Der beißende Brandgeruch liegt schwer im Flur der vierten Etage des Hochhauses an der Dolgenseestraße. Die Wände sind schwarz, Klingelschilder weggeschmolzen. Die Wohnungstüren wurden von der Berliner Feuerwehr aufgebrochen. Die dahinterliegenden Wohnungen stehen jetzt leer und sind notdürftig mit Riegeln und Schlössern gesichert. Von der Tür zu der Wohnung, in der die Flammen ausbrachen, fehlt das obere Drittel. Mutmaßlich einer Feuerwehraxt zum Opfer gefallen. Auf dem Boden: Unrat und ein Schlamm aus Ruß und Löschwasser.

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Zwei Kinder – ein neun Monate alter Säugling und ein fünfjähriges Kind – sowie ihre 26-jährige Mutter erlitten bei dem verheerenden Brand schwere Verletzungen und mussten reanimiert werden. Einsatzkräfte fanden sie bewusstlos im Hausflur. Der Säugling konnte trotz aller Bemühungen nicht gerettet werden und verstarb. Wenige Tage später erlagen auch die Mutter und der Bruder ihren Verletzungen.

Das Feuer war am vergangenen Mittwoch (11.02.) gegen 20 Uhr ausgebrochen. Nach ersten Erkenntnissen hörte der Portier des Mehrfamilienhauses einen ausgelösten Rauchmelder in einer Wohnung, bemerkte die starke Rauchentwicklung und alarmierte daraufhin die Feuerwehr. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte stand die Wohnung bereits lichterloh in Flammen, die sich auch auf angrenzende Bereiche ausbreiteten. Der Rauch zog durch das gesamte Gebäude. Die Feuerwehr war mit bis zu 170 Einsatzkräften vor Ort und konnte den Brand am späten Mittwochabend unter Kontrolle bringen.

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Der 75-jährige Mieter der Wohnung, in der das Feuer nach aktuellem Ermittlungsstand ausgebrochen war, wurde zur stationären Aufnahme in ein Krankenhaus gebracht. Drei weitere Personen kamen mit dem Verdacht auf Rauchgasvergiftung ebenfalls zur Behandlung in umliegende Kliniken. Insgesamt wurden 40 Bewohner des Hauses vor Ort ambulant versorgt.

„Man kann sich das nicht vorstellen“

Am Donnerstagnachmittag war die Anteilnahme vor Ort deutlich spürbar. Vor dem Fahrradraum des Hauses, unter den unverkennbaren Rußspuren, die sich über viele Meter der Gebäudefassade erstrecken, ist eine provisorische Gedenkstelle entstanden. Kerzen flackern dort, Blumen wurden niedergelegt. Auch kleine Kuscheltiere sind dort abgelegt worden. Es ist ein stiller Ausdruck von Trauer und Mitgefühl.

Nur wenige Schritte entfernt steht Jennifer Gustke. Sie wohnt in der Nachbarschaft. Ihr Blick ruht intensiv auf dem Trauerort, während sie ihr Kind, dick eingepackt gegen die Kälte, auf dem Arm trägt. Es fällt ihr schwer, Worte zu finden. „Man kann sich das nicht vorstellen“, sagt sie leise und ringt sichtbar mit ihren Emotionen. Tränen steigen ihr in die Augen.

Nach einer Pause versucht sie erneut zu erklären, was sie fühlt. Das Schicksal des verstorbenen Säuglings trifft sie tief. „Es ist ganz schlimm, besonders weil Kinder betroffen sind.“

Verheerende Schäden und ratlose Bewohner

Mit etwas Abstand stehen Kati und Avdyli, auch sie wohnen in dem Haus, und schauen auf die Szenerie. „Wir wissen nichts“, erklärt Avdyli der Morgenpost knapp. Es gebe keinerlei Informationen. „Alles ist einfach eine Katastrophe.“ Kati nickt zustimmend. Ihre Wohnungen seien jedoch nicht direkt betroffen.

Constanze Körner, die für den Verein Lesben* Leben Familie (LesLeFam) tätig ist, hat ihr Büro hingegen direkt unter der ausgebrannten Wohnung. Die Folgen des darüber liegenden Brandes sind dort verheerend: Sehr viel Löschwasser ist durch die Decke gekommen, wie sie sagt.

Als Körner die Tür zu ihrem Büro nach den Löscharbeiten öffnete, bot sich ihr ein schlimmes Bild. Deckenplatten, vollgesogen mit Wasser, waren heruntergefallen und hatten Möbel und Boden beschädigt. „Unsere Möbel, unsere Technik – alles ist kaputt“, sagt sie. Arbeiten sei unter diesen Umständen unmöglich. „Wir müssen erst einmal alles absagen und schauen, wie wir wieder arbeitsfähig werden können.“

Ermittlungen nach Brand: Gerücht um brennende Heizdecke kursiert

Hochhausbrand Dolgenseestraße Friedrichsfelde
Die Wohnung, in der das Feuer ausbrach, ist mit Asche, Ruß und Unrat übersät.© BM | Privat

Zu den Ursachen konnte die Berliner Polizei bislang keine Angaben machen. Ein Brandkommissariat der örtlich zuständigen Polizeidirektion 3 (Ost) ermittelt. Erste Gerüchte hatten jedoch bereits am frühen Donnerstagmorgen die Runde gemacht. „Ich habe gehört, dass eine Heizdecke Feuer gefangen hat“, meint ein Mann gegenüber der Morgenpost zu wissen, der nach eigenen Angaben im Nachbaraufgang des 20-Geschossers wohnt.

Hochhausbrand Dolgenseestraße Friedrichsfelde
Evakuierte Wohnungen wurden mit einem roten Kreuz versehen und mit einem zweiten Schloss gesichert.© BM | Privat

„Die haben da irgendwas gebaut, was dann explodiert ist“, ist hingegen eine ältere Frau aus einem der Häuser gegenüber überzeugt. Bereits am Mittwoch hatte ein Feuerwehrsprecher gesagt, dass die Wohnung so vollgestellt gewesen sei, dass die Flammen schnell Nahrung fanden und sich ausbreiten konnten.

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Notunterkunft eröffnet: Feuerwehr erklärt rund 20 Wohnungen für unbewohnbar

Die Feuerwehr hatte noch am Mittwoch 20 Wohneinheiten für unbewohnbar erklärt. Kreuze mit roter Kreide an den Wohnungstüren zeigen, welche Einheiten evakuiert wurden. Der Bezirk Lichtenberg hatte unmittelbar nach dem Brand eine Notunterkunft für die Bewohner eröffnet.

Wie aus einer Stellungnahme der Howoge Wohnungsbaugesellschaft, in deren Bestand sich das betroffene Gebäude befindet, hervorgeht, konnten die meisten Mietparteien mittlerweile bei Freunden oder Verwandten unterkommen. Acht Personen seien vorübergehend in einem nahe gelegenen Hotel untergebracht worden.

Die Howoge teilte zudem mit, dass Mitarbeitende alle Betroffenen persönlich aufgesucht hätten und weiterhin aktiv mit ihnen in Kontakt stünden, um Hilfe zu koordinieren und offene Fragen zu klären. Unterstützung erhalten die Bewohner demnach auch von Sozialhelfern und Seelsorgern des Bezirks.

Der „Schmerz über den Tod des Kindes“ sei kaum in Worte zu fassen, erklärte die Howoge. Sobald die polizeilichen Ermittlungen abgeschlossen seien, wolle man schnellstmöglich die Bewohnbarkeit des Hauses wiederherstellen.

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde am Donnerstag, dem 12. Februar, veröffentlicht und am Sonntag, dem 15. Februar, inhaltlich aktualisiert.