Gut zehn Monate nach seiner Wahl zum Papst zieht Leo XIV. in den Apostolischen Palast im Vatikan. Das Oberhaupt von weltweit etwa 1,4 Milliarden Katholiken habe am Samstagnachmittag seine Dienstwohnung dort in Besitz genommen und sei gemeinsam mit seinen engsten Mitarbeitern in die Räumlichkeiten eingezogen, teilte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni mit.

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Die päpstliche Dienstwohnung im Apostolischen Palast, der vom Petersplatz zu sehen ist, stand seit 2013 leer. Leos im vergangenen April gestorbener Vorgänger Papst Franziskus verzichtete nach seiner Wahl auf die Wohnung und nutzte das vatikanische Gästehaus Santa Marta als seinen offiziellen Wohnort.

Die neue Wohnung liegt oberhalb des traditionellen päpstlichen Appartements und ist von außen kaum sichtbar. Die kleinen Fenster befinden sich über der darunterliegenden Etage, von deren Fenster aus der Papst jeden Sonntag beim Angelus die Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom begrüßt. Doch ein Detail der neuen Bleibe enttäuscht: Ein direkter Blick auf den prunkvollen Platz ist aus der neuen Wohnung nicht möglich – aus Gründen der Zurückgezogenheit und der Sicherheit.

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Die Dachwohnung gilt als deutlich schlichter als das historische Appartement der Päpste. Es sei dem zurückhaltenden Lebensstil von Leo XIV. entsprechend, so ist aus seinem Umfeld zu hören. Und wie wohnt der Papst dann so?

Die Räume sind überwiegend weiß gestrichen, funktional eingerichtet und sparsam möbliert, heißt es. Neben Schlafzimmer, Küche und Bad verfügt die Wohnung über einen Fitnessbereich, wo sich der sportbegeisterte Papst fit halten kann, eine kleine Kapelle sowie einen Zugang zu einer Dachterrasse. Dort befindet sich seit dem Pontifikat Johannes Pauls II. (1978–2005) eine Nachbildung der Lourdesgrotte.

Das Schlafzimmer besitzt kein eigenes Bad, eine kleine Küche wurde neu eingerichtet. Noch ein Stockwerk tiefer liegt die päpstliche Privatbibliothek, in der das Oberhaupt der Katholiken neben Kirchenmännern und -frauen die vielen Staats- und Regierungschefs in Audienz empfängt.

Blick aus dem Apostolischen Palast: Papst Leo XIV. sprach am 18. Januar 2026 während des Angelusgebets im Vatikan zur Menge
Blick aus dem Apostolischen Palast: Papst Leo XIV. sprach am 18. Januar 2026 während des Angelusgebets im Vatikan zur Menge© AFP | TIZIANA FABI

Mängel in der neuen Papst-Wohnung wegen Feuchtigkeit

Monatelang wurde der Apostolische Palast saniert. Die Arbeiten verzögerten sich wegen baulicher Mängel, darunter Feuchtigkeitsschäden, sowie durch die Erneuerung von Elektro- und Wasserleitungen. Zudem wurden die Sicherheitsmaßnahmen, auch zum Schutz vor möglichen digitalen Angriffen, verstärkt. Mehrfach war ein baldiger Umzug angekündigt worden, doch Leo XIV. lebt vorläufig weiterhin in seiner bisherigen Wohnung im Gebäude der vatikanischen Glaubensbehörde auf italienischem Staatsgebiet. Dort hatte er bereits als Kardinal Robert Francis Prevost gewohnt. Nach Vatikan-Angaben könnte der Umzug Ende Februar erfolgen.

Mit seiner Entscheidung, in die Mansarde zu ziehen, folgt Leo XIV. nicht der jahrzehntelangen Tradition, sich im historischen päpstlichen Appartement niederzulassen. Zugleich unterscheidet er sich von seinem Vorgänger Franziskus, der während seines Pontifikats mit anderen Kardinälen im vatikanischen Gästehaus Santa Marta wohnte. Beobachter werten den Schritt als Kompromiss zwischen Kontinuität und persönlicher Bescheidenheit.

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Apostolischer Palast bietet mehr als 1000 Räume und berühmte Museen

Der Apostolische Palast, ein rund 55.000 Quadratmeter großer Gebäudekomplex hinter den Kolonnaden Berninis auf der Nordseite des Petersdoms, ist mit „Palast“ geradezu richtig beschrieben: Er bietet neben den päpstlichen Gemächern mehr als 1000 Räume. Dazu zählen Büros des Staatssekretariats, prunkvolle Säle für feierliche Empfänge sowie Teile der Vatikanischen Museen, darunter die Sixtinische Kapelle.

Nicht immer aber lebten die Päpste im Apostolischen Palast. Bis 1870 war der Quirinalspalast auf einem der sieben Hügel Roms ihre offizielle Residenz. Von Urban VIII. im Jahr 1605 bis Pius IX. im Jahr 1870 diente er als päpstlicher Wohnsitz. Heute ist der Palast die Residenz des italienischen Staatspräsidenten und für Touristen in der Regel nicht zugänglich, lediglich die Außengärten können zu bestimmten Anlässen besichtigt werden.

Pope Leo XIV leaves Castel Gandolfo after his summer holidays
Dienstags begibt sich der Papst nach Castel Gandolfo am Albaner See, rund 30 Kilometer südlich von Rom. Dort lebt er in der päpstlichen Villa Barberini.© picture alliance / Middle East Images | Maria Grazia Picciarella

Von Papst Silvester I. im frühen 4. Jahrhundert bis Benedikt XI. im Jahr 1304 residierten die Päpste im Lateranpalast an der Piazza di San Giovanni. Innerhalb des Komplexes können Besucher unter anderem die Scala Sancta, die Heilige Treppe mit ihren bedeutenden Wandmalereien, besichtigen.

Seine Dienstage verbringt der Papst in seiner zweiten Luxus-Residenz

Auch außerhalb Roms hatten Päpste ihre Residenzen: Der Palazzo dei Papi in Viterbo, rund 70 Kilometer nördlich der Hauptstadt, war von Alexander IV. (1257) bis Martin IV. (1281) päpstlicher Sitz. Zwar ist er nicht öffentlich zugänglich, seine mittelalterliche Architektur prägt jedoch bis heute das Stadtbild.

Über rund 400 Jahre hinweg hatten die meisten Päpste in Castel Gandolfo am Albaner See, rund 30 Kilometer südlich von Rom, alljährlich mehrere Wochen fernab des sommerlich heißen Roms verbracht. Auch Leo XIV. mag diesen Ort. Anfang September eröffnete der sport- und naturverbundene Papst in den päpstlichen Gärten das Öko-Zentrum „Laudato si“, das Franziskus 2023 ins Leben gerufen hatte. Seitdem gönnt er sich immer dienstags, wenn traditionell keine Audienzen stattfinden, einen Tag in der Ortschaft am See und nutzt die weitläufigen Gärten und Parkanlagen des 55 Hektar großen Anwesens zur Erholung.