Um den steigenden Energiebedarf zu befriedigen, will die landeseigene Stromnetz Berlin in den kommenden fünf Jahren knapp drei Milliarden Euro investieren. Das sagte der Geschäftsführer Erick Landeck bei einem Pressetermin am Mittwoch. Mit diesen Investitionen soll gelingen, was sich der Stromnetzbetreiber als Zielmarke für die kommenden zehn Jahre gesetzt hat: Die Stromkapazität soll von momentan zwei auf dann mehr als vier Gigawatt verdoppelt werden.

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Und das wird nur gelingen, wenn die Infrastruktur, die den Strom transportiert und speichert, kräftig ausgebaut wird. „24 Umspannwerke und Netzknoten wollen wir in dieser Dekade ans Netz bringen“, umriss Stromnetz-Chef Landeck die Pläne. „Mehr als 5500 Kilometer neue Kabel sind in Planung.“ Die Frage, wo genau einzelne Baustellen zu erwarten seien, stelle sich laut Landeck aber nicht. Denn mit Blick auf die Größenordnung der Investitionsvorhaben erwartet er „flächendeckende“ Eingriffe. Man werde überall in Berlin etwas sehen, sagte der Stromnetz-Chef. Allein 2025 plant das Unternehmen, 467 Millionen Euro für den Erhalt und Ausbau des Stromnetzes zu investieren.

Stromnetz Berlin: Millionengewinn nach Rekommunalisierung

Seit 2021 ist das Land Berlin wieder Eigentümerin des Stromnetzbetreibers. Vattenfall verkaufte die Stromnetz Berlin GmbH damals für 2,14 Milliarden Euro an das Land Berlin. Nach 20 Jahren ging die Stromversorgung in Berlin damit wieder in öffentliche Hand. Dass der Stromnetzbetreiber das vergangene Jahr mit 150 Millionen Euro Gewinn nach Steuern abschloss, freute den Aufsichtsratsvorsitzenden und Staatssekretär in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe, Severin Fischer (SPD), deshalb besonders. „Wir sind im vierten Jahr der Rekommunalisierung und es gab viele Stimmen, die gesagt haben, das wird für das Land sehr schwierig“, so Fischer. „Das Gegenteil ist der Fall.“ Den im vergangenen Jahr erwirtschafteten Gewinn werde Stromnetz Berlin nun reinvestieren.

Stromnetz Berlin
Stromnetz Berlin: Seit 2021 ist der Stromnetzbetreiber wieder in öffentlicher Hand. © Christoph Soeder/dpa | Christoph Soeder

Allein mit dem erwirtschafteten Gewinn werden allerdings nicht alle Zukunftsinvestitionen finanziert werden können. Insofern bleibt die Frage, woher das Geld kommen soll. Immer wieder warnen Experten davor, dass letztlich die Verbraucher über die Netzentgelte zur Kasse gebeten werden. Und tatsächlich: 2025 steigen die Entgelte in Berlin um fünf Prozent. Das liegt laut Fischer allerdings nicht daran, dass in Berlin nun die Verbraucher die Energiewende finanzieren. Sondern daran, dass der Bund vor zwei Jahren die Zuschüsse für die Übertragungsnetzbetreiber gestrichen hat. Isoliere man den Berliner Teil bei den Netzentgelten, sei die Preisentwicklung vielmehr konstant.

Berlin: Großkunde klagt gegen neues Vergabeverfahren

Neben der Anfrage nach Wärmepumpen und Elektromobilität führt Stromnetz-Chef Landeck den gestiegenen Strombedarf in Berlin vor allem auf große Rechenzentren zurück. Aktuell seien drei Rechenzentren an das Berliner Stromnetz angeschlossen. Fünf weitere seien im Bau und noch fünf weiteren hat das Unternehmen ein Angebot für den Anschluss unterbreitet. Insgesamt beläuft sich der Strombedarf dieser 13 Rechenzentren auf 830 Megawatt. Zusätzlich hat Stromnetz Berlin Anfragen von über 1100 Megawatt vorliegen.

Selbst mit einem ausgebauten Netz könnten alle diese Bedürfnisse nicht befriedigt werden, sagte Landeck. Weil die Nachfrage weit größer als das Angebot ist, wird die Zuteilung des Stroms in Berlin nun umgestellt. Bislang galt das Windhundprinzip: Wer zuerst kommt, wird zuerst bedient. Ab Anfang April gilt: Die tatsächlich zur Verfügung stehenden Kapazitäten werden gleichmäßig unter allen Kunden verteilt.

„Auf diese Weise schaffen wir Transparenz in die Vergabe von Anschlussleistungen für alle Großkunden, von der Wärmeversorgung bis zum Rechenzentrum“, sagte Severin Fischer. Die verfügbaren Kapazitäten belaufen sich in Berlin auf insgesamt 365 Megawatt. Das Verfahren gilt nur für Großkunden. Für 99 Prozent der Kunden ändert sich nichts.

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Ein Großkunde, der 240 Megawatt vom Land Berlin haben will, klagt allerdings gegen das neue Verfahren bei der Bundesnetzagentur und drängt auf dessen Aussetzung. Severin Fischer ist sich jedoch sicher: „Wir haben die Argumente auf unserer Seite“. Der Aufsichtsratsvorsitzende zeigte sich zuversichtlich, dass die Bundesnetzagentur das genauso sieht.

Das Land Berlin hat im vergangenen Jahr entschieden, dem Stromnetzbetreiber 300 Millionen Euro Eigenkapital zuzuführen. Da dem Geld eine reale Wertsteigerung des landeseigenen Unternehmens entgegensteht, sind die Kredite, mit denen das Land Berlin den Stromnetzbetreiber finanziert, von der Schuldenbremse ausgenommen. Der Stromnetzbetreiber kann mit diesem Kapital neue Kredite aufnehmen, mit denen dann die Investitionen finanziert werden. Klar ist schon jetzt: Berlin will weitere Millionen in den Stromnetzbetreiber stecken. Wie viel genau, darüber laufen aktuell Gespräche zwischen der Wirtschafts- und der Finanzverwaltung. Eine Entscheidung soll es laut Fischer im Sommer geben.