Verblasste Inschriften, abgeplatzter Putz, längst erloschene Leuchtreklamen und verrammelte Türen: Jahrelang machte das einst gut besuchte Lichtspielhaus am S-Bahnhof Karlshorst einen ruinösen Eindruck. Schon lange flimmerten keine Filme mehr über die Leinwand, die Sitzreihen wirkten ohne Publikum geisterhaft ausgestorben und im Vorführraum legten sich Lagen von Staub auf die kinematographische Technik. „Filmtheater Vorwärts“ war noch über dem Bauwerk aus den 1930er-Jahren zu lesen, doch die Eingänge des Filmtheaters waren seit der Wendezeit zugesperrt und die Leuchtkästen, in denen einst das Programm angekündigt worden war, mit Graffiti überzogen. Das Vorwärts drohte zu einer vergessenen Ruine zu verfallen. Alle Infos zu dem ehemaligen Lost Place.
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Das sind die Fakten zum Kino Vorwärts im Überblick:
- Adresse: Treskowallee 115, 10318 Berlin-Karlshorst
- Geschichte: Das Kino mit 1.000 Plätzen wurde 1931 unmittelbar neben dem S-Bahnhof Karlshorst eröffnet, damals noch unter dem Namen „Capitol-Lichtspiele“; nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Truppenkino der Sowjetarmee; 1951 erfolgte die Umbenennung in Kino Vorwärts; 1987 wurde das Kino wegen Baufälligkeit stillgelegt und in der Wendezeit im April 1990 endgültig geschlossen; danach Leerstand und Verfall
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Ehemaliger Lost Place. 2001 wurde das Kinogebäude abgerissen; heute ein Geschäftshaus auf dem Areal
Wo lag das Kino Vorwärts genau?
Das Kino Vorwärts lag an der Adresse Treskowallee 115 im Ortsteil Karlshorst des Bezirks Lichtenberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: FGJG+66 Berlin. Das Grundstück kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten vom S-Bahnhof Karlshorst (S3) aus erreicht werden. Von der Station ist das Areal bereits zu sehen. Alternativ können auch die Tramlinien 21, 27, 37 und M17 sowie die Buslinie N40 (Haltestelle S Karlshorst) genutzt werden. Achtung: Es handelt sich um Privatbesitz. Vom abgerissenen Gebäude des ehemaligen Kinos Vorwärts haben sich keine Spuren vor Ort erhalten.
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Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Kinos Vorwärts:
Ausgangslage: Berlin – eine Stadt der Filmbegeisterten

Anfang des 20. Jahrhunderts setzte die deutsche Filmindustrie zu einem glamourösen Höhenflug an. Klassiker wie „Das Cabinet des Dr. Caligari“ (1920), Metropolis (1927) und Fritz Langs „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ (1931) lockten scharenweise Publikum ins Kino. Das Zentrum der Filmbegeisterung: Berlin. Nirgendwo sonst in Europa gab es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs eine ähnliche Dichte an Filmtheatern. Vom nördlichen Stadtrand bis zum Süden der Metropole wurde Berlin von einem Netz von Lichtspielhäusern überzogen.
Varietés bauten ihre Vorführsäle um; große Traditionshäuser entstanden, wie das Marmorhaus am Kurfürstendamm, und kleine Kinostätten, bei denen Enthusiasten der Kinematographie ihr Erspartes mobilisierten, um in Hinterhöfen und Wohnhäusern improvisierte Lichtspielhäuser einzurichten. Allein in Berlin gab es 1928 378 registrierte Filmtheater. Längst hatte die Kinobegeisterung auch auf die Vororte der Metropole übergegriffen. In Karlshorst – bis 1920 Teil der brandenburgischen Gemeinde Friedrichsfelde vor den Toren Berlins – hatte in den 1910er-Jahren mit den Königs-Festsälen das erste Lichtspieltheater an der Treskowallee eröffnet. Anfang der 1930er-Jahre bekam das Haus – inzwischen Gloria-Palast genannt – Konkurrenz: In einem Neubau südlich des Bahnhofs eröffnete mit dem „Capitol“ ein zweites Kino in Karlshorst.
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Kino Vorwärts: Als „Capitol-Lichtspiele“ 1931 eröffnet
Eigentümer der Parzelle war der „Verein für Hindernisrennen zu Berlin“, der 1893 südlich vom damaligen Vorwerk Carlshorst einen Teil der Friedrichsfelder Feldmark erworben hatte, um seine Rennbahn aus Charlottenburg an den heutigen Standort zu verlegen. Tausende Besucher strömten regelmäßig zu den Rennen. 1895 wurde der Bahnhof Carlshorst in Betrieb genommen und eigens für die Rennbahnbesucher ein sechsgleisiger Kopfbahnhof neben dem Vorortbahnsteig errichtet. Das Gelände südlich davon befand sich noch im Besitz des Vereins, als es Ende der 1920er-Jahre parzelliert und bebaut wurde.
An der damaligen Adresse Treskowallee 96 – in den 1960er-Jahren zur Hausnummer 115 umnummeriert – entstanden unmittelbar am Bahnhof gelegen die „Capitol-Lichtspiele“. Die Entwürfe für das Kino stammten von dem Architekten und Maler Heinrich Möller (1879–1943), nachdem eine Arbeit des Architekten Fritz Wilms (1886–1958) nicht zur Realisierung kam. Möller hatte sich in den 20er-Jahren einen Namen als Kinoarchitekt und Planer außergewöhnlicher Wohngebäude gemacht, wobei der Baumeister gerne die ornamentalen Möglichkeiten des Backsteins auslotete und Fachleute ihn zu den wichtigsten vom Expressionismus beeinflussten Architekten Berlins zählten.
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Kino Vorwärts: Bekannter Kinoarchitekt plante das Gebäude

In Karlshorst waren die Möglichkeiten Möllers beschränkt. Zur Promeniermeile an der Treskowallee entstand eine langgestreckte, zweigeschossige Ladenzeile. Der Eingang zum Kino befand sich ursprünglich an der südlichen Gebäudeecke und wurde später zur Mitte des Gebäudes hin versetzt. Hinter der Ladenzeile befand sich das eigentliche Kinogebäude. Ein gestaffelter Bau, der etwas höher aufragte und auf dessen apsidialem Abschluss im Norden eine zweite Leuchtschrift Bahnreisende auf das Filmtheater aufmerksam machte. An dem Fußweg zum Gleisbett hin befand sich ein zweiter Eingang zu dem Kinogrundstück.
Anfang der 1930er-Jahre waren die Arbeiten abgeschlossen. Der Kinoneubau verfügte über einen Rang und insgesamt rund 1000 Parkettplätze und wurde am 4. März 1931 mit dem rassistischen US-Hit „Afrika spricht“ eröffnet. Einem 75-minütigen Exploitation-Film des amerikanischen Produzenten Walter Futter. Ein voller Erfolg, auch weil es sich um eine Tonvorführung handelte. Noch war die Revolution vom Stumm- zum Tonfilm in Deutschland in vollem Gange und nicht alle Berliner Kinos hatten sich rechtzeitig vorbereitet. 1929 konnten nur vier Prozent der deutschen Kinos „Sprechfilme“ abspielen.
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Kino Vorwärts: Großes Programm unter der Leitung von Hanns Brodnitz
Zum erschwinglichen Ticketpreis von 80 Pfennig bis 1,20 Mark gelangten nach der Berliner Uraufführung von „Afrika spricht“ Publikumshits und aufwendige inländische wie ausländische Produktionen in das Programm des Kinos an der Treskowallee. Die „Capitol-Lichtspiele“ waren modern ausgestattet, verfügten über die neuesten technischen Einrichtungen und eine erstklassige Klangfilm-Apparatur für die Wiedergabe von Tonspuren. Geführt wurde das Kino von einer eigens ins Leben gerufenen Betriebsgesellschaft, der „Capitol-Karlshorst Lichtspieltheater-Betriebs-GmbH“. Die Geschäftsführung übernahm Kinodirektor Hanns Brodniz (1902–1944).
Brodnitz war einer der bedeutendsten Kinomacher der Vorhitlerzeit. Er leitete große Ufa-Erstaufführungstheater in Berlin und der Provinz, setzte sich erfolgreich für Außenseiterfilme wie für Hollywood-Streifen ein und verkörperte im besten Sinne Berlins Kinokultur bis in die 30er-Jahre. Als es bei der Premiere von Lewis Milestones „Im Westen nichts Neues“ 1930 zu inszenierten Provokationen und Krawallen kam, geriet der Kinomacher persönlich ins Visier des späteren NS-Propagandaministers Joseph Goebbels. Nach 1933 wurde der als Jude verfolgte gebürtige Berliner aus seinen Positionen verdrängt, verließ aber nicht seine Geburtsstadt. Ende 1942 ging er angesichts drohender Deportation in die Illegalität, wurde 1944 aufgegriffen, in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Posthum erschienen 2005 seine lange verschollenen Memoiren.
Kino Vorwärts: Kinobetrieb bis in die letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wechselte mehrmals die Führung des Capitol-Kinos in Karlshorst: Ab 1935 waren „Humrow & Bretsch“ als Betreiber gemeldet und ab 1937 der Kinobetreiber Johannes Betzel. Das filmbegeisterte Publikum in Deutschland feierte auf der Leinwand die großen Stars der 1930er- und 1940er-Jahre: Zarah Leander, Lil Dagover, Ilse Werner, Heinz Rührmann und den NS-Vorzeigeschauspieler Emil Jannings. Produktionen wie „Der Herrscher“ (1937), „Quax, der Bruchpilot“ (1941) und „Die große Liebe“ (1942) fanden ein Millionenpublikum.
Seit 1934 war den Kinobesitzern verbindlich vorgeschrieben, im Vorprogramm wenigstens einen sogenannten Kulturfilm und die Wochenschau zu zeigen. Wobei es sich bei den „Kulturfilmen“ um Propagandastreifen handelte, die Themen wie die NS-Rassenlehre aufgriffen. Die Wochenschauen waren dem eigentlichen Programm vorangestellt und zeigten dem Berliner Publikum mit Kriegsbeginn geschönte Berichte zur Front – bis diese kurz vor der Reichshauptstadt verlief. Im Kino an der Treskowallee wurde der Filmbetrieb bis kurz vor Kriegsende aufrechterhalten – und sehr bald nach der Schlacht um Berlin und der Kapitulation der Wehrmacht im Mai 1945 wiederaufgenommen. Nennenswerte Kriegsschäden hatte das Kinogebäude nicht erlitten.
Kino Vorwärts: Erst Truppenkino, dann Wiedereröffnung als „Vorwärts“
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte Karlshorst als Ortsteil von Lichtenberg zur sowjetischen Besatzungszone des geteilten Berlins und später, nach der Gründung der DDR 1949, zur ostdeutschen Hauptstadt. Der nördliche Bereich von Karlshorst beidseits der Treskowallee war noch im Mai 1945 zu großen Teilen zum sowjetischen Sperrgebiet erklärt worden. Tausende Bewohner mussten innerhalb eines Tages ihre Wohnungen verlassen. 1949 wurde die Sperrzone auf die östlich der Treskowallee gelegenen Straßen und Plätze verkleinert. Das „Capitol“ in Karlshorst lag an der Grenze zum Sperrgebiet und wurde bis Ende der 1940er-Jahre als sowjetisches Truppenkino genutzt. Zutritt hatten nur sowjetische Militär- und Zivilangestellte sowie deren Familienangehörige.
1951 wurde das Kino von der deutsch-sowjetischen Progress Film GmbH, einem Nachfolger des sowjetischen Verleihbetriebs Sovexportfilm umgerüstet und unter dem neuem Namen Kino „Vorwärts“ – getreu dem Credo „Vorwärts immer, rückwärts nimmer!“ – für den regulären Betrieb wiedereröffnet. Die Zuschauerränge hatten sich leicht ausgedünnt: bei der Wiedereröffnung bot das Filmtheater 909 Besuchern Platz, doch seinen Charakter hatte sich das traditionsreiche Haus mit seiner gründerzeitlich angehauchten Inneneinrichtung auch nach der Sanierung bewahrt. Der Zuschauerraum aus den frühen 30er-Jahren blieb weitestgehend unverändert erhalten. Im August 1951 konnte das Kino – die erste größere Veranstaltung nach dem Umbau – am Rahmenprogramm der Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Ost-Berlin teilnehmen.
Kino Vorwärts: Kultur, Film- und Politabende während der DDR-Zeit
Gespielt wurde ein Programm aus dem Fundus des DEFA-Filmverleihs, der 1950 in den Progress Film-Vertrieb und 1955 in den Progress Film-Verleih überging: Kinder-, Spiel und Dokumentarfilme – soweit sie die DDR-Zensur freigab. Komödien wie „Dreizehn unter einem Hut“ (1950) und DEFA-Spielfilme wie „Eine alte Liebe“ (1959) fanden wiederum ihr Publikum. Seit 1951 wurde das Filmtheater Vorwärts vom „VEB Berliner Filmtheater“ betrieben, die in Ostberlin die Verwaltung, Umsetzung und Programmgestaltung der Lichtspieltheater übernahmen. Mitte der 1970er-Jahre ging das Kino dann in die Verantwortung der Bezirksfilmdirektion (BFD) Berlin über – der Nachfolgeeinrichtung des VEB Berliner Filmtheater. Der BFD oblag die Aufsicht über die Filmtheater Berlins, wobei sie nach Vorgaben des Ministeriums für Kultur der DDR handelte.
Im November 1963 gründete sich im Filmtheater Vorwärts Berlins erster und einziger sozialistischer Kinder- und Jugendfilmklub. Unter dem Namen „Jockl Findig“ produzierten die jugendlichen Teilnehmer unter der Anleitung des DEFA-Tonmeisters Harro Zimmermann eigene Filme, luden zu Gesprächsrunden ein und waren mit einem Kinderprogramm zwanzig Jahre lang zu Gast in Kinos und Kulturstätten der DDR. Das Vorwärts-Kino rühmte sich seiner Vorstellungsreihe für ein jüngeres Publikum: Ende der 70er-Jahre standen auf dem Spielplan unter anderem „Der Wüstenkönig von Brandenburg“, „Sie nannten ihn Amigo“, „Die Reise nach Sundevit“, „Ein Sonntagskind, das manchmal spinnt“, „Die Geschichte des kleinen Muck“ und „7 Sommersprossen“.
Kino Vorwärts: Lange Zeit die erste Adresse für Filmliebhaber in Karlshorst

Generationen von Jugendlichen, Enthusiasten und Filmliebhabern in Karlshorst erlebten im Vorwärts ihre ersten Kinofilmabende, besuchten Premieren und Klassiker, diskutierten über aktuelle Produktionen und ließen sich von ostdeutschen und internationalen Stars auf der Leinwand verzaubern und in fremde Gefilde entführen. Das Vorwärts blieb für fast vier Jahrzehnte heißgeliebter und unverzichtbarer Anlaufpunkt im Kiez für Freunde cineastischer Kunst und Unterhaltung – auch wenn die Spielpläne von der „Hauptverwaltung Film“ des Ministeriums für Kultur bestimmt waren.
Modernisierungen sah das in die Jahre gekommene Kinogebäude in der DDR-Zeit dagegen selten – bis in der Vorwendezeit die Bausubstanz so marode geworden war, dass der Kinobetrieb 1987 wegen Baufälligkeit eingestellt werden musste. Die Pforten des Vorwärts schlossen sich und sollten sich nicht mehr für Besucher öffnen. Mit der Wiedervereinigung war der wirtschaftliche Betrieb des Filmtheaters nicht mehr zu gewährleisten – zu groß war die Konkurrenz moderner Spielhäuser. Die Multiplex-Kinos, die die Stadt in den 1990er-Jahren eroberten, warfen ihre Schatten voraus.
Versuche nach der Wende, einen Investor und neuen Kinobetreiber zu finden, scheiterten. Im April 1990 wurde das „Vorwärts“ – nach 60 Jahren Kinogeschichte am Ort – endgültig geschlossen. Zuschauerränge, Vorführräume und Kinosäle standen leer und das ausgestorbene Kino begann zu einer modernen Ruine zu verfallen.
Kino Vorwärts: Lost Place wurde Zankapfel zwischen Senat und Treuhand
Nach der Wiedervereinigung entbrannte zwischen dem Senat und der Treuhand ein Streit um die Ostberliner Kinos, die rein rechtlich dem Land Berlin zugefallen waren. Der Senat sah in den Filmtheatern kommunale Kultureinrichtungen und wollte gerne Pachtverträge vergeben, um eine lebendige Kinoszene zu erhalten; die Treuhand verwies darauf, dass es sich vorrangig um Wirtschaftsunternehmungen handele, für die sie zuständig sei. Im Tauziehen um die Überbleibsel des DDR-Kinowesens setzte sich die Treuhandanstalt durch, die mit Investoren in Verhandlungen trat.
1996 verkaufte die Treuhand das Grundstück des Filmtheaters „Vorwärts“ an die Immobilienfirma Grundag. Auf dem Gelände sollte damals der neue Sitz des Stromversorgers Bewag entstehen, doch mit der Privatisierung des Stromanbieters 1997 zerschlugen sich die Pläne: die Grundag meldete ein Jahr später Konkurs an und das ehemalige Filmtheater verblieb in seinem ruinösen Dornröschenschlaf. Inzwischen bröckelte der Putz von der Fassade, Fenster und Eingänge waren mit Schichten von Plakaten überdeckt und immer mehr Graffiti-Künstler verewigten sich großflächig an dem Gebäude.
Kino Vorwärts: Trotz Bürgerprotesten wurde das Kino 2001 abgerissen
Bis zur Jahrtausendwende hatte es in der Frontzeile zur Treskowallee noch einige Interessenten mit Zwischennutzungen versucht: ein Reisebüro, eine Steuerberatungsfirma sowie ein Café hatten sich kurzzeitig eingemietet – doch alle Unternehmungen wurden wieder aufgegeben. Im Jahr 2000 ging die Immobilie aus dem Portfolio der Treuhand-Nachfolgerin „Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben“ (BvS) in das Eigentum des Berliner Vermögensamtes über, die das 2700 Quadratmeter große Grundstück samt dem heruntergekommenen Kinogebäude des Vorwärts wiederum im Oktober 2000 an die Trabergestüte und Trabrennbahn GmbH (TTB) veräußerte.
Die TBB ließ das Kino Vorwärts trotz Anwohnerproteste abreißen. Im Januar 2001 begannen Bagger das marode Haus an der Treskowallee abzutragen. Die Abrissarbeiten wurden von der Projektmanagement GmbH der Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) koordiniert und dauerten bis in den März 2001. Auf dem Grundstück wurde eine Grünfläche angelegt. An das traditionsreiche Filmtheater in Karlshorst erinnerten vor Ort keine Spuren mehr. Mittelfristig plante die TBB ein Einkaufszentrum auf dem Areal zu realisieren, als Ergänzung für die Wohnanlage „Traberpark Karlshorst“. Doch die Pläne zerschlugen sich – und so lag das Areal weitere 15 Jahre lang brach, bis sich südliche des Bahnhofs Karlshorst wieder etwas tat.
Kino Vorwärts: 2017 eröffnete ein Apartmenthaus auf dem Areal
2016 näherten sich erneut Bagger und schweres Gerät dem Grundstück, auf dem sich ehemals das Filmtheater Vorwärts befunden hatte – doch dieses Mal ging es um Aufbau statt Abriss. Das Grundstück war von einem Projektentwickler erworben worden, der die Errichtung eines Wohn- und Geschäftshauses plante. Bis 2017 wurde ein L-förmiges, fünfgeschossiges Apartmenthaus errichtet.
Das nach dem Braunschweiger Mathematiker Johann C. L. Hellwig (1743–1831) benannte Gebäude wird vom Immobilienunternehmen GBI unter dem Markennamen „Smartments Business“ vermarktet und bietet 151 Apartments, die auf Zeit an Geschäftsreisende, Projektmitarbeiter oder Neu-Berliner vergeben werden, die für die Dauer von einer Woche bis sechs Monaten eine Bleibe in Karlshorst suchen. Im Erdgeschoss des Apartmenthauses haben sich Geschäfte eingemietet: ein Lebensmitteldiscounter an der Ecke Treskowallee / Am Carlsgarten und ein Café dort, wo sich einst der Eingang zum „Vorwärts“ befand.



