Bescheidenheit – keine schlechte Eigenschaft für einen Papst. Sie schien Leo XIV. einmal mehr auszuzeichnen, als er am Sonntag bei einer feierlichen Messe auf dem Petersplatz in Anwesenheit von Hunderttausenden Gläubigen und Delegationen aus über 150 Ländern offiziell ins Amt eingeführt wurde. Mit tosendem Applaus und Jubel hatte die Menge Leo XIV. begrüßt, der sie aus seinem Papamobil heraus segnete.

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Wie schon kurz nach seiner Wahl, als sich der Papst der Welt erstmals auf dem Balkon des Petersdoms zeigte, standen ihm auch an diesem Tag die Tränen der Rührung in den Augen. Leo XIV. wirkte fokussiert, mitunter sogar angespannt. Als der philippinische Kardinal Luis Tagle ihm zum Zeichen der Petrus-Nachfolge den eigens für ihn geschaffenen Fischerring anlegte, kämpfte er sichtlich mit sich selbst. Schloss die Augen, griff sich an die Brust, während die Menge auf dem Platz lange applaudierte. Ihre Begeisterung ebbte nicht ab, als der 69-Jährige in seiner Predigt in italienischer Sprache einmal mehr seinem Vorgänger Franziskus gedachte und die Schwerpunkte seines Pontifikats erahnen ließ.
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Papst Leo XIV. betont Einheit der Kirche als oberstes Ziel
Er sei „ohne Verdienst“ zu Franziskus‘ Nachfolger auserwählt worden, betonte der erste US-Papst in der Geschichte der katholischen Kirche. „Ich komme mit Furcht und Zittern zu euch als ein Bruder, der ein Diener eures Glaubens und eurer Freude sein will, der mit euch auf dem Weg der Liebe Gottes geht, der uns alle in einer Familie vereint sehen will“, so der Papst.

Die Einheit der Kirche – eine seiner drängendsten Aufgaben: „Ich würde mir wünschen, dass dies unser erstes großes Verlangen ist: eine geeinte Kirche, als Zeichen der Einheit und der Gemeinschaft, die zum Ferment einer versöhnten Welt wird.“ Der Kerngedanke einer geeinten Kirche stammt aus Franziskus‘ Zeiten, allerdings hatte der die Zerrissenheit innerhalb der Kirche nur selten zum Thema gemacht und manchmal mit einer gewissen Unbekümmertheit zur freimütigen und auch kontroversen Debatte aufgerufen – weil er selbst ja als Papst letztlich der Garant der kirchlichen Einheit sei. Der „Sound“ des neuen Papstes klingt anders. Die Kirche muss geeint sein, um Einheit, Gemeinschaft und Geschwisterlichkeit in einer Welt zu fördern, die voll ist von Zwietracht, so sein Tenor.
Papst findet in erster Predigt klare Worte: „Dürfen uns nicht überlegen fühlen“
Der Linie seines argentinischen Vorgängers Franziskus folgend, will sich Leo XIV. besonders für den Weltfrieden und für Menschen am Rande der Gesellschaft einsetzen. „In unserer Zeit erleben wir noch immer zu viel Zwietracht, zu viele Wunden, die durch Hass, Gewalt, Vorurteile, Angst vor dem Anderen und durch ein Wirtschaftsmodell verursacht werden, das die Ressourcen der Erde ausbeutet und die Ärmsten an den Rand drängt“, erklärte das Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken. Er rief sie alle auf, sich „nicht zu verschließen, oder der Welt überlegen zu fühlen“.
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Beim Angelus-Gebet nach der Messe entrichtete der Papst einen eindringlichen Appell für den Frieden in Nahost und in der Ukraine. So gedachte er der Kinder, der Familien, der älteren Menschen in Gaza, die an Hunger sterben. Außerdem betonte er, dass die Ukraine auf einen „gerechten und dauerhaften Frieden“ warte. Am Ende seiner Predigt sagte er: „Gehen wir gemeinsam, als ein Volk, alle Brüder und Schwestern, auf Gott zu und lieben wir einander.“
Schlappe für JD Vance: Leo XIV. zieht Selenskyj vor
Es sind Worte, die sich nicht nur an die Gläubigen zu richten scheinen, sondern insbesondere auch an die Staats- und Regierungschefs aus über 150 Ländern, die – wie schon zu Franziskus‘ Beisetzung im April – nach Rom gereist waren. Die Delegationen saßen auf der rechten Seite vor den Toren des Petersdoms. Italien, Peru und die USA erhielten Ehrenplätze in der ersten Reihe. Leo XIV. hatte lange in Peru gelebt und erlangte die Staatsbürgerschaft des südamerikanischen Landes.

Die Delegation aus der Heimat des Papstes wurde von US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio angeführt. Präsidient Trump ließ sich von ihnen vertreten. Am Montag soll es Berichten aus dem Vatikan zufolge zu einem Treffen zwischen dem Papst und Vance kommen. Damit zieht Leo XIV. seinen Landsleuten ein anderes Staatsoberhaupt vor: Bereits am Sonntagnachmittag traf er sich mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der auf eine Audienz beim Papst gehofft und diesen bereits bei einem ersten Telefonat vergangene Woche in die Ukraine eingeladen hatte.
Aus Deutschland waren unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) anwesend. Italiens Delegation wurde von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Staatschef Sergio Mattarella geleitet. Merz und Meloni hatten sich bereits am Vortag der Amtseinführung zu Gesprächen in Rom getroffen. Als Vertreter der europäischen Königshäuser waren Felipe und Letizia von Spanien, Königin Maxima der Niederlande und der britische Prinz Edward anwesend. Frankreich entsandte Premierminister Francois Bayrou. Brasilien, das größte katholische Land der Welt, schickte Vizepräsident Geraldo Alckmin nach Rom.
Papst-Bruder sorgte für Überraschung bei Antrittsmesse
An der Messe, die weltweit von Fernsehsendern live übertragen wurde, waren 200 Kardinäle und 750 Bischöfe und Priester beteiligt. Am Morgen hatte der Papst kniend am Grab des Apostels Petrus gebetet. Im Rahmen des feierlichen Gottesdienstes erhielt der 69-Jährige dann den Fischerring in Erinnerung an den Apostel und ersten Papst Petrus und das Pallium, ein weißes Band aus der Wolle eines gesegneten Lamms – die Zeichen seiner Papstwürde. Der Stoffschal ist ein besonderes Zeichen seiner Amtsvollmacht und mit fünf schwarzen Kreuzen für die fünf Wundmale Jesu versehen.
Amtseinführung von Papst Leo XIV.: Die schönsten Bilder aus Rom
Für Aufsehen sorgte am Ende der Messe jedoch nicht etwa einer der hohen Gäste, sondern der Papst selbst: Als Louis Prevost, sein älterer Bruder aus Chicago, im eleganten Zweireiher auf Leo zuging und ihm die Hand entgegenstreckte, kannte der Jüngere kein Halten mehr. Er umarmte Louis herzlich und ließ sich dabei von ihm kräftig auf den Rücken klopfen. Ein Bruch mit dem Protokoll, der Prevosts Beliebtheitswerten keinen Abbruch tun dürfte.
Leo XIV. ist der 267. Papst in zwei Jahrtausenden Kirchengeschichte. Der katholischen Glaubenslehre zufolge ist er Nachfolger des Apostels Petrus und Stellvertreter von Jesus Christus auf Erden. Zudem ist er Bischof von Rom, Primas von Italien und Staatsoberhaupt des Vatikans. Große weltliche Macht hat er nicht. Er ist aber für viele Menschen eine moralische Autorität.
mit kna




















