Klares Ergebnis am Wahltag der Pankower Grünen: Die Partei will ihren Ex-Bundestagsabgeordneten Stefan Gelbhaar im kommenden Jahr nicht als Direktkandidaten ins Landesparlament schicken. Das ging am Samstagnachmittag bereits aus einem ersten digitalen Meinungsbild der Mitglieder hervor. Der Politiker unterlag mit 83 zu 179 Stimmen (31 Prozent zu 67 Prozent) deutlich seiner Mitbewerberin Sunčica Klaas aus dem Kreisvorstand. Aufgrund des deutlichen Ergebnisses verzichtete Gelbhaar darauf, bei der verbindlichen Schlussabstimmung am Abend anzutreten.

Donnerstag
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Damit ist Klaas offiziell als Direktkandidatin der Grünen im Wahlkreis 6 (Prenzlauer Berg-West) aufgestellt. Sollte sie im September 2026 bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus siegen, würde sie das Erbe von Parteikollege Andreas Otto antreten. Otto hält den Wahlkreis seit knapp 20 Jahren, er gilt als sicher für die Partei. Der Grüne hatte angekündigt, sich künftig aus der Politik zurückziehen zu wollen.
Stefan Gelbhaar gab Comeback-Pläne kürzlich bekannt
Gerüchte, dass Gelbhaar für das Abgeordnetenhaus 2026 kandidieren will, waren erstmals Anfang Oktober bekannt geworden. Kurz darauf reichte er offiziell seine Bewerbung bei den Pankower Grünen ein. Seine Mitbewerberin Sunčica Klaas, Mitglied des Grünen-Kreisvorstands, stand zu dem Zeitpunkt bereits fest.
Gelbhaars Bewerbung hatte medial und parteiintern für Aufregung und Verwunderung gesorgt. Erst zu Jahresbeginn, während des Bundestagswahlkampfs, waren Belästigungsvorwürfe gegen den Politiker bekannt geworden. Mehrere Frauen aus der eigenen Partei berichteten in den Medien von übergriffigem Verhalten. Gelbhaar stritt alles ab und klagte vor Gericht in Teilen erfolgreich wegen Falschberichterstattung, da sich einige der eidesstattlichen Aussagen als erfunden herausstellten. Der Grünen-Bundesvorstand stellte daraufhin Strafanzeige gegen ein Mitglied. Doch mehrere Frauen blieben bei ihren Aussagen. Erst vor wenigen Tagen äußerte sich der Grünen-Politiker im exklusiven Morgenpost-Interview zu den Vorwürfen und seiner Kandidatur.
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Stefan Gelbhaar nach Wahl-Niederlage: „Bin natürlich enttäuscht“
In einem kurzen Gespräch nach der Abstimmung zeigte sich Gelbhaar niedergeschlagen und nach Worten ringend. „Ich bin dankbar für die Unterstützung, aber natürlich enttäuscht.“ Mit 31 Prozent und insgesamt 83 Stimmen zeigte sich zwar, dass Gelbhaar weiterhin Unterstützung in der eigenen Partei hat – für eine Aufstellung als Direktkandidat reichte es aber nicht. Zu Plänen, im kommenden Jahr einen Platz auf der Landesliste der Partei zu ergattern, wollte sich der Grüne am Samstag nicht äußern.
Die Grünen-Kreisvorsitzende Maren Bergschneider äußerte sich nach der digitalen Abstimmung im Morgenpost-Gespräch. Für sie sei es wichtig, dass alle die Möglichkeiten hatten, sich eine eigene Meinung zu Gelbhaar und Klaas zu bilden. „Beide hatten eine gute Kandidatur mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Ich freue mich, dass wir eine starke Kandidatin für den Wahlkreis haben, die hier verwurzelt ist.“

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Julia Schneider, die nach den erhobenen Vorwürfen gegen Gelbhaar anstelle von ihm bei der Bundestagswahl kandidierte und ins Parlament einzog, sagte gegenüber unserer Redaktion, sie sei „froh, dass die Abstimmung so eindeutig ausgegangen ist und der Kreisverband hinter der Kandidatin steht.“ Sie sei stark aufgetreten und habe inhaltlich ein gutes Angebot gemacht.
Sunčica Klaas will Wohnungsnot bekämpfen und Schulplätze schaffen
Klaas selbst zeigte sich triumphierend. „Ich habe die große Unterstützung der Mitglieder gespürt. In den vergangenen Tagen habe ich viele Nachrichten und positive Gedanken empfangen, deswegen bin ich beflügelt in die Versammlung gekommen. Trotzdem bin ich sehr dankbar für das Vertrauen.“
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Die Wissenschaftlerin hat gute Chancen, ins Abgeordnetenhaus einzuziehen: Der Wahlkreis 6 gilt als sicher für die Grünen, Parteikollege Andreas Otto hält ihn seit zwei Jahrzehnten. „Wir haben ein sehr gutes Erbe durch die 20-jährige Arbeit von Andreas. Er hat sich um kleine wie große Sorgen gekümmert. Deshalb gibt es eine gute Vertrauensbasis mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort.“ Dennoch wolle sie bei der Wahl im September das Beste geben und auch einen Fokus auf Wohnungsnot, Verdrängung sowie fehlende Schulplätze setzen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. „Neu anfangen heißt auch, neue Akzente zu setzen und neue Angebote zu machen.“
Die Grünen Pankow stellten insgesamt in neun Wahlkreisen ihre Kandidierenden auf. Unter anderem wählten sie Bettina Jarasch (Wahlkreis 1 – Buch, Karow und Französisch Buchholz), Oda Hassepaß (Wahlkreis 3 – Niederschönhausen‑Süd, Pankow‑Nord sowie Französisch Buchholz‑Süd), Louis Krüger (Wahlkreis 5 – Pankow‑Süd und Heinersdorf) und Oliver Jütting (Wahlkreis 9 – Prenzlauer Berg-Ost und Weißensee-Ost) als Hoffnungsträger für die Abgeordnetenhauswahl 2026.
Grüne setzen an Wahltag Zeichen für Solidarität gegen sexuelle Belästigung
Lila Tücher, lila Pullover, lila Kleider – immer wieder blitzte die Farbe bei der Wahlveranstaltung der Pankower Grünen am Samstag auf. Viele Mitglieder waren dem Aufruf gefolgt, ein Zeichen der Solidarität gegen sexuelle Belästigung zu setzen. Dass diese Aktion wohl vor allem als Reaktion auf Stefan Gelbhaars Kandidatur zu verstehen war, schien eindeutig. Auch Gelbhaar selbst trug am Samstag einen lila Pullover. Ob Zufall oder bewusste Entscheidung, blieb unklar.
Nach der Abstimmung wirkten viele Frauen in der Partei erleichtert. Doch trotz des eindeutigen Ergebnisses zeigen 31 Prozent auch: Stefan Gelbhaar hat in Teilen der Partei weiterhin Rückhalt. Ob er diesen nutzen wird, um sich auf einen Platz auf der Landesliste der Grünen zu bewerben, wird sich erst in mehreren Monaten nach Ostern zeigen, wenn es in die heiße Phase des Wahlkampfs geht.







