten Wohngebieten entstanden. Die Schlüssel für eine Kammer mit jeweils zwei 3-Stockbetten wurden bevorzugt an kinderreiche Familien aus der Umgebung vergeben. Zusätzlich gab es zumeist Aufenthalts- und Sanitärräume sowie Schleusen, Räume für die Bunkertechnik und für das Luftschutzpersonal beziehungsweise den Bunkerwart.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: So war der Bunker aufgebaut

Gedenkveranstaltung des Vereins Berliner Unterwelten
Die Zellen der Schutzbunker waren mit dreistöckigen Betten ausgestattet: Die Aufnahme entstand am 3. Februar 2025 bei der Gedenkveranstaltung des Vereins Berliner Unterwelten zum Auftakt des Gedenkjahres «80 Jahre Kriegsende» in der Bunker- und Tunnelanlage unter der Dresdener Straße zwischen Berlin-Mitte und Kreuzberg. © picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Bei dem Anfang der 1940er-Jahre errichteten Bunker am Hegemeisterweg handelte es sich um einen Rücken an Rücken gebauten Doppel-Flachbunker vom Typ 2x2D mit insgesamt 36 Schutzkammern. Der Bunker war mit seiner Stirnseite an der Straßenflucht des Hegemeisterwegs ausgerichtet. Die Länge und Breite des Gesamtbauwerks betrugen rund 75 mal 19 Meter auf einer Baufläche von gut 1400 Quadratmetern. Die Deckenstärke betrug 1,40 Meter; die Wandstärke aus massivem Stahlbeton 1,80 Meter. Mehrere seitliche Zugänge führten über Treppen in die unter dem Straßenniveau liegenden Räumlichkeiten des Schutzbauwerks.

Dicke Eisentüren mit Sichtlöchern riegelten jeweils die dahinterliegenden Schutzräume hermetisch ab. Vorbei an Sanitärräumen und der Bunkeraufsicht führten in jedem der beiden Bunker zwei parallele Gänge mit je sechs Kammern sowie einer Kammerzeile in der Mitte zum hinteren Ausgang. Dort gab es einen größeren Aufenthaltsraum, einen Sanitärraum, einen Heizungsraum, einen großen Sandfilter, Lüftungsgeräte und Schutztüren, die die zweite Schleuse des hinteren Notausgangs sicherten. Es gab Toiletten, einen Wasserzulauf und einen Generator für Elektrizität.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Schutz unter meterdickem Stahlbeton

Im Sanitärbereich befanden sich Toiletten- und Waschräume. Die Schutzzellen der Bunker waren als Schlafkammern mit einer Grundfläche von etwa sechs Quadratmetern ausgelegt, in denen jeweils zwei dreistöckige Betten standen. Die Bauwerke wurden durch Luftschutzsymbole als Zufluchtsstätte gekennzeichnet. Die Rettungswege im Inneren – und Hinweise wie „Nicht rauchen“ und „Ruhe bewahren“ – waren mit fluoreszierender Farbe auf den Bunkerwänden angebracht. So konnte Fluchtwege auch bei einem Totalausfall der Bunkertechnik noch genutzt werden.

Bei Luftalarm liefen Familien mit ihren Kindern zu dem Bunker am Hegemeisterweg, in dessen schützenden Wänden ihnen – sofern sie einen Berechtigungsschein hatten und sie den Bunker rechtzeitig erreichten – reservierte Schlafräume zur Verfügung standen. Für die älteren Anwohner oder auch zufällig Schutz suchenden Passanten gab es größere Räume mit Holzbänken. Der Einlass wurde durch Luftschutzpersonal geregelt. Wer nach Fliegeralarm die zumeist überfüllten Bunker nicht rechtzeitig erreichte, stand vor verschlossenen Türen. Doch auch im Inneren herrschte häufig beklemmende Todesangst.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Letzte Zuflucht in der Schlacht um Berlin

Schlacht um Berlin/sowjet.Kampfflugzeuge
Schlacht um Berlin: Sowjetische Kampfflugzeuge überfliegen Berlin im Frühjahr 1945.© picture-alliance / akg-images | akg-images

Als sich in den letzten Kriegsjahren die Bombenangriffe auf Berlin verstärkten, wurden bomben-, trümmer- und splittersichere Luftschutzbauten als Zuflucht für die Bevölkerung immer wichtiger. Im Frühjahr 1945 erreichten Verbände der Roten Armee die Stadt und lieferten sich ein Wettrennen um die Einnahme Berlins. Vom Norden rückte Marschall Georgi Schukow (1896–1974) mit Verbänden der 1. Weißrussischen Front von Marzahn aus in Richtung Innenstadt vor. Im Südwesten drangen Truppen von Marschall Iwan Konew (1897–1973) in das Stadtgebiet vor.

Die Bombenangriffe der Briten und US-Amerikaner waren im April 1945 eingestellt worden, um die sowjetische Bodenoffensive zu ermöglichen, der eigene Bombardements aus der Luft und Artillerieschläge vorausgingen. Die meisten der Berliner Bunker wurden kampflos übergeben. Wenige Wochen später war die Schlacht um Berlin beendet. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 wurde durch die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Die unzähligen Luftschutz- und Militärbunker in Berlin waren funktionslos geworden.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Sprengung von Berlins Bunkern nach 1945

Berlin, Mauerstraße / Bunkersprengung 1947
Die Alliierten befahlen die Sprengung der Berliner Bunker, was nicht bei allen gelang Sprengung des Bunkers der Gauleitung der NSDAP in der Mauerstraße (Berlin-Mitte), 1947.© picture alliance / akg-images | akg-images

Nach Kriegsende wurden bis 1948 über die Hälfte der Bunker und Luftschutzstollen Berlins im Rahmen der Entmilitarisierung durch die Alliierten abgebaut oder gesprengt. Die Zivilbevölkerung reagierte mit Unverständnis: Schließlich gehörten die Bunker in manchen Stadtteilen zu den wenigen noch intakten kommunalen Bauwerken. In den ersten Nachkriegsmonaten fanden in ihnen ausgebombte Familien, Kriegsheimkehrer, Flüchtlinge und Kälteopfer einen Unterschlupf. Für die Beseitigung der Stahlbeton-Giganten waren Tonnen an Sprengstoff nötig.

Überall in der Stadt detonierten Sprengladungen – doch viele der Betonkolosse hielten den Abrissmaßnahmen stand; manche wurden kurzerhand zugeschüttet oder erhielten eine zivile Funktion als Notunterkunft oder als Lager für Lebensmitteln, Hausrat oder von Mitteln des täglichen Bedarfs. Die gleichbleibenden Temperaturen unter Erde und der Schutz vor Witterung hinter meterdickem Beton bot sich für diese Zwecke an. Einige der Zivilschutzbunker in Westberlin wurden auch für die Lagerung der Senatsreserve herangezogen.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Nutzung als Beutefilm-Depot in der Nachkriegszeit

Der Bunker in der kriegszerstörten Waldsiedlung Lichtenberg wurde nach dem Krieg zunächst als Kartoffellager genutzt und ab 1948 als feuersicheres Lager für Tondokumente. Zusammen mit zwei Flachbunkern an der Ostseestraße in Prenzlauer Berg diente der Bunker in der Waldsiedlung Wuhlheide eine Zeitlang als sichere Sammel- und Lagerstellen für Film- und Tonaufnahmen, die während der NS-Zeit entstanden. In den Schutzzellen lagerten beschlagnahmte Bestände der Universum-Film-AG (Ufa) – hauptsächlich die unter der Ägide von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels gedrehten Unterhaltungsfilme des Dritten Reichs.

In den Bunkern lagerten Filmrollen von Produktionen wie „Der Herrscher“ (1937), „Quax, der Bruchpilot“ (1941) oder „Die Feuerzangenbowle“ (1944), die während der Kriegszeit ein Millionenpublikum in deutschen Kinos gelockt hatten. Rotarmisten stapelten Zelluloid-Filmrollen mit Aufnahmen der großen Leinwandstars der 1930er- und 1940er-Jahre: Marlene Dietrich, Heinz Rühmann, Hans Albers, Zarah Leander, Lil Dagover und NS-Vorzeigeschauspieler Emil Jannings. Synchronisierte Fassungen der Beutefilme wurden später in sowjetischen Kinos gezeigt.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Zwillingsbunker in der Waldsiedlung wurde abgetragen

Baustelle am Haus des Rundfunks in Berlin, 1930
Der Rohbau des Berliner Funkhauses (heute: Haus des Rundfunks) in Berlin-Westend im Jahr 1930.© picture alliance / SZ Photo | Scherl

In den 1950er-Jahren erhielt der Bunker am Hegemeisterweg eine neue Aufgabe. Ein baugleicher Bunker, der in den 1940er-Jahren, einige Hundert Meter weiter östlich an der Kreuzung Hegemeisterweg zur Liepnitzstraße gebaut worden war (Google-Koordinaten: FGG6+RX Berlin), wurde Anfang der 1950er-Jahre gesprengt und abgetragen. Der Bunker am Hegemeisterweg 69 blieb bestehen. Einerseits, weil ein Abbruch durch sowjetische Pioniere gefährlich erschien – eine Sprengung hätte größere Schäden am gegenüberliegenden Trafohaus und damit an der Stromversorgung verursachen können – andererseits, weil das feuersichere Bauwerk in Lichtenberg noch von Nutzen sein konnte.

Seit Kriegsende hatten die Sowjets das Haus des Rundfunks in der Masurenallee als Sendezentrum des Berliner Rundfunks genutzt und in aller Stille damit angefangen technische Einrichtungen und Depotbestände in das neugebaute Funkhaus Nalepastraße im Ostteil Berlins zu verbringen. Als 1952 die britische Armee den Zugang zum Haus des Rundfunks blockierte – eine Reaktion auf die Abriegelung Steinstückens – , wurden die übrigen Depotbestände zusammen mit funktechnischen Geräten von der Sowjetarmee abtransportiert. Das Ziel der Lkw-Kolonnen: der Rundfunk-Gebäudekomplex in Oberschöneweide – ein Teil des Archivmaterials wurde jedoch nach Lichtenberg verbracht.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Rundfunkschätze zwischen Spinnweben in der DDR-Zeit

Eröffnungskonzert im Haus des Rundfunks in Berlin, 1931
Tonschätze: Eröffnungskonzert des Berliner Funkorchesters im kleinen Konzertsaal des Hauses des Rundfunks an der Masurenallee am 22. Januar 1931.© picture alliance / SZ Photo | Scherl

Der Bunker am Hegemeisterweg diente ab 1952 für das Funkhaus Nalepastraße als behelfsmäßiges Außenlager für historisches Tonmaterial. Im Bunker kamen Wachsplatten, alte Schallplatten, Tondokumente, Wortaufzeichnungen und die ersten Tonband-Musik-Aufnahmen des Reichsrundfunks aus der Zeit Anfang der 1940er-Jahre unter. Im Rundfunkzentrum an der Nalepastraße wurden alle überregionalen DDR-Hörfunkprogramme aufgezeichnet, neben Radio DDR 1 und 2 auch Stimme der DDR, Berliner Rundfunk und Jugendradio DT 64.

Die Zustände im ausgelagerten Tonarchiv waren bereits damals abenteuerlich. 1960 beschwerten sich Rundfunkmitarbeiter, dass ihnen nicht zuzumuten sei, inmitten von Mauerwerksschutt, Spinnweben und der Asche und Schmutz des Bunkerofens zu arbeiten. Anstatt jedoch einen alternativen Standort für das Archiv zu finden, wurde von der Rundfunkleitung vorgeschlagen, einmal pro Woche eine Reinigungskraft zu schicken. Der abgelegene und staubige Bunker am Hegemeisterweg sollte bis zur Schließung des staatlichen Rundfunkbetriebs 1991 als Tonarchiv genutzt werden, obwohl es keinerlei Klima- und Feuchtigkeitskontrolle gab, die normalerweise für die Konservierung empfindlicher Tonträger erforderlich ist.

Mit der Wiedervereinigung fiel die Immobilie in Lichtenberg in Landesbesitz. Die eingelagerten, historischen Bestände an Tonaufzeichnungen wurden vom Deutschen Rundfunkarchiv (DRA) in Adlershof, später in Potsdam, übernommen. Der als Behelfsdepot genutzte Weltkriegsbunker in Lichtenberg wurde stillgelegt – und fiel in einen Jahrzehnte währenden Dornröschenschlaf.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Lost Place seit mehr als 30 Jahren

Der Bunker existiert heute noch. Mehr als drei Jahrzehnte lang steht das aus der Zeit gefallene Relikt aus Kriegstagen in Lichtenberg mittlerweile leer. Ein verrostetes Gatter an der Zufahrt und ein zugewachsener Maschendrahtzaun sollen vor unerlaubten Eindringen schützen. Im Laufe des Leerstands mehrten sich an dem verwaisten Bunker die Spuren von Verfall und Vandalismus. An den massiven Bunkerwänden ranken Pflanzen empor, vor den Eingängen wachsen Bäume. Generell versperrt, außer im Winter, ein dichter Wildwuchs auf dem Gelände Passanten den Blick auf das Objekt, das sich nach wie vor in Landesbesitz befindet.

Am Boden des Bunkers sammelte sich mit den Jahren Schutt, Dreck und Brackwasser; durch die verbliebenen Metallteile fraß sich der Rost und an den Eingängen begann der einst robuste Stahlbeton zu bröckeln. Immer wieder verschafften sich Personen Zugang zu dem Weltkriegsbunker – obgleich das Betreten von Lost-Place-Ruinen mit erheblichen Gefahren verbunden sein kann. Die Mauern des Bunkers zeugen mit großflächig angebrachten Graffitis von den Entdeckungstouren einzelner Lost Place-Jäger.

Weltkriegsbunker Hegemeisterweg: Für künftige Stadtentwicklung vorgehalten

Die Zukunft des Bunkers aus der Nazi-Zeit in Lichtenberg ist unklar. Obwohl es sich um den zwischen 1940 und 1943 am häufigsten errichteten Bunkertyp handelt, sind die letzten verbliebenen Flachbunker in Berlin rar geworden. Vereine wie die Berliner Unterwelten setzen sich für die Unterschutzstellung wenigstens einzelner Objekte ein – 2023 erreichte der Verein, dass vier Flachbunker in der Fliegersiedlung in Tempelhof unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Der Bunker am Hegemeisterweg wird im Auftrag des Landes Berlin von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) verwaltet und ist Teil des Sondervermögens für Daseinsvorsorge (SODA), das seit 2017 Immobilien umfasst, die das Land zurzeit nicht nutzt, aber für die Daseinsvorsorge vorhalten möchte, um langfristigem Bedarf zu decken und strategische Spielräume für künftige Stadtentwicklungen zu bewahren. Die SODA-Grundstücke wurden maßgeblich durch Liegenschaften des Treuhandvermögens bestückt.