Der Mann holte Maxi mit dem Mercedes ab. Fuhr mit ihm durch die Nacht. Mitten im Wald parkte er vor einer Villa, küsste Maxi auf den Mund. „Was hast du?“, fragte der Mann. „Ich habe das noch nie gemacht“, sagte Maxi. Der Mann strahlte.
Im Schlafzimmer gab er Maxi ein Glas Wasser. Schmeckt komisch, dachte Maxi. Der Mann drückte auf die Fernbedienung, machte einen Porno an. Widerlich, dachte Maxi. Dann fing der Mann an, ihn auszuziehen. Das T-Shirt, die Hose, die Boxershorts. „Leg dich aufs Bett, ich massiere dich“, sagte der Mann. Widerlich, dachte Maxi wieder. Er war damals 15 Jahre alt.
An dieser Stelle muss eine Warnung stehen: Sie werden in diesem Text verstörende Schilderungen lesen. Es geht um ein entsetzliches Verbrechen, das jeden Tag in Deutschland begangen wird. Die Opfer leiden häufig ein Leben lang, die Täter werden aber so gut wie nie gefasst. Es geht um Prostitution von Kindern und Jugendlichen.
Acht Monate lang hat diese Redaktion recherchiert. Wir haben mit Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeitern, Polizisten, Staatsanwälten und Anwältinnen gesprochen, Opfer getroffen und Schilderungen von Tätern gelesen. Wir haben Dutzende Gespräche geführt, Hunderte Seiten Akten gesichtet.



