Wenn man sich im Volkspark Schönholzer Heide in die Büsche schlägt, sollte man sich nicht wundern, wenn man über den ein oder anderen alten Grabstein stolpert: Denn im Park befand sich der heute aufgelassene Friedhof VI von Pankow. Noch gibt es Spuren der Begräbnisstätte zu entdecken. Erfahren Sie hier alle wichtigen Infos zu dem Lost Place.

Das sind die Fakten zum Friedhof Pankow VI im Überblick:

  • Adresse: Schönholzer Heide, Hermann-Hesse-Straße, 13156 Berlin-Niederschönhausen
  • Geschichte: Ab 1943/1944 Erweiterung der Pankower Friedhofsflächen und Umwidmung der Schönholzer Heide in eine pietätsbefangene Fläche; 1981 Schließung des Friedhofs; 2006 Entwidmung
  • Führungen: Keine
  • Status: Lost Place
  • Planung: Das ehemaligen Friedhofsgelände wird in die öffentliche Park- und Wiesenfläche der Schönholzer Heide integriert. Dazu werden die verbliebenen Grabsteine und der umgebene Zaun nach und nach abgerissen und das Gelände planiert

Wo liegt der Friedhof Pankow VI genau?

Der Friedhof Pankow VI liegt in der Schönholzer Heide im Ortsteil Niederschönhausen im Bezirk Pankow. Von der Hermann-Hesse-Straße aus sind es rund 250 Meter vorbei an der alten Luna-Bunkeranlage bis zur Gräberstelle. Im Park liegt das Friedhofsgelände nördlich des Paul-Zobel-Sportplatzes, östlich des Schützenvereins Schönholzer Heide und westlich des ehemaligen Heidetheaters.

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der Standort am besten mit der Buslinie 150 beziehungsweise N52 zu erreichen (Haltestelle Heinrich-Mann-Straße). Alternativ benötigt man zum ehemaligen Friedhof vom S-Bahnhof Schönholz (S1, S25, S26, Bus 150, 327, N52) etwa 10 Minuten zu Fuß.

Gibt es Gräber berühmter Persönlichkeiten auf dem Friedhof?

Auf dem ehemaligen Friedhof Pankow VI befinden sich keine bekannten Grabstätten von berühmten Bürgerinnen und Bürger der Stadt Berlin. Auch die Liste der Ehrengrabstätten des Landes Berlin verzeichnet keine Einträge für den Friedhof Pankow VI.

Das sind die wichtigsten Etappen der Geschichte des Friedhofs Pankow VI:

Ausgangslage: Platzmangel auf städtischen Friedhöfen im Krieg

Die heutige Spielwiese nördlich des Paul-Zobel-Sportplatzes kann auf eine bewegte Geschichte zurückblicken:  Sie war in den 1920er-Jahren schon einmal als Spielwiese am ehemaligen Tontaubenschießstand nördlich der Schießstände des Schützenvereins ausgewiesen. In der großen Zeit des Stummfilms in Berlin entstanden hier die Außenaufnahmen für den Historienfilm "Marie Antoinette" (1922) der Ifa-Studios.

In den 1930er-Jahren wurde sie zur Spielstätte für die Buden und Attraktionen des Vergnügungsparks "Traumland" – dem Nachfolger des Luna-Parks in Halensee. Mit Anfang des Zweiten Weltkriegs ersetzten Baracken und Schießanlagen die Fahrgeschäfte und das Gelände des Vergnügungsparks wurde zu einem Zwangsarbeiterlager, dem sogenannten "Luna-Lager". Wegen der rapiden Zunahme an Kriegstoten und Bombenopfern und dem Platzmangel der umliegenden Pankower Friedhöfen wurde der Ort zum Kriegsende hin schließlich als Begräbnisstätte genutzt.

Friedhof Pankow VI: So war der Friedhof angelegt

Mit der steigenden Zahl ziviler Bombenopfer, gefallener Luftwaffenhelfer und von Soldaten aus den Bucher Lazaretten und Krankenhäusern wurden 1943/1944 zusätzliche Begräbnisflächen in Pankow benötigt. Der 3. Städtische Friedhof Pankow wurde erweitert, der Park in der Schönholzer Heide als 6. Städtischer Friedhof eingerichtet und der Friedhof Schönholz dem Komplex angeschlossen. So entstand eine für Bestattungen freigegebene Gesamtfläche von nahezu 300.000 Quadratmetern beiderseits der heutigen Hermann-Hesse-Straße.

Der Friedhof Pankow VI (auch: Park- und Waldfriedhof Schönholz) umfasste zuletzt eine Fläche von knapp 40.000 Quadratmetern. Ursprünglich erstreckte sich der Friedhof vom Sportplatz im Süden, den ehemaligen Schießständen des Schützenhauses an der Straße vor Schönholz im Westen, dem Schloss Schönholz im Osten bis zu den heutigen "Knochenbergen" im Norden.

Friedhof Pankow VI: Kriegsgräberstätte für Pankower Kriegstote

Ein eingezäunter Bereich kennzeichnet heute die Kriegsgräberstätte, die Teil des Friedhofs Pankow VI war. 350 in der Schönholzer Heide begrabenen Tote kamen zwischen April bis Juni 1945 in Berlin-Pankow ums Leben. Die meisten von ihnen unmittelbar vor Kriegsende. Sie waren zumeist an ihren Todesorten in Pankow und Niederschönhausen provisorisch beerdigt worden und wurden ab November 1945 in den Friedhof Pankow VI verlegt – beispielweise vom Gelände des Krankenhauses Pankow, aus der Kolonie Saarland oder dem Schlosspark Niederschönhausen.

Die letzte Umbettung fand im April 1948 statt. Unter den Toten befanden sich Zivilisten, Wehrmachts- und Volkssturmangehörige, Flüchtlinge sowie Zwangsarbeiter des Luna-Lagers. Die Kriegsgräberstätte unterliegt einem Dauerruherecht. Die jetzige Gestaltung der Kriegsgräberstätte stammt aus dem Jahr 1991.

Friedhof Pankow VI: Bestattungen in der DDR-Zeit

Mindestens bis in die 1950er- und 1960er-Jahre wurde der Wald- und Parkfriedhof belegt – davon zeugen die Sterbedaten auf den umgestürzten und umrankten Grabsteinen, die sich im Unterholz unweit der Wege des Parks befinden. Einzelne Grablegungen können auch noch später erfolgt sein. Im Jahr 1981 wurde der städtische Friedhof schließlich endgültig für Neubestattungen geschlossen. Nach einer Karenzzeit wurde der Friedhof 2008 entwidmet und ist seitdem als öffentliche Grünanlage Teil der Parkanlage Schönholzer Heide.

Friedhof Pankow VI: Umgestaltung nach der Schließung des Friedhofs

Mit der Umwidmung des Friedhofes gingen Umgestaltungen einher: Ein Teil des Friedhofs wurde beräumt. Auf der heutigen Liegewiese westlich der Umfassungsmauer des Schönholzer Schützenhofs wurden die Grabsteine und Zäune abgerissen und das Gelände planiert. Nördlich der Liegewiese befinden sich zwei kleine begrünte Hügel: Bei den "Knochenbergen" handelt es sich um aufgeschüttete Reste des abgetragenen Friedhofs VI.

Zur Erinnerung an die bestatteten Kriegstoten wurde ein eingezäunter Kriegsgräberhain mit symbolischen Grabstätten geschaffen. Unter den geehrten Kriegsopfern befinden etwa 100 Frauen und Männern, die bei Bombenangriffen während der Zwangsarbeit in Berlin den Tod fanden.

Neben den bereits geräumten Teilen des alten Parkfriedhofs gibt es Flächen abseits der Wege, an denen Spaziergänger noch Überreste der alten Grabanlage ausfindig machen können: Urnenplaketten, Grabsteine, eine alte Brunnenanlage zur Bewässerung. Im Dickicht drückt das Wurzelwerk der Bäume und Sträucher mitunter Knochenreste und Sargteile aus dem Boden.

Und die Zukunft? Das sind die Pläne für den ehemaligen Friedhof Pankow VI

Wer den morbiden Charme des Geländes aus erster Hand erleben möchte, sollte sich beeilen. Nach und nach werden immer weitere Teile des ehemaligen Friedhofs beräumt. Bald sollen die Bauarbeiten zur Umgestaltung einer weiteren Fläche auf dem früheren Friedhofsgelände beginnen. Dazu werden alte Fundamente, Grabeinfassungen sowie der Wildwuchs aus Eschen- und Spitzahorn entfernt. Außerdem soll ein Ort der Erinnerung unter Verwendung alter Grabplatten entstehen.