Auf dem Baugrundstück an der Ecke Gotlindestraße zur Siegfriedstraße in Lichtenberg plante der Bezirk den Neubau einer Kita. Doch als der Altbau entfernt wurde, stießen die Bauarbeiter auf ein tonnenschweres Problem. Im Zweiten Weltkrieg war an dieser Stelle ein Luftschutzbunker errichtet worden. Wenn die Sirenen erklangen, drängten sich Hunderte Anwohner in den labyrinthischen Bau und warteten in Todesangst und Luftarmut auf das Ende des Bombenhagels. Vielen von ihnen rettete der Schutzbau das Leben. Nach Kriegsende wurde der „Mutter-Kind-Bunker“ von den Alliierten gesprengt und abgetragen, doch Überreste von ihm verblieben Jahrzehnte lang vergessen im Boden – und führten dazu, dass das Eckgrundstück bis heute eine Brache ist. Alle Infos zu dem Lost Place.

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Das sind die Fakten zum Weltkriegsbunker Gotlindestraße im Überblick:

  • Adresse: Gotlindestraße 39, Ecke Siegfriedstraße, 10365 Berlin-Lichtenberg
  • Geschichte: Anfang der 1940er-Jahren als Luftschutzbunker errichtet; in der Nachkriegszeit von den Alliierten gesprengt und abgetragen; Überreste des Bunkers verblieben im Boden, darüber entstand in der DDR-Zeit ein Neubau, als in den 2020er-Jahren der Bestandsbau für einen Kita-Neubau abgerissen wurde, wurden die Bunkerreste freigelegt; seitdem Brachland
  • Bunkertyp: Flachbunker vom Typ 2D mit 18 Kammern; Schutzkapazität für rund 200 Personen
  • Führungen: Keine
  • Denkmalschutz: Nein
  • Status: Lost Place

Wo liegt der Weltkriegsbunker Gotlindestraße genau?

Der Weltkriegsbunker Gotlindestraße liegt auf einem Brachgrundstück an der Ecke Siegfriedstraße zur Gotlindestraße 39 im Ortsteil Lichtenberg des Bezirks Lichtenberg. Die Google-Koordinaten (Open-Location-Code) für das Objekt lauten: GF9X+5XP Berlin. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist das Grundstück am besten mit den Tramlinien 21 und 37 sowie mit den Buslinien 240, 256, N50 und N56 (Haltestelle Gotlindestraße) zu erreichen. Die Tram- und Busstation liegt direkt vor dem Grundstück. Achtung: Das Gelände ist umzäunt; das Betreten durch Unbefugte verboten. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Weltkriegsbunkers Gotlindestraße:

Ausgangslage: Luftschutz-Sofortprogramm für Berlin im Zweiten Weltkrieg

Luftschutzübung Berlin 1935 / Vorführung
Vorbereitung auf den Luftkrieg: Vorführung eines Luftschutzraumes in der Luftschutzberatungsstelle Berlin-Pankow in der Schloßstraße 20. Foto aus dem Jahre 1935.© picture alliance / akg-images | akg-images

Als 1940 Luftangriffe der Alliierten erstmals die Reichshauptstadt trafen, reagierte die NS-Führung nervös. Hektisch wurde ein Bunkerbau-Sofortprogramm aufgelegt, bei der Betonbauten in der Reichshauptstadt aus dem Boden schossen. Unter der Federführung der „Baugruppe Langer“ des Generalbauinspektors – einer von Albert Speer (1905–1981) geleiteten Behörde – entstanden Normbunker für die Zivilverteidigung und hunderte Bauten, die militärische Ziele schützen sollten: Militär-, Flak, Nachrichten- und Kommandobunker.

Berlin wurde mit einem Netz von Schutzbauten überzogen – in der Innenstadt, aber auch in den Außenbezirken. Im Südwesten Berlins, im heutigen Bezirk Steglitz-Zehlendorf, wurden Kolosse errichtet wie der Bunker Heckeshorn auf der Wannsee-Insel, der Hochbunker Eiswaldstraße und der wie der als Wohnhaus getarnte Bunker Eiderstedter Weg. Anders als bei Hochbunkern lagen die Schutzräume von Flachbunkern unter der Erde. Einer von ihnen, der die Anwohner im Osten Berlins schützen sollte war der „Mutter-Kind-Bunker“ an der Gotlindestraße in Lichtenberg.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Schutzbau der „ersten Welle“ in Berlin

Schlacht um Berlin/sowjet.Kampfflugzeuge
Ab 1940 war Berlin Ziel alliierter Luftangriffe. Die Aufnahme zeigt sowjetische Kampfflugzeuge, die im Mai 1945 die Innenstadt überfliegen© picture-alliance / akg-images | akg-images

Der Bunker gehörte zur „ersten Welle“ der während des Bunker-Sofortprogramms von 1940/1941 in Berlin errichteten Schutzbauten. Insgesamt waren es an die 1000 Anlagen, die gebaut wurden, wovon etwa 500 Flachbunker für einhundert bis dreihundert Personen in dicht besiedelten Wohngebieten entstanden. Die Schlüssel für eine Kammer mit jeweils zwei 3-Stockbetten wurden bevorzugt an kinderreiche Familien aus der Umgebung vergeben. Zusätzlich gab es zumeist Aufenthalts- und Sanitärräume sowie Schleusen, Räume für die Bunkertechnik und für das Luftschutzpersonal beziehungsweise den Bunkerwart.

Der Bunker war als sogenannter Schlafbunker konzipiert. Die Kammer im Inneren waren Familien mit Berechtigungsschein vorbehalten, die von NS-Vertrauensleuten ausgegeben wurden. Daher der Spitzname: „Mutter-Kind-Bunker“ oder auch „Dornröschenbunker“, nach den Malereien von Märchenfiguren, die bisweilen in den Kammern aufgemalt waren, um Kindern die Angst vor den Eintritt in die klaustrophobischen Anlagen zu nehmen. Der Bautyp des Bunkers an der Gotlindestraße war weit verbreitet. Über das ganze Stadtgebiet verteilten sich derartige Schutzbauten.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Nibelungentreue und Götterdämmerung im Kiez

Bei dem Anfang der 1940er-Jahre errichteten Bunker in der Gotlindestraße handelte es sich um einen Flachbunker vom Typ 2D mit insgesamt 18 Schutzkammern. Der Bunker war mit seiner Längsseite an der Straßenflucht der Gotlindestraße ausgerichtet und wurde auf einer zuvor unbebauten Fläche errichtet, die zwischen dem Straßenbahnbetriebshof Lichtenberg im Norden und zwei in den 1930er-Jahren errichteten randbebauten Wohnblöcken lag, die als Werkswohnungen den Straßenbahner vorbehalten waren.

Östlich davon schloss sich der Freyaplatz an – benannt nach der nordischen Göttin Freya. Wotan, Hagen und der Drachentöter Siegfried: Auch die umgebenden Straßen waren Figuren der nordischen Helden- und Sagenwelt entlehnt, die den Komponisten Richard Wagner (1813–1883) zum Opernzyklus „Ring des Nibelungen“ angeregt hatten. Das gesamte Wohngebiet hieß bei den Anwohnern deshalb auch Wagnerviertel.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: So war der Bunker aufgebaut

Bei dem eingeschossigen Bunkertyp handelte es sich um eine vergleichsweise kleine Luftschutzanlage: Die Länge und Breite des Bauwerks betrugen rund 37 mal 16 Meter auf einer Baufläche von knapp 600 Quadratmetern. Die Deckenstärke betrug 1,40 Meter; die Wandstärke aus massivem Stahlbeton 1,80 Meter. Zwei seitliche Zugänge führten über Treppen in das unter dem Straßenniveau liegende Bunkerinnere.

Dicke Eisentüren mit Sichtlöchern riegelten jeweils die dahinterliegenden Schutzräume hermetisch ab. Vorbei an Sanitärräumen und der Bunkeraufsicht führten zwei parallele Gänge mit je sechs Kammern sowie einer Kammerzeile in der Mitte zum hinteren Ausgang. Dort gab es einen größeren Aufenthaltsraum, einen Sanitärraum, einen Heizungsraum, Sandfilter, Lüftungsgeräte und Schutztüren, die die zweite Schleuse des hinteren Notausgangs sicherten. Es gab für Männer und Frauen getrennte Sanitärbereiche, einen Wasserzulauf und einen Dieselgenerator für Elektrizität.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Schutz unter meterdickem Stahlbeton

Gedenkveranstaltung des Vereins Berliner Unterwelten
Die Zellen der Schutzbunker waren mit dreistöckigen Betten ausgestattet: Die Aufnahme entstand am 3. Februar 2025 bei der Gedenkveranstaltung des Vereins Berliner Unterwelten zum Auftakt des Gedenkjahres „80 Jahre Kriegsende" in der Bunker- und Tunnelanlage unter der Dresdener Straße zwischen Berlin-Mitte und Kreuzberg. © picture alliance/dpa | Christoph Soeder

Im Sanitärbereich befanden sich Toiletten- und Waschräume. Die 18 Schutzzellen des Bunkers waren als Schlafkammern mit einer Grundfläche von etwa sechs Quadratmetern ausgelegt, in denen jeweils zwei dreistöckige Betten standen. Das Bauwerk war durch Luftschutzsymbole als Zufluchtsstätte gekennzeichnet. Die Rettungswege im Bunker – und Hinweise wie „Nicht rauchen“ und „Ruhe bewahren“ – waren mit fluoreszierender Farbe auf den Bunkerwänden angebracht. So konnte Fluchtwege auch bei einem Totalausfall der Bunkertechnik noch genutzt werden.

Bei Luftalarm liefen Familien mit ihren Kindern zu dem Bunker in der Gotlindestraße, in dessen schützenden Wänden ihnen – sofern sie einen Berechtigungsschein hatten und sie den Bunker rechtzeitig erreichten – reservierte Schlafräume zur Verfügung standen. Für die älteren Anwohner oder auch zufällig Schutz suchenden Passanten gab es größere Räume mit Holzbänken. Der Einlass wurde durch Luftschutzpersonal geregelt. Wer nach Fliegeralarm die zumeist überfüllten Bunker nicht rechtzeitig erreichte, stand vor verschlossenen Türen.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Luftarmut in der Anlage führte zu Panik

Luftschutzkeller während des Zweiten Weltkrieges in Berlin, 1943
Einwohner Berlins während eines Luftangriffes in einem öffentlichen Luftschutzbunker im November 1943.© picture alliance / SZ Photo | Scherl

Als sich in den letzten Kriegsjahren die Bombenangriffe auf Berlin verstärkten, wurden bomben-, trümmer- und splittersichere Luftschutzbauten als Zuflucht für die Bevölkerung immer wichtiger. Sirenen, gepackte Koffer und Nächte in dichtgedrängten Schutzbunkern gehörten zum Alltag in der Reichshauptstadt. Doch nicht nur durch Bombentreffer und Verschüttung konnten die unterirdischen Betonkolosse zur Todesfall werden.

Der damals junge Klaus Bühn erinnerte sich viele Jahre später an die Situation im Wagnerviertel: „1944 waren wir dann wieder in Berlin. Am Tage haben wir bei Fliegeralarm nun auch den Hochbunker in Weißensee und den Flachbunker in der Siegfriedstraße/Ecke Gotlindestraße aufgesucht. In den Bunkern herrschte stets eine stickige Luft. Manche Menschen sind wegen Sauerstoffmangels zusammengebrochen. Es hielten sich stets mehr Menschen im Bunker auf, als eigentlich Plätze vorhanden waren.“*

Wenn die elektrische Belüftung ausfiel, konnten die Bunker noch manuell durch Handkurbeln mit Strom und Luft versorgt werden. Doch die Anstrengungen waren enorm, um die verbrauchte Luft im Bunker auszutauschen und einen ausreichenden Sauerstoffgehalt aufrechtzuerhalten. Oft war die Luft so dünn und die Situation so beengend, dass Menschen in Panik gerieten.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Panzersperren hielten die Sowjets nicht auf

Der Bunker in der Gotlindestraße erhielt im Zweiten Weltkrieg keinen direkten Treffer – und rettete vermutlich unzähligen Anwohnern das Leben, die sich während der ab 1943 verstärkten Angriffe in den Flachbunker retten konnten. In der Umgebung wurden zahlreiche Gebäude beschädigt und einzelne Wohnhäuser wie beispielsweise das Mehrfamilienhaus an der nahegelegenen Wotanstraße 8a durch Bombentreffer vollständig zerstört. Im Frühjahr 1945 erreichten Verbände der Roten Armee die Stadt.

Vom Norden rückte Marschall Georgi Schukow (1896–1974) mit Verbänden der 1. Weißrussischen Front von Marzahn aus in Richtung Innenstadt vor. Am 24. April 1945 erreichten seine Einheiten von der Siegfriedstraße aus nach Süden vorrückend das Wagnerviertel. Dort hatten versprengte Einheiten der Wehrmacht, des Volkssturms und der Hitlerjugend eine Panzersperre am Freyaplatz errichtet, die die Rotarmisten aber schlicht umgingen. Rund um den Weltkriegsbunker Gotlindestraße endete der Krieg – und wenige Wochen später mit der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 auch im übrigen Europa.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Der Beton-Koloss wurde nach 1945 zertrümmert

Berlin, Mauerstraße / Bunkersprengung 1947
Die meisten der Berliner Bunker wurden von den Alliierten gesprengt und abgetragen. Berlin, Sprengung des Bunkers der Gauleitung der NSDAP in der Mauerstraße (Berlin-Mitte), 1947.© picture alliance / akg-images | akg-images

Nach Kriegsende war Lichtenberg Teil der sowjetischen Besatzungszone geworden und gehörte später, nach der Gründung der DDR, 1949 zur ostdeutschen Hauptstadt. Die über das Stadtgebiet Berlins verteilten Bunker hatten mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Primärfunktion verloren. 1945 befanden sich noch rund 360 Bunker in der Stadt, die als Schutzräume vor Bombenangriffen für Hunderttausende ausgelegt waren.

Die Alliierten befahlen in der Regel die Sprengung, was aber nicht bei allen gelang. Der Flachbunker in der Gotlindestraße wurde in der Nachkriegszeit auf Geheiß der sowjetischen Militäradministration (SMAD) zertrümmert und abgetragen, wobei Überreste des Bunkers auf der Grundstücksfläche verblieben. In den nachfolgenden Jahrzehnten wuchs buchstäblich Gras über die Sache.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Ein Steinwurf von der Stasi-Zentrale entfernt

Stasi-Zentrale in Ost-Berlin
Die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR in der Normannenstraße in Ost-Berlin am 18.12.1989.© picture alliance / zb | Zentralbild

In den Folgejahren veränderte der Kiez seine Gestalt: Das westliche des Wagnerviertels zwischen 1949 und 1952 errichtete Stadion an der Normannenstraße (heute: Hans-Zoschke-Stadion) gilt als eines der ersten Großbauten der DDR-Architektur. Östlich der Hagenstraße entstand das Wohngebiet „Lockere Stadt“ mit kleinen Häusern und viel Freifläche und in den 1970er-Jahren entlang des Areals an der Frankfurter Allee Neubausiedlungen mit Plattenbau-Hochhäusern.

Im Südwesten lag an der Normannenstraße die Zentrale des Ministeriums für Staatsicherheit. Anfänglich kaum beachtet wuchs die Stasi-Zentrale allmählich zu einer Stadt in der Stadt heran. Für den Überwachungs- und Unterdrückungsapparat rund um Erich Mielkes Dienstsitz, dem 1962 fertiggestellten „Haus 1“, wurden Genossenschaftsbauten von Bruno Taut (1880–1938) und eine Kirche abgerissen. In den 1970er-Jahren kam noch eine Außenstelle hinzu – das 500 Meter weiter nördlich gelegene Teilobjekt Gotlindestraße, in dem heute die Agentur für Arbeit Lichtenberg gefunden.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Neue Pläne nach der Wiedervereinigung

Auf dem Bunkergelände an der Gotlindestraße 39 wurde nach dem Krieg ein Hallengebäude errichtet, das noch in der DDR-Zeit abgerissen und durch eine kleinere Baracke auf dem östlichen Grundstücksteil ersetzt wurde. Das Gebäude und die Stellfläche an der Ecke Gotlindestraße zur Siegfriedstraße war nach der Wiedervereinigung in den 2010er-Jahren als „Auto-Ecke“ Standort eines Gebrauchtwagenhändlers, der hier seine Verkaufsflächen unterhielt. Längst war in Vergessenheit geraten, was unweit der Bushaltestelle Gotlindestraße wenige Spatenstiche tief im Boden ruhte.

Anfang der 2010er-Jahre wurde das Gebiet Frankfurter Allee Nord (FAN) zum Stadtumbau- und Sanierungsgebiet. Im Zuge der Planungen war klar: In dem künftig als allgemeines Wohngebiet deklariertem Areal konnte der Kfz-Händler planungsrechtlich nicht verbleiben. Für den Autohändler wurde ein neuer Standort im Gewerbegebiet Herzbergstraße ausfindig gemacht.

Das Eckgrundstück an der Gotlindestraße sollte stattdessen zu einer öffentlichen Freifläche mit Grünanlage und Sitzbänken umgestaltet werden. Ende der 2010er-Jahre fasste der Bezirk einen neuen Plan: Angesichts fehlender Kinderbetreuungsplätze könnte, so die Idee, auf dem Grundstück ein Kita-Neubau und ein Kiez-Café entstehen.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Fund aus der Nazizeit verhinderte Kita-Neubau

Seit 2019 stand die Niederlassung des ehemaligen Gebrauchtwagenhändlers an der Gotlindestraße leer. Bis 2021 waren die Bestandsbauten abgerissen und die Vorbereitungen der Baufläche für die Errichtung einer neuen Kindertagesstätte für bis zu 84 Kinder samt „Eltern-Kind-Café“ als nachbarschaftliche Begegnungsstätte begannen.

Auf der Internetseite des Landes Berlins hieß es zu dem Projekt: „Für den Kitaneubau in der Gotlindestraße 39 soll ein Konzept erarbeitet werden, dass im Sinne einer Mehrfachnutzung neben dem Kitabetrieb auch ein öffentliches Angebot für den Stadtteil – etwa in Form eines Cafés mit dazugehöriger Freifläche – vorsieht.“

Im Vorfeld der Arbeiten hatte das Berliner Planungsbüro „Winkelmüller Architekten“ mehrere Varianten für den Neubau mit etwa 1.300 Quadratmetern Nutzungsfläche vorgestellt und es wurde mittels Interessenbekundungsverfahren ein geeigneter Kita-Träger gefunden, der mit Fördermitteln des Landesprogramms „Auf die Plätze, Kitas, los!“ unterstützt werden sollte. Doch in dem Moment, in dem die Baggerschaufeln in der Gotlindestraße Stahlbeton und Trümmerreste des einstigen Weltkriegsbunkers freilegten, kam das Projekt ins Wanken.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Trümmer erst freigelegt, dann zugewuchert

Mehr als 70 Jahre lang hatten die Überreste des zertrümmerten Bunkers unbeachtet im Boden geschlummert – jetzt wurden sie zu einem Problem. Zwar ging der Bezirk davon aus, dass es sich um nicht viel mehr als einige Bodenfragmente des alten Bunkers handelt, die im Zuge der Bauarbeiten an der Gotlindestraße zum Vorschein kamen – diese hätten in das Fundament eines Neubaus integriert werden können – doch angesichts unvermeidlicher Neuplanungen und womöglich einer Kostenexplosion zog sich der Kita-Träger 2024 aus dem Projekt zurück. Ein neuer Investor wurde nicht gefunden.

Seit 2021 verblieb das Eckgrundstück als Brache: über die freigelegten Überreste des Weltkriegsbunkers legten sich mit der Zeit Flechten und Moose. Die Natur begann die Trümmer erneut in Besitz zu nehmen, so dass der Bodenfund sich langsam wieder den Blicken der Passanten an der Gotlindestraße entzog – dieses Mal nicht durch Erdschichten, sondern durch wildwuchernde Pflanzen, die ihn bedeckten.

Weltkriegsbunker Gotlindestraße: Eckgrundstück verbleibt bis auf Weiteres als Brache

Auf die schriftliche Anfrage des Politikers Niklas Schenker (Die Linke) im April 2025 zum Stand der Dinge an der Gotlindestraße antwortete der Bezirk für die Senatsverwaltung, dass „unter Berücksichtigung der aktuell rückläufigen Kinderzahlen […] von einem Kita-Neubau auf dem Gelände abgesehen“ wird. Der Bezirk verfolge stattdessen wieder die geplante Nutzung als Grünfläche. Für diese war 2015 ein Betrag von 400.000 Euro veranschlagt worden.

Da die Finanzierung angesichts der angespannten Haushaltslage Berlins nicht abgesichert ist, wird das Grundstück vorgehalten. Sprich: Es verbleibt auf unabsehbare Zeit als Brache mit Bunkertrümmern. Eine Spätfolge des Zweiten Weltkriegs, die in Lichtenberg einen Kita-Neubau verhinderte.

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*Bühn, Klaus: In der Siegfriedstraße und in der Gotlindestraße brannten die Bäume (Zeitzeugenbericht), in: Wie Silberfische flimmerten Bomber am Himmel – Erinnerungen an das Inferno des Krieges in Berlin-Lichtenberg, hrsg. vom Heimatmuseum Lichtenberg (Edition Berliner Unterwelten 1), Berlin 2003, S. 127.