Ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz, sagen die einen. Eine Gefahr für die Umwelt und enorm teuer noch dazu, sagen die anderen. Die Idee, klimaschädliches CO2 einfach tief im Erdboden verschwinden zu lassen, wird kontrovers diskutiert. Die neue schwarz-rote Regierung aber will die unterirdische Speicherung nun forcieren. Gerade für „ schwer vermeidbare Emissionen des Industriesektors und für Gaskraftwerke“ solle die Abtrennung und Speicherung von CO2 ermöglicht werden, heißt es im Koalitionsvertrag. Es sei eine Ergänzung zum Ausbau der erneuerbaren Energien und wird von CDU, CSU und SPD deshalb auch als „unerlässliches Instrument für den Klimaschutz“ bezeichnet. Aber: Wie gefährlich ist es? Und wie groß ist der Beitrag zum Klimaschutz wirklich? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie kann das Treibhausgas CO2 so gespeichert werden, dass es die Atmosphäre nicht weiter erhitzt?

Es gibt weltweit viele mögliche Lagerstätten an Land und unter der See. So eignen sich beispielsweise ausgediente Gas- oder Ölfelder, aber auch tiefliegende Salzgesteine für die Speicherung von CO2. Das ist allerdings nur ein Teil der Technologie. Zunächst muss das Gas erst einmal von anderen Abgasen getrennt werden. Spezielle Filter übernehmen in Industrieanlagen das Abscheiden des Treibhausgases. Das Verfahren zum Abscheiden und Speichern wird mit dem englischen Begriff Carbon (Dioxid) Capture and Storage (CCS) bezeichnet.

Koalitionsvertrag: Darauf haben sich CDU/CSU und SPD geeinigt

Wo könnte die Technologie angewendet werden?

Es kommen vor allem bestimmte Industriebetriebe in Frage, die nicht klimaneutral betrieben werden können. Dazu zählen beispielsweise Zement- oder Chemiefabriken. Bei Zementwerken fällt CO2 nicht durch den Verbraucher fossiler Energie an, sondern bei der Verarbeitung des Kalksteins an und ist somit unvermeidbar. Das Klimagas wird in den Anlagen abgeschieden und kann dann per Pipeline, Tankwagen oder mit der Bahn zur vorgesehenen Lagerstätte transportiert. Ein entsprechendes Transportnetz müsste allerdings erst noch aufgebaut werden.

Wo liegen die potenziellen Lagerstätten?

Sowohl im Inland als auch in vielen anderen Ländern der Welt gibt es geeignete Gesteinsformationen an Land und unter dem Meer. In Europa sind Dänemark und Norwegen mit ausgedienten Gasfeldern dabei, entsprechende technische Voraussetzungen für die Einlagerung in großem Stil zu schaffen. Aber auch in Deutschland kommen sowohl an Land als auch in der Nordsee Lagerstätten in Frage. Es gab auch in Brandenburg ein Pilotprojekt mitten im Land, mit dem die Speicherung einer kleineren Menge CO2 erprobt wurde. Andere Versuche wurden schnell wieder eingestellt, auch weil sich Bürgerinitiativen dagegen zur Wehr setzten.

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Ließen sich damit die gesamten Emissionen klimaneutral speichern?

Experten sind sich einig, dass eine sinnvolle Ergänzung der Klimaschutzmaßnahmen sein kann, aber das Emissionsproblem allein nicht lösen wird. Im Vordergrund stehen weiterhin die Vermeidung von Emissionen und der Umstieg auf erneuerbare Energien oder auch Atomkraft. Zahlen zeigen dies anschaulich. So beziffert die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) die Speicherkapazitäten in Deutschland auf eine Größe zwischen 6,3 und 12,8 Milliarden Tonnen CO2. Die Treibhausgasemissionen liegen derzeit bei etwa 650 Millionen Tonnen pro Jahr. Selbst wenn alle Speicher prall gefüllt werden könnten, wäre die Speicherung nur eine Zwischenlösung. Experten gehen nur von einem dauerhaft geringem Anteil der anfallenden Emissionen aus, die am Ende in einen Speicher gepresst werden. Fünf bis zehn Prozent könnten es werden.

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Ist die Speicherung in Deutschland erlaubt?

Derzeit ist es aufgrund rechtlicher Unsicherheiten praktisch nicht möglich, in Deutschland CO2 einzuspeichern. Deshalb arbeiten Unternehmen wie der Marktführer in diesem Bereich, Wintershall, mit Dänemark oder Norwegen zusammen. Wintershall hat schon eine Lizenz für die Einlagerung im dänischen Jütland. Bis 2029 soll der Speicher dort erschlossen werden. Dennoch pocht die Branche auf eine schnelle Gesetzgebung, die den rechtlichen Rahmen für CCS schaffen soll. 

Was plant die angehende Koalition?

Einen Gesetzentwurf für die Speicherung und den Transport von CO2 hatte die Ampel bereits auf den Weg gebracht. Die angehende Koalition aus Union und SPD will auf dieser Basis noch vor der Sommerpause CCS in Maßen erlauben. Unklar ist noch, ob künftig auch Speicher an Land genutzt werden und welche Industrien die Technologie nutzen dürfen. Auf jeden Fall soll rasch eine gesetzliche Grundlage dafür geschaffen werden. Danach kommt der zweite Schritt, der den Aufbau eines Transportnetz betrifft. Denkbar ist ein Pipelinenetz, etwa mit einem Anschluss an Wilhelmshaven, von wo aus das Treibhausgas in fernerer Zukunft per Unterseepipeline an ehemalige Gaslagerstätten in Dänemark geleitet werden könnte.

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Stößt die Technologie auf Akzeptanz in der Bevölkerung?

Die Akzeptanz der Technologie ist durchaus gegeben, wie eine Umfrage des Instituts der deutsche Wirtschaft (IW) zeigt. Über 40 Prozent der Befragten stehen CCS positiv gegenüber, nur knapp jeder Fünfte lehnt es ab. Ein großer Teil der Bevölkerung weiß allerdings noch zu wenig über die Technologie, um sich ein klares Bild zu verschaffen. Und: Vor der eigenen Haustür wollen die Befragten die Technologie nicht haben. Das IW fordert mehr Aufklärung über den Transport und die Speicherung von CO2. 

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Warum gab es in der Vergangenheit so viel Widerstand gegen CCS? 

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hält dagegen nichts von CCS. Der Verband sieht gewaltige Umweltrisiken, wenn die Lager zum Beispiel undicht sind und CO2 unkontrolliert in die Atmosphäre entweichen kann. An Land könnte laut BUND das Grundwasser mit Schwermetallen kontaminiert werden, in der See Korallen oder Muscheltiere getötet werden. Das Umweltbundesamt bestätigt diese Einschätzung. Außerdem befürchten die Umweltschützer hohe Folgekosten der Endlager für die künftigen Generationen.