Der Olympiapark Berlin gehört mit dem Olympiastadion, dem Sommerbad, der Waldbühne und dem Maifeld zu den bedeutendsten Sportanlagen Europas. Doch seit Jahren verfallen die gesperrten Tribünen des Olympischen Schwimmstadions im Schatten des Olympiastadions zu unrettbaren Ruinen. Während in dem sanierten Sommerbad jede Saison Freizeitsportler, Schulklassen und andere Besucher, die eine Abkühlung suchen, ihre Bahnen ziehen können und sich beim Sprung vom 10-Meter-Brett für einen Moment so fühlen, als wären sie umjubelte Olympioniken, haben auf den verfallenen Zuschauerrängen längs des Olympiabeckens seit Jahrzehnten keine Besucher mehr Platz nehmen können. Immer wieder gibt es Pläne für den denkmalgeschützten Bau: Überdachung, Teilabriss, Sanierung? Getan hat sich über Jahre wenig. Die wichtigsten Infos zu dem Lost Place.
Das sind die Fakten zum Olympia-Schwimmstadion im Überblick:
- Adresse: Olympischer Platz 3, 14053 Berlin-Westend (Zugang über den Olympischen Platz)
- Geschichte: 1934 bis 1936 wurde das Schwimmstadion als Teil des Reichssportfeldes nördlich des Olympiastadions erbaut; Austragungsort der Schwimmwettbewerbe der Sommerspiele von 1936 in Berlin; Sanierung in den 1970er-Jahren für die III. Schwimmweltmeisterschaften von 1978
- Führungen: Führungen auf dem Olympiagelände bietet unter anderem das Sportmuseum Berlin an. Hier finden Sie weitere Informationen zur Führung Olympiagelände
- Denkmalschutz: Die Gesamtanlage des Olympiaparks ist geschützt: Objekt-Nr. 09040530
- Status: Lost Place. Eine Sanierung der maroden Tribünen ist geplant
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Wo liegt das Olympia-Schwimmstadion genau?

Das Olympia-Schwimmstadion liegt im Olympiapark nördlich des Olympiastadions im Ortsteil Westend des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf und ist über den Eingang am Olympischen Platz 3 zugänglich. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln bietet sich die Anfahrt über den S-Bahnhof Olympiastadion (S3, S9, Bus 218, M49, X34) an. Entlang der Trakehner Allee benötigt man etwa acht Minuten zu Fuß bis zum Schwimmstadion. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Wann ist das Sommerbad geöffnet?
Das Schwimmstadion wird von den Berliner Bäderbetrieben als Sommerbad Olympiastadion betrieben. Es ist besonders gut für sportliche Schwimmer geeignet und verfügt über eine Sprunganlage mit verschiedenen Plattformen. Für Kinder und Nichtschwimmer sind zwei separate Becken am nördlichen Rand der Anlage vorhanden, an denen auch eine Rutsche zu finden ist. Angrenzend an das Bad finden sich große Liegewiesen zum Entspannen. Aktuelle Öffnungszeiten und weitere Informationen finden sich auf der Internetseite der Berliner Bäderbetriebe.
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Olympia-Schwimmstadions:
Ausgangslage: Enttäuschte Hoffnungen auf den Tribünen bei der Eröffnung 1936

Für die NS-Propagandamaschine waren die olympischen Schwimmwettbewerbe 1936 buchstäblich ein Schlag ins Wasser. Keine Goldmedaille konnten die deutschen Schwimmer im hochmodernen Wettkampfbecken des olympischen Schwimmstadions von Berlin erringen. Star der Wettbewerbe wurde die Niederländerin Hendrika Mastenbroek (1919–2003), die vor knapp 18.000 Zuschauern drei Gold- und eine Silbermedaille gewann. Als beste Nation kehrte Japan mit elf Medaillen Heim und selbst im Wasserballturnier unterlagen die Deutschen knapp dem Team aus Ungarn. Immerhin gab es Silber. An mangelnder Unterstützung für die unter der Hakenkreuzfahne antretenden Athleten lag es nicht. Gut 18.000 Zuschauer verfolgten die Wettbewerbe auf den Tribünen des Schwimmstadions in Berlin – zum großen Teil auf extra angebauten Holzrängen. So viel Publikum wie damals sollte sich nie wieder auf den inzwischen maroden Tribünen am Sommerbad Olympiastadion einfinden.
Olympia-Schwimmstadion: Vorläuferbauten auf dem Olympiagelände

Die Sportstätte war nicht das erste wettkampftaugliche Schwimmbad auf dem Gelände. Das wurde bereits 1913 errichtet, als sich Berlin noch Hoffnung auf die Sommerspiele 1916 machte – die allerdings mangels Frieden ausfielen. Vor dem Bau des Olympiastadions auf dem Reichsportfeld befand sich in Westend seit 1913 das Deutsche Stadion und noch früher eine Pferderennbahn. Der Vorläuferbau des Olympiastadions war ein überdimensioniertes Erdstadion – ein gigantischer Bau, der eine 666-Meter-Radrennbahn und das erste Sommerbad Berlins, ein Schwimmbassin mit einer Bahnlänge von 100 Metern und einer Breite von 30 Metern, miteinschloss. Die Wasserreinigung übernahmen im Becken lebende Fische wie Goldorfen und Karauschen.
Im Deutschen Stadion wurden diverse nationale Wettkämpfe ausgetragen, aber es hatte ein Problem: Für Zuschauer war es eine Katastrophe. Von den meisten Plätzen war das Geschehen an den weit entfernt liegenden Wettkampforten kaum zu verfolgen, so dass man bereits in der Weimarer Republik Pläne für einen Neuentwurf schmiedete. Werner March (1894–1976) sollte das Stadion seines Vaters erst modernisieren, dann komplett ersetzen, als dem NS-Regime in den 1930er-Jahren die Planung für die Olympischen Spiele in die Hände fiel. In den ersten Entwürfen war das neue Schwimmstadion noch baulich auf der Ostseite des Olympiastadions eingelassen: Die Hertha-Ostkurve hätte es nie gegeben. March entschied sich anders. Zwischen 1934 und 1936 wurden auf dem Reichssportfeld zwei architektonisch getrennte Sportstätten gebaut: das Olympiastadion und das nördlich davon errichtete Olympia-Schwimmstadion.
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Olympia-Schwimmstadion: So war das Stadion konzipiert

Auf dem Reichssportfeld in Westend wurde von Werner March ein Repräsentationsbau errichtet, der allen Anforderungen einer modernen Sportkampfstätte genügte. Das Gelände des Schwimmstadions liegt an der nördlichen Längsseite des Olympiastadions. Die Anlage war im 90-Grad-Winkel zur Gegentribüne des Stadions ausgerichtet.
Bis heute wurde die Architektur nicht grundlegend verändert: Das offene Schwimmstadion besteht aus zwei nebeneinanderliegenden Schwimmbecken: Einem 50-Meter-Sportbecken für acht parallel liegende Schwimmbahnen samt Startblöcken an seiner Nordseite sowie einem Sprungbecken von 20 mal 20 Meter Ausdehnung an der Südseite. Das südliche Bassin wird von einer Sprunganlage abgeschlossen, mit Plattformen in fünf, siebeneinhalb und zehn Metern Höhe sowie seitlich einem Ein- und Dreimetersprungbrett. Die Wasserbecken waren mit Fliesen verkleidet.
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Olympia-Schwimmstadion: Hölzerne Anbauten vergrößerten die Kapazität

An der westlich und östlichen Seite des Stadions befanden sich Tribünenbauten mit 7.600 Plätzen – im Jahr 1936 waren diese für die Olympischen Spiele noch durch hölzerne Zusatztribünen auf ein Fassungsvermögen von insgesamt 18.500 Plätze erweitert worden, wobei auch der heute freie Bereich auf der Nordseite durch Holztribünen umsäumt war. Unterhalb der erhöhten Tribünen waren die Umkleidekabinen, technische Einrichtungen und Sanitäranlagen des Bades untergebracht – Filteranlage ersetzten nun die Fische des älteren Sportbades. Arkadengänge verbanden den Außenbereich und den Innenbereich des Gebäudes miteinander.
Rechts und links des Schwimmstadions finden sich zwei Freiflächen: der „Frauenplatz“ im Osten und der „Anger“ im Westen mit einer weiteren Wasserinstallation – dem einen Meter tiefen, ovalen Familienbad. Nach den Spielen 1936 wurde die Nordseite des Schwimmstadions noch um ein halbrundes Flachbecken erweitert, in dessen Stirnseite ein an eine Feuerschale erinnernder Brunnen steht. In den 1970er-Jahren wurde dieser Teil des Schwimmstadions noch um zwei weitere Flachbecken mit einer Rutsche vergrößert.
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Olympia-Schwimmstadion: Berliner Sommerbad in der Nachkriegszeit

Neun Jahre nach den Spielen hatte sich das Reichssportfeld dramatisch gewandelt: Statt einem sportlichen Festgelände waren auch die Sportanlagen nun zu umkämpften Bollwerken in der Schlacht um Berlin geworden. Noch Ende April 1945 erteilte Hitler dem Reichsjugendführer Artur Axmann den Befehl, mit seiner HJ-Division den Havelübergang und das Olympiastadion unter allen Umständen vor der Sowjetarmee zu verteidigen – vergebens. Als sich der Rauch der Artillerie lichtete, war das Reichssportfeld übersät von Leichen und Bombenkratern; der Glockenturm am Maifeld zerstört – aber das Schwimmstadion inklusive seiner beiden Tribünen war weitgehend intakt geblieben.
Bereits am 20. Juni 1945 konnte es wieder seine Pforten für die Bevölkerung öffnen. Der Freibadbetrieb 1945 endete aber schon wenige Wochen später. Nach dem Abzug der Roten Armee wurde das ehemalige Reichssportfeld von den Briten bezogen. 1949 gaben die Alliierten Teile des Geländes für die Öffentlichkeit wieder frei: darunter das Olympiastadion, die Waldbühne und das Schwimmstadion, das den Berlinern jetzt als Sommerbad zur Verfügung stand.
Olympia-Schwimmstadion: Besetzte Osttribüne wird zum Politikum
Eine Ausnahme gab es: Die östliche Tribüne, in denen sich vormals unter anderem die Herrenumkleiden befanden, war weiterhin militärische Sperrzone. Der Badebetrieb wurde über ihr westliches Pendant abgewickelt. 1952 verlegte die britische Militärregierung ihr Hauptquartier in das Areal des Sportforums und nutzte den nördlichen Teil des Olympiageländes bis zum „Anger“, der östlichen Liegewiese am Schwimmbad, für ihre Zwecke. Depots für Treibstoff und Munition entstanden, Baracken und Panzergaragen sowie eine Funksendeanlage östlich des Schwimmstadions.
In den 1950er-Jahren gab es noch einmal einen Vorstoß, die Alliierten dazu zu bewegen, Teile des von den Briten okkupierten Geländes freizubekommen. Auf Beschluss des Bundestages von 1957 wurde mit dem britischen Stadtkommandanten über die Freigabe der Osttribüne des Schwimmstadions und weiterer Flächen auf dem Olympiagelände verhandelt. Hinsichtlich der Tribüne gab Stadtkommandant Generalmajor Francis D. Rome (1905–1985) schließlich nach: Mit dem Hinweis darauf, dass er genau wisse, wie sehr die Erholungsmöglichkeiten für die Berliner in der geteilten Stadt beschränkt seien, wurde die Tribüne geräumt und Ende der 1950er-Jahre der Stadt Berlin zur Nutzung übergeben. Das Schwimmstadion war wieder in all seinen Teilen nutzbar und die Berliner machten davon in den kommenden Jahrzehnten eifrig Gebrauch.
Olympia-Schwimmstadion: Langsamer Verfall seit den Meisterschaften 1978
Anlässlich der 3. Schwimmweltmeisterschaften im Jahre 1978 in Westberlin wurde das Olympia-Schwimmstadion komplett modernisiert. Es war die letzte internationale Sport-Großveranstaltung die in der Badestätte ausgetragen wurde. Noch einmal waren die Tribünen um temporäre Ränge erweitert worden, noch einmal füllten sich die Ränge mit Tausenden Zuschauern um Athleten bei ihren Wettkämpfen anzufeuern. Es war das letzte Mal, dass die Tribünen in einen repräsentablen Zustand gebracht wurden.
Während sich in den Becken des Olympiabades Jahr für Jahr Badende tummelten, sich auf dem Sprungturm Mutige in zehn Meter Tiefe stürzten und sich in den Flachbecken Kinder und Jugendliche amüsierten, verfielen die Tribünen mit der Zeit – langsam aber sicher – zu modernen Ruinen, deren Baufälligkeit mit jedem Jahr mehr ins Auge stach. Bis heute suchen die Hauptstädter in den Hitzemonaten im Sommerbad auf dem Olympiagelände eine willkommene Abkühlung, die Tribünen rechts und links des Badegeschehens verrotteten unterdessen als Lost Place zu einem Sicherheitsrisiko. Das Grundproblem: Ohne regelmäßiges Wettkampfgeschehen fehlt für die großzügig angelegten Zuschauerränge ein nachhaltiges Nutzungskonzept.
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Olympia-Schwimmstadion: Modernisierung des Bades – Tribünen werden zum Lost Place

In den 2010er-Jahren nahm der Senat noch einmal Geld in die Hand. Mit Blick auf die – später gescheiterte – Olympiabewerbung Berlins für das Jahr 2024 sollte geprüft werden, inwieweit das Olympia-Schwimmstadion als Austragungsort für Spiele des Wasserballturniers nutzbar gemacht werden könne. In den Jahren 2015 und 2016 wurden die Fliesenbeläge der Becken durch Edelstahl ersetzt und die Badewassertechnik und Beckenumrandung erneuert.
Von einer Instandsetzung der denkmalgeschützten, aber nichtsdestoweniger vor sich hin bröckelnden Tribünen nahm die Stadt vorerst Abstand. Die zeitnahe Sanierung des baufälligen Denkmals mit durchfeuchteten Mauerwerk und leerstehenden Räumlichkeiten im Inneren schien unrentabel. Für Wettkämpfe hätten mindestens die Zuschauerränge überdacht werden müssen – für Schwimmwettbewerben sogar das ganze Bad in eine Halle verwandelt werden müssen. Und für den Betrieb als Sommerbad waren die Tribünen kurzfristig weniger wichtig als die Erneuerung der Schwimmbecken.
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Olympia-Schwimmstadion: Und wie sieht die Zukunft aus?

Knapp zehn Jahre mussten sich die Tribünen noch gedulden und die Besucher des Sommerbades auf geisterhafte Zuschauerränge blicken, die zuletzt nicht von ungefähr den Eindruck machten, als ständen sie kurz vor dem Einsturz. Seit einiger Zeit sind die Zuschauerränge verhüllt. Die Tribünen sind mit Wetterschutzdächern überspannt, um das Eindringen weiterer Nässe zu verhindern.
2018 starteten Sanierungsarbeiten an den Maifeld-Tribünen, die sich in einem ähnlich desolaten Zustand befanden. Dabei wurde die Sandsteinverkleidung zuerst behutsam Stück für Stück entfernt, die darunterliegende Stahlkonstruktion und der Betonmantel erneuert und die Verkleidung am Ende mit alten Sandsteinen wiederhergestellt. Ein ähnliches Prozedere ist auch bei den Tribünen des Schwimmstadions geplant – sie sollen in einer „look-alike“-Variante wiederhergestellt werden, bei der möglichst viel der historischen Substanz erhalten bleibt und die Nutzung der Umkleideräume und technischen Anlagen sichergestellt wird, aber man auf eine künftige Nutzung der Tribünen als Zuschauerränge verzichtet.
Da in den Tribünenbauten ein Verfall der tragenden Teile festgestellt wurde, werden die Bauten teilabgerissen und wiederaufgebaut. Die denkmalrechtliche Genehmigung der Neuerstellung der Konstruktion unter Verwendung der bauzeitlichen Verkleidungen wurde erteilt. Jetzt können die Sanierungsarbeiten beginnen.



