Es gibt Menschen, die mit 45 Jahren den ersten Karriereschritt gehen und erstmals Führungsaufgaben übernehmen. Und es gibt welche, die in diesem Alter bereits ein spektakuläres Comeback feiern.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der CDU-Politiker Jens Spahn gehört zur zweiten Gruppe. Mitte Mai begeht er seinen 45. Geburtstag. Er gehört seit mehr als 20 Jahren dem Bundestag an, war schon Gesundheitsminister und Finanz-Staatssekretär unter Kanzlerin Angela Merkel. Kandidat für den Parteivorsitz war er auch.

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Jens Spahn: Diese Rolle übernimmt er im Bundestag

Dann der Karriereknick: 2021 fand sich die Union in der Opposition wieder. Der starke Mann dort heißt seitdem Friedrich Merz (CDU), für Spahn war nur noch Platz in der zweiten Reihe. Merz wird bald Kanzler – und Spahn neuer Chef der Unions-Bundestagsfraktion. Er ist dann eine Schlüsselfigur der neuen schwarz-roten Koalition und wird mächtiger sein als diverse Frauen und Männer, die demnächst am Kabinettstisch Platz nehmen dürfen.

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#3 Jens Spahn über Corona, Masken-Deals und seinen Mann
Meine schwerste Entscheidung
 

Friedrich Merz jedenfalls kündigte am Montag an, dass er gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder der Unions-Bundestagsfraktion vorschlagen werde, Spahn als seinen Nachfolger zum Fraktionsvorsitzenden zu wählen. Überraschend kommt das nicht, entsprechende Informationen wurden bereits vor einigen Tagen aus München durchgestochen.

Jens Spahn stammt wie Merz aus dem mitgliederstärksten CDU-Landesverband Nordrhein-Westfalen, genauer gesagt aus dem Münsterland. Dort ist die Landschaft flach, der Himmel ist weit, die Orte sind beschaulich und viele Menschen stramm katholisch. Als Abiturient soll Spahn daheim in Ahaus im Kreis Borken gesagt haben: „Ich will Kanzler werden.“ Man kann getrost davon ausgehen, dass er dieses Ziel bis heute verfolgt.

Jens Spahn im Porträt
CDU-Politiker Jens Spahn wird der neue Chef der Unions-Fraktion im Bundestag.© Michael Kappeler/dpa | Michael Kappeler

Die Sache ist ja die: Friedrich Merz wird in diesem Jahr 70. Er könnte Spahns Vater sein. Auf eine ewige Kanzlerschaft im Sinne von Adenauer, Kohl oder Merkel stellt sich der CDU-Chef vermutlich selbst nicht ein. Irgendwann werden bei den Christdemokraten die Karten neu gemischt. Und dann ist auch Spahn mit dabei, zumindest hat er beste Chancen darauf. Selbst wenn Merz zwei Legislaturperioden lang Kanzler bleiben sollte, wäre der Münsterländer dann erst Anfang 50.

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Spahn hat nach dem Abitur eine Banklehre gemacht und neben seiner Abgeordnetentätigkeit Politikwissenschaften studiert. Als Gesundheitsminister war er während der Corona-Pandemie einer der obersten Krisenmanager der Republik. Legendär ist aus jener Zeit der Satz „Wir werden uns viel verzeihen müssen“. Das gilt freilich auch für ihn selbst: Bis heute sieht sich Spahn dem Vorwurf ausgesetzt, als Minister zu Beginn der Pandemie zu überhöhten Preisen und in einem intransparenten Verfahren Schutzmasken bestellt zu haben. Der Schaden für den Steuerzahler könnte in die Milliarden gehen.

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Dass Spahn in der Merz-CDU überhaupt noch einmal Karriere macht, ist alles andere als selbstverständlich. 2018 traten die beiden direkt gegeneinander an, als es um die Nachfolge Angela Merkels an der Parteispitze ging. Es gewann dann aber weder Merz noch Spahn, sondern die ehemalige Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer. Die konnte sich nicht lange halten, ihr Nachfolger als CDU-Chef wurde dann mit Spahns Unterstützung der damalige nordrhein-westfälische Regierungschef Armin Laschet. Friedrich Merz verlor noch einmal. Seine Stunde als neuer Frontmann der Union schlug erst, als Laschet 2021 die Bundestagswahl vergeigte.

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Böse Zungen behaupten, der künftige Kanzler Merz habe eine Abneigung gegen alle, die in direkter Verbindung zur Kanzlerschaft Angela Merkels stehen. Jens Spahn zählt als ehemaliger Minister ohne Zweifel dazu, obwohl er selbst oft ein distanziertes Verhältnis zu Merkels Liberalität an den Tag legte.

In der Opposition überwinterte Spahn als einer der stellvertretenden Unions-Fraktionsvorsitzenden, zuständig für Wirtschaft, Klima und Energie. Seinen Posten im Parteipräsidium der CDU konnte er allerdings verteidigen. Wenn Merz nun gemeinsam mit CSU-Chef Markus Söder einen einstigen Widersacher zum Fraktionsvorsitzenden macht, geht es auch darum, einen sehr ehrgeizigen und durchsetzungsstarken Politiker in die Koalitionsdisziplin einzubinden. Und dies, ohne ihm gleich einen Schlüsselposten im Bundeskabinett anzuvertrauen.

Friedrich Merz und Jens Spahn
CDU-Chef Friedrich Merz (links) und Jens Spahn Ende März bei der konstituierenden Sitzung des neuen Bundestags. Der künftige Kanzler bindet jetzt einen einstigen Rivalen in die Koalitionsdisziplin ein. © picture alliance / dts-Agentur | -

Spahn gehört zum konservativen Flügel der CDU. Er vertritt eine harte Linie in der Migrationspolitik und polemisierte in der Vergangenheit auch schon einmal gegen Leute, die in Berlin-Mitte Englisch sprechen. Jens Spahn selbst spricht übrigens vorzüglich Englisch. Kürzlich erst zog er heftige Kritik auf sich, als er sich dafür aussprach, die rechte AfD im Bundestag zu behandeln wie jede andere Oppositionspartei auch. Das wurde dann selbst Markus Söder zu bunt.

Spahns Privatleben entspricht nicht dem klassischen konservativen Familienbild: Er ist mit dem Medien-Manager Daniel Funke verheiratet, der für den Burda-Konzern arbeitet. Jens Spahn hat gute Drähte ins Umfeld des rechtspopulistischen US-Präsidenten Donald Trump. Mit dessen ehemaligen Berliner Botschafter Richard Grenell ist das Paar Spahn/Funke befreundet. Es ist in der Hauptstadt deshalb zeitweise auch spekuliert worden, dass Spahn seinerseits als deutscher Botschafter nach Washington wechseln könnte, um bei Trump und dessen Leuten gut Wetter zu machen. Nun ist klar: Spahns Bühne wird der Bundestag sein – zumindest auf absehbare Zeit.