Die Zeitschrift «Neue Baukunst» widmete im März 1930 diesem Haus und seinem Macher einen Artikel. Es ging um den Architekten und Maler Heinrich Möller, der sich in den 20er Jahren einen Namen als Kinoarchitekt und Planer außergewöhnlicher Wohngebäude gemacht hat. Außergewöhnlich ist auch dieses Wohn- und Geschäftshaus in der Seelenbinderstraße (Köpenick), das am Ende jenes Jahrzehnts entstand. Für den Bauherrn Dr. Pfifferling entwarf Möller eine Kombination aus Geschäftshaus und Villa. Schon angesichts der unkonventionellen Fensterverteilung lässt sich die komplizierte innere Struktur des Hauses erahnen. An der Straßenseite befindet sich unten das Ladengeschoss, im Hofbereich aber, von einer Mittelwand abgetrennt, beginnt ein gänzlich anders aufgebautes Haus: Da gibt es ein Untergeschoss mit Wirtschaftsräumen, und beim Eintreten von hinten gelangt man über zwei Treppen in eine zweistöckige Halle, die den Wohnbereich erschließt. Der Bauherr besaß im Innern das großzügige Raumprogramm einer Villa, doch äußerlich reiht sich das Haus ganz bescheiden in die städtische Architektur ein. Die äußere Gestaltung ist einfach, es finden sich vor allem Einflüsse der zeitgenössischen Neuen Sachlichkeit. Die Fenster aber setzen eigene Akzente, die auf Möllers expressionistische Vergangenheit hinweisen, meinen die Denkmalschützer. Maler Möller wollte mit jedem seiner Bauten ein einheitliches Gesamtkunstwerk schaffen. Bei diesem Haus, aber auch beispielweise im Charlottenburger Westend bei einer Direktorenvilla, die fast wie eine Backstein-Kirche wirkt, gelang ihm dies ganz besonders. Möller arbeitete gern mit den ornamentalen Möglichkeiten des Backsteins, was man hier bei den Übereck-Ziegel-Erkern im ersten Obergeschoss sehen kann. Möller wird von den Experten zu den wichtigsten vom Expressionismus beeinflussten Architekten Berlins gerechnet.