200. Todestag

Pilgern zu Kleists Grab

Auf dem Grabstein von Heinrich von Kleist und Henriette Vogel am Kleinen Wannsee liegen Rosen, ein Kranz wurde vor dem Stein abgelegt. Am heutigen Montag jährt sich zum 200. Mal der Tag, an dem sich der Dramatiker und die krebskranke Henriette auf einer Anhöhe vor dem damaligen Ausflugslokal "Stimmings Krug" mit einer Pistole das Leben nahmen.

Im Jubiläumsjahr ihres tragischen Freitodes wurde das Grab an der Todesstelle denkmalgerecht umgestaltet. Auch die Wege und der Hügel sind von Büschen und Unterholz befreit. Finanziert wurde die Sanierung durch eine Spende der Cornelsen Kulturstiftung in Höhe von 500 000 Euro und 350 000 Euro Landesmitteln. Zum Abschluss des Kleist-Jahres werden Vertreter des Senats, Kulturförderer und Denkmalpfleger um 11 Uhr nach einer Begehung des neu gestalteten Grabs einen Kranz niedergelegen. Im Anschluss daran ist um 12.30 Uhr eine Feierstunde im Literarischen Colloquium, Am Sandwerder, geplant.

Kulturstaatssekretär André Schmitz betonte, dass mit der Kranzniederlegung am Kleinen Wannsee das Kleist-Jahr einen würdigen Abschluss findet. Der Ort sei wieder ein kultureller Anziehungspunkt für Berliner und ihre Gäste. Auch Senatsbaudirektorin Regula Lüscher betonte ihre Freude über den unermüdlichen Einsatz, "um das Kleist-Grab in seiner ursprünglichen Form wieder herzurichten und es den Berlinern auf einem wunderschönen Uferweg zugänglich zu machen". Tatsächlich ist die Grabstelle, die vorher im Dickicht verschwand, jetzt bereits von der Bismarckstraße aus zu sehen. Der Blick von der Anhöhe reicht wieder bis über den See. Eine von Karin Rosenberg gestaltete rote Informationsstele informiert den Besucher des Grabes bereits an der Königstraße Ecke Bismarckstraße über das Leben des Schriftstellers Heinrich von Kleist (1777-1811).

Wasserbetriebe setzen neuen Zaun

Um das ganze Ensemble noch bis zum Jubiläumstag abzurunden, waren in dieser Woche die Berliner Wasserbetriebe vor Ort. Auszubildende haben einen etwa 200 Jahre alten Zaun, der verrostet und nicht mehr zu retten war, nachgebaut und entlang der Bismarckstraße neu montiert.

Die Initiative, den Weg zum Kleistgrab zu verschönern, ging von der Senatskulturverwaltung aus. Die hatte sich an die Wasserbetriebe gewandt, weil diese in der Nachbarschaft des Grabes ein Grundstück mit einem ehemaligen Pumpwerk besitzen. "Wenn die Leute zum Kleistgrab pilgern, sollen sie einen ansprechenden Weg vorfinden", sagt Ausbilder Dirk Sembach, der mit zehn Lehrlingen im dritten Ausbildungsjahr zum Anlagenmechaniker den Zaun in der vergangenen Woche aufgebaut hat. In einem kleinen Bereich konnten die Zaunelemente saniert werden. Der größte Teil jedoch, insgesamt 23 Elemente, musste originalgetreu nachgebaut werden. Seit Juni seien die Lehrlinge in der Werkstatt damit beschäftigt gewesen, die Stahlteile mit ihren charakteristischen Ornamenten zu schweißen und zu biegen, erzählt der Ausbilder. Erst danach konnten sie in die neu gegossenen Betonblöcke eingesetzt werden. Der gesamte Weg zum Kleistgrab bekomme damit endlich wieder ein einheitliches Aussehen, sagt Dirk Sembach.

Vor den Wasserbetrieben waren bereits 50 Jugendliche, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr bei der Stiftung Naturschutz Berlin absolvieren, rund um das Kleistgrab im Einsatz. Sie haben die Grabstätte in eine naturnahe Grünanlage eingebettet. Dafür haben sie nicht nur zusätzliche Lebensräume, sondern auch Rückzugsmöglichkeiten mit zerkleinertem Gehölz für Pflanzen und Tiere geschaffen. Am Kleinen Wannsee ist der Schilfgürtel im Uferbereich wiederhergestellt. Fremde Pflanzen, die einheimische verdrängt haben, wurden entfernt. Mit den Arbeiten der Naturschutzorganisation und der Wasserbetriebe ist die Umgestaltung des Kleistgrabes zum Jubiläum endgültig abgeschlossen.