Die amerikanisch-russische Annäherung unter Donald Trump nimmt ein atemberaubendes Tempo auf. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat Medienberichten zufolge eine Aussetzung aller offensiven Cyber-Einsätze gegen Russland angeordnet. Das Pentagon hat sich bislang noch nicht offiziell dazu geäußert. Die Anordnung Hegseths erfolgte allerdings bereits vor dem Eklat zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj am vergangenen Freitag.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Operation sei Teil einer allgemeinen Neubewertung der US-Operationen gegen Moskau, berichtet die „New York Times“. Trump hatte sich im Präsidentschaftswahlkampf mit dem Versprechen unter Druck gesetzt, den Ukraine-Krieg „innerhalb von 24 Stunden“ zu beenden. Er tut derzeit alles, um Kremlchef Wladimir Putin an den Verhandlungstisch zu bringen. Das umfasst Kernbedingungen Putins wie: keine Nato-Mitgliedschaft für die Ukraine, Gebietsverzichte, keine amerikanischen Sicherheitsgarantien sowie immenser Druck auf Selenskyj. Der jetzt verfügte Cyber-Stopp ist das neueste Element in dem gigantischen Vertrauensvorschusspaket für Putin.

Ukraine profitiert massiv von Starlink – Abschaltung hätte drastische Folgen

Für die Ukraine wäre das ein weiterer Schlag. Amerikas Satellitenaufklärung war für die ukrainischen Streitkräfte bislang ebenso wichtig wie die Cyber-Kapazitäten der Supermacht. Die Spionage über digitale Kanäle brachte wichtige Erkenntnisse über die militärischen Absichten Russlands und mögliche Gegenmaßnahmen. Sollte der Trump-Intimus Elon Musk zudem sein Satellitennetzwerk Starlink über der Ukraine abschalten, wäre das angegriffene Land von kriegsrelevanten Informationen abgeschnitten. Die Europäer könnten dies nicht kompensieren – schon gar nicht kurzfristig.

Lesen Sie auch den Kommentar: Selenskyj und sein Land brauchen eine klare Botschaft

Trumps neuester Cyber-Pazifismus gegenüber Russland ist eine radikale Abkehr von seiner früheren Politik. In seiner ersten Amtszeit hatte er das U.S. Cyber Command mit der Fähigkeit offensiver Operationen ohne direkte Zustimmung des Präsidenten ausgestattet.

Dem Chef des Weißen Hauses geht es jedoch nicht nur um die bislang einzigartige Umwerbung Putins. Er glaubt, dadurch Russland aus der strategischen Partnerschaft mit China lösen zu können. Der wirtschaftliche, militärische und politische Aufstieg der Volksrepublik gilt in den USA als größte Bedrohung. Trumps Vision: Ein „Deal“ zwischen den nuklearen Supermächten und Ölgiganten Amerika und Russland wäre der Startschuss für einen neuen geopolitischen Schulterschluss, der Türen für Handel und Investitionen öffnet. Es ist der Traum des ehemaligen New Yorker Immobilien-Tycoons, der die Gesetze seiner damaligen Branche auf die Weltpolitik übertragen will. „Es gibt unglaubliche Möglichkeiten, die sich aus einer geopolitischen Partnerschaft mit den Russen in Fragen von gemeinsamem Interesse ergeben“, sagte US-Verteidigungsminister Marco Rubio nach einem Treffen mit russischen Vertretern in Saudi-Arabien.

Auch interessant

USA übersehen, wie eng Russland und China wirklich beieinander sind

Was die Amerikaner dabei übersehen: Die Allianz zwischen Russland und der Volksrepublik ist „felsenfest“, wie Putin und Chinas Staatschef Xi Jinping immer wieder betonen. Beide arbeiten an der Schwächung des Westens und der Verminderung der weltweiten US-Dominanz. Und sie umgarnen die Schwellenländer des „globalen Südens“.

Trump gleicht einem Pokerspieler, der mit gigantisch hohem Einsatz agiert. Und dabei das große Risiko eingeht, am Ende mit leeren Händen dazustehen.