Die Zinsen für Tagesgeld und Festgeld befinden sich im Sinkflug. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) erneut den Leitzins gesenkt hat, bekommen Verbraucherinnen und Verbraucher weniger Zinsen für ihr Ersparnisse. Auch mit Blick in die Zukunft erwarten Finanz-Experten weitere Zinssenkungen. Damit hat die EZB sich von der US-Notenbank Fed entkoppelt. Diese hat sich im März gegen eine weitere Zinssenkung ausgesprochen – damit liegt der Leitzins in den USA weiterhin zwischen 4,25 und 4,5 Prozent.
Können deutsche Sparer von dieser Entwicklung profitieren? Einige Fintechs bieten Anlegern an, ihr Geld in Fremdwährungen wie den US-Dollar zu parken und so möglicherweise von höheren Zinsen zu profitieren. Wir haben mit Wolfgang Mair, Leiter digitale Geschäftsmodelle bei der Liechtensteinischen Landesbank und Willbe-Chef gesprochen und ihn gefragt, wann sich Tages- und Festgeldanlagen in Fremdwährungen lohnen können und welche Risiken Sparer unbedingt kennen sollen.
Über Willbe:
Willbe ist die Geldanlage-App der Liechtensteinischen Landesbank. Es gibt sie seit 2022 in Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein. Das Produkt-Angebot umfasst Tages- und Festgeld in Euro, CHF und US-Dollar sowie eine aktive Vermögensverwaltung.
Tagesgeld in Fremdwährungen: Lohnt sich das für Sparer?
Wer als deutscher Anleger überlegt, sein Geld in Fremdwährungen zu stecken, sollte zuerst bedenken, dass es am risikoärmsten ist, sein Geld in Euro zu halten. „Eine Anlage in eine Fremdwährung ist im Grunde eine Investition in die Wirtschaft und Geldpolitik eines Landes“, erklärt Mair. Wo es aktuell die besten Tages- und Festgeldzinsen gibt, zeigt unser Spar-Ticker.

Das könne zum Beispiel dann sinnvoll sein, wenn man sich gegen die Inflation in der Heimatwährung absichern möchte. Besonders, wenn die Kaufkraft des Euro im internationalen Handel sinkt. „In solchen Fällen kann es eine gute Strategie sein, einen Teil seines Vermögens in stabileren Währungen wie dem Schweizer Franken anzulegen“, so Mair. Zwar seien dort die Zinsen geringer – aber eben auch die Inflation.
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Dabei betont Mair: „Anleger sollten das Gesamtbild betrachten.“ Viele Sparer lassen sich seiner Erfahrung nach von hohen nominalen Zinsen in Währungen wie dem US-Dollar oder dem britischen Pfund anziehen. „Doch man muss immer berücksichtigen, wie viel von diesem Zinsertrag durch die Inflation aufgezehrt wird. Grundsätzlich gilt: Wer sein Risiko streut, fährt meist besser“, so Mair.
Diese Risiken gibt es, wenn man sein Geld in Fremdwährungen steckt
„Ein zentrales Risiko bei Fremdwährungsanlagen ist die Wechselkursvolatilität. Die Kursbewegungen können größer sein als die Zinserträge – sowohl positiv als auch negativ“, erklärt Mair. Zudem sollten Sparer immer den Anlegerschutz im Blick behalten: „Währungen wie die türkische Lira oder den venezolanischen Bolivar, die mit hohen Zinsen locken, sind für Spekulation, aber nicht für Absicherung interessant. Wir bieten sie deshalb bewusst nicht an“, so der Experte und erklärt: „Der Grund liegt im fehlenden Anlegerschutz. Fremdwährungen sind rechtlich gesehen keine Wertpapiere und fallen nicht unter die europäischen Anlegerschutzbestimmungen. Man kann also bei exotischen Währungen hohe Risiken eingehen, ohne dass die bei Wertpapieren üblichen Aufklärungspflichten greifen.“
Ein weiteres Risiko sei die Inflation der jeweiligen Währung. Laut Mair beeinflusst sie den Wechselkurs. Außerdem hänge die Rendite stark von der Zinspolitik der jeweiligen Notenbank ab. „Wer zum Beispiel Tagesgeld in Schweizer Franken anlegt, ohne die Zinsen zu fixieren, könnte sich plötzlich mit niedrigeren Zinsen konfrontiert sehen, falls die Schweizer Nationalbank beschließt, diese zu senken“, so Mair.
Zwar können Sparer jederzeit wieder aussteigen, wenn das Geld nicht für eine feste Laufzeit gebunden ist, aber solche Faktoren sollte man immer im Hinterkopf behalten. Daher rät er: „Zumindest die Politik der jeweiligen Notenbank sollten sich Anleger vorher einmal angeschaut haben.“
Festgeld in Fremdwährungen: Darum gelten hier andere Risiken
Anders sehe es beim Festgeld aus. „Der Vorteil bei Festgeldanlagen ist, dass man sich unabhängig von der Zinspolitik machen kann, indem man sich einen festen Zinssatz für eine bestimmte Laufzeit sichert – das kann bei Willbe von einem Monat bis zu zehn Jahren gehen“, erklärt Mair In unserem Vergleich finden Sie die besten Zinsen für Festgeldanlagen.
Allerdings seien Anleger dann auch gebunden und können nicht ohne Weiteres aussteigen. Falls sich der Wechselkurs der gewählten Währung stark verändert, wirke sich das natürlich auf die Bewertung der eigenen Position in der Heimatwährung aus.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.
Einlagensicherung: Darauf sollten Sparer achten
„Die Einlagensicherung ist europäisch geregelt“, so Mair. Liechtenstein gehöre zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) und unterliege denselben Vorschriften. Das bedeutet, dass alle Einlagen bis zu einem Gegenwert von 100.000 Schweizer Franken bei Willbe abgesichert sind. Dabei betont der Finanz-Profi: „Wichtiger als die Einlagensicherung ist jedoch das tatsächliche Risiko der Bank.“
Sparer sollten sich vor allem fragen: Ist die Bank, der ich mein Geld anvertraue, kreditwürdig? „Natürlich greift im Notfall die Einlagensicherung, aber wenn tatsächlich etwas passiert, kann es sehr lange dauern, bis das Geld ausgezahlt wird und alle Abwicklungsprozesse abgeschlossen sind.“
Tages- und Festgeld: Diese Währungen könnten sich jetzt lohnen
„Ich gebe grundsätzlich keine Anlageempfehlungen zu bestimmten Währungen“, sagt Mair. Fügt aber hinzu: „Für Kunden, die Wertstabilität suchen, hat sich eine Investition in den Schweizer Franken über die letzten zehn bis 15 Jahre als sehr vorteilhaft erwiesen. Wer eher ertragsorientiert ist, schaut vielleicht eher auf Währungen mit höheren Zinsen.“
Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen habe er persönlich etwas weniger Vertrauen in den US-Dollar. „Das britische Pfund finde ich derzeit interessanter, vor allem mit der wieder entdeckten Orientierung in Richtung EU und einer verstärkten Verteidigungszusammenarbeit der europäischen Länder“, sagt der Profi.

Letztlich müsse aber jeder für sich entscheiden: „Während eine langfristige Risikostreuung sehr sinnvoll sein kann, gehört die kurzfristige Spekulation mit Währungen zu den komplexesten Disziplinen der Finanzwirtschaft. Man sollte also als Privatanleger nicht auf kurzfristige Kursbewegungen spekulieren“, so Mair. Wer eine Absicherung suche, sollte sich anschauen, welche Währungen sich gegenüber der eigenen Hauswährung stabil verhalten.
In Prozent: Wieviel Geld des Vermögens sollten Sparer in Fremdwährungen parken?
Doch wie viel ihres Vermögens sollten Anleger überhaupt in Fremdwährungen stecken? Generell seien genaue Prozentangaben schwierig. „Wenn ich meinen Lebensmittelpunkt oder mittelfristige Ziele in einem anderen Währungsraum habe, kann es durchaus sinnvoll sein, einen größeren Anteil meines Vermögens in dieser Währung zu halten“, sagt Mair. Wer jedoch als deutscher Kunde eher eurozentriert ist und lediglich eine Absicherung gegen Währungsschwankungen suche, sollte zurückhaltender sein.
„Wenn ich grundsätzlich nicht in Wertpapiere investieren möchte – denn ein Wertpapier, das in einer bestimmten Währung notiert ist, bietet implizit eine gewisse Währungsabsicherung –, sondern nur auf Tagesgeld, Festgeld oder Cash setze, dann würde ich persönlich angesichts der aktuellen Dynamik an den Währungsmärkten maximal 20 Prozent meines Vermögens in Fremdwährungen halten“, so Mair. Letztlich gäbe es hier aber keine allgemeingültige Empfehlung, da Anlageentscheidungen immer zur individuellen Situation und den Zielen des Anlegers passen müssen.
Drei Tipps: Das sollten Sparer bei Fremdwährungsanlagen beachten
Grundsätzlich gibt es drei wichtige Punkte, die Einsteigerinnen und Einsteiger immer beachten sollten, auch, wenn sie am Währungsmarkt partizipieren möchten:
- Die Kosten genau prüfen: Ist der Anbieter transparent und erklärt die Funktionsweise des Produkts? Weiß ich genau, welche Gebühren auf mich zukommen?
- Das eigene Risiko einschätzen: Sparer sollten genau verstehen, worin sie investieren, oder – wenn sie eine neue Anlageform erst einmal ausprobieren möchten – nur Beträge anlegen, deren Verlust sie finanziell nicht in Schwierigkeiten bringt.
- Geduld bewahren: Speziell bei Fremdwährungen seien Wertschwankungen völlig normal. „Panikreaktionen führen selten zu guten Ergebnissen. Wenn man bei kleineren Kursrückgängen sofort verkauft, realisiert man unnötige Verluste.“
Deshalb sollte eine Investition in Fremdwährungen – oder generell in risikobehaftete Anlagen – nur mit Geld erfolgen, das man kurzfristig nicht dringend benötigt. So könne man Kursschwankungen aussitzen und im besten Fall von späteren Kursgewinnen profitieren.
Selbst bei Tagesgeld in Fremdwährung gelte dieser Grundsatz. Wer zum Beispiel sein Tagesgeld in US-Dollar anlegt, macht sich von politischen Entwicklungen und wirtschaftlichen Entscheidungen in den USA abhängig.
„In letzter Zeit kam es dort immer wieder zu größeren Schwankungen. Wenn ich genau dann auf mein Geld zugreifen muss, weil beispielsweise meine Waschmaschine kaputtgegangen ist, könnte das gerade in einem ungünstigen Moment sein. Daher sollte das Geld, das für Notfälle gedacht ist, unbedingt in der eigenen Hauswährung bleiben – in diesem Fall also in Euro“, so Mair.



