Wo zu DDR-Zeiten gegessen, getrunken und bis vier Uhr in der Nacht getanzt wurde, fanden sich nach der Wende oft nur noch verlassene Säle, menschenleere Großküchen und verwaiste Kegelbahnen – die Ostberliner Klubgaststätten gehörten zum DDR-Wohnungsbauprogramm der 1970er-Jahre. In der DDR-Hauptstadt entstanden im Umfeld von neu errichteten Plattenbausiedlungen große Wohngebietsgaststätten, die mit Brunnenanlagen, Kaufhallen und Dienstleistungswürfeln zum gesellschaftlichen Zentrum in der Neubautristesse wurden. Die erste von ihnen war die Klubgaststätte „Drushba“, die 1975 an der Dolgenseestraße ihre Pforten für die Bewohner des Hans-Loch-Viertels, des heutigen Sewanviertels, öffnete. In den 1980er-Jahren war der Gastronomiekomplex ein beliebter Anlaufpunkt im Kiez – dann kam die Wende und mit ihr Investitionsversprechen, Umbauten, Leerstand und Verfall. Alle Infos zu dem ehemaligen Lost Place.

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Das sind die Fakten zur Klubgaststätte „Drushba“ im Überblick:

  • Adresse: Dolgenseestraße 8, 10319 Berlin-Friedrichsfelde
  • Geschichte: 1975 als erste HO-Klubgaststätte in Ostberlin eröffnet; nach der Wiedervereinigung wurde die Begegnungsstätte in den 1990er-Jahren geschlossen; als Teil des Dolgensee-Centers bis in die 2010er-Jahre nachgenutzt; danach Leerstand und Abriss
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Ehemaliger Lost Place

Wo lag die Klubgaststätte „Drushba“ genau?

Die Klubgaststätte „Drushba“ lag an der Dolgenseestraße 8 im Ortsteil Friedrichsfelde des Bezirks Lichtenberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: FGV4+PW6 Berlin. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort am besten mit der Buslinie 396 (Haltestelle Mellenseestraße) zu erreichen. Von der Bushaltestelle aus ist das Areal bereits zu sehen. Achtung: Von der ehemaligen Klubgaststätte haben sich vor Ort keine Spuren erhalten.

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Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der Klubgaststätte „Drushba“:

Ausgangslage: Würzfleisch für die Plattenbausiedlungen der Republik

22.03.1979, Berlin-Ost, Neubaugebiet Greifswalder Straße...
Klubgaststätten wie die HO-Gaststätte „Zur Mühle“ im 70er-Jahre-Neubaugebiet an der Greifswalder Straße gehörten zur komplexen Wohnungsbauinitiative in der DDR und zu einem alltäglichen Anblick in den neu entstandenen Plattenbausiedlungen Ostberlins. Foto, 1979© picture alliance / imageBROKER | Carsten Milbret

„Sie werden platziert!“ An diesen Hinweis im Foyer von Gastronomiebetrieben erinnern sich wohl die meisten Ex-DDR-Bürger. Wer sie besuchte, musste je nach Andrang geduldig sein und ein Freund der regionalen deftigen Küche, die zum Kernangebot vieler Wirtshäuser und Restaurants im selbsterklärten „Arbeiter- und Bauernstaat“ zählte. Eine besondere Stellung im Bereich der sozialistischen Gast- und Vergnügungsstätten nahmen die Gebietsgaststätten ein. Sie wurden auch Klubgaststätten genannt – oder despektierlich: „Fresswürfel“.

Die von der Handelsorganisation (HO) oder dem Konsum – den beiden großen Playern der DDR-Lebensmittelbranche – betriebenen Klubgaststätten waren eine Kombination aus Restaurant, Kulturhaus und Kantine. Sie erhielten oft programmatische Namen wie „Solidarität“, „Jugend“, „Zum Bauarbeiter“ oder „Kiew“, was sich im Interieur und den Spezialitäten auf der Speisekarte niederschlug. Wer sich im Gastraum der Mitte der 1970er-Jahre in Lichtenberg eröffneten Klubgaststätte „Drushba“ einfand, durfte auf Besonderheiten der russischen und osteuropäischen Küche wie Soljanka, Borschtsch und Schaschlik hoffen. Insbesondere ländliche Hausmannskost der rumänischen Küche stand in der im Neubaugebiet an der Dolgenseestraße gelegenen Gaststätte hoch im Kurs. Natürlich fanden Kenner neben Sarmale, Mititei und Mămăligă auch die Klassiker der Klubgaststättenküche auf der Speisekarte: Würzfleisch überbacken, mit Toast für 2,65 Mark und Erdbeer-Halbgefrorenes für 2,05 Mark.

 „Drushba“: Die „Freundschaft“ war die erste Klubgaststätte Ostberlins

Seit den 1970er-Jahren wuchsen nach der Maxime der DDR-Wohnungsbauoffensive überall in Ostberlin Trabant-Betonsiedlungen aus dem Boden, bei denen nach dem Konzept des komplexen Wohnungsbaus neben Hochhäusern in Plattenbauweise die komplette umgebende Infrastruktur als Module am Reißbrett mitgeplant wurde: Schulen, Sportstätten, Polikliniken, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten. Eines der städtebaulich wichtigsten Elemente – ein zentraler Ort der Begegnung in den Neubauwüsten – war das architektonische Dreigestirn aus Wohngebietsgaststätte, Dienstleistungswürfel und Kaufhalle.

Einer der Vorläufer der 70er-Jahre-Hochhaussiedlungen war das Hans-Loch-Viertel – das heutige Sewanviertel in Lichtenberg –, das als eines der ersten größeren Neubauviertel im Osten Berlins durch Plattenbauten geprägt war. Auf 80 Hektar Fläche waren zwischen 1961 und 1966 rund 5000 Wohneinheiten für etwa 15.000 Einwohner gebaut worden – überwiegend viergeschossige Wohnzeilen der Wohnungsbauserie Q3A. In südlicher Richtung wurde das Viertel ab 1965 durch acht- bis zehngeschossige Plattenhochhäuser ergänzt. Die Versorgung sicherten Stadtteilzentren wie die Volkradpassage.

Für die Bedürfnisse der neuen Bewohner in den später errichteten Plattenbauten südlich der damaligen Hans-Loch-Straße wurde Anfang der 1970er-Jahre ein Stadtteilzentrum an der Dolgenseestraße konzipiert und realisiert. Eine Premiere erlebte hier der Typenbau der Klubgaststätten in Ostberlin mit dem Bau der „Drushba“ Mitte der 1970er-Jahre. Die HO-Gaststätte war die erste ihrer Art – viele weitere sollten in den Plattenbausiedlungen Ostberlins folgen. Sie ergänzte zusammen mit dem Dienstleistungswürfel „Haus der Dienste“ die bereits 1972 gebaute Kaufhalle an der Dolgenseestraße: Das fertiggestellte Architekturtrio am Platz avancierte zum kulturell-gesellschaftlichen Zentrum des Lichtenberger Kiezes.

Klubgaststätte „Drushba“ eröffnet 1975: DDR-Politprominenz begeistert

Am 16. Dezember 1975 wurde die Klubgaststätte nach zwölfmonatiger Bauzeit feierlich eröffnet: Die „erste Einrichtung dieser Art in einem Wohnneubaugebiet der Hauptstadt“, wie die Berliner Zeitung am Folgetag ihre Leser informierte, und „ein gastronomisches Kleinod“. Das sei die einhellige Meinung der ersten Gäste gewesen – so die Berliner Zeitung weiter: „Da ist der Mehrzwecksaal mit 200 Plätzen, aus dem mittels Faltwänden mehrere Klubräume entstehen können. Hausgemeinschaften, DFD-Gruppen, Zirkel und Interessengemeinschaften finden hier einladende Treffpunkte.“ Zur Eröffnungsfeier erschien DDR-Politprominenz: unter anderem der Oberbürgermeister Ostberlins, Erhard Krack, der Sekretär der SED-Bezirksleitung, Reginald Grimmer, und Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Heinz Müller.

Noch waren nicht alle Teilbereiche der Großgastronomie in Betrieb genommen worden. Zwei Wochen benötigten die 80 Mitarbeiter der Klubgaststätte noch, um neben dem Tagesgeschäft im Café und Speiserestaurant auch die geplanten Schulspeisungen vorzubereiten. „Ab Januar 1976 freuen sich im Mehrzwecksaal täglich 1000 Schüler – sie kommen in fünf Durchgängen – auf ihre Schulspeisung“, so die Berliner Zeitung: „Eine große Aufgabe für Küchenleiter Gerd Wolling und sein Kollektiv, zumal in der modernen Großküche jeden Tag weitere 1000 Schulessenportionen für Thermophore bereitet werden und außerdem 500 Essen für ältere Bürger im Wohngebiet gekocht werden sollen. Doch – so sagten es gestern Mitarbeiter der Klubgaststätte wiederholt – es herrscht Übereinstimmung: Die Versorgung der Kinder wie auch der älteren Bürger ist für uns eine besonders wichtige Aufgabe.“

Klubgaststätte „Drushba“: So war die Mehrzweckhalle aufgebaut

DDR - neuer Stadtbezirk Marzahn
Während die DDR-Clubgaststätten äußerlich recht einheitlich gestaltet waren, konnte sich die Innengestaltung und das Interieur in den 1970er-Jahren stark voneinander unterscheiden. Blick auf die HO-Gaststätte „Biesdorfer Kreuz“ in Marzahn. Foto, 1984.© picture-alliance/ ZB | Peter Zimmermann

Vor der Bebauung des Stadtplatzes lagen auf der Baufläche Schrebergärten und Datschen der Kleingartenanlagen „Gutland III“ und „Freie Schweiz“. Bei der Klubgaststätte handelte es sich um einen typischen, eingeschossigen Hallenflachbau im nüchternen Stil der DDR-Moderne, der auf einen Entwurf des Architekten Friedrich Kalusche zurückging. Die Halle – Typ WGG 281 – war in Leichtmetallbauweise aus Fertigteilstützen, Fertigteilriegeln und Fertigteildeckenplatten zusammengebaut worden und nahm auf einem annähernd quadratischen Grundriss eine Fläche von knapp 2.200 Quadratmetern ein. Charakteristisch für die Bauweise waren die rasterartige Metallfassade mit großen Fensterfronten und die trapezförmige Spannbetondachkonstruktion: ein zickzackförmiges Dach, das im Fachjargon VT-Falte genannt wird.

Mehrere Treppen und Rampen ermöglichten den Besuchern den Aufgang zur Terrasse der Klubgaststätte. Ein mit Metallstützen über der Dachkonstruktion angebrachtes Schild mit dem Schriftzug „Gaststätte Drushba“ wies den Gästen den Weg. Im Inneren bot die Klubgaststätte ein Restaurant mit Platz für 120 Gäste, ein Café für etwa 80 Besucher und einen Mehrzwecksaal mit einer Kapazität für 200 Personen, der für Lesungen, Kabarett, Nachtdisko und andere Tanz- und Gesellschaftsabende genutzt wurde. Für den Betrieb verfügte die Gaststätte neben Personalräumen, Lagerräumen und Räumlichkeiten für die Gebäudetechnik über eine Großküche. Den Besuchern standen neben den Restaurant- und Caféplätzen auch eine zweiläufige Kegelbahn von 24,60 Metern Länge und im Sommer mehrere Dutzend Terrassenplätze zur Verfügung.

Klubgaststätte „Drushba“: Kiezzentrum zwischen Hochbeeten und sozialistischer Kunst

Das Bauwerk war erhöht auf einer Betonbasis errichtet worden, die vor dem Haupteingang eine von Stahlbalustraden umschlossene Terrasse bildete, die sich um das Gebäude zog, und auf der sich im Außenbereich auch Caféplätze mit Schirmen und Laternenbeleuchtung befanden. Der Haupteingang zur Gaststätte war über den Vorplatz zu erreichen, der in den späten 1970er-Jahren eine künstlerische Gestaltung erfuhr. Neben zahlreichen bepflanzten Blumenbeeten und Grasflächen wurde nach Plänen des Künstlers Manfred Ebeling (1908–1988) eine große Brunnenanlage installiert – eine zentrale Attraktion des Platzes.

Aus dem 6,5 Meter durchmessenden, kreisrunden Becken des „Kugelbrunnens“ ragten mehrere Kugeln aus Betonwerkstein auf, die unterschiedlich ausgeformt mehr oder minder hoch aus dem Becken aufzusteigen schienen. In der Mitte des Brunnens ragte ein aus weiteren Kugeln bestehender Brunnenstock 1,5 Meter empor, aus dessen feinen Düsen Wasserfontänen sprudelten. Für den Stadtplatz hatte der Bildhauer Rolf Winkler (1930–2001) außerdem die lebensgroße Bronzeplastik „Junges Paar“ geschaffen. Sie zeigte eine auf einem grob bossierten Steinsockel sitzende Frau und einen ihr zugewandten gleichaltrigen Mann und war zwischen der Klubgaststätte „Drushba“ und der angrenzenden Kaufhalle „Am Tierpark“ aufgestellt.

Klubgaststätte „Drushba“: Tagsüber Restaurant, abends Diskothek

Zu DDR-Zeiten war die „Drushba“ unweit des S-Bahnhofs Rummelsburg das kulinarische und gesellschaftliche Herzstück des umgebenden Wohnquartiers – ein Ort der Begegnung, an dem gegessen und getrunken, getanzt, gefeiert und gesungen wurde. Bekannte Künstler traten hier auf, Brigaden stießen auf die Planerfüllung mit Nordhäuser Doppelkorn oder Rotkäppchen-Sekt an; Hochzeiten, Jubiläen und Jugendweihen wurden in den Räumlichkeiten gefeiert. Besonders beliebt: die Kostüm- und Nachbarschaftsfeste, die Jugenddisko und ab Mitte der 1980er-Jahre die „Partnersuche per Computer“ – ein Tanz- und Datingabend für Alleinstehende mit elektronischer Unterstützung.

Mit Einbruch der Nacht wandelte sich das Publikum: In dem gastronomischen Betrieb, der mittags für Tausende Kinder der Umgebung die Schulspeisung und nachmittags den Café- und Restaurantbetrieb ermöglichte, mischte sich nun der Duft von Cabinet-Zigaretten, Würzfleisch und Action-Deodorant, nachdem der Schallplattenunterhalter sein Equipment aufgebaut hatte und die Location für Tanzveranstaltungen freigegeben worden war. Die Gaststätte wurde zum Klub.

Die Eintrittspreise waren niedrig, die Getränkepreise auch: Bis 22 Uhr standen die Partys und Tanzveranstaltungen auch Jugendlichen offen. Das Ausgehen hatte für sie einen besonderen Stellenwert, weil es neben Schule und Ausbildung wenig Zerstreuung im Viertel gab. Nach 22 Uhr wurde in den Klubgaststätten die Musik leise gedreht und die Ausweise kontrolliert. Minderjährige mussten den Saal verlassen. Es war Zeit für die Nachtboutique, bei der bis weit in die Morgenstunden gefeiert wurde.

Klubgaststätte „Drushba“: Nach der Wiedervereinigung wurde der DDR-Betrieb stillgelegt

Geschlossene Gaststätte (Archivfoto und Text 1993)
Nach der Wiedervereinigung wurden die meisten Klubgaststätte in Ostberlin als Restaurantbetrieb geschlossen, viele von ihnen verfielen zu Ruinen. Das Foto aus dem Jahr 1993 zeigt die Klubgaststätte „Mecklenburg“ in Kaulsdorf-Nord.© picture-alliance/ ZB | Bernd Settnik

Seit ihrer Eröffnung war der Gaststättenkomplex zu einer geschätzten Institution im Kiez geworden – beliebt und gut besucht, bis die friedliche Revolution 1989 und die Wiedervereinigung das Ende der HO-Gaststätte „Drushba“ einläuteten. Sie teilte damit das Schicksal vieler DDR-Gaststätten, die den Betrieb ohne Subventionen nach der Wiedervereinigung nicht überlebten. Mit der Wiedervereinigung waren die HO-Filialen im Gegensatz zu den genossenschaftlich organisierten Konsum-Gaststätten in den Zuständigkeitsbereich der Treuhandanstalt gefallen, die seit 1990 versuchte, Filialen und Grundstücke des ehemals staatlichen Betriebs an Privatunternehmer zu veräußern. Das gelang nicht immer. Dutzende HO-Kaufhallen verfielen zu Nachwende-Ruinen, Klubgaststätten standen leer und harrten eines Nachnutzungskonzepts.

Auch die einst beliebte Klubgaststätte „Drushba“ wurde Anfang der 1990er-Jahre geschlossen. Ein Angebot der ehemaligen Mitarbeiter und der letzten Gaststättendirektorin, Veronika Birkholz, aus dem Jahr 1991, die Gaststätte unter neuen Vorzeichen und mit eigenen Nutzungskonzepten zu erhalten, lehnte die Treuhand ab. Stattdessen wurde während einer Beratung der Klubgaststätten-Direktoren des Stadtbezirks Lichtenberg mitgeteilt, dass die Treuhand keine weiteren Kredite für die Ostberliner Gaststätten ausgeben werde, womit sie vor dem Aus standen. 1993 wurde der Gebäudekomplex aus dem ehemaligen Dienstleistungswürfel, der Kaufhalle an der Dolgenseestraße und der Klubgaststätte an die „Dolgensee-Center GbR“ veräußert. Bis 1995 investierte die GbR in Gestalt zweier Münchner Architekten acht Millionen Mark in den Umbau zum Dolgensee-Center.

Klubgaststätte „Drushba“: Aus für das alte Dolgensee-Center Mitte der 2010er-Jahre

Die äußere Erscheinung der Bauwerke blieb weitgehend erhalten, aber die Innengestaltung insbesondere des Dienstleistungswürfels und der Kaufhalle, die bis in die 2010er-Jahre als Kaisers-Supermarkt und dann für kurze Zeit als Edeka-Filiale fortgeführt wurde, wurde grundlegend modernisiert. Weitergehende Pläne, den Center-Komplex zu einer zweigeschossigen Ladenpassage bis zur Mellenseestraße hin auszubauen – wobei die bisherige Bruttogeschossfläche auf 27.500 Quadratmeter verdoppelt werden sollte – konnte die GbR nicht umsetzen. In der alten Klubgaststätte, die nun Dolgensee-Markt hieß, wurde eine Zeitlang eine Mischnutzung mit kleineren Gastronomie- und anderen Gewerbebetrieben umgesetzt.

In dem geräumigen Gebäude gab es Obst- und Gemüse-, Blumen- und Käsestände, einen Friseur, einen Allgemeinmediziner und für einige Jahre neben der Kneipe „Das alte Bistro“ die Café-Bar „Miami“. Außerdem wurde ein Teil der ehemaligen Gastronomieflächen noch in den 2010er-Jahren vom Restaurant „Goldene Perle“ genutzt, und statt der Kegelbahn gab es nun Bowling im Keller: das „Dolgensee Billard- & Bowling-Center“. Mit den Jahren mehrte sich allerdings der Leerstand, bis sich nach der Mitte der 2010er-Jahre die letzten Mieter aus der Bewirtschaftung des Standorts zurückzogen und die ehemalige Klubgaststätte in einen jahrelangen Dornröschenschlaf fiel.

Klubgaststätte „Drushba“: DDR-Ruine endet 2019 unter Abrissbaggern

Baukräne
Auf dem Grundstück des ehemaligen Dolgensee-Centers im Wohngebiet in Friedrichsfelde stehen Kräne, die hier zwei Zehngeschosser errichten. Foto, 2019© picture alliance/dpa | Jens Kalaene

Die Leuchtreklame und Firmenlogos wurden entfernt, Lager, Stände und Einrichtung geräumt. Im Inneren erinnerte nichts mehr an die aufgeräumte Geschäftigkeit früherer Tage: Schicht für Schicht legte sich Staub auf die einst blankpolierten Gastronomieflächen. Die Terrassenmauern der in die Jahre gekommenen Immobilie bröckelten seit Längerem, auch schon vor der Schließung; die Bepflanzung der Hochbeete machte einen bemitleidenswerten Eindruck, und Schäden an der Gebäudefassade und den weißen Stahlbalustraden, die die Rampen säumten, und sich infolge von Vandalismus abenteuerlich bogen, wurden nicht mehr ausgebessert. An den Glasfronten des Gebäudes, einst stolze Schaufenster des kulturell-gastronomischen Angebots, verewigten sich so ausgiebig Graffitisprayer, dass sie kaum noch einen Blick ins Innere erlaubten.

Der ruinöse Leerstand des Areals währte bis zum Sommer 2017, als sich ein Investor mit Neubauplänen des brachliegenden Dolgensee-Centers annahm. Die verwaiste Kaufhalle wurde bereits im Mai 2017 abgerissen; die Lost-Place-Klubgaststätte stand noch zwei weitere Jahre auf dem Gelände, bis sich im Mai 2019 schweres Gerät der Geistergaststätte näherte. Arbeiter demontierten das DDR-Relikt in wenigen Wochen und bereiteten den Baugrund für die nächste Bauphase des Neubau-Wohnkomplexes vor, der bis zum Sommer 2021 auf dem Gelände des ehemaligen Stadtteilzentrums fertiggestellt wurde.

Klubgaststätte „Drushba“: Neubauquartier ersetzt Berlins Kultgaststätte

Dolgensee-Center
Mit dem neuen Dolgensee-Center hat der Bezirk Lichtenberg insgesamt 678 neue Wohnungen mehr. Visualisierung des Bauprojekts durch das Architekturbüro „ioo architekten“ (ehemals „Elwardt und Lettermann Architekten“), 2021© Elwardt und Lettermann Architekten | Elwardt und Lettermann Architekten

Bauherr des neuen Dolgensee-Centers mit 678 Wohnungen war die „OFF Immobilien Beteiligungs GmbH“. Nach dem Bauabschluss wurde der Komplex bezugsfertig von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewobag übernommen. Die Wohnanlage gliedert sich in zwei Gebäude mit insgesamt zwölf Aufgängen und zehn Geschossen. Das Erdgeschoss wird vollständig gewerblich genutzt – unter anderem seit 2020 von einem Rewe-Supermarkt, einer Kindertagesstätte sowie kleinteiligem Einzelhandel und Arztpraxen. „Die kombinierte Nutzung aus Wohnraum und Gewerbe passt an dieser Stelle sehr gut, zumal endlich eine alte Brachfläche verschwindet“, kommentierte Rewe-Manager Thomas Löschmann, der das Mischnutzungsprojekt begleitet hatte, den Center-Neubau.

Auf dem Areal zwischen der Rummelsburger Bucht und dem Tierpark zogen rund 1.200 neue Bewohner ein. Die Hälfte der Wohnungen zählt zum geförderten Wohnungsbau mit vergleichsweise niedrigen Nettokaltmieten, etwa ein Drittel aller Wohnungen ist barrierefrei gestaltet. Zuletzt geriet das Quartier neben der neuen Wohnanlage an der Dolgenseestraße durch einen verheerenden Brand im Frühjahr 2026, der drei Todesopfer forderte, in die Schlagzeilen. Von der „Drushba“, der ersten DDR-Klubgaststätte Ostberlins, haben sich vor Ort keine architektonischen Spuren erhalten. Der Brunnen und der Bronzeguss „Junges Paar“ auf dem Stadtplatz wurden während der Bauarbeiten der Wohnanlage demontiert, gesichert und später – ein Stück weit vom ursprünglichen Standort versetzt – auf dem Grünstreifen westlich der Neubauten wieder installiert. Sie sind die letzten verbliebenen baulichen Zeugnisse der DDR-Bebauung des ehemaligen Stadtteilzentrums.