Monatelang schwelte ein Grundsatzstreit um die Frage: Straßenbahn-Verlängerung oder neue U-Bahntrassen? Nun gibt der Berliner Senat bekannt: Beide Lösungen sollen kommen. Pankows riesige Neubaugebiete wie das Quartier Blankenburger Süden mit bis zu 6000 Wohnungen sollen zunächst, wie bislang angenommen, durch einen neuen Streckenast der Straßenbahnlinie M2 erschlossen werden. Und dann ab den 2040er Jahren zusätzlich mit zwei bis drei neuen U-Bahntrassen. So lautet das neue Verkehrskonzept für Pankow, das am Mittwoch präsentiert wurde.
Bei den U-Bahnprojekten handelt es sich laut Senatsmitteilung zunächst um eine Verlängerung der Linie U9 vom jetzigen Endhalt an der Osloer Straße über Pankow Kirche, Heinersdorf, Blankenburg nach Karow. Zweitens soll eine Verlängerung der U2 von Pankow über Pankow Kirche bis Französisch Buchholz kommen. Und drittens will Verkehrssenatorin Manja Schreiner (CDU) eine Linie U10 vom Alexanderplatz über Weißensee in den „Nordosten“ der Stadt mit einer Machbarkeitsstudie untersuchen lassen. Bislang lautete der Wunsch der Christdemokraten, die Linie bis nach Buch zu führen. Aber auch eine Verlängerung bis nach Brandenburg war nach mehreren Diskussionsrunden im Gespräch.
U9 nach Karow, U10 in den Nordosten - große Pläne für neue Quartiere
Zusätzlich plant der Senat die schon bekannte Verbindung nach Osten Richtung Lichtenberg durch die Verlängerung der S75 über Malchow bis zur neuen Station Sellheimbrücke. Und außerdem soll hier eine Verbindung mit der S2 am Karower Kreuz möglich sein. Eine Lösung, die nicht nur das Quartier Blankenburger Süden bedient, sondern auch weitere geplante Großprojekte in der Umgebung mit über 20.000 Wohnungen.
Neben den großen Planungen für Schienenwege bringt Senatorin Schreiner eine Straßenverbindung auf den Weg. Dabei handelt es sich um die sogenannte „Verkehrslösung Heinersdorf“, mit der „auch der Kfz-Verkehr zukünftig leistungsfähiger und sicherer aus und in Richtung Innenstadt geführt wird“, wie es in der neuen Bekanntgabe heißt. Ziel ist es, die zukünftige Ableitung des Verkehrs aus dem nördlichen Umland auf die Autobahn zu schaffen - und den Ortskerns Heinersdorf zu entlasten. Ebenso von Belastung verschont werden soll das alte Zentrum des Ortsteils Blankenburg. Und die hiesige Erholungsanlage mit über 1500 Parzellen.
Erholungsanlage mit 1500 Parzellen in Blankenburg wird verschont
Bislang stand zu befürchten, dass die neue Trasse der Tramlinie M2 diese Anlage schneidet und Hunderte Lauben verschwinden. Dieses Szenario führte jahrelang zu hartem Widerstand gegen die Tram - und soll nun vom Tisch sein, wie Abgeordnete von CDU und SPD zur neuen Lösung erklären.
„Ein neues Quartier verträglich in die Stadt einzubinden, ist eine Herausforderung und wird den schon heute im Pankower Norden wohnenden Berlinerinnen und Berlinern sicher einiges abverlangen“, sagt Senatorin Schreiner. „Wir werden darauf achten, so wenig wie möglich in vorhandene Strukturen einzugreifen.“
Berlins Bausenator lobt Verkehrskonzept für Pankow
Auch Bausenator Christian Gaebler (SPD) wertet das neue Konzept als Durchbruch, um Berlin mehrere Tausend neue Wohnungen zu verschaffen - und zugleich die Mobilität zu sichern. „Eine gute Verkehrsanbindung hilft den Menschen, die bereits in der Nachbarschaft leben oder arbeiten und den vielen Menschen, die im Blankenburger Süden in den nächsten Jahren ein neues Zuhause finden werden“, sagt Gaebler.
Als schnellste Verbesserung im neuen Verkehrskonzept gilt die Kapazitätserweiterung auf der heutigen S-Bahnlinie S2, die schon zum Ende dieses Jahrzehnts kommen kann. Bereits 2020 war dieser Plan vorgestellt worden - in Form einer neuen Linie S6, die vom Nordosten Pankows über den Ostring in Richtung Köpenick fahren soll.



