Als menschennah, humorvoll und jovial kannten die Katholiken den an Ostermontag gestorbenen Papst Franziskus. Mit seiner Wärme, seiner Volksnähe und seinem Hang zu Bonmots konnte der Argentinier das Herz von Gläubigen in allen Weltteilen erobern. Doch der im Alter von 88 Jahren verstorbene Franziskus verbarg auch Schattenseiten, von denen er in seiner Autobiografie „Hoffe“ offen gesprochen hat. So zeigte Franziskus Emotionen und Charakterschwächen, wie eine gewisse Ungeduld und einen Hang zu Wutausbrüchen. „Auch ich erfreue mich einiger Neurosen“, gab der 88-Jährige in der Autobiografie zu. Besuche bei einer Psychiaterin während der Militärdiktatur verschwieg er nicht. Eine gewisse Melancholie habe ihn außerdem bereits seit seiner Kindheit begleitet. Damit brach Franziskus ein Tabu, das seit jeher um die Gesundheit der Päpste herrschte.

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Das Thema psychische Gesundheit hing Franziskus besonders am Herzen. „Sie müssen ein Buch über die Gesundheit der Päpste schreiben, in dem ich Ihnen von meinen Neurosen erzählen werde“, hatte Papst Franziskus dem Journalisten und Arzt Nelson Castro bei einem Treffen in Rom im Oktober 2017 gesagt.
Castro brauchte zweieinhalb Jahre, um in mühsamer Arbeit Bergoglios geäußerten Wunsch in die Tat umzusetzen. Das Buch mit dem Titel „The Health of the Popes. Medizin, Verschwörungen und Glaube. Die Gesundheit der Päpste. Medizin, Verschwörungen und Glaube. Von Leo XIII. bis Franziskus“ war ein weltweiter Erfolg, nicht nur in Argentinien – der Heimat des Journalisten und des Papstes. Dank dieses Textes sprach zum ersten Mal in der Geschichte ein Papst offen über seinen Gesundheitszustand, sowohl physisch als auch psychisch.
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Papst Franziskus führte intimes Gespräch mit einem Journalisten
Auszüge des Interviews des Papstes mit Castro wurden in Argentinien vom Fernsehsender Canal 13 am Tag nach Franziskus‘ Tod exklusiv ausgestrahlt. Bei den Audioaufzeichnungen handelt es sich um ein intimes Gespräch, das der Journalist Castro im Februar 2019 mit Franziskus führte. Darin gestand Jorge Bergoglio, so der bürgerliche Name von Franziskus, Angstzustände zu haben. Der Papst hatte dem Journalisten die Genehmigung gegeben, den Inhalt des Interviews nur für das Kapitel in seinem Buch zu nutzen. „An dem Tag, an dem ich sterbe, sind Sie frei, dann können Sie die Tonaufnahme veröffentlichen“, hatte Franziskus gegenüber Castro betont. Und so geschah es auch.
Auf die Frage, wie bewusst ihm seine Neurosen seien, antwortete Franziskus: „Neurosen müssen mit Mate gefüttert werden. Nicht nur das, man muss sie auch streicheln“, scherzte Franziskus. Denn Neurosen begleiteten einen Menschen sein Leben lang. „Ich erinnere mich, dass ich einmal ein Buch las, das mich sehr interessierte und mich laut lachen ließ“: „Be Glad You‘re Neurotic“ des US-amerikanischen Psychiaters Louis E. Bisch.

Nelson Castro ist bis zuletzt mit Papst Franziskus in Verbindung geblieben. „Als ich Papst Franziskus zum letzten Mal sah, wurde mir klar, dass das Ende seines Lebens nahe war, und ich dachte, dass Gott ihm die Gelegenheit geben wollte, sich zu verabschieden“, erzählte der Journalist.
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Papst Franziskus: Wahl zum Pontifex kam völlig überraschend
Angstzustände hatte der Papst nicht, als er 2013 überraschend zum Pontifex gewählt wurde. In dem Gespräch mit Castro erzählte Bergoglio, dass er vor Beginn des Konklaves sehr ruhig geschlafen habe, weil er überhaupt nicht damit gerechnet habe, Papst zu werden. Die Wahl zum 266. Pontifex kam für ihn vollkommen überraschend, denn er sei nicht als Favorit ins Konklave eingezogen. Nach der Wahl gratulierte ihm der Brasilianer Claudio Hummes während der Auszählung. „Er kam zu mir und sagte: Vergiss die Armen nicht.“ Daraufhin habe sich Bergoglio für den Namen Franziskus nach dem Heiligen Franz von Assisi entschieden.
Was die Rolle von Bergoglio angeht, hat Castro keine Zweifel: „Papst Franziskus hat einen außerordentlichen Einfluss auf die Weltbevölkerung, vor allem auf die jungen Menschen, gehabt. Ein Element, das in diesen Tagen deutlich wird, ist die Bewunderung, die junge Menschen für Papst Franziskus empfinden. Ich denke, das ist eine außergewöhnliche Tatsache und eine Herausforderung für die Kirche in der Zukunft, denn sie muss in der Lage sein, diesen Kontakt aufrechtzuerhalten“. Dies sei eines der wichtigsten Vermächtnisse des Pontifikats von Jorge Bergoglio.







