- Mit Yuval Raphael vertritt eine überlebende des Hamas-Massakers Israel beim ESC 2025
- Trotzdem gibt es Kritik an ihr und ihrem Auftritt
- Wir stellen die Sängerin und „New Day Will Rise“ vor
Von Anfang an war klar: Dieser Auftritt würde anders sein. Als der israelische Rundfunk KAN Ende Februar die Genehmigung für den diesjährigen ESC-Song bekannt gab, war die Erleichterung spürbar. „New Day Will Rise“ darf in Basel auf die Bühne.

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Im vergangenen Jahr musste Israel seinen Beitrag noch umtexten, da der Bezug zum 7. Oktober, dem Tag des Hamas-Massakers, als zu politisch aufgeladen galt. Trotz Zeilenänderung gab es später in Malmö Konflikte, mehrere Länder hatten zum Ausschluss Israels aufgerufen, mehrere Kandidaten und viele Fans verhielten sich der Teilnehmerin Eden Golan gegenüber respektlos. Jetzt wird eine Überlebende jenes Tages das Land vertreten. Ihre Botschaft ist unmissverständlich: Das Leben wird weitergehen.
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ESC 2025: Yuval Raphael fährt für Israel zum ESC
Yuval Raphael ist 24 Jahre alt und wurde am 5. November 2000 in Ra’anana, einer Vorstadt von Tel Aviv, geboren. Noch vor einem Jahr kannte sie kaum jemand. Doch dann gewann sie die israelische Castingshow „HaKokhav HaBa“ („Der nächste Star“) – nicht mit Exzentrik oder Pathos, sondern mit einer Stimme, die unter die Haut geht: warm, voll, klar. Soul und R&B nennt sie ihre musikalische Heimat, jene Genres, die vom Innersten sprechen. So wie sie selbst.
Sie kennt Europa – mit sechs Jahren zog sie nach Genf und verbrachte dort drei unbeschwerte Jahre zwischen Skikursen und Schulfranzösisch. Heute reitet sie gern. Sie bewundert Netta, Israels bunte ESC-Siegerin von 2018, und die große Popbühne war für sie lange ein Ort der Freiheit. Doch dieser Glaube zerbrach an einem einzigen Tag.
Am 7. Oktober 2023 war Yuval einer von Tausenden jungen Menschen auf dem Nova-Musikfestival, als sich der Himmel über der Wüste in Rauch verwandelte. Bewaffnete Männer schossen auf die Menge. Über Stunden musste sich Yuval unter den Körpern Ermordeter verstecken. Sie überlebte das Hamas-Massaker. Viele ihrer Freunde nicht.
Heute sagen manche in Israel: ein Wunder. Doch Yuval selbst spricht nicht von einem Wunder. Sie spricht von Verantwortung. Ihr Überleben sei kein Glücksfall, sagt sie. Es sei eine Aufgabe. Und so tritt sie nun auf Europas größter Musikbühne nicht als Starlet, sondern als Zeugin auf.
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Yuvals ESC-Beitrag trägt den einfachen Titel „New Day Will Rise”. Produziert wurde der Song von Tomer Biran, getextet von Keren Peles, jener Songwriterin, die bereits im Vorjahr an Israels Beitrag „Hurricane“ mitwirkte und in Malmö in den Skandal um Joost Klein verwickelt war. Doch diesmal ist alles anders – oder soll zumindest anders werden.
Das Lied beginnt zurückhaltend, beinah fragil, mit dramatischen Streichern und Trommelschlägen, gefolgt von einem behutsamen Klaviermotiv. Im Refrain entfaltet sich die Melodie, getragen von Streicherflächen; später kommen Percussion-Klänge hinzu. Es sind moderne Elemente, aber sie sind nie laut, nie plakativ.
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Der Text selbst wurde in drei Sprachen verfasst: Englisch, Französisch und Hebräisch. In der Bridge zitiert Yuval eine Zeile aus dem Hohelied Salomos: „Viele Wasser können die Liebe nicht auslöschen, auch Ströme überfluten sie nicht.“ Ein biblischer Satz, gesungen in einer Welt, die oft lieber vergisst, als sich zu erinnern.
Auch das Musikvideo zum Song ist kein Spektakel. Es zeigt eine Gruppe junger Menschen, die einen Ausflug ins Grüne machen. Sie sitzen auf einer Wiese am Waldrand, halten sich an den Händen und pflücken Blumen. Das Bild wirkt harmlos und unversehrt – doch gerade darin liegt der Schmerz. Denn wer den Kontext kennt, erkennt den Kontrast.
Yuval trägt ein weißes Kleid. Um sie herum wachsen rote Anemonen. In Israel gelten sie als Symbol für das Blut der Gefallenen und für das Wiedererwachen des Lebens im Frühling, wenn sich die Negev-Wüste rot färbt. Die Botschaft ist klar: Das Leben ist stärker als der Tod. Die Liebe lässt sich nicht auslöschen – weder von Raketen noch von Terror.
Erneut schickt Israel einen Beitrag zum ESC, der unpolitisch wirkt und doch eine klare Botschaft hat. Ob es damit gelingen wird, die Kontroversen des vergangenen Jahres hinter sich zu lassen? Unwahrscheinlich. Schließlich wird von manchen Kräften auch 2025 der Ausschluss Israels vom ESC gefordert. Bei, mitunter gerechtfertigter, Kritik muss aber klar differenziert werden: Yuval Raphael ist ein Opfer, das sich zurückgekämpft hat, das für seine Stärke Respekt verdient. Für das Vorgehen ihres Heimatlandes ist die junge Sängerin nicht verantwortlich.
Yuval Raphael mit „New Day Will Rise“: Israels ESC-Beitrag im Video
So erfolgreich war Israel zuletzt beim Eurovision Song Contest
Israel nimmt seit über 50 Jahren am Eurovision Song Contest teil und hat den Wettbewerb bislang viermal gewonnen: 1978, 1979, 1998 und zuletzt 2018, als Netta mit ihrem feministischen, schrillen Protesthit „Toy” das Publikum elektrisierte. 2025 ist jedoch kein Jahr für schrille Töne. Es ist das Jahr der Dissonanzen – zwischen Schmerz und Aufbruch, Buhrufen und Beistand. Yuval Raphael singt für eine Nation in der Krise. Und vielleicht auch für ein Europa, das zuhören muss, ohne zu urteilen.
| Jahr | Act | Titel | Platz |
| 2021 | Eden Alene | Set Me Free | 17 |
| 2022 | Michael Ben David | I.M. | im Semi-Finale ausgeschieden |
| 2023 | Noa Kirel | Unicorn | 3 |
| 2024 | Eden Golan | Hurricane | 5 |
Denn manchmal, so scheint es, ist der ESC mehr als ein Wettbewerb. Manchmal ist er ein Ort, an dem Geschichte singt. Wer, wenn nicht eine Überlebende wie Yuval, könnte dies glaubhafter vortragen?
Eurovision Song Contest 2025: Das sind die ESC-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer
- Albanien: Shkodra Elektronike – „Zjerm“
- Armenien: Parg – „Survivor“
- Aserbaidschan: Mamagama – „Run With U“
- Australien: Go-Jo – „Milkshake Man“
- Belgien: Red Sebastian – „Strobe Lights“
- Dänemark: Sissal – „Hallucination“
- Deutschland: Abor & Tynna – „Baller“
- Estland: Tommy Cash – „Espresso Macchiato“
- Finnland: Erika Vikmann – „Ich komme“
- Frankreich: Louane – „Maman“
- Georgien: Mariam Shengelia – „Freedom“
- Griechenland: Klavdia – „Asteromata“
- Italien: Lucio Corsi – „Volevo essere un duro“
- Irland: Emmy – „Laika Party“
- Island: VÆB – „Róa“
- Israel: Yuval Raphael – „New Day Will Rise“
- Kroatien: Marko Bosnjak – „Poison Cake“
- Lettland: Tautumeitas – „Bur man laimi“
- Litauen: Katarsis – „Tavo Akys“
- Luxemburg: Laura Thron – „La poupée monte le son“
- Malta: Miriana Conte – „Kant“
- Montenegro: „Nina Žižić“ – „Dobrodošli“
- Niederlande: Claude – „C‘est La Vie“
- Norwegen: Kyla Alessandro – „Lighter“
- Österreich: JJ – „Wasted Love“
- Polen: Justyna Steczkowska – „Gaja“
- Portugal: NAPA – „Deslocado“
- San Marino: Gabry Ponte – „Tutta l’Italia“
- Schweden: KAJ – „Bara bada bastu“
- Schweiz: Zoë Më – Voyage“
- Serbien: Princ – „Mila“
- Slowenien: Klemen – „How Much Time Do We Have Left“
- Spanien: Melody – „Esa diva“
- Tschechien: Adonxs – „Kiss Kiss Goodbye“
- Ukraine: Ziferblat – „Bird Of Pray“
- Vereinigtes Königreich: Remember Monday – „What The Hell Just Happened?“
- Zypern: Theo Evan – „Shh“






