Klare Formen, liebevolle Details: Das Gleichrichterwerk an der Machnower Straße in Zehlendorf ist ein kleines architektonisches Juwel unter den Funktionsbauten Berlins aus der Zeit Ende der 1920er-Jahre. Bis in die Nachkriegszeit wurde von hier aus die Straßenbahn im Kiez zuverlässig mit Energie versorgt. Dann wurde das Gebäude nicht mehr benötigt, stand Jahrzehntelang leer und verfiel. Der Klinkerbau drohte zu einer modernen Industrieruine zu verfallen – bis mit einem Umbau in den 2000er-Jahren die Rettung kam. Die wichtigsten Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

Das sind die Fakten zum Gleichrichterwerk Zehlendorf im Überblick:

  • Adresse: Machnower Straße 83, 14165 Berlin-Zehlendorf
  • Geschichte: 1928/1929 nach Plänen der Architekten Hans Heinrich Müller (1879–1951) und Felix Thümen als Gleichrichterwerk in Zehlendorf errichtet; Stilllegung und Leerstand in den 1960er-Jahren
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Objekt-Nr. 09075829
  • Status: Ehemaliger Lost Place. Denkmalgerechte Sanierungen und Umbau zu Wohnraum in den Jahren 2006/2007

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Wo liegt das Gleichrichterwerk Zehlendorf genau?

Das ehemalige Gleichrichterwerk liegt an der Machnower Straße 83 des Ortsteils Zehlendorf des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Das Grundstück kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten mit den Buslinien 101, 623 und N10 (Haltestelle Gutzmannstraße) erreicht werden. Von der Bushaltestation ist das Gebäude an der Ecke Machnower Straße zur Eilertstraße nur etwa 80 Meter entfernt. Achtung: Es handelt sich um Privatbesitz. Unbefugten ist das Betreten nicht erlaubt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Gleichrichterwerks Zehlendorf:

Ausgangslage: Die boomende Elektrifizierung der Hauptstadt

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich Berlin zu einem Hotspot der Elektrizitätswirtschaft und in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren – so titelte die New York Times – zur „best-beleuchteten Stadt der Welt“. Um das glitzernde und leuchtende Wunder an der Spree zu ermöglichen, war eine stetige Erneuerung des nicht selten überlasteten Stromnetzes erforderlich.

Kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert ließ die Berliner Elektrizitätsgesellschaft (Bewag) dafür ein Netz von innerstädtischen Umformwerken errichten. Sie dienten dazu, den von den Großkraftwerken mit einer Spannung von 6.000 Volt gelieferten Drehstrom in Gleichstrom umzuwandeln. Die Station an der Machnower Straße im Süden Berlins wurde Ende der 1920er-Jahre benötigt, um das wachsende Netz der Straßenbahn zuverlässig mit 550-Volt-Gleichstrom zu versorgen. Damit ist das Gebäude Zeugnis des in der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre boomenden Ausbaus der Berliner Verkehrsinfrastruktur: S-Bahnen, Straßenbahnen, Treidelbahnen – es galt die seit dem Groß-Berlin-Gesetz von 1920 stark gewachsene Metropole bis in ihre Vororte hinein zu erschließen.

Gleichrichterwerk Zehlendorf: Nicht chic genug – Baupläne wurde angepasst

Die Pläne für das Gleichrichterwerk gingen auf die Architekten Hans Heinrich Müller (1879–1951) und Felix Thümen zurück – einem eingespielten Dreamteam, wenn es um elektrotechnische Funktionsbauten im Berlin der 20er-Jahre ging. Auf den Bewag-Hausarchitekten Müller gingen zwischen 1924 und 1930 die Entwürfe für mehr als vierzig Gebäude der Stromverteilung in Berlin zurück. Eine Reihe von ihnen entstanden im Zusammenspiel mit Felix Thümen – so etwa der imposante Monumentalbau des Umspannwerks Humboldt in Prenzlauer Berg.

Für das kleine Zehlendorfer Werk stellte das Architektengespann zunächst einen Typenbau vor: Angedacht war eine baugleiche Gestaltung zu den Werken in der Lichtenberger Herzbergstraße und der Niederschönhausener Idastraße – damit stießen sie aber bei den Beamten der Genehmigungsbehörde auf Granit, die im schmucken Umfeld Zehlendorfs eine an den Villenvorort angepasste Bebauung erwarteten. Rasch passte Müller die Entwürfe an: Die Fassade des Bauwerks war nun aufwendiger strukturiert und erhielt einige für ihn typische Elemente wie Dreieckspilaster im Obergeschoss. Sie dienten – genauso wie der gestaffelt hervortretende Gebäudesims – allein der gestalterischen Zierde. Mit Erfolg: Das Amt segnete die neu eingereichten Pläne ab und 1928 konnten die Arbeiten an dem Stahlskelettbau beginnen.

Gleichrichterwerk Zehlendorf: So war die Anlage aufgebaut

Das zweigeschossige Gebäude mit einer Verkleidung aus Rathenower Ziegeln – sie geben dem Bauwerk seine markant rote Färbung – ruhte auf einem flachen Sockel, der für die Einbringung der technischen Anlagen im Erdgeschoss notwendig war. Das Gebäude wies einen längs geteilten Grundriss auf: Im vorderen Bereich zur Machnower Straße lag über dem 4,50 Meter hohen Erdgeschoss, in dem sich in drei Kammern die Transformatoren befanden, ein knapp sechs Meter hoher Saal, der von drei großen Fenstern beleuchtet wurde. Dieser diente der Unterbringung von Schaltanlagen und Spulen. Kabeltrassen und Schächte verbanden die aus Gründen des Brandschutzes geschlossenen Räume miteinander.

Der hintere Gebäudehälfte hatte eine niedrigere Bauhöhe. Hier lagen über einem begehbaren Untergeschoss kleinere Räume mit geringerer Höhe für weitere Schaltanlagen. Unter- und Obergeschoss wurden über eine Stahlsteindecke voneinander getrennt, die sich durch beide Gebäudehälften zog. Die beiden separaten Treppenhäuser an beiden Gebäudeseiten wurden als runde, weit vorgelagerte Türme ausgeführt. Sie verliehen dem klinkerverblendeten Gleichrichterwerk einen burghaften Charakter. In den drei großen Durchbrüchen an der Frontseite waren Stahltore eingesetzt. Den oberen Abschluss des Gebäudes bildete ein für Müller typisches Hohlkehlgesims mit breitem Zahnfries. Ein Stilmotiv, das sich am unteren Abschluss der vier Dreieckspilaster, die die Fassade gliederten, wiederholte.

Gleichrichterwerk Zehlendorf: Stilllegung in den 1960er-Jahren

In Westberlin wurden seit den 1950er-Jahren die meisten der Straßenbahnlinien stillgelegt. Aufnahme vom Bahnhof Zoo, um 1950.
In Westberlin wurden seit den 1950er-Jahren die meisten der Straßenbahnlinien stillgelegt. Aufnahme vom Bahnhof Zoo, um 1950.© picture-alliance / Judaica-Sammlung Richter | - | picture-alliance / Judaica-Sammlung Richter | -

In dem vollautomatisierten Werk umgeben von den Villen Zehlendorfs wurde drei Jahrzehnte lang hochgespannter Drehstrom auf 550-Volt-Gleichstrom für die Versorgung der Straßenbahn im Berliner Südwesten gewandelt. Doch bis Ende der 1950er-Jahre erfolgten Umbrüche im Berliner Nahverkehr, von denen auch das Zehlendorfer Werk betroffen war. Nach der Teilung der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich der (West-)Berliner Senat Mitte der 1950er-Jahre dafür entschieden, die verkehrspolitischen Zeichen auf den Ausbau des Autoverkehrs und der U-Bahn in der von der DDR umschlossenen Rumpfstadt zu legen.

Die Straßenbahn galt als veraltet und überflüssig – und hatte ohnehin mit unterbrochenen Streckenführungen zu kämpfen. Ab 1954 ersetzten zunehmend Buslinien die nach und nach stillgelegten Straßenbahnführungen. Da das kleine Werk an der Machnower Straße für die Elektrifizierung der abgebauten Oberleitungen nicht mehr benötigt wurde, erfolgte Anfang der 1960er-Jahre die Stilllegung.

Gleichrichterwerk Zehlendorf: Schäden durch Vandalismus und Verfall

Seines technischen Innenlebens weitgehend beraubt, dämmerte das ehemalige Gleichrichterwerk ohne Funktion lange Zeit in Westberlin vor sich hin. Jahrzehntelang wurde kein Nachnutzungskonzept gefunden und das Gebäude, das sich zuletzt im Eigentum der Vattenfall GmbH befand, drohte inmitten Zehlendorfs zu einer modernen Industrieruine zu verfallen. Die mächtigen Stahltore vor den ehemaligen Transformatorenzellen waren samt dem umgebenden Mauerwerk großflächig mit Graffiti beschmiert, die Bausubstanz des Sockels und einzelner Bauelemente angegriffen und im Inneren verwiesen nur noch Rußspuren an den Wänden und herabhängende Kabel an den verbliebenen Einbauten auf die einstige Funktion des Zweckbaus.

Gleichrichterwerk Zehlendorf: Neues Leben in alten Hallen

Der andauernde Leerstand des Gebäudes wurde nur durch eine kurze Zwischennutzung durch die Freie Universität Berlin unterbrochen – bis in den 2000er-Jahren endlich ein Konzept für das in die Jahre gekommenen Kleinod der Elektropolis Berlin gefunden werden konnte. Das Gebäude wurde Mitte der 2000er-Jahre durch den Bauunternehmer Stefan Kahlfeldt erworben, der eigene Pläne für das Gleichrichterwerk aus den 20er-Jahren schmiedete. Er ließ das Objekt nach Entwürfen von Petra und Paul Kahlfeldt in den Jahren 2006/2007 in ein Wohngebäude umbauen.

Im Zuge der denkmalgerechten Sanierung entstanden im Gebäude zwei nebeneinanderliegende Maisonette-Wohnungen. Dazu wurden die Trennwände im Inneren entfernt und nach geänderten Grundrissen neu gesetzt. Die Klinkerfassade blieb weitgehend unberührt, einzig die Gläser der Stahlfenster wurden ausgetauscht und dahinter neue Holzfenster in die gemauerte Innenschale gesetzt. Auf der Rückseite des Baus wurden neue Austritte für die Wohnküchen entworfen, die über Treppen in den Garten der Anlage führen. Als Wohnbau mit imposanten Deckenhöhen sticht das expressionistische Industriegebäude bis heute aus der Bebauung der Umgebung hervor. Fotos des Projekts finden sich etwa hier.