Manchmal zeigt sich im Kleinen die Stärke. Insofern lässt die Zahl der frisch gegründeten Technologieunternehmen im ersten Halbjahr hoffen für die deutsche Wirtschaft. Im Vergleich zu einem Jahr zuvor starteten nach Angaben des Startup-Verbands neun Prozent mehr Firmen – vor allem bei Software. Ein Grund für das rasante Wachstum bei Start-ups: Künstliche Intelligenz senkt die Hürden.

Donnerstag
Wirtschaft in Berlin
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„Der positive Trend seit 2023 setzt sich fort“, sagt Jannis Gilde vom Startup-Verband. Der kontinuierliche Wachstumstrend, der während Corona eingebrochen sei, sei zurück. Jeden Monat seien mehr Firmen Start-ups gegründet worden als im langjährigen Mittel. Im Gesamtjahr könnten demnach mehr als 3000 neue Tech-Firmen möglich sein – fast der bisherige Rekordwert von 2021 mit 3196.
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Drei Bundesländer treiben das Wachstum – Berlin bleibt Spitzenreiter bei der Gründungsdichte
Der Schub kommt vor allem aus drei Ländern: Bayern, Nordrhein-Westfalen und Sachsen mit jeweils kräftigen Zuwächsen im ersten Halbjahr 2025. In Bezug auf 100.000 Einwohner ist Berlin mit 6,7 neuen Start-ups an der Spitze, gefolgt von Hamburg mit 4,5. Auf Rang drei folgt Bayern mit 2,6. Alle anderen Bundesländer liegen unter dem deutschlandweiten Schnitt von 1,8 Neugründungen je 100.00 Einwohner.
Gilde sagte, es sei noch Potenzial zu heben. Dass mehr möglich ist, zeigt der Aufstieg Sachsens von Rang zehn auf Rang sieben, allerdings immer noch auf niedrigem Niveau. Das Bundesland jedenfalls hat sich in den vergangenen Jahren darum gekümmert, Tech-Gründungen zu beschleunigen.

Städtevergleich zeigt regionale Unterschiede
Bayern profitiert vor allem von München und seinem Umland. In der Fläche ist die Zahl der neuen Start-ups auch eher übersichtlich. Die bayerische Landeshauptstadt hat sich die Spitzenposition mit 13,5 Gründungen je 100.000 Einwohner zwischen 1. Juli 2024 und 30. Juni 2025 zurückgeholt und Heidelberg (13,4) auf Rang zwei verwiesen. Auf Rang drei Berlin (13,2) vor Darmstadt (11,5) und Aachen (9,1).
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Neu in der Liste ist Stuttgart auf Platz neun. Köln, vor einem halben Jahr noch auf Rang zehn, ist wieder abgerutscht. Betrachtet werden alle Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern. Meist haben sie eine starke Universität, die Wert darauf legt, gute Ideen auszugründen.
Erstes Halbjahr: 174 Start-Ups mussten Insolvenz anmelden
Neu gegründet wurden vor allem Softwarefirmen. Der Verband zählte ein Plus von 16 Prozent. Seit 2022 hat sich die Zahl der Start-ups, die sich ins Geschäftsleben wagen, auf 368 fast verdoppelt. Einen Grund sieht Benedikt Kurz, Vorstandsmitglied des Verbands und selbst Gründer, in Künstlicher Intelligenz. „Sie senkt die Hürden, spart Zeit und Geld.“ Dank der Technologie lasse sich Software schneller und günstiger entwickeln. Neue Produkte und Webseiten seien ohne große Kenntnisse möglich.

Ob es wirtschaftlich läuft, zeigt auch eine andere Zahl. Im ersten Halbjahr mussten 174 Unternehmen, die keine zehn Jahre alt waren, Insolvenz anmelden. Das waren acht mehr als vor einem Jahr, ein moderater Anstieg, wie es beim Startup-Verband heißt. Es traf vor allem Firmen aus der Medizin- und der Lebensmittelbranche.
Was ein Start-up wirklich ausmacht
Nicht jedes neue Unternehmen ist ein Start-up. Wenn es bis zu acht Jahre alt ist, von Innovation und Technologie getrieben wird und vor allem schnell stark wachsen soll, gehört es dazu. Klassische Handwerker zählen deshalb nicht dazu, auch wenn sie gerade anfangen. Ein neuer Dachdecker ist kein Start-up, der Entwickler einer Nachhilfe-App schon.
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Der Startup-Verband nutzt für seine Übersicht Daten von Startupdetector. Die Firma durchsucht Handelsregister nach Gründungen – meist Kapitalgesellschaften – und bewertet sie. Zunächst automatisch, dann per Hand. Etwa drei Prozent aller neuen Firmen entsprechen den Vorgaben.




