In Berlin lassen sich eine Vielzahl von Schrottimmobilien und Geisterhäusern finden: verfallene Eckhäuser inmitten der belebten Stadt, Neubauruinen und abbruchreife Wohnkasernen. Eines der Häuser inmitten eines heißbegehrten Kiezes: die Rohbauruine an der Grabbeallee Ecke Homeyerstraße in Pankow.

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Jahrelang konnten die Anwohner dabei zusehen, wie sich das Bauprojekt in eine trostlose Neubauruine verwandelte. Der Investor zog sich aus dem Bauvorhaben zurück, seitdem verwildert das Eckgrundstück. Die wichtigsten Infos zu dem Lost Place.
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Das sind die Fakten zur Rohbauruine Grabbeallee im Überblick:
- Adresse: Homeyerstraße 1, Ecke Grabbeallee 21, 13156 Berlin-Niederschönhausen
- Geschichte: In der Nachkriegszeit wurde das Vorgängergebäude auf dem Grundstück abgerissen. Danach wurde das brachliegende Eckgrundstück als Pkw-Abstellfläche genutzt. 2016 begannen die Arbeiten für ein Neubauprojekt zur Errichtung eines Wohnhauses. Nach Abschluss des erweiterten Rohbaus ruhte die Bautätigkeit; seitdem Stillstand und Verfall
- Führungen: Keine
- Denkmalschutz: Nein
- Status: Lost Place
Wo liegt die Rohbauruine Grabbeallee genau?
Die Rohbauruine Grabbeallee liegt an der Adresse Homeyerstraße 1, Ecke Grabbeallee 21 im Ortsteil Niederschönhausen des Bezirks Pankow. Die Google-Koordinaten für das Objekt lauten: H9FX+8F6 Berlin. Das Grundstück kann mit öffentlichen Verkehrsmitteln am besten mit den Buslinien 250 und M1 (Haltestelle Bürgerpark Pankow) erreicht werden. Von der Bushaltestation benötigt man zu Fuß rund zwei Minuten entlang der Grabbeallee bis zu dem Gebäude. Achtung: Es handelt sich um Privatbesitz. Unbefugten ist das Betreten nicht erlaubt. Auch interessant: Lost Places: Diese Strafen drohen bei Hausfriedensbruch
Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte der Rohbauruine Grabbeallee:
Ausgangslage: Beliebtes Wohnviertel im grünen Umland Berlins

Bereits in der Kaiserzeit befand sich das Eckgrundstück an der Grabbeallee in einer begehrten Wohnlage. Die Allee war Jahrhunderte lang die wichtigste Verbindungsstraße zwischen Pankow und Niederschönhausen. Gesäumt von altehrwürdigen Vorstadtvillen aus der Zeit des Historismus, wie das etwas unheimlich wirkende „Haus Horridoh“ an der Grabbeallee 39, wurde sie zunächst einfach Weg nach Niederschönhausen genannt. Aufgrund ihres Baumbestands bekam sie später den Namen Lindenstraße, und 1936 den des Dichters Christian Dietrich Grabbe (1801–1836).
In unmittelbarer Umgebung des Eckgrundstücks lag östlich der Straße die im Auftrag des Beamten-Wohnungs-Vereins errichtete Paul-Francke-Siedlung des Berliner Architekten Paul Mebes (1872–1938), im Norden die Kleingartenkolonie „Panketal“, im Süden der Volkspark Schönholzer Heide und im Westen das geplante Forstviertel, zu dem die Parzelle gehörte. Das Areal am Hohenzollernplatz – 1951 in Heinrich-Mann-Platz umbenannt – grenzte an das Waldgebiet „Schönhauser Fichten“ und gehörte zum Preußischen Forstfiskus. Ab 1904 war das Gebiet parzelliert worden. Die Bebauung der Straßen mit kleinen Villen erfolgte in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg.
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Rohbauruine Grabbeallee: Vorgängerbau im Zweiten Weltkrieg beschädigt
Das Eckgrundstück an der Grabbeallee 21 grenzte unmittelbar an den Sportplatz „Pfeilstraße“, der zwischen der Pfeilstraße – benannt nach Forstakademie-Direktor Wilhelm Pfeil (1783–1859) – und der Homeyerstraße lag. Der Sportplatz wurde von Pankower Arbeitervereinen genutzt. Auf ihm fand 1946 die erste Groß-Berliner Eisschau statt. Viele Anwohner nutzten die Eisfläche in den Wintermonaten, auch SED-Generalsekretär Walter Ulbricht, der bis zu seinem Umzug nach Wandlitz im nahe gelegenen Pankower Majakowskiring wohnte, soll hier Schlittschuh gelaufen sein.

Das Eckhaus an der Grabbeallee hatte da längst nicht mehr gestanden. Es war Mitte der 1900er-Jahre im wilhelminischen Stil errichtet worden. Fast vierzig Jahre lang beherbergte es in der Ladenzeile im Erdgeschoss die „Feinbäckerei Gustav Albert“ mit angeschlossenem Café und in den mehr als ein Dutzend Wohnungen darüber ein Querschnitt der Berliner Gesellschaft: Arbeiter und Angestellte, Beamte und Akademiker. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude beschädigt; entweder während der Bombenangriffe auf Berlin, die sich seit 1943 intensiviert hatten, oder während der erbitterten Straßen- und Häuserkämpfe in Niederschönhausen im April 1945, als die Rote Armee durch die nördlichen Vororte in Richtung des Berliner Zentrums vorrückte.
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Rohbauruine Grabbeallee: Nach dem Krieg Parkfläche für die „schaffende Intelligenz“

Nach Kriegsende gehörte Niederschönhausen als Ortsteil von Pankow zur sowjetischen Besatzungszone des geteilten Berlins und später, nach der Gründung der DDR 1949, zur ostdeutschen Hauptstadt. Die Gebäudeüberreste an der Grabbeallee 21 wurden Ende der 1940er-Jahre entfernt und das Eckgrundstück nicht wieder bebaut. Der Charakter des Kiezes veränderte sich: 1949 wurde das Schloss Schönhausen und der nahegelegene Majakowskiring mit Wohnvillen von führenden DDR-Funktionären und Botschaften quasi zum politischen Zentrum der DDR.
Quer durch Niederschönhausen verliefen die Protokollstrecken und im Forstviertel-Kiez rund um den Heinrich-Mann-Platz plante und realisierte die DDR-Führung eine der sogenannten Intelligenzsiedlungen Ostberlins. Um Kulturschaffende und Wissenschaftler für die neugegründete DDR zu gewinnen, wurden eine Reihe von Typenhäusern errichtet und möbliert: bevorzugter Wohnraum für die geistige Elite der DDR und „ihrer schaffenden Intelligenz“.
Insbesondere aus dem Exil rückkehrenden Vertriebenen sollte der Start ins sozialistische Leben erleichtert werden. In den Bauplänen waren die Namen künftiger Bewohner vorgemerkt. So wurde beispielsweise an der Homeyerstraße 13 ein Haus für Heinrich Mann (1871–1950) gebaut. Sein Tod vor der Rückkehr nach Deutschland verhinderte den Einzug; an seiner statt zog Arnold Zweig (1887–1968) in das Schriftstellerhaus. Das Grundstück an der Grabbeallee 21 verblieb unbebaut als brachliegende Fläche. Es wurde in der DDR-Zeit und danach als Pkw-Stellfläche genutzt.
Rohbauruine Grabbeallee: Wohnhausprojekt sollte die Kriegsbrache ersetzen
Nach der Wiedervereinigung 1990 änderten sich die Bedingungen im Kiez erneut rasant. Berlin war mit dem Inkrafttreten des Einigungsvertrages die gesamtdeutsche Hauptstadt geworden und mit knapper Mehrheit beschloss der Bundestag 1991 den Umzug von Parlament und Regierung an die Spree. Pankow – zu dem seit der Bezirksreform 2001 auch Weißensee und Prenzlauer Berg zählten – entwickelte sich zu einem der heiß begehrtesten Pflaster der Hauptstadt. Die Zeichen standen auf Sanierung und Nachverdichtung – und auch für das seit Jahrzehnten brachliegende Eckgrundstück in Niederschönhausen begannen sich wieder Investoren zu interessieren.
In den 2010er-Jahren erwarb die Immobilien-Unternehmensgruppe Zircon das Baugrundstück. Der Plan: Entlang der Grabbeallee und der Homeyerstraße sollte ein L-förmiges Mehrfamilienhaus entstehen. Ein Flachbau als Lückenschluss mit einem fünfgeschossigen Gebäudeteil an der Grabbeallee und einem dreigeschossigen Gebäudeflügel an der Homeyerstraße. Zwar nicht in seinem Baustil, wohl aber im Grundriss folgte das Projekt recht genau den Umrissen des wilhelminischen Vorgängerbaus, der zusammen mit dem benachbarten Haus Grabbeallee 19 einen Hof u-förmig umschlossen hatte. 2016 erhielt das Bauvorhaben der Zircon-Immobiliengesellschaft grünes Licht vom Bezirk. Noch im selben Jahr rückten Arbeitskolonnen mit schwerem Gerät an und die Arbeiten auf dem Grundstück begannen.
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Rohbauruine Grabbeallee: Bis 2017 war der Rohbau fertiggestellt
Bauherr und Projektentwickler war die „Zircon Vierte Projekt GmbH & Co. KG“. Unter der Bauaufsicht des Berliner Architekturbüros „Thomas Hillig Architekten“, das für die Objektplanung zuständig war, schritten die bauvorbereitenden Maßnahmen rasch voran. Nachdem der Baugrund vorbereitet und die Erdarbeiten für das Kellergeschoss abgeschlossen waren, wuchsen die ersten Strukturen des Rohbaus rasch in ihrer vorgewiesenen Form. In zwei Baukörpern mit einer Gesamtfläche von 1912 Quadratmetern sollten 16 bis 25 neue Wohnungen entstehen. Dazu: Terrassen und Balkone, Gemeinschaftsflächen, Tiefgaragen, Fahrradabstellplätze, eine Dacheindeckung mit Wollwärmeschutz, Gaszentralheizung und Aufzug.
Wenige Monate nach Baubeginn konnten die Anwohner und Passanten anhand des Baufortschritts auf der Baustelle bereits eine recht passable Idee davon gewinnen, wie die fertige Anlage einst aussehen würde. 2017 waren auch die erweiterten Rohbauarbeiten für das mehrfach gestaffelte Bauwerk abgeschlossen: die Vorsprünge für Terrassen und Balkone waren angelegt und die Fensterscheiben und Türen eingesetzt. Jetzt konnte es an die Innenausbauten, die Einrichtung der Haustechnik und den Abschluss des Bauprojekts gehen – doch es kam anders.
Rohbauruine Grabbeallee: Lost Place nach Insolvenz des Bauträgers
Bis 2018 wurden die Baugerüste an dem Objekt entfernt und die Kräne und Baumaschinen abgezogen. Immer noch sicherte ein Bauzaun das Gelände und die Zugänge zu dem halbfertigen Neubau wurden mit Holzplatten gesichert. Doch Bautätigkeit war auf dem Grundstück nicht mehr feststellbar. Der Investor war in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Als er Insolvenz anmeldete, wurde klar, dass aus dem vorübergehenden Baustopp ein dauerhaftes Problem geworden war.
Jahrelang stand die Geisterbaustelle still. Witterung und Vandalismus setzten dem Rohbau zu. Mit der Zeit glich das Gelände einer verwilderten Brache. Pflanzen, Büsche und junge Bäume umrankten das Betonskelett. Direkt am Eingang an der Grabbeallee versperrte eine wild wuchernde Robinie den Zugang.
Zudem sammelte sich immer mehr Müll auf dem Gelände: ein zerbeulter Einkaufswagen, ausrangierte Reifen, Flaschen, Tüten und Dosen. Auf der Asphaltdecke an der Homeyerstraße – einst als provisorische Baustellenzufahrt über den Gehweg angelegt – parkten Autos. Das verwaiste Neubauprojekt, das das Eckgrundstück erschließen sollte, verkam zu einer von Berlins zahlreichen Rohbauruinen.
Rohbauruine Grabbeallee: Geisterbaustelle ohne Zukunft?
Inzwischen war die Geisterbaustelle im Dornröschenschlaf zum Politik geworden: 2020 stellte der Abgeordnete Torsten Hofer (SPD) im Abgeordnetenhaus eine kleine Anfrage zur Neubauruine. Damals waren die Hoffnungen noch berechtigt groß, dass es in absehbarer Zeit zu einer Wiederaufnahme der Bautätigkeit kommen könnte. Ein neuer privater Investor hatte das Grundstück übernommen. Statt des befürchteten Abrisses signalisierte der neue Eigentümer dem Bezirk eine Fortführung des Bauprojekts. Die 2016 erteilte Baugenehmigung war allerdings unterdessen – nach mehr als einem Jahr Stillstand – erloschen.
Ein neuer Bauantrag lag dem Bezirksamt (BA) vor und wurde 2020 erteilt – doch mehr als den Bauzaun zu erneuern und die Bauschilder auszutauschen, ist seitdem nicht passiert. Im Herbst 2024 hakte der SPD-Abgeordnete Jan Lehmann in der Sache nach. Er stellte eine weitere Anfrage an die Senatsverwaltung, die sich an das BA Pankow wandte. In der Stellungnahme des Bezirksamtes hieß es, dass die Geltungsdauer der 2020 erteilten Baugenehmigung erloschen sei. Bei der Bauaufsichtsbehörde seien seitdem weder Vorberatungen zu einem neuen Bauantrag erfolgt noch Bauanträge eingegangen.
Wie das Land nun mit der Lage umgeht? Die weiteren Planungen des Grundstückseigentümers seien nicht bekannt, hieß es zuletzt. Aus der langjährigen Kriegsbrache ist eine Spekulationsruine geworden, deren Schicksal offenbar allein im Ermessen der Investoren liegt.





