In Berlin lassen sich eine Vielzahl von Schrottimmobilien und Geisterhäusern finden, verfallene Eckhäuser inmitten der belebten Stadt, Neubauruinen und abbruchreife Wohnkasernen. Eine der Problemimmobilien in einem Kiez, in dem man den Leerstand eher weniger vermuten würde: die formschöne Villa an der Straße zum Löwen in Wannsee. Die im Stil eines Schweizerhauses errichtete Sommervilla hat eine reiche Geschichte und ist trotz mehrerer Umbauten im Laufe ihrer 150-jährigen Geschichte ein architektonisches Juwel der alten Kolonie Alsen – jener Villenkolonie, die mit Traumhäusern, Schlössern, prächtigen Gärten und Segelklubs Berlins Großbürgertum seit der Gründerzeit in Sommerresidenzen vor die Tore der Stadt lockte. Von der einstigen Pracht der Kolonie am Wannsee – dem großbürgerlichen Gegenstück zum nahegelegenen Landschaftspark Klein-Glienicke des Prinzen Carl von Preußen (1801–1883) – ist nicht mehr viel übrig geblieben. Auch die Geistervilla an der Straße zum Löwen ist akut gefährdet. Alle Infos zu dem Lost Place.

Das sind die Fakten zum Geisterhaus Straße zum Löwen im Überblick:

  • Adresse: Straße zum Löwen 1, 14109 Berlin-Wannsee
  • Geschichte: Die Villa wurde 1871 als „Conrad-Villa Nr. 3“ und eines der ältesten Gebäude der Sommervillenkolonie Alsen am Ostufer der Wannsee-Insel durch den Maurermeister Raatz errichtet; mehrere Umbauten nach dem Zweiten Weltkrieg; seit mehreren Jahren Leerstand und Verfall
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place

Wo liegt das Geisterhaus genau?

Das Geisterhaus liegt an der Adresse Straße zum Löwen 1 im Ortsteil Wannsee des Bezirks Steglitz-Zehlendorf. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: C5C6+8HC Berlin. Das Grundstück kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten mit den Buslinien 118, 218, 316, 318 und N16 (Haltestelle Wernerstraße) erreicht werden. Von der Bushaltestation ist ein rund dreiminütiger Fußweg entlang der Königs- und Conradstraße bis zu dem Grundstück des Geisterhauses. Achtung: Es handelt sich um Privatbesitz. Unbefugten ist das Betreten nicht erlaubt.

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Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Geisterhauses Straße zum Löwen:

Ausgangslage: eine Villenkolonie für Berlins High Society

Stadtansicht Berlin - Villa Liebermann
Conrad schwebte am Wannsee eine Villenkolonie für Berlins High Society vor - und er hatte mit seiner Spekulation Erfolg: Ansicht der Villa Liebermann in der Kolonie Alsen am Wannsee in Berlin, Foto 2008© picture-alliance/ ZB | Soeren Stache

Anglerbuchten, dürre Kiefern an Sommertagen und klassische Villen an Ufergrundstücken: Der Anfang dieser Geschichte könnte der 20. November 1811 gewesen sein, als ein Paar in einem Gasthaus am Wannsee – damals noch weit außerhalb der Stadt Berlin – seine letzte Nacht verbrachte. Am nächsten Tag wird er, Heinrich von Kleist, seine Freundin Henriette Vogel erschießen und dann sich selbst. Die Bluttat katapultiert die Seenlandschaft im Südwesten schlagartig auf den Schirm vieler Großstädter – aus dem Geheimtipp wird ein Sehnsuchtsort vieler Ausflügler, die die hügeligen Wannseeufer für sich entdeckten.

Vielleicht war es also auch ein Nachklang dieser Tat, dass Jahrzehnte später der Bankier Wilhelm Conrad (1822–1899), begeisterter Naturfreund und Wassersportler, ebenjenen Ort für sein riskantes Herzensprojekt auswählte. Die Preußen hatten damals schon begonnen, die Havelseen bis Glienicke und zur Pfaueninsel mit Gärten, Parks und Schlössern zu einem Arkadien inszenierter Natur umzugestalten. Conrad, leitender Direktor der Berliner Handelsgesellschaft und Mitglied der exklusiven Herrengesellschaft „Club von Berlin“ schwebte ein großbürgerliches Gegenstück dieses Idylls vor: eine Villenkolonie als Sommerfrische für die gutbetuchte High Society Berlins.

Geisterhaus Straße zum Löwen: Wannsee-Insel wurde zur Nobeladresse Berlins

Deutschland - Großer Wannsee
Blick vom Schwanenwerder auf den Großen Wannsee in Berlin.© picture alliance / Bibliographisches Institut/Prof. Dr. H. Wilhelmy | H. Wilhelmy

1863 begann Conrad am Großen Wannsee Landbesitz anzukaufen, große Wald- und Heidegebiete beidseits der Königsstraße – darunter auch den Gasthof „Stimmings Krug“, an dem Kleist seine letzte Nacht verbrachte und den er für eine eigene Sommerresidenz abreißen ließ. Für sein Projekt am Wannsee konnte er Gustav Meyer (1816–1877) gewinnen, Berlins Städtischen Gartenbaudirektor und Schüler Lennés, der die Gestaltung der Villenkolonie mit ihren prächtigen Parkanlagen und Naturlandschaften vornahm.

Für seine Wannsee-Spekulation scheute Conrad keine Kosten – er initiierte sogar eine eigene Eisenbahnstrecke für die Anbindung seiner Kolonie: die 1874 gebaute Wannseebahn; damals von den Berlinern spöttisch „Wahnsinnsbahn“ getauft; heute Teil der S-Bahnlinie S1 – und er hatte Erfolg. Die Villenkolonie „Alsen“, in nationalistisch-patriotischer Manier benannt nach dem Schlachterfolg der Preußen auf der Insel Alsen im Dänischen Krieg 1864, wurde mit ihren in Parklandschaften eingebetteten, repräsentativen Villen und Traumhäusern zu einer der nobelsten Berliner Adressen im Kaiserreich und der Weimarer Republik. Großindustrielle, Verleger, Bankiers, Künstler und Wissenschaftler ließen sich am Wannsee nieder.

Geisterhaus Straße zum Löwen: 1871 wurde die „Conrad-Villa Nr. 3“ gebaut

Potsdam, Deutschland, eines der zehn Schweizer Haeuser von Ferdinand von Arnim
Vorbild für die „Conrad-Villa Nr. 3“ in der Straße des Löwen waren die Schweizerhäuser, die in Klein-Glienicke für Prinz Carl von Preußen zwischen 1863 und 1867 erbaut worden sind und die heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes sind. Foto: Klein-Glienicke, 2009 © picture alliance / Caro | KLEMMER

Für den exklusiven Käuferkreis, der die heißen Sommermonate in ihren Residenzen am Wannsee verbringen sollte, ließ Conrad am Ostufer der Wannsee-Insel vierzehn Mustervillen errichten: die „Conrad-Villen“, die er der handverlesenen Käuferschicht erst zum Probewohnen und dann zum Erwerb anbot. Eine der ältesten noch erhaltenen ist die „Conrad-Villa Nr. 3“, die 1871 auf einem 7000 Quadratmeter großen Grundstück an der Straße zum Löwen errichtet wurde. Vorbild für das durch den Maurermeister Raatz errichtete Bauwerk im alpenländlichen Stil waren die Schweizerhäuser in Klein-Glienicke, die heute Teil des UNESCO-Welterbes sind.

Die prachtvolle, zweigeschossige Villa in Sichtweite der Löwenfigur am erhöht liegenden Bergpark, den die Villenbewohner damals auch „Schweiz“ nannten, wurde 1891 vom Berliner Bankier und Geheimen Seehandlungsrat Alexander Julius Schoeller (1852–1911) erworben. Schräg gegenüber der Villa kaufte Schoeller Ende der 1890er-Jahre gleich noch ein zweites Anwesen, eine noch größere Villa an der Adresse Straße zum Löwen 22–25, die heute nicht mehr existiert. In seine Wannsee-Immobilien konnte der Geschäftsinhaber der Disconto-Gesellschaft, Millionär und Sammler – der beruflich die rheinische Schwerindustrie und deutsche Kolonialprojekte finanzierte und privat Silberarbeiten der Renaissance sammelte – mit seiner Familie, seiner Ehefrau Maria, geborene Dirksen, zwei Söhnen und vier Töchtern in den heißen Sommermonaten ausweichen.

Geisterhaus Straße zum Löwen: Sommerresidenz mit illustrer Nachbarschaft

Berlin,Ansicht Kaiser-Pavillon,Seeseite
Kaiser-Pavillon: Conrad entdeckte den Pavillon beim Besuch der Weltausstellung in Wien 1872/73 und ließ ihn kurzerhand an den Wannsee versetzen. Es stand dort, wo sich heute der Biergarten und das Ausflugslokal „Loretta am Wannsee“ befinden. Von den Terrassen des Kaiser-Pavillons konnten die Gäste den herrlichen Ausblick über den Großen und den Kleinen Wannsee genießen. 1910 wurde der Kaiser-Pavillon durch einen größeren Neubau ersetzt. Durch Kriegsschäden 1945 zur Ruine geworden, wurde das Gebäude nach dem Krieg abgerissen. Fotopostkarte, um 1912.© picture-alliance / akg-images | akg-images

In der Nachbarschaft wohnten unter anderem die Schauspielerin Hedwig Pringsheim, der Verleger Ferdinand Springer, der Industrielle Arnold Siemens. In der „Colonie Alsen“ hatten seit der Gründung zahlreiche Persönlichkeiten Berlins Land erworben und teilweise prachtvolle Villen errichtet. Zu ihnen gehörten unter anderem Max Liebermann, Eduard von der Heydt, Oscar Begas, Hermine Feist, Johann Hamspohn, Johannes Otzen, Oscar Huldschinsky, die Verlegerfamilie Langenscheidt, Franz Oppenheim, Ferdinand Sauerbruch, Fritz Springer, Hugo Vogel und Anton von Werner. Seit 1900 wurden die Villen der Sommerkolonie Alsen mit Zentralheizung und Doppelfenstern ausgestattet, und damit für viele der Eigentümer zum Dauerwohnsitz. Ab Anfang der 1920er-Jahren ist als Eigentümerin der Conrad-Villa Nr. 3 samt Gartenhaus an der Straße zum Löwen Alexander Schoellers Tochter, Fräulein Edith Schoeller, gemeldet.

Das Grundstück verkleinerte sich in den 1930er-Jahren, wurde parzelliert; zur Conradstraße und zur Emil-Fischer-Straße erhielten die Schoellers Nachbarn, neue Gebäude wurden gebaut, die in Berliner Stadtkarten von 1938 als Reichsbahnsiedlung ausgewiesen sind, also vermutlich für Angehörige der Deutschen Reichsbahn gedacht waren. Die Parzelle des Schoeller-Grundstücks war jetzt noch rund 2000 Quadratmeter groß, was etwa der heutigen Fläche entspricht.

Dunkelstes Kapitel der Kolonie – Flucht und Vertreibung in der NS-Zeit

Berlin - Haus der Wannsee-Konferenz
Von Adolf Eichmann erstelltes Protokoll der Wannsee-Konferenz, das 1947 in Akten des Auswärtigen Amtes gefunden wurde. Im Gäste-und Tagungshaus der SS auf der Wannsee-Insel besprachen am 20. Januar 1942 fünfzehn hochrangige Vertreter der SS, der NSDAP und verschiedener Ministerien die Kooperation bei der geplanten Deportation und Ermordung der europäischen Juden.© picture-alliance/ dpa | Steffen Kugler

Das Antlitz der alten Villenkolonie änderte sich in den 1930er-Jahren dramatisch. Eigentümer, die nach Vorstellungen der neuen Machthaber nicht in das rassenideologische Konzept der „Volksgemeinschaft“ passten, jüdische Wurzeln hatten oder aus anderen – politischen, religiösen oder gesellschaftspolitischen – Gründen in die Verfolgungsmaschinerie der Nazis gerieten, wurden aus ihren Häusern verdrängt. Ähnlich wie auf der nahegelegenen Insel Schwanenwerder kam zu einer Welle von verfolgungsbedingten Verkäufen von Grundstücken, oft weit unter Wert und unter erheblichen Zwangsmaßnahmen. Zahlreiche Bewohner der Kolonie Alsen flohen, nahmen sich das Leben, wurden ermordet.

Nutznießer war die NS-Elite und regimetreue Profiteure, die die neuen Bewohner der Villen auf der Wannsee-Insel wurden. In Kriegsvorbereitung entstand zudem die Reichsluftschutzschule am Wannsee, in der Luftschutzwarte für das ganze Deutsche Reich ausgebildet werden sollte und in den Kriegsjahren der riesige Hochbunker Heckeshorn, der nach Willen seiner Generäle Hitler als letzte Zuflucht hätte dienen sollen. Edith Schoeller hatte die Villa-Conrad Nr. 3 in den 1930er-Jahren vermietet, das mondäne Schmuckstück wurde von einem Vizeadmiral a D. bewohnt, Diplomingenieuren, einer Journalistin; daneben bewohnte ein Gärtner das ebenfalls im Schweizerhaus-Stil gestaltete Gärtnerhaus im rückwärtigen Grundstücksteil.

Geisterhaus Straße zum Löwen: Neue Bewohner mit Parteibuch ziehen ein

1937 ging das Grundstück in den Besitz des Majors a. D. Kurt Schalhorn-Vogt über. Die Pflege des Gartens übernahm der Landschaftsgärtner Bruno Behns. In einer Wohnung der Villa lebte seit 1939 außerdem der Abteilungsvorsteher und 1943 in die Reichsamtsleitung berufene Friedrich Rehm, der mit der Stellung einen hohen Funktionärsposten im NS-Staat bekleidete. Die Reichsämter dienten seit den 1930er-Jahren der Zentralisierung, Kriegsvorbereitung und Durchsetzung der NS-Ideologie.

Im April 1945 setzten sich versprengte Wehrmachtstruppen auf die Wannsee-Insel ab, um die isolierte Lage zu nutzen, die Brücken zu sprengen und den aussichtslosen Kampf gegen die Rote Armee, die bereits nach Zehlendorf vorgedrungen war und wenig später die Stadtmitte eroberte, bis zum letzten Ende unter sinnlosen Verlusten fortzuführen. Wannsee kapitulierte mit Berlin am 2. Mai 1945. Wenige Tage später war mit der Unterschrift von Keitel & Co der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Die Schäden am Baubestand der Villen in der Kolonie Alsen hielten sich in Grenzen.

Geisterhaus Straße zum Löwen: Nach dem Krieg wurde die Villa zum Pfarrhaus

Frau und Autos in der Königstraße in Berlin-Wannsee, 1958
Nach 1945 wurde Wannsee Teil des US-amerikanischen Sektors der geteilten Stadt: Ansicht der Königstraße auf der Wannsee-Insel Ende der 1950er-Jahre, Foto: Berlin-Wannsee, 1958© picture alliance / SZ Photo | Jürgen Wagner

Im ehemaligen SS-Gästehaus am Großen Wannsee, das man heute als Haus der Wannsee-Konferenz kennt, in dem 1942 die Deportation und Ermordung der europäischen Juden organisiert und geplant wurde, wurden nach Kriegsende sowjetische Mannschaften untergebracht. Im Juli 1945 wurde die Wannsee-Villa an US-amerikanische Soldaten übergeben, die in ihren Besatzungssektor Berlins einrückten: Wannsee – und damit auch die Kolonie Alsen – wurde als Ortsteil von Zehlendorf zusammen mit den Bezirken Neukölln, Kreuzberg, Tempelhof, Schöneberg und Steglitz Teil des US-amerikanischen Sektors der geteilten Stadt.

In der Kolonie Alsen dienten viele der verwaisten oder geplünderten Villen nach Kriegsende als Krankenhäuser und Freizeiteinrichtungen der Alliierten oder wurden zu Schullandheimen umfunktioniert. Einige der ältesten Villen wurden auch durch Leerstand und leichtfertige Nutzung in der Nachkriegszeit marode und verkamen, andere wurden während des städtebaulichen Kahlschlags der 1960er- und 1970er-Jahre abgerissen. Die Kolonie Alsen verlor immer mehr ihres historischen Villenbestandes. Die Villa Conrad Nr. 3 an der Straße zum Löwen wurde nicht abgerissen. Sie ging nach dem Krieg als Pfarrhaus in den Besitz der Evangelischen Kirchengemeinde Wannsee über. Mehrere Umbauten wurden an dem Schweizerhaus vorgenommen, in dem in den 1960er-Jahren der Rechnungsführer der Kirchengemeinde und der Pfarrer und seit den 1970er-Jahren auch der Kirchenwart der Gemeinde, Jörg Remer, mit seiner Familie im 1. Stock lebte.

Geisterhaus Straße zum Löwen: Seit Jahren verfällt die leerstehende Immobilie

Ende der 2000er-Jahre sollte ein Erbbaupachtvertrag für die aus der Erstbebauung der Kolonie Alsen stammenden Villa geschlossen werden, noch 2015 wurden Wohnungen im Haus saniert, doch dann folgte der Leerstand. Das verwaiste Schweizerhaus und sein Nebengebäude auf dem Grundstück an der Straße zum Löwen begannen zu verfallen, die Inneneinrichtung der Immobilie wurde verwüstet, im Garten wucherten Gräser und Büsche und rankten das Mauerwerk der Villa empor. Die historische Immobilie war von einem Immobilienunternehmer gekauft worden, der damit begann Parkett und Türen des Hauses zu entfernen, um Platz für ein geplantes Neubauvorhaben zu schaffen.

Nach Plänen der JF Consulting Real Estate Holding GmbH sollte unter dem Namen „Löwenpalais No. 1“ ein Neubau mit acht Loft-Appartments entstehen – dafür hätte der leerstehende Altbestand auf dem Grundstück abgerissen werden müssen. Gegen die Abrisspläne formierte sich Widerstand. Nach Bürgerprotesten beschloss die Bezirksverordnetenversammlung Steglitz-Zehlendorf im August 2021 das Landesdenkmalamt „dringend zu bitten“, der Villa Denkmalschutz zu geben. Zweimal prüfte das Amt, zweimal entschied es dagegen. Die baulichen Veränderungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg an dem Gebäude vorgenommen worden waren, seien zu groß.

Geisterhaus Straße zum Löwen: Neuer Abrissantrag trotz Bürgerprotesten

Knackpunkt unter anderem: nach 1945 eingebaute, größere Fenster und vor allem, das angebaute Treppenhaus an der Nordseite, welches an gleicher Stelle einen markanten Aussichtsturm ersetzte, von dem aus einst ein atemberaubender Blick auf den Wannsee und die Kolonie Alsen möglich war. Der Abrissantrag wurde genehmigt. Das Baurecht lasse ihr keine andere Handhabe, argumentierte die damalige Bezirksbürgermeisterin Cerstin Richter-Kotowski (CDU). Doch noch einmal entging die mehr als 150 Jahre alte Villa, die der Verein für Kultur und Geschichte in Wannsee trotz ihrer Umbauten als Juwel der Kolonie Alsen bezeichnete, den Abrissbaggern; wenigstens zeitweise. Luxusappartements sollen nicht mehr die Lost-Place-Villa im noblen Kiez am Wannsee ersetzen.

Stattdessen verkaufte der Eigentümer die mehrere Millionen teure Immobilie. Die Pläne änderten sich, doch die Abrissabsichten nicht. Der neue Besitzer plant den Bau von sieben Reihenhäusern auf dem Grundstück. Dafür musste der Investor einen neuen Bauantrag und einen neuen Abrissantrag stellen, der aktuell dem Bezirk vorliegt. Von den einst vierzehn Villen, die Conrad als Ausgangspunkt der Sommerkolonie Alsen am Wannsee hat errichten lassen stehen noch sechs – bald könnte es eine weniger sein.