Mehr als an allen anderen Orten Berlins erweist sich der Winter für Radfahrer auf der Schönhauser Allee als Feind. Um den großen Umbau der Berliner Magistrale bis Silvester zu vollenden, dafür waren die letzten Wochen zu frostig, zu feucht. So begründet Berlins Radplanungsgesellschaft Infravelo die Tatsache, dass die Neugestaltung von Prenzlauer Bergs riskantester Fahrradroute den Zeitplan sprengt. Wieder einmal, so muss man es sagen. Mehr als sieben angekündigte Terminankündigen seit Beschluss des Projekts zur Schaffung von breiten Radspuren anstelle von Parkplätzen seit 2016 erwiesen sich als Makulatur.
Und der aktuelle – diesmal wohl auch letzte – Verzug stellt sich wie folgt dar: Die Neugestaltung gelingt bis Ende des Jahres etwa zur Hälfte. Während die Eröffnung der 2,50 Meter messenden Radwege anstelle des Parkplatzstreifens stadtauswärts planmäßig im Dezember gelingt, verzögert sich die andere Hälfte deutlich. Bei der Route stadteinwärts in Richtung Alexanderplatz werden sich Radfahrer bis zum Frühling gedulden müssen, prognostiziert die Infravelo. Mitte der Woche hatte ein Sprecher diese Verzögerung auf Morgenpost-Anfrage eingeräumt. Kurz darauf gab die Gesellschaft eine Pressemitteilung heraus, in der sie den Umbau stadtauswärts als Erfolg vermeldete.
Schönhauser-Allee-Umbau: Widrige Witterung bremst Neugestaltung stärker als erhofft

Alles, was auf dem rund 700 Meter langen Abschnitt zwischen den U-Bahnhöfen Eberswalder Straße und Schönhauser Allee noch fehlt, sind laut Infravelo die „restliche Beschilderung und das Anbringen der Reflektoren an den Betonborden“. Immerhin: Bereits jetzt können Radfahrer schon vollendete Streckenteile nutzen, die mit wuchtigen Betonborden von der Auto-Fahrspur abgetrennt sind. Ein Sicherheitselement, das speziell auf die denkmalgeschützte Hochbahntrasse der BVG-Linie U2 abgestimmt wurde. Ein Spezialkleber lässt die Betonklötze auf dem sanierten Asphalt haften – doch das Aushärten bei Nässe und Kälte gestaltet sich wohl schwierig. Voraussetzung für die Teil-Vollendung im Dezember sind demnach „gute Witterungsbedingungen“, heißt es von der Infravelo-Chef Arne Petersen.
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Leuchtturm-Projekt für Berlins Verkehrswende wartet auf Frühlingswind

Und die schlechte Witterung gilt wiederum als Grund, warum sich die wichtige zweite Hälfte in die City nur im Schneckentempo in eine sichere Radroute verwandelt. „Die ausstehenden Arbeiten in Fahrtrichtung Süden werden im Frühjahr 2024 abgeschlossen, sobald die Witterungsverhältnisse es zulassen. Durch die regenreiche Herbstzeit und die frühwinterlichen Temperaturen konnten nicht alle Arbeiten im angestrebten Zeitplan umgesetzt werden“, lautet die Entschuldigung.
Diese halbseitige Vollendung des 2016 als „Leuchtturm“ bezeichneten Verkehrswende-Projekts bedeutet allerdings nicht, dass 75 Parkplätze auf der noch ursprünglich gestalteten Schönhauser-Allee-Seite erhalten bleiben. Am Freitag war bereits der komplett Parkstreifen geräumt, obwohl keine Bautätigkeiten stattfinden. Radfahrer können einen provisorischen Bau-Radweg nutzten, der sich auf der Fahrbahn befindet. Bis milde Frühlingswinde durch Prenzlauer Berg blasen, bleibt die Schönhauser Allee stadteinwärts in einem Zwitterszustand zwischen gestern und morgen.
Sanierungsarbeiten an der Linie U2 - auch die BVG meldet eine Baupause
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Und sie erweist sich für Autofahrer im Weihnachtsverkehr als Nadelöhr. Denn nicht nur die Radweg-Baustelle im Abschnitt zwischen Eberswalder Straße und Gleimstraße vereinnahmt die rechte Fahrspur. Auch im Bereich Senefelderplatz erweist sich die wichtigste Nord-Süd-Magistrale des Bezirks Pankow als Engpass. Hier zeigt sich inzwischen die BVG-Baustelle zur Sanierung des hiesigen U-Bahnhofs und der Tunneldecke der U2 in voller Ausdehnung. Um Platz für die Grabungen zu schaffen, ließ die BVG den kompletten Autoverkehr für beide Fahrtrichtungen auf der rechten Seite der Schönhauser Allee bündeln. Das Ergebnis: Je nur eine Spur Richtung Alexanderplatz und nur eine nach Pankow.
Doch auch hier wird man laut BVG-Sprecher Markus Falkner Bauarbeiter derzeit vergeblich suchen. „Die Tunnelabdichtung – mit den bekannten Auswirkungen im Straßenland – musste zuletzt wegen der anhaltend kalten Witterung eine Pause einlegen. Diese Arbeiten werden im Januar fortgesetzt“, lautet sein Lagerbericht. Weil es sich um die gleiche Baufirma handelt wie bei Radweg-Projekt, liegt nahe, dass es zeitgleich auch dort einen neuen Anlauf geben wird. Doch anders als beim Radweg-Projekt sieht sich die BVG mit ihren Tunnel und Bahnhofsarbeiten im Zeitplan.
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„Im Bahnhofsinneren laufen die Arbeiten zur Erneuerung der Hintergleisflächen auf Gleis 1, inklusive der sehr aufwendigen Betonsanierung. Deshalb können dort die Züge noch bis circa Ende 2024 Richtung Ruhleben nicht halten“, erklärt Falkner die Situation. Noch genüge es, den Bahnsteig am Senefelderplatz halbseitig zu sperren. Doch im Sommer 2024 wird eine weitere Bauphase folgen. Dann sollen Fahrgäste der Linie U2 vorübergehend abends und nachts in Ersatzbusse steigen. Wenn diesmal alles Plan läuft, sind ab dann ein Stück weiter nördlich wenigstens die neuen Radwege fertig und frei.










