Berlin investiert nun doch Milliarden in den Klimaschutz. Noch zu Beginn der schwarz-roten Legislatur war ein Sondervermögen für das Klima wegen verfassungsrechtlicher Bedenken hinsichtlich der Schuldenbremse gescheitert. Über einen sogenannten Klimapakt, der bereits am Dienstag im Roten Rathaus unterzeichnet worden war, werden bis 2030 knapp zwei Dutzend Landesunternehmen insgesamt 13,6 Milliarden Euro für den Klimaschutz investieren.

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2,3 Milliarden Euro finanziert das Land Berlin direkt über Eigenkapitalzuführungen. Damit sollen die Landesunternehmen weitere Kredite aufnehmen können. Den Rest sollen sie aus eigenen Mitteln finanzieren. Die Milliarden-Investitionen sollen unter anderem dazu beitragen, die Fernwärme und die Busflotte zu dekarbonisieren. Außerdem soll die Kapazität des Stromnetzes verdoppelt werden, was nötig sei, um zusätzliche Photovoltaikanlagen und Wärmepumpen zu betreiben.

„Das ist das Gegenteil von Symbolpolitik“

Im Berliner Abgeordnetenhaus, wo der Pakt Thema der Plenardebatte war, sprach Finanzsenator Stefan Evers (CDU) von „Klimaschutz im industriellen Maßstab“. Der Pakt soll einen Beitrag dazu leisten, dass Berlin seine Klimaschutzziele erreicht und bis 2045 die Kohlendioxidemissionen um 95 Prozent reduziert, bis 2030 um 70 Prozent.

Berliner Abgeordnetenhaus
Stefan Evers (CDU), Berliner Senator für Finanzen, verteidigt den Klimapakt gegen Kritik aus der Opposition. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa | Sebastian Gollnow

Es gebe nur eine richtige Antwort auf die Frage, ob man sich Klimaschutz in Zeiten knapper öffentlicher Kassen noch leisten könne, sagte Evers. „Wir können es uns nicht leisten, es uns nicht zu leisten.“ Mit 13,6 Milliarden Euro hat der Klimapakt ein Volumen, das mehr als doppelt so groß ist, wie der Berliner Anteil am auf zwölf Jahre ausgelegten Sondervermögen des Bundes (5,2 Milliarden Euro). 13,6 Milliarden Euro sind rund ein Drittel eines jährlichen Landeshaushaltes.

Die verabredeten Investitionen seien mit zusätzlichen Steuereinnahmen verbunden und schafften zusätzliche Arbeitsplätze, so Evers. Der Pakt zahle sich deshalb auch wirtschaftlich aus. Er stehe für eine handlungsfähige Stadt, die Verantwortung übernehme, statt sie an kommende Generationen weiterzureichen. „Das ist das Gegenteil von Symbolpolitik“, sagte Evers – und reagierte damit auf Kritik aus Reihen der Opposition.

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Ein Großteil der Mittel, die nun unter dem Label Klimaschutzpakt zusammengefasst sind, sei ohnehin schon lange eingeplant, sagte Bettina Jarasch, Fraktionsvorsitzende der Grünen. „Die meisten Landesunternehmen haben seit Langem eigene Dekarbonisierungsfahrpläne.“ Diese Pläne hätten auch ohne Klimapakt umgesetzt werden müssen. Den Klimapakt kritisierte Jarasch als „PR-Nummer“. Grundsätzlich seien die Grünen zwar sofort dabei bei einem Zukunftspakt mit den Landesunternehmen. Und es sei völlig richtig, dass der Senat es den Unternehmen durch Eigenkapitalerhöhungen ermögliche, Kredite für Investitionen aufzunehmen. Aber das mache aus einem Pakt noch keinen Klimapakt, so Jarasch. Es sei noch keine Klimaschutzpolitik, sich auf die Bemühungen der Landesunternehmen draufzusetzen.

„Die meisten Landesunternehmen haben seit Langem eigene Dekarbonisierungsfahrpläne.“

Bettina Jarasch (Grüne) kritisiert den Klimapakt als „PR-Nummer“

Insbesondere kritisierte sie, dass mit einem Teil der rund 550 Millionen Euro, die für den landeseigenen Energieversorger BEW vorgesehen sind, ein Holzkraftwerk in Spandau finanziert werden soll. „Holz verbrennen als Teil des Klimapakts?“, fragte Jarasch rhetorisch und forderte die Koalition auf, die Pläne zu stoppen. „Setzen Sie auf echte Zukunftstechnologien, anstatt Wälder zu verfeuern“, sagte die Grünen-Politikerin an die Adresse von CDU und SPD.

Im Gebäudesektor muss offenbar nachgesteuert werden

Michael Efler, klimaschutzpolitischer Sprecher der Linken, wies darauf hin, dass der Immobiliendienstleister des Landes Berlin, die BIM, mitgeteilt habe, dass sie weniger als die Hälfte der erforderlichen Mittel erhalte, um die gesetzlichen Klimaschutzziele zu erreichen. Auf die Frage, ob dafür im Klimapakt eine Lösung gefunden worden sei, sagte Jörg Stroedter, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, etwas ausweichend: „Wir werden alles nachsteuern, soweit Haushaltsmittel zur Verfügung stehen.“ Rund ein Drittel der klimaschädlichen CO₂-Emissionen fällt im Gebäudesektor an.

Ähnlich wie Grünen-Politikerin Jarasch signalisierte auch ihr Oppositionskollege Steffan Zillich, Finanzexperte der Linken, grundsätzliche Zustimmung zur Idee des Klimapakts. Zillich betonte aber, dass man im Auge behalten müsse, welche Auswirkungen die Kreditaufnahmen der Landesunternehmen auf die Preise, die die Unternehmen aufrufen müssen, haben werden. Die Frage, wer die Klimawende bezahle, sei gesellschaftspolitisch entscheidend. „Deshalb müssen diese Klimainvestitionen immer auch hinsichtlich ihres Gerechtigkeitseffektes nachgehalten werden.“

mit dpa