Sein Büro: noch provisorisch, als chaotisch von der Assistentin angekündigt. Er muss es sich noch mit etwa drei anderen Personen teilen. Dabei ist der Raum nicht groß: circa drei Meter breit und vier Meter lang. Ein Schreibtisch in der Mitte, zur Linken ein Aktenschrank, die Wände recht kahl. Es ist die Übergangslösung für den Linken-Bundestagsabgeordneten Luke Hoß. Der 23-Jährige aus Passau legte beinahe einen Senkrechtstart in der Bundespolitik aufs Parkett: Eintritt 2021 ins Bündnis 90/Die Grünen, 2023 der Wechsel zur Linkspartei, auch aus Unzufriedenheit mit der Ausrichtung der Grünen in der Migrationspolitik.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Heute, als Linker, macht er der Grünen-Partei schwere Vorwürfe: In seinen Augen seien die Grünen nicht mehr die Verbündeten im Kampf gegen die Klimakrise und gegen Rechts. Sie seien nicht mehr die Klimaschutzpartei. „In der Ampel-Koalition haben die Grünen beispiellose Angriffe auf die Rechte von Geflüchteten mitgetragen und unter anderem die schärfsten Abschiebegesetze verabschiedet, die es je gab“, kritisiert der junge Politiker.

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Der Weg ins Bundestagsbüro: ein Labyrinth für Hoß

Jetzt, zwei Jahre später, sitzt er an der Spree für die Linke im Bundestag. „Es gab nicht diesen einen Anruf, der dir mitteilt, dass du jetzt im Bundestag sitzt“, blickt Hoß auf die Zeit kurz nach der Wahl 2025 zurück. Wirklich Gewissheit hatte er erst, als der Brief der Bundeswahlleitung mit der Mitteilung über das Mandat im Briefkasten in Passau lag. Seitdem geht es für ihn drunter und drüber. „Direkt nach der Wahl kamen die Mails aus der Fraktion mit den Terminen der Fraktionssitzungen“, sagt Hoß. Einen Tag nach der Bundestagswahl war er schon in Berlin unterwegs.

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Während er noch auf sein endgültiges Büro wartet, muss sich sein Team einspielen und die zahlreichen Anfragen von Presse und Medien abarbeiten. Und die langen Gänge in den Gebäuden des Bundestages sind ein wahres Labyrinth: Es geht nach rechts, links, wieder links und dann die Treppe runter, eine andere wieder rauf, rechts durch die Tür und noch eine Treppe hinauf. „Ich laufe erstmal immer wieder den gleichen Weg und nur nach und nach andere.“ Bisher habe er sich noch nicht verlaufen.

Ehrenamtliches Engagement: Zeit für andere Hobbys fehlt

Sein Hobby hat er zum Beruf gemacht. Er gehe sonst gern Wandern, erzählt er, auch mit Tennis habe er während des Studiums angefangen. „In meiner Kindheit war nie das Geld für Tennisstunden da. An der Uni konnte ich dann mit Freunden einfach loslegen.“ Mitnichten sei er jedoch ein guter Tennisspieler. Am liebsten aber engagiert er sich ehrenamtlich, ob als Kreistagsvorsitzender oder als aktives Mitglied der Bildungsgewerkschaft GEW. Für die anderen Hobbys bleibe aktuell kaum Zeit.

„Ich kam hier in Berlin an, ohne Plan, ohne Wohnung“, so Hoß. Er sei nach der Wahl erstmal bei Bekannten in einer WG untergekommen. Allerdings muss er seinen Platz bald räumen und ist deshalb gerade auf der Suche nach einer Wohnung in Berlin. Außerdem braucht er ohnehin eine Wohnung für zwei: Seine Freundin hat gerade ihr Jura-Studium abgeschlossen und will nach Berlin. Es passt also auch privat.

Luke Hoß, Die Linke
Luke Hoß im Bundestag in Berlin.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Abgeordnetenstatus sei nicht hilfreich bei der Wohnungssuche

Besonders hilfreich schätzt er seinen Abgeordnetenstatus und den damit verbundenen äußert üppigen Gehaltsscheck bei der Wohnungssuche allerdings nicht ein: „Oftmals werden Abgeordnete, berechtigterweise, als abgehoben wahrgenommen und ich kann mir vorstellen, dass einige Vermieter sagen, dass sie so jemanden nicht haben möchten.“

Sein Gehalt – ein Abgeordneter bekommt 11.227 Euro sogenannte Abgeordnetenentschädigung brutto, plus eine steuerfreie Kostenerstattung von pauschal 5000 Euro netto für Bahntickets und Zweitwohnung et cetera – möchte er freiwillig auf 2500 Euro netto monatlich begrenzen. Den Rest möchte er an die Partei und wohltätige Zwecke in Passau spenden. Dort unterstützt er eine Hilfsorganisation, die finanziell in Not geratene Menschen unkompliziert unterstützen will.

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Linke-Größen wie Gregor Gysi und Bodo Ramelow erklären ihm den Bundestag

Wie die erste Fraktionssitzung war? Aufregend, sagt er. Die Aufbruchstimmung sei überall spürbar gewesen. Viele Gesichter kannte er noch nicht, erzählt er. Auch war damals die politische Großwetterlage noch eine etwas andere, als sie jetzt ist. „Ich war ja auch noch nicht lange in der Partei“, sagt Hoß. Heute kennt er viele der Persönlichkeiten. Auch die Handynummer von Heidi Reichinnek habe er mittlerweile im Handy eingespeichert.

Berlin, Deutschland, 25.03.2025: Deutscher Bundestag: Konstituierende Sitzung des 21. Deutschen Bundestags: Bodo Ramelow
Bodo Ramelow bei seiner Ernennung zum Vize-Präsidenten des Bundestages. Links am Bildrand sitzt Luke Hoß (Zweiter von unten).© IMAGO/dts Nachrichtenagentur | IMAGO/dts Nachrichtenagentur

Als er zum ersten Mal zur konstituierenden Sitzung den Plenarsaal betrat, sei er überrascht gewesen. „Er ist viel kleiner, als er im Fernsehen aussieht.“ Während der Sitzung sei er aufgeregt gewesen, saß neben den „Silberlocken“, die ihm alles erklärt haben, sagt er. Ein Blick auf die Smartwatch verriet: Der Puls lag im Schnitt bei über 100 Schlägen pro Minute, aber „ich merke, wenn ich vor TV-Kameras stehe, ist der Puls höher“, sagt Hoß. Einen festen Sitzplatz im Bundestag hat er nicht. Bequemer findet er die vorderen Reihen, die Stühle dort kann man vor und zurückschieben, auf den hinteren Stühlen sitze man in einer starren Reihe.

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Über den politischen Weg noch unklar

Wo möchte er eigentlich seine politischen Duftmarken setzen? So ganz sicher ist er sich da nicht. Er studiert noch Jura, daher biete sich ein Schwerpunkt im Recht an. Ihm sei es „egal, wo ich das kleine Zahnrad bin, Hauptsache wir bewegen etwas.“ Er gibt sich einen sozialen Anstrich, wolle für diejenigen kämpfen, für die sich die Politik sonst nicht interessiere. Hoß‘ Mutter war alleinerziehend, Geld für einen Ski-Urlaub in Italien hatte sie nie. So schildert er es heute.

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Auch wenn er seine genaue politische Richtung noch sucht – das Rampenlicht scheut er nicht: In der konstituierenden Sitzung saß er in Reihe vier, nur zwei Plätze neben Bodo Ramelow und Gregor Gysi. Zwei bis drei Legislaturperioden, sagt Hoß, wolle er in der Bundespolitik bleiben. Danach komme wieder frischer Wind in die Fraktion.