- Nach langem Ringen haben sich CDU, CSU und SPD auf einen Koalitionsvertrag geeinigt
- Auch, welche Partei welche Ministerien besetzt, ist inzwischen klar
- Offen ist dagegen, wer tatsächlich Minister wird – das sind die heißesten Kandidaten
Union und SPD sind auf der Zielgeraden: Der Koalitionsvertrag steht, die Parteien haben sich auf die Verteilung der Ministerien geeinigt. Wer wird was bei Kanzler Friedrich Merz? Noch gibt es keine finale Kabinettsliste, doch viele Gesichter der neuen Regierung sind schon bekannt. Die CDU stellt nicht nur Bundeskanzler Friedrich Merz – sondern auch den Kanzleramtsminister. Daneben bekommt die CDU sechs Ministerposten, die CSU bekommt drei, die SPD sieben.
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Merz zeigte sich bei der Vorstellung des Koalitionsvertrags am Mittwoch zuversichtlich: Mit Saskia Esken, Lars Klingbeil und Markus Söder sei „in den letzten Wochen ein gutes persönliches Vertrauensverhältnis entstanden“. Man wisse, „was auf dem Spiel“ steht. Klingbeil fasst es auf seine Weise zusammen: Es sei immer viel über rote Linien gesprochen worden, „jetzt gibt es einen roten Faden“ für das Land. Da lächelt Merz. Auch Markus Söder wirkt erleichtert – man merkt es, weil er Witze macht: „Das kann ein Bestseller werden“, preist er den Vertrag. „Um jedes Komma ist gerungen worden.“ Sogar Esken lacht über die Witze des Bayern. „Ich freue mich drauf, was kommt“, schließt die SPD-Chefin ihre Erklärung.

Alte Bekannte und neue Gesichter: Wer wird Minister?
Zwei zentrale Themen hatte die Union im Wahlkampf, in beiden Fällen versprach Merz eine politische Kehrtwende: bei der Wirtschafts- und Sozialpolitik und bei Asyl und Migration. Wichtig für die Union war es deshalb, das Innenministerium und das Wirtschaftsministerium zu besetzen. Innenminister könnte Alexander Dobrindt werden, der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Als Wirtschaftsminister wird seit langem der Merz-Vertraute Carsten Linnemann gehandelt – der CDU-Politiker war als Generalsekretär der strategische Kopf im Wahlkampf und könnte als Wirtschaftsliberaler dafür sorgen, dass die mittelständische Stammklientel der Union bei der Stange bleibt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Rolle des Außenministers ist heikel: Friedrich Merz hat bereits klargemacht, dass Außenpolitik Chefsache ist. Wer unter ihm als Kanzler das Fachressort führt, spielt zwangsläufig die zweite Geige. Sicher ist, dass es keine Frau wird. Für das Amt käme der schleswig-holsteinische Außen- und Sicherheitsexperte Johann Wadephul infrage, sehr gerne würde auch der ehemalige NRW-Ministerpräsident Armin Laschet Minister werden.
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Mit Bildung und Familie werden zwei bisherige Ministerien zusammengelegt. Mit großer Wahrscheinlichkeit dürfte das neue Superministerium an Karin Prien gehen: Die Merz-Stellvertreterin aus Schleswig-Holstein ist nicht nur eine erfahrene Landesbildungsministerin, sondern repräsentiert auch den liberalen Flügel der Union. Der Chef des Bundeskanzleramts muss zwei Dinge mitbringen: maximales Vertrauen des Kanzlers, maximales Organisationstalent. Beides trifft auf Thorsten Frei zu, den parlamentarischen Geschäftsführer der Unionsfraktion.
Sind das die SPD-Minister in Merz‘ Kabinett?
Die SPD besetzt das Finanzministerium und damit das wichtigste Ressort neben dem Kanzleramt. Wer das Haus führt, hat den Überblick über das Geld und ist an allen wichtigen Entscheidungen beteiligt. „Wer Verantwortung für die SPD übernimmt, das entscheiden wir nach einem Mitgliedervotum“, kündigte Klingbeil an. Der SPD-Vorsitzende dürfte Finanzminister werden und zusätzlich das Amt des Vizekanzlers übernehmen. Klingbeil wäre damit nach Merz das zweitmächtigste Regierungsmitglied.
Der beliebte Verteidigungsminister Boris Pistorius macht seinen Job aller Voraussicht nach weiter. Der Sozialdemokrat wird in den kommenden Jahren sehr viel Geld zur Verfügung haben, Union und SPD wollen hohe Milliardensummen ausgeben, um die Bundeswehr für den Fall eines russischen Angriffs zu wappnen. Da die Union das Innenministerium übernimmt, geht das Justizministerium an die SPD. Als Favoritin für das Ressort gilt die 37 Jahre alte frühere Richterin Sonja Eichwede aus Brandenburg. Das Ministerium soll auch für den Verbraucherschutz zuständig sein.

Die SPD hat gut verhandelt und wird in der künftigen Regierung vier weitere Ministerien führen: Wie bisher wird das Ministerium für Arbeit und Soziales in der Hand der SPD sein. Auch das Entwicklungsministerium und das Bauministerium führen die Sozialdemokraten weiterhin. Hinzu kommt das Umweltressort, ergänzt um den Bereich Klimaschutz. Die Besetzung der Ministerien ist noch unklar. Ex-Bundestagspräsidentin Bärbel Bas wird als Kandidatin zum Beispiel für das Arbeitsministerium gehandelt. Offen ist, was aus SPD-Chefin Esken wird.
Neuland für die Union: Die CSU ist nicht für den Verkehr zuständig
Die CSU bekommt neben dem Innenministerium auch das Landwirtschafts- und das Forschungsministerium – ein Job, der ideal wäre für Dorothee Bär, die als Staatsministerin für Digitales bereits Regierungserfahrung hat. Bitter für Noch-Gesundheitsminister Karl Lauterbach: Sein Ministerium geht an die CDU, Minister könnte Tino Sorge werden, Gesundheitsexperte aus Sachsen-Anhalt, und einer der wenigen Ostdeutschen in der ersten Reihe der Union.
Koalitionsvertrag: Darauf haben sich CDU/CSU und SPD geeinigt
- Wohnen: Koalition verspricht „Wohnungsbau-Turbo“ und „WG-Garantie“
- Bundeswehr: Schwarz-Rot setzt beim Wehrdienst „zunächst“ auf Freiwilligkeit
- Migration: Kurswechsel beim Asyl, aber ohne generelle Zurückweisungen
- Familien: Elterngeld steigt, härtere Strafen für Unterhaltschuldner
- Steuern: Koalition plant Entlastungen – wer bald mehr Geld hat
- Heizen: Das sagt der Koalitionsvertrag zum Heizungsgesetz
- Verkehr: Was Union und SPD mit dem Deutschlandticket planen
- Energie: Steuer soll sinken – Union und SPD wollen billigeren Strom
- USA: Schwarz-Rot reicht Donald Trump die Hand
- Rente: 10 Euro im Monat – Kinder sollen eigenes Depot vom Staat bekommen
- Bürgergeld: Wer mehrfach Jobs ablehnt, wird bestraft
- Legalisierung: Bleibt Cannabis unter Schwarz-Rot legal?
- Bildung: Bald mehr Geld für Studenten? Was die Koalition plant
- Ukraine: Koalition mit großen Zusagen – und einer Kehrtwende
Die CSU übernimmt zudem das Landwirtschaftsministerium, die CDU das Verkehrsressort und ein neues Ministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung. Bei den Besetzungen der Ministerien dürfte es noch die ein oder andere Überraschung geben. Die SPD hatte einen Generationswechsel versprochen. Als Joker auf Unionsseite gilt etwa Jens Spahn, der gerne Wirtschaftsminister geworden wäre. Der frühere Gesundheitsminister könnte aber Chef der Unionsabgeordneten im Bundestag werden.





![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)


