Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag (17. April 2025) den Leitzins im Euroraum erneut gesenkt. Der Einlagenzins liegt nun bei 2,25 Prozent. Die EZB reagiert damit auf die schwächere Konjunktur und die wachsenden Belastungen durch die US-Zollpolitik. „Die Rahmenbedingungen haben sich für die EZB seit dem ‚Liberation Day‘ grundlegend geändert“, sagte etwa Michael Heise, Chefökonom beim Vermögensverwalter HQ Trust im Vorfeld der EZB-Entscheidung.
Analysten hatten bereits vor der Entscheidung über weitere Zinssenkung diskutiert. „Zuletzt wurde am Markt sogar spekuliert, dass EZB-Chefin Christine Lagarde angesichts der rasant gestiegenen geopolitischen Unsicherheiten einen größeren Zinsschritt wagen könnte – 50 Basispunkte standen bei einigen Marktbeobachtern im Raum“, so Oliver Kohnen, Geschäftsführer bei Baufi 24. Doch dafür sah die EZB laut dem Profi für Baufinanzierungen noch keinen Handlungsbedarf, zumal sich die Inflation aktuell stabil in Richtung ihrer 2-Prozent-Zielmarke bewegt.
Doch wie wirkt sich ein niedriger Leitzins für Sparerinnen und Sparer, die ihr Geld in Tages- und Festgeld angelegt haben, aus? Und welchen Einfluss wird für die Bauzinsen erwartet? Analysten und Experten geben Antworten. Übrigens: Aktuelle Entwicklungen und Angebote finden Sie auch in unserem Kredit-Zinsen-Ticker.
EZB senkt Leitzins erneut – Experten erwarten weitere Senkungen
„Die Verunsicherung von Unternehmen und Konsumenten durch den Zollstreit dämpft die gesamtwirtschaftliche Nachfrage“, so Heise. Der Chefökonom geht davon aus, dass die rückläufigen Ölpreise die Inflation in Richtung der von der EZB anvisierten Zwei-Prozent-Marke drücken werden. „Weitere Zinsschritte werden wohl folgen. Preistreibende Faktoren wie hohe Lohnabschlüsse und die großen deutschen Verschuldungsprogramme verlieren mit schwächer werdender Konjunktur deutlich an Bedeutung.“

Auch Johannes Mayr, Chefvolkswirt bei Eyb & Wallwitz rechnet damit, dass die EZB ihren Zinssenkungskurs fortsetzen wird: „Die Leitzinsen werden in den kommenden Monaten an oder unter den unteren Rand des neutralen Bereichs zwischen 2 und 3 Prozent absinken.“ Der Abstand zu den US-Leitzinsen dürfte sich damit weiter vergrößern Können sich Tagesgeldanlagen in US-Dollar jetzt lohnen? Das rät ein ein Profi.
Kohnen ergänzt: „Die EZB will sich Spielraum für spätere Entscheidungen lassen – Marktbeobachter rechnen bis Ende des Jahres mit einem Absenken des Zinsniveaus auf 1,50 bis 1,75 Prozent.“
Bauzinsen: So wirkt sich die EZB-Entscheidung auf Baufinanzierungen aus
Die Bauzinsen in Deutschland sind zuletzt deutlich gestiegen – obwohl die EZB den Leitzins mehrfach gesenkt hat. Auf den ersten Blick wirkt das widersprüchlich, doch der Effekt hat nachvollziehbare Gründe. Die wichtigste Rolle spielt der Anleihenmarkt. Denn: „Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen stieg allein durch die Ankündigung des Sondervermögens innerhalb eines Tages um 0,4 Prozent auf über 2,8 Prozent“, erklärt Rainer Eichwede von der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Und genau an diesen Renditen orientieren sich die Bauzinsen. Als Folge kletterten die Zinsen für Baukredite auf über 3,5 Prozent – um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte binnen kurzer Zeit.

Inzwischen haben sich die Konditionen wieder einigermaßen normalisiert. Doch fest steht: Die Zinssenkung der EZB hatte keinen unmittelbaren Einfluss auf das Bauzinsniveau. Nach Ansicht von Analysten wird es dieses Mal genauso sein. Denn die Entscheidung sei „bereits eingepreist“ gewesen, so Eichwede. Ausschlaggebend sei vielmehr das steigende Finanzierungsvolumen des Staats – ein Trend, der die Zinsentwicklung auf lange Sicht prägen könnte.
Baufinanzierungsexperte sieht Chance für Käufer
„Für Immobilieninteressierte ergibt sich aus der komplexen Gemengelage indes eine paradoxe Chance“, sagt hingegen Kohnen. Denn während das von der künftigen Bundesregierung geschnürte Billionen-Euro-Schuldenpaket zur Modernisierung von Rüstung und Infrastruktur zuletzt die Bauzinsen nach oben getrieben hatte, sorgt der aktuelle Börsenkrach nun für eine spürbare Gegenbewegung. „Der ‚Flight to Safety‘, also die Flucht vieler Anleger aus Aktien hinein in Staatsanleihen, hat die Renditen am Kapitalmarkt sinken lassen. Die Folge: Die Bauzinsen, die im März noch in Richtung 4 Prozent tendierten, sind inzwischen wieder auf rund 3,5 Prozent zurückgekommen – Tendenz fallend“, so der Baufinazierungsexperte.
Grundsätzlich gilt: Steigen die Zinsen, wird es für Bauherren teurer. Ein Beispiel: Erhöht sich der Sollzins von 3 auf 4 Prozent, zahlen Kreditnehmer bei 300.000 Euro Kreditsumme über zehn Jahre rund 28.000 Euro mehr an Zinsen.
Wer sich den Traum vom Eigenheim trotzdem erfüllen will, sollte laut Eichwede gut planen – und mehrere Optionen prüfen: mehr Eigenkapital, Sondertilgungen, Eigenleistung oder Bausparverträge mit staatlicher Förderung. „Clever ist, wer beides kombiniert: Die Ertragschancen am Kapitalmarkt und die günstige Wohneigentums-Finanzierungsoption Bausparen“, so Eichwede.
Wie sich die aktuellen Bauzinsen bei verschiedenen Anbietern entwickeln, zeigt unser Vergleich über Baufinanzierungen. Hilfe bietet auch unser Baufinanzierungsrechner.
EZB-Zinsentscheid: Auswirkungen auf Immobilienpreise und Baufinanzierung
Steigende Bauzinsen wirken sich nicht nur auf die Finanzierung aus, sondern auch auf die Immobilienpreise. Laut Eichwede dürfte sich der Preisanstieg der vergangenen Monate „voraussichtlich etwas abmildern“. Besonders im Neubau sei der Kostendruck zuletzt stark gestiegen – echte Entlastung bedeute das neue Zinsniveau aber nicht.
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Denn wer heute finanziert, muss mit höheren Monatsraten rechnen. Wer das nicht stemmen kann, müsse beim Kauf kleinere Abstriche machen. Umso wichtiger sei es laut Eichwede, genau zu rechnen – und die eigene Finanzierung klug aufzustellen. „Eine Immobilie, die ins Budget passt, belohnen Banken in der Regel mit einem günstigeren Zinssatz“, erklärt er.
Für die weitere Entwicklung spielen laut Eichwede auch politische Faktoren eine Rolle. Die neue Bundesregierung hat in ihrem Sondierungspapier Wohnungsbau und Wohneigentum als förderwürdig benannt. Welche Programme konkret kommen, sei aber noch offen. Klar ist: Wer eine passende Immobilie findet, „sollte nicht zögern, sondern zugreifen“.
Ein Tipp: Sie sind auf der Suche nach einer Immobilienfinanzierung? Unser Immobilienfinanzierungsrechner gibt Ihnen eine erste Orientierung über aktuelle Zinsangebote.
EZB senkt Leitzins – was das für Tages- und Festgeld bedeutet
Während Bauzinsen nur indirekt von der EZB beeinflusst werden, zeigen sich die Folgen der Geldpolitik bei Fest- und Tagesgeld deutlich schneller.
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Denn: Sinkende Zinsen bedeuten in der Regel weniger Zinsen auf Tages- und Festgeldanlagen. „Allerdings gibt es für Sparer auch gute Nachrichten: Die Zinsen für mehrjährige Festgelder dürften in der Spitze stabil bleiben, lediglich die Zinsen für Tages- und kurzfristige Festgelder werden vermutlich nachgeben“, so Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei Raisin und WeltSparen. Dafür gebe es zwei Gründe: Zum einen hat der Wettbewerb zwischen Banken um Kundengelder wieder zugenommen. Zum anderen hatten viele Institute ihre langfristigen Angebote bereits frühzeitig entsprechend der erwarteten Zinssenkungen angepasst.
Einige aktuelle Tages- und Festgeld-Angebote liegen derzeit noch über der Inflationsrate von 2,2 Prozent:
- PSD Bank Nürnberg: 2,61 % für sechs Monate*
- Klarna Festgeld+: 2,59 % für ein Jahr*
- CA Consumer Finance: 2,60 % für drei Jahre*
Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital bieten derzeit 2,50 Prozent auf nicht investiertes Guthaben. Diese variablen Angebote hängen allerdings direkt am Leitzins – und könnten bei einer Senkung schnell angepasst werden.
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